Fallstudie: Vampire in verschiedenen Canons – Teil 8 – die “Wächter”-Romane

Wer denkt, dass es sich als Anderer freier lebt – egal ob man ein Magier, ein Tiermensch, ein Vampir oder sonst ein Wesen ist – der irrt sich. Denn in den “Wächter”-Romanen von Sergey Lukianenko sieht die Welt der Anderen kaum anders aus als unsere eigene: Überall gibt es gesetzliche Richtlinien, Vorschriften und eine allgegenwärtige Kontrollinstanz, die alles überwacht.
Denn das Gleichgewicht zwischen Licht und Dunkelheit ist fragil und egal ob es die Hellen oder die Dunklen sind, die das Gleichgewicht gefährden – wird es zerstört, bricht ein blutiger Krieg aus.
Vor allem aber sollten die Menschen nicht zwingend merken, dass mitten unter ihnen allerlei Geschöpfe lauern – beispielsweise Vampire.

Fähigkeiten

Zu ihren Fähigkeiten gehört der “Ruf” – mit Hilfe dieser Fähigkeit können Vampire ihre Opfer telepathisch zu sich heranlocken, ohne sich selbst in unmittelbare Nähe zu den Menschen begeben zu müssen. Dadurch können sie unauffälliger agieren, was nicht zuletzt der Geheimhaltung förderlich ist. Allerdings ist der Ruf nicht “abhörsicher” – unter bestimmten Bedingungen können Andere den Ruf ebenfalls hören und ihm folgen, um das Opfer zu retten. Das geschieht insbesondere, wenn Jagd auf wildernde Vampire gemacht wird.
Wie alle Anderen können Vampire das Zwielicht betreten. In welche Schichten sie vordringen können, hängt von ihrer Macht ab.
Vampire können den Blick der Menschen ablenken, sind jedoch weiterhin im Spiegel sichtbar und können manchmal nur auf diese Weise entdeckt werden.
Um ihre Hierarchien untereinander auszukämpfen, können Vampire Willensduelle untereinander veranstalten. Der Gewinner erhält Macht über den Verlierer und kann ihn beispielsweise zur Selbstvernichtung zwingen.
Magisch besonders begabte Vampire können sich außerdem in Ratten, Wölfe, Fledermäuse und andere Tiere verwandeln.
Äußerlich unterscheiden sich die Vampire nicht von den Menschen – sie könnten höchstens ein bisschen blasser sein, weil sie ungern an die Sonne gehen. Die scharfen Zähne kommen dann hervor, wenn sie benötigt werden.

Verwandlung

Um einen Menschen in einen Vampir zu verwandeln, müssen beide Seiten einverstanden sein – sowohl der Mensch als auch der Vampir. Solche Verwandlungen sind in der Regel illegal und werden geahndet.
Ausnahmen bestehen beispielsweise, wenn eine solche Verwandlung die einzige Möglichkeit darstellt, ein Leben zu retten.

Vernichtung

Anton verwendet ein mächtiges geladenes Amulett, mit dem er einen der wildernden Vampire beschießt, um ihn zu vernichten. Außerdem kann man Vampire in diesem Canon mit einem Eimer Vodka übergießen, um sie zu vernichten.
Vampire vertragen keinen Alkohol, er kann sie schwer verletzen und im Zweifelsfall sogar vernichten.
Außerdem benötigen Vampire, je mächtiger sie werden, desto mehr Magie, die sich aus nichtmagischen Lebewesen gewinnen lässt. Wo es keine Lebewesen gibt, können sie auch nicht zaubern und können vernichtet werden.
Weder Knoblauch, noch Kreuze noch Silber können ihnen wirklich gefährlich werden – allerdings fügt eine Silberkugel dem Vampir sehr starke Schmerzen zu, ohne ihn zu töten.
Ansonsten sind Vampire – ebenso wie sämtliche initiierte Andere – unsterblich, können jedoch natürlich vernichtet werden.

Bedürfnisse

Auch diese Vampire müssen Blut trinken. In der Regel haben sie dabei mit Blutkonserven und Schweineblut auszukommen, gerade noch im Wachstum befindliche Vampire oder frisch Verwandelte benötigen jedoch auch zwingend Menschenblut. Hier wird es heikel – da laut dem Großen Vertrag der Anderen die Zahl der guten Taten immer mit der Zahl der bösen Taten identisch sein muss, können die Vampire nicht einfach dann morden, wenn ihnen danach ist. Sie müssen einen Antrag stellen und erhalten irgendwann die Lizenz, einen bestimmten per Losverfahren ausgewählten Menschen zu töten. Das Losverfahren umfasst alle Menschen – außer Kinder unter zwölf Jahren, Andere und deren Angehörige. Ein per Los zugewiesenes Opfer darf per Ruf zum Vampir gelockt zu werden und empfindet beim Biss selbst weder Schmerz noch Angst.
Einige Vampire verzichten freiwillig auf die Lizenzen zum Töten und erhalten dafür Zuwendungen.
Wird ein Vampir beim “Wildern” erwischt, also dabei, ohne Lizenz Menschen anzufallen und zu töten, ist die Nachtwache verpflichtet, ihn zu verhaften oder zu vernichten.
Mächtigere Vampire – auf dem Niveau eines Nullmagiers und somit ohne eigene magische Energie – benötigen außerdem Lebewesen um sich herum, um durch das Zwielicht Magie zu sich heranziehen zu können. Das benötigen sie, um zu zaubern.
Sie mögen die Dunkelheit, denn helles Licht ist für sie zwar nicht schädlich, aber sehr unangenehm.

Herkunft

Woher genau die Vampire kommen, wird in den Büchern nicht geklärt.
Man weiß nur, dass sowohl Dracula als auch Nosferatu sehr alte Kreaturen sind – jedoch weder die ältesten noch die mächtigsten Vampire darstellen.

Sonstiges

Im Canon der Wächter-Romane gehören Vampire automatisch immer zu den Dunklen – sie sind also nicht in der Lage, ihre Seite frei zu wählen. Dabei kann man durchaus Vampire beobachten, deren Ziele nicht auf ihren eigenen Vorteil, sondern auf den der Menschheit ausgerichtet sind. So versucht Konstantin im X Band, mit Hilfe eines uralten Zauberbuchs sämtliche Menschen in Andere zu verwandeln, um die Welt gerechter zu machen. Zuvor sucht er nach Mitteln, um Vampirismus zu “heilen” – er vermutet, dass auch er ein normaler Mensch sein könnte, wenn durch die Verwandlung sämtlicher Menschen in Andere es keine Magie mehr gäbe.
Vampire gelten als “nierede Dunkle”, außer sie sind auf einer so hohen Stufe, dass sie den Zauberern als ebenbürtig angesehen werden müssen. Es ist nicht leicht, ein höherer Vampir zu werden, Konstantin schafft es nicht zuletzt, weil er im Besitz des Fuaran ist. Normalerweise müsste man um auf eine so hohe Magiestufe heraufgehoben zu werden, zahlreiche Menschen töten – was aufgrund der bürokratische Hürden nicht auf legalem Wege zu schaffen wäre und somit normalerweise alten Vampiren vorbehalten bleibt. Außerdem wächst die Macht des Vampirs schneller, wenn es sich bei den Getöteten um Kinder und Jungfrauen handelt – Kinder sind jedoch, wie bereits erwähnt, bis zu einem gewissen Alter von der Lotterie ausgenommen. Eine andere Möglichkeit besteht darin, Spenderblut von zwölf verschiedenen Menschen zu vermischen und zu konzentrieren, ein Rezept, das im Buch als “Sauschkin-Cocktail” bekannt ist, da Konstantin Sauschkin es erfunden hat. So konnte er zu einem ranghohen Vampir aufsteigen, ohne auch nur einen Menschen töten zu müssen.
In der Regel jedoch werden sie gemieden und nur Wenige lassen sich dazu herab, mit ihnen befreundet zu sein. Andererseits werden Hohe Vampire aufgrund ihrer Macht durchaus respektiert und können sogar Inquisitoren werden – Teile einer Instanz, die Tag- und Nachtwache überwacht.
Auch bei Lukianenko können Vampire kein Haus ohne ausdrückliche Einladung betreten. Erhalten sie eine solche, bildet sich ein im Zwielicht sichtbarer “Vampirpfad”.
Als niedere Dunkle sind Vampire verpflichtet, sich bei der zuständigen Nachtwache zu registrieren – dabei erhalten sie einen Stempel auf der Brust. Wird dieser Stempel aktiviert, stirbt der Vampir augenblicklich.

Weltenbauerisches Fazit

Lukianenko hat mit seinem Wächter-Universum eine Welt geschaffen, die aus zahlreichen fantastischen Geschöpfen und neuen Möglichkeiten besteht. Es sit sehr erfrischend, die russische Fantasyausprägung zu lesen, die sich in vielerlei Hinsicht von dem unterscheidet, was man auf dem deutschen oder amerikanischen Markt gewohnt ist.
Was derzeit noch fehlt, sind die Hintergründe über die Entstehung der Vampire, aber auch anderer Zwielichtwesen – Gestaltenwandler, Tiermenschen, Hexen, Magier… Woher stammen die Ersten von ihnen? Wie fing alles an? Viele Fragen bleiben noch offen.

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Fallstudie: Werwölfe II – Werwölfe bei Anne Rice

Nachdem Anne Rice mit ihren Vampirchroniken Weltruhm erlangt hat, erschien 2012 mit “The Wolf Gift” (deutsch: “Das Geschenk der Wölfe”) der Reihenauftakt zu den “The Wolf Gift Chronicles”, dessen zweiter Band “The Wolfs of Midwinter” noch nicht auf deutsch erschienen ist. Wie schon bei ihren Vampirromanen, nahm Anne Rice sich hierbei nur die Klischees und althergebrachten Werwolfmythen, die sie gebrauchen konnte – und ließ die anderen unauffällig verschwinden.
Doch was macht ihre Werwölfe so besonders?

Aussehen und Veränderungen

Normalerweise sind die Werwölfe auf den ersten Blick nicht von Menschen zu unterscheiden – oft strahlen sie eine gewisse Aura der Selbstsicherheit und Zufriedenheit aus, aber nicht jeder selbstzufrieden dreinschauende Mensch ist ein Werwolf.
Allerdings erlangt ein Werwolf nicht nur eine zusätzliche Gestalt – auch der Mensch an sich verändert sich im Äußeren. Selbst bei erwachsenen Menschen werden Wachstumshormone ausgeschüttet, sodass Hände und Füße wachsen, der Mensch an sich größer und kräftiger wird. Auch die Haare sprießen fortan wesentlich stärker als vorher.
Die Wolfsgestalt erinnert nur sehr bedingt an einen Wolf – der Werwolf kann sowohl aufrecht als auch auf allen vieren rennen und sich sehr flink in Bäumen fortbewegen. Sein ganzer Körper ist von einem dichten Fell bedeckt, wobei empfindlichere Stellen wie Hände, Füße und Genitalien nur von einer Art weichem Flaum umhüllt sind. Die Finger verschmelzen zu einer großen klauenartigen Fläche und Krallen wachsen, aber es bleibt ein Daumen erhalten. Auch die Füße verändern sich entsprechend. Dem Werwolf wächst aber beispielsweise kein Tierschwanz und die schwarze, ledrige Nase erinnert nicht an die eines Hundes. Von den Menschen, die ihn sehen, wird er eher mit Bigfoot verglichen als mit einem Wolf.
Die wichtigste Veränderung betrifft jedoch weniger das Äußere als die Sinne des Werwolfs: Nicht nur haben Werwölfe stark verstärkte Sinne und eine bessere Wahrnehmung mit allen Sinnesorganen, sie können die Stimmen und Gedanken der Menschen auch in weiter Entfernung hören und gute Menschen anhand ihres Geruchs von bösen Menschen unterscheiden.
Werwölfe an sich sind jedoch geruchlos und können auch andere Werwölfe nicht mit dem Geruchssinn wahrnehmen.

Ungeschriebene Gesetze?

Junge und unerfahrene Werwölfe sollten idealerweise keine anderen Werwölfe erschaffen – es ist besser, wenn diese Aufgabe von erfahrenen und alten Werwölfen übernommen wird.
Außerdem geben sie sich die Namen von Werwölfen aus der Literatur, um sich untereinander zu erkennen.
Andere Sachen sind nicht geregelt – einige Werwölfe wollen anonym bleiben, öffentliches Heldentum wie das, was Reuben ausübt, gefällt ihnen nicht. Andere finden das jedoch gut. Sie nennen sich selbst Morphenkinder – auch in der englischen Originalausgabe – und die Werwolfsgabe bezeichnen sie als Chrisam. Morrok deutet an, dass Werwölfe sich bewusst ihre Nachfolger auswählen und es vermeiden, zufällige Menschen zu beißen.

Verwandlung und Kräfte

Die Verwandlung erfolgt nach einem Biss durch einen Werwolf. Dabei wird “Chrisam” weitergegeben, eine Substanz, die dafür sorgt, dass der Mensch zum Werwolf wird. Nicht alle Menschen vertragen eine Übertragung von Chrisam – Viele sind nicht robust genug, werden krank und sterben. Nur Wenige sind so robust dass sie die Verwandlung gut überstehen und anschließend selbst zu Werwölfen werden. Der Prozess an sich ist schleichend – Wachstumshormone werden ausgeschüttet, im Blut befindet sich mehr Kalzium, Haare und Nägel wachsen allmählich schneller und der Gebissene bekommt einen Wachstumsschub. In dieser Zeit ist das Gewebe ein Zwischending aus menschlichem und Werwolfsgewebe – später nimmt das Werwolfsgewebe überhand.
Der Prozess, bei dem der Mensch sich in die Werwolfsgestalt verwandelt, wird vom Menschen selbst als erregend und geradezu orgiastisch beschrieben. Muskeln wachsen, Sinne erweitern sich stufenweise, Haare sprießen und bedecken die Haut vollständig, Hände wandeln sich in Pfoten um. Zusammen mit den körperlichen Veränderungen tritt auch eine Verschiebung der Moral auf – der Werwolf ist nicht in der Lage, Mitleid im menschlichen Sinne zu empfinden. Stattdessen wird das Fressen von getöteten Tieren als sehr befriedigend empfunden.
Interessant ist hier auch die Rückverwandlung. Diese kündigt sich mit Muskelkrämpfen an und dabei bilden sich die wölfischen Aspekte zurück und die Haare fallen aus. Kurz nachdem sie ausgefallen sind, zerfallen sie zu Staub und von ihnen bleibt keine Spur zurück. Das Gleiche passiert übrigens mit jeder Art von Gewebe, selbst wenn es der menschlichen Gestalt abgenommen wird. Auf diese Weise hinterlässt ein Werwolf keine Spuren.
Im Laufe der Zeit lernt ein Werwolf, die Verwandlung willentlich herbeizuführen und sich auch aus eigenem Antrieb wieder zurückzuverwandeln.
Zusätzlich zu einer höheren Körperkraft und besseren Sinnen, auf die der Werwolf teilweise auch in menschlicher Gestalt Zugriff hat, kann der Werwolf in seiner wölfischen Gestalt die Stimmen von Hilflosen und deren Bedrängern hören und ihnen bis zum Tatort folgen. Das funktioniert selbst über weite Entfernungen, für die auch der schnelle Werwolf mehrere Stunden benötigt.

Vernichtung

Ein Werwolf verfügt über hohe regenerative Kräfte und kann nur getötet werden, indem man ihn enthauptet oder das Gehirn zerstört. Nach dem Tod lösen sich alle Bestandteile des Wolfes allmählich in seine Bestandteile auf.
Ansonsten altern Werwölfe jedoch nach ihrer Verwandlung nicht mehr, sie können keines natürlichen Todes sterben.

Weltenbauerisches Fazit

Anne Rice schafft es auch hier, eine alte Sagengestalt auf eine neue und unkonventionelle Weise umzusetzen. Das Konzept des Werwolfs, der nachts durch die Städte streift, Unschuldige rettet und Bösewichte tötet, erinnert in gewisser Weise an die Marvel-Superheldencomis, nur radikaler. Denn hier werden nicht nur Superschurken und Weltherrschaftsansichreiser besiegt und im Notfall getötet, sondern auch der Kleinkriminelle von Nebenan. Auch den meisten Werwölfen ist bewusst, dass mit ihrer Macht eine Menge Verantwortung einhergeht und die Diskrepanz zwischen “Mord ist etwas Böses” und “Diese Menschen sind schlecht, sie müssen sterben” wird im Roman immer wieder thematisiert.
Dabei wird der Werwolf keineswegs verniedlicht – er behält seine Wildheit und eine gewisse Tierhaftigkeit, was einen neuen Blick auf aktuelle moralische Fragen wirft.
Erneut ein meisterliches Beispiel für das Umwandeln alter Sagen in aktuelle Stoffe, ohne in die Niedlichkeitsecke abzuschweifen, die sich vor allem bei Jugendfantasy als Gefahrenzone erweisen kann.

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Weltengeflüster Juli/August 2014

Sommerpausenbedingt war es uns nicht möglich, Juli einen eigenen Weltengeflüsterpost zu widmen. Daher gibt es diesen Monat die vereinte Ladung Sommer, Sonne und Weltenbau – auch wenn in diesen Breiten der Herbst schon eingezogen ist.

Jonathan Stroud persönlich teilt in einem Gastbeitrag auf waterstones.com  seine Tipps für das Schreiben von Geistergeschichten. Es ist immer wieder erstaunlich, mit wie wenigen Grundzutaten es möglich ist, eine spannende und nicht abgeklatschte Geschichte zu schreiben.

Sailor-Moon-Fan zu sein ist so 90er? Keineswegs – nicht nur, weil VIVA die Rechte am Anime gekauft hat und ihn fast täglich ausstrahlt, sondern auch wegen der Neubearbeitung des Stoffes. Doch was muss man über Sailor Moon wissen, um mitreden  zu können? Hier ein kurzer Guide auf wired.com.

Fragt ihr euch auch, was eigentlich nach den denkwürdigen Ereignissen in “Harry Potter und die Heiligtümer des Todes” geschah? Genauer, was nach dem “17 Jahre später”-Kapitel passiert ist? Nun gibt es eine Kurzgeschichte von J.K.Rowling, die 30 Jahre nach den Ereignissen spielt, Artikel gefunden auf Tor.com.
Rowling beantwortet außerdem eine weitere Frage – wer ist die “bezaubernde singende Hexe” Celestine Warbeck, deren Musik zu Weihnachten bei den Weasleys zum Programm gehört? Auch dieses Geheimnis ist gelüftet.
Wenn man sich umsieht, stellt man fest, dass man in der Literatur nicht immer die selben Berufsgruppen bedienen darf – klar, in vielen Fantasygeschichten gehört der Magielehrer zum Inventar – aber darf es auch mal was Anderes sein? Wie beispielsweise ein mehr oder weniger sympathischer Bibliothekar?
Drachen müssen nicht immer wie riesige Echsen aussehen – einige wundervolle Inspirationen für die eigenen Drachen bietet die Bilderstrecke “Picturing Dragons“. Was sind eure liebsten Drachenbilder? Ich habe selbst mal einen Drachen samt Reiterin gezeichnet – das Bild ist aber immer noch nicht fertig (digital) koloriert und somit leider nicht herzeigbar.Und wo wir schon bei Drachen sind – er ist auch eins der tollsten Transportmittel der literarischen Welt. Womit würdet ihr am Liebsten reisen?
Man muss aber nicht nur Menschen transportieren – auch Güter und Informationen wollen schnell von A nach B. Wieso nicht mit einem Rohrsystem? Egal ob im historischen New York oder in einer Steampunk-Welt…

Natürlich ist auch unser englischer Dauergast Fantasy Faction wieder unter den Linktipps.
Fantasy-Autor Geoff Matthews schreibt darüber, wieso man auf keinen Fall beim Weltenbau die Umgebung vernachlässigen sollte – nicht nur, dass es der Atmosphäre dienlich ist: Bestimmte Umgebungen fordern vom Helden ihren Tribut…
Bäume als Figuren in einem Fantasyroman – habt ihr es schon versucht oder gehören für euch sprechende Bäume (außer es handelt sich um Ents) eher in Kindermärchen rein?
Und wo wir schon bei Bäumen sind – manchmal sieht man in der Fantasy den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr, dabei sind Wälder als Handlungsort oftmals kein Zufall.
Glaubt ihr, in “Herr der Ringe” wären sogenannte Ringe der Macht zum ersten Mal relevant? Es gibt ältere – aber auch neuere Versionen der Geschichte rund um Ringe, die alles vermögen.Frösche scheinen auf den ersten Blick in der Literatur recht rar zu sein – doch wenn man genauer hinschaut, stellt man fest, dass sie nicht nur gute Märchenprinzen abgeben.
Welches Thema ist eigentlich sehr wichtig und könnte mit einfachen Mitteln viel Atmosphäre erzeugen, wird jedoch sträflichst vernachlässigt? Das Essen - Fantasy Faction bietet einen interessanten historischen Überblick, ein älterer Artikel aus unserem Haus greift dagegen eher den Faktor “Verfügbarkeit” auf.
Die Gretchenfrage nach der Religion stellt sich auch beim Weltenbau – man muss sich bewusst machen, dass Religionen tief die moralischen Verhaltensweisen und Hintergründe von Romanfiguren beeinflussen können. Eine Religion, die nur so nebenher existiert, wirkt nicht authentisch.

Die Zeitzeugin ist zurück auf dem Weltengeflüster – mit der Meldung über eine Frau Thor, die demnächst das Marveluniversum bevölkern wird. Die Meldung ist durchaus kontrovers – kommt die neue Heldin an? Wird Marvel das Recht abgesprochen, selbst über die Neuentwicklung der Story zu entscheiden? ;-)

Sucht ihr nach ein paar verrückten Methoden, um einen Brief zu befördern? Bei xkcd werdet ihr fündig – und angesichts dessen, dass Briefe innerhalb einer Stadt in Deutschland manchmal fast eine Woche brauchen, halte ich die 11 Tage zu Fuß für gar nicht mal so langsam…

Habt ihr euch schon immer gefragt, wo die ganzen Katastrophenlegenden herkommen und wieso es überall auf der Welt Sagen von der Sintflut gibt? Ich schon – und fand in einem Artikel von Hiltibold eine ziemlich plausible Erklärung.
Das alte Rom wird immer wieder von Autoren als “antike Version” unserer Zeit verwendet – doch es war selbstredend exotischer, als man annehmen könnte. Macht man sich über Krankenversorgung Gedanken, stellt man fest, dass besonders einige Gerüchte über das Totarbeiten von Sklaven absoluter Quatsch sind.

Ich war aufgeregt genug, als ich im Weltengeflüster verkünden durfte, dass demnächst ein neuer Lestat-Roman erscheint. Nun gibt es noch mehr Vampirfutter – dieses Mal für die Kinogänger. Universal hat die Rechte an sämtlichen Büchern der Vampirchroniken aufgekauft und die Fans dürfen gespannt sein. Ob die neue Version von “Interview with the Vampire” an die aus den 90ern herankommt?

Auf bl.uk wird die Figur der Gouvernante hinterfragt – wieso kam sie früher so häufig in Romanen vor und wer war sie überhaupt? Nicht nur ein reizvolles Thema für alle Autoren historischer Romane unter den Bloglesern – auch andere Welten kann man mit gebildeten Frauen in einer schwierigen gesellschaftlichen Stellung versehen.

Zum ersten Mal im “Weltengeflüster” – Jery Schober mit ihrem Artikel über Sprache in Fantasyromanen. Ein Thema, das wir auch sehr häufig auf diesem Blog behandeln, sodass ihr Artikel eine wunderbare Ergänzung bildet.

Physiker tun schon mal verrücktes Zeug, wie man auch in “The Big Bang Theory” sehen kann – aber so verrückt waren sie noch nie. Oder kennt ihr eine Folge, in der Sheldon in der Mikrowelle Plasma hergestellt hat? Wenn ihr in euren Geschichten verrückte Wissenschaftler, Superschurken oder einfach verspielte Nerds habt, dann lasst sie doch dieses Experiment wiederholen!

Last but not least, lüftet Sofian das Geheimnis, um was es sich bei der vielzitierten “Brücke” im Raumschiff eigentlich handelt.

Habt ihr einen Artikel gelesen oder gar selbst geschrieben, der im Weltengeflüster September verlinkt werden sollte? Dann schreibt es als Kommentar unter diesen Artikel oder über das Kontaktformular. Außerdem suchen wir weiterhin Gastartikel!

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[Gastartikel] Er, sie, xier, nin: Genderneutrale Pronomen

Carmilla deWinter bloggt auf http://carmilladewinter.com/  über das Schreiben von Queer Fantasy, über das Schreiben allgemein und über Geschlechtervorurteile. Ihr Roman “Albenbrut: Ein bindender Eid” erschien am 15.04.2014 und kann u.a. hier bestellt werden. 

Nachdem der letzte Rückblick einen englischsprachigen Artikel zum Thema verlinkte, habe ich mich kurzerhand bereiterklärt, das Thema „Gender und geschlechtsneutrale Pronomen“ auf Deutsch für Autor*innen aufzubereiten, die davon noch nicht so viel gehört haben.

Zunächst kurz umrissen: Was ist Gender?

Das Natürlichste der Welt ist die Trennung der Menschheit in Männer und Frauen. Oder? Tatsächlich besitzt ein Großteil der Menschen einen der zwei häufigsten Geschlechtschromosomensätze: XX oder XY, und die passenden dazu äußeren Merkmale.

Gelegentlich werden Menschen mit anderen Chromosomensätzen geboren – das nennt sich dann Gonadendysgenesie – zum Beispiel mit XXY (häufigste Variante des Klinefelter-Syndroms), XXX, oder nur X.

Ist das biologische Geschlecht an den äußeren Merkmalen nicht eindeutig zu erkennen, spricht mensch von Intersexualität.

Gender ist hingegen das soziale Geschlecht. Ein Kind kommt zur Welt, wird begutachtet und dann – üblicherweise – zum Mädchen oder Jungen erklärt, und entsprechend dieser zugewiesenen Rolle erzogen. In den meisten Ländern der Nordhalbkugel und jenen, die davon beeinflusst wurden, gibt es nur zwei Kategorien, das Genderkonzept ist also binär.

Mädchen haben niedlich zu sein, Jungs tapfer. Für Mädchen, die sich gern prügeln, ist in einer binär denkenden Gesellschaft genauso wenig Platz wie für empfindsame Jungs.

Mädchen bekommen rosa Strampler, Jungs blaue. Obwohl keine Farbe an sich männlich oder weiblich ist, und diese Zuordnung vor nicht all zu langer Zeit völlig zufällig vorgenommen wurde, ist es heute in der westlichen Welt undenkbar, einem Jungen rosa Kleidung zu kaufen, und die Eltern werden sich zumeist vehement dagegen wehren. Als würde Rosa an sich einen Jungen zu einem Mädchen machen, oder ihn später schwul werden lassen.

Derlei Panik wegen einer Farbe zu verbreiten, beweist nur, wie fragil dieses Konstrukt „Gender“ ist.

Und Hand aus Herz, Jungs: Welcher von euch Hetero-Kerls kann einfach bloß lachen, wenn wer vermutet, dass ihr schwul seid? Schon mal überlegt, warum ihr so empört seid?

Eben.

Trans*-Personen

Die weitaus meisten Menschen sind cis-gender, sind also mit der bei der Geburt vorgenommen Einteilung zufrieden. Manche Menschen haben aber ein Gender, das nicht mit dem biologischen Geschlecht übereinstimmt. In binär denkenden Gesellschaften kommt das für die Umwelt der Betreffenden einer größeren Katastrophe gleich, da nun, für transidente/transgender Personen, entweder umsortiert werden muss, oder, Schock, die zwei Schubladen nicht ausreichen.

In letzterem Fall werden die Betreffenden sich selbst, sofern sie begreifen, was los ist, und die entsprechenden Wörter kennen, zumeist in die Kategorie trans* einordnen. Je nach spezifischer Ausprägung gibt es dafür eine Reihe von Begriffen: agender, neutrois, bigender, genderfluide, genderqueer …

Es kann sein, dass die Betreffenden Genderdysphorie erleben – ihren Körper also als so weit entfernt von ihrem Gender empfinden, dass sich das auf ihre Psyche niederschlägt. Genderdysphorie lässt sich mit Hormonen, beziehungsweise Hormonblockern sowie einer Reihe von Operationen behandeln. (Auch wenn die medizinische Fachwelt derzeit noch darauf besteht, die Trans*-Identität an sich als eine psychische Störung zu klassifizieren.)

Personen, die sich dabei nicht als eins von zwei Geschlechtern einordnen lassen, haben derzeit meines Wissens nach noch kein Recht auf medizinische Unterstützung.

Solche Menschen freuen sich aber, wenn sie nicht ungefragt mit „er“, oder „sie“ betitelt werden. Das heißt nun für einige Schreibende, dass sie, wenn sie sich unsicher sind, welche Pronomen die Leser*innen haben, eine neutrale Möglichkeit einschließen möchten, um auf Zuschreibungen zu verzichten.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch einige grundsätzliche Verhaltensregeln im Umgang mit allen Trans*-Menschen hinweisen: Den gewählten Namen verwenden, nicht nach „echten“ Namen fragen, und das gewünschte Pronomen verwenden, egal, ob Bartstoppeln oder Brustansätze erkennbar sind. Wenn das Pronomen unklar ist: Höflich nachfragen.

Allgemein gilt: Wenn es eine Frage gibt, die ihr nicht beantworten wollen würdet, diese Frage nicht stellen.

Gender in außereuropäischen Gesellschaften

Außerhalb unseres Kulturkreises gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, weder ein Mann noch eine Frau zu sein, und trotzdem anerkannt zu werden. Der deutsche Wikipedia-Artikel taugt nicht wirklich was, Englischkönner*innen sei diese sehr ausführliche Übersicht hier empfohlen.

Hijras in Indien sind nicht einfach Kastraten oder Männer in Frauenkleidern, sondern eine eigene Kategorie. Dito die Khawaja Sara in Pakistan und ein Teil der Kathoey/“Ladyboys“ in Thailand. Daneben anreißen möchte ich Two-Spirit Personen in den nordamerikanischen Indianerstämmen, und die Bakla auf den Philippinen. Hier sind ein paar interessante Blogeinträge diesbezüglich.

Einige Beispiele mehr lassen sich finden, und nur begreifen, wenn mensch das europäische Zwei-Schubladen-Denken hinter sich lässt.

Damit sollte die Notwendigkeit von genderneutralen Pronomen im echten Leben hinreichend bewiesen sein.

Wozu genderneutrale Pronomen in der Fiktion?

Genderqueere und/oder nicht-binäre Personen in der Fiktion sind noch relativ selten, und mir in der Fantasy bislang noch nicht begegnet. Meine bereits käufliche Version hat noch weibliche Pronomen, was in Teilen dem Weltenbau, aber auch meiner eigenen Feigheit geschuldet ist.

Kulturen mit einem dritten Gender wie beispielsweise den Hijras sind mir ebenfalls noch nicht aufgefallen, könnten aber durchaus schon beschrieben worden sein. Die Autorin nimmt Hinweise gerne entgegen.

Denkbar außerdem …

… Spezies, die nur zu bestimmten Zeiten ein Geschlecht haben, wie es Ursula K. LeGuin in „The Left Hand of Darkness“ beschreibt. (Deutsch „Winterplanet“ oder „Die linke Hand der Dunkelheit“)

… Spezies, die nicht notwendigerweise einen festen Körper haben – wie beispielsweise die Dschinn, die aus einer rauchlosen Flamme geboren wurden. „Jinn“ ist zwar ein maskulines Kollektiv im Arabischen, das heißt aber nicht, dass ein einzelnes Wesen davon es sich nicht aussuchen könnte, als Mann, Frau, Tier, oder sonst was zu erscheinen.

… Oder intelligente Spezies, deren Chromosomensätze denen von Pflanzen ähneln. (Hier fällt mir nur eine englischsprachige Fanfiction für spezielle Geschmäcker aus dem Transformers-Universum ein.)

… Kulturen, die nicht darauf angewiesen sind, dass ihre Frauen möglichst viele Kinder bekommen, und von deren Männer nicht erwartet wird, das Vaterland zu verteidigen – die es sich also leisten könnten, ein Kind mit einem neutralen Pronomen zu bezeichnen, bis das Kind sich ein Gender aussucht.

… Oder eine Kultur, die aufgrund ihrer Umweltbedingungen eine bestimmte Form von Kleidung trägt, die keine Rückschlüsse auf das Geschlecht zulässt, und die daher von Menschen, deren Geschlecht unklar ist, in einem dritten, neutralen Pronomen spricht.

… Oder, wie ich es in meinem aktuellen Romanprojekt habe, eine matriarchale Kultur, die ihren Männern mehr Intelligenz und Freiräume zugesteht als den Frauen im mittelalterlichen Europa, und die daher, wenn über mehrere Personen verschiedenen Genders gesprochen wird, einen genderneutralen Plural verwendet.

Und welche neutralen Pronomen gibt es nun auf Deutsch?

Grundsätzlich ist es Fiktion, und demnach gäbe es freie Auswahl, sofern eine*r kreativ sein will. Andererseits haben sich klügere Menschen als ich sich schon Gedanken gemacht, und zwar zu Zeitpunkten, als ich mich mit dem ganzen Kram, den ich oben ausgeführt habe, noch nicht beschäftigt hatte. Die Ergebnisse werde ich kurz vorstellen.

Anna Heger hat seit 2009 diverse Vorschläge gesammelt:

Erste Version: Personalpronomen sif (sis/sim/sin), Possessiv sir, sires etc., Artikel/Relativpronomen dif (dis/dim/din)

Zweite Version: Eine Zusammenziehung von „sie“ und „er“: sier (sies/siem/sien), Possessivpronomen sieni(r/s), und Artikel/Relativpronomen dier (dies/diem/dien)

Dies ist die Version, die ich gegenwärtig für meine Jinn und die kurz angerissene Kultur verwende, weil sie sich am leichtesten erschließt. Eine Ableitung davon, die Variante mit Stern (si*er) ist bei mir im Blog zu finden, andere haben sie ohne Stern. Jede*r wie si*er mag …

Dritte Version: Xier! Als Personalpronomen wären das dann: xier (xies, xiem, xien), Possessivpronomen „xiese_“, als Relativpronomen bleibt „dier“ bestehen.

Die Sylvain-Konvention, ausgehend von einer Experimentierwerkstatt kam 2008 auf „nin“.

Personal wären das dann nin (nims_, nim, nin). Bonus bei der Sylvain-Konvention: Das „neutrale“ Gender bekommt als Bezeichnung „liminal“, um es vom Neutrum abzugrenzen, und es gibt eine neue liminale Wortendung für bestehende Worte. „Din Zauberir nahm nimsen Buch.“

Für einen spekulativen Text hat Christian Pfleger am Ende dieses Artikels eine Tabelle eines geschlechtsneutralen Sprachentwurfs gemacht. Prornomen sind hier sei (seis/seim/sei). Aufgrund des Verwechslungspotentials nicht so ideal, meiner Ansicht nach.

Die Auswahl ist also da, jetzt braucht es nur noch Texte dazu …

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Weltenbauartikel: Warum ist ein Material eigentlich wertvoll?

Egal ob wir die tatsächliche Geschichte der Menschheit betrachten oder in Fantasywelten eintauchen – es gibt immer wieder Materialien, die als wertvoll eingestuft werden. Doch wieso ist es eigentlich (fast) immer Gold und was macht Diamanten abgesehen von ihrer Schönheit so wertvoll?
Ein kleiner Ausflug ins Wissenschaftliche, Chemische und Physikalische beim Weltenbau.

Wertvoll, weil selten

Der häufigste Grund, aus dem ein Material spontan als wertvoll und teuer eingestuft wird, ist seine Seltenheit. Es gibt nicht sehr viel davon und gemäß den Regeln von Angebot und Nachfrage steigt der Preis von seltenen Dingen fast von selbst.
Besonders zu Beginn der Menschheitsentwicklung konnten manche Materialien wie z.B. Gold nur in guter Qualität gewonnen werden, wenn man sie zufällig vom Boden aufsammeln oder im Tagebau abbauen konnte. Falls man in der Lage war, kompliziertere Techniken und Minenbau anzuwenden, verteuerte sich durch die Investition in Material, Bau und Arbeitskräfte das ohnehin knappe Material zusätzlich.
Dieses System wird in vielen Computerspielen genutzt – bei “Eve Online” ist das grüne Zydrine besonders wertvoll, weil es sehr selten ist und die Rote Materie in “Star Trek” wird aus dem sehr seltenen Mineral Dekalithium gewonnen – entsprechend teuer fällt alles aus, was damit zusammenhängt.
Aber auch auf der Erde gibt es sehr seltene Materialien – Rubine kommen in der Natur praktisch nicht mehr vor, Platin wird nur noch selten in seiner metallischen Form abgebaut und muss aus anderen Mineralien gewonnen werden. Berryllium ist so selten und so teuer, dafür aber so schwer zu nutzen, dass es kaum gewinnbringend genutzt werden kann. Darum findet es fast nur im wissenschaftlichen oder waffentechnischen Kontext Verwendung.
Auch Neon ist auf der Erde sehr selten und eine kommerzielle Ausbeutung teuer, da es schwer ist, es in nennenswerten Mengen zu gewinnen. Es wird überwiegend für Leuchtstoffröhren und Laser verwendet.
Selten zu sein reicht allerdings nicht aus – Obsidian, ein wichtiges Material während der Jungsteinzeit, verlor spätestens in der Bronzezeit an Bedeutung und wird heute nur noch als Schmuckstein und in der Schönheitschirurgie verwendet. Wirtschaftlich ist das Material inzwischen unbedeudent.
Selten kann auch bedeuten, dass es nicht oder kaum rein vorliegt und somit erst technisch gewonnen werden muss, um verwendet zu werden. Das gilt für das sehr nützliche und an sich relativ häufige, aber wegen der aufwendigen Gewinnung teure Titan. In einer Fantasywelt wird es daher vermutlich keine Rolle spielen – könnte aber in einer Science-Fiction-Welt durchaus das wertvollste Material darstellen.
Ähnlich gibt es sehr viele Elemente wie Gallium, Krypton, Yttrium etc., die aufgrund ihrer Seltenheit, schweren Ausbeutung und ihres entsprechend hohen Preises wirtschaftlich fast irrelevant sind. Sie werden meist nur in hochspezifischen Nischen verwendet, oftmals in der Wissenschaft, der Kern- oder der Waffentechnik.

Wertvoll, weil hübsch

Einige Dinge sind wertvoll, weil sie hübsch sind. Noch ehe bei vielen Völkern die Erkenntnis aufkam, dass Gold selten ist, stellten sie fest, dass Gold hübsch glänzt. Auch Edelsteine, Perlen und andere Materialien werden oft in erster Linie geschätzt und geliebt, weil man sie gut zu Schmuck verarbeiten kann – auch wenn sie abgesehen davon teilweise völlig nutzlos und nicht mal zwingend selten sind.
Nur etwas mehr als ein Zehntel des auf der Erde gewonnenen Goldes wird industriell oder als Geldanlage verwendet – der Rest als Schmuck, obwohl Gold sehr viele faszinierende chemische und physikalische Eigenschaften hat, die es zusätzlich nützlich machen würden. Der Hauptwert liegt jedoch darin, dass es hübsch ist und zudem leicht bearbeitet werden kann – reines Gold ist sehr weich.
Diamanten gelten erst seit dem sechzehnten Jahrhundert nach diesem Gesichtspunkt als wertvoll – nämlich seit sie geschliffen werden. Seitdem gelten besonders große und dabei schöne Diamanten als besonders wertvoll.

Wertvoll, weil nützlich

Platin ist weitaus wertvoller als Gold, dabei aber vergleichsweise häufig. Seinen hohen Wert erhält es unter anderem, weil es sehr vielfältig einsetzbar ist – sei es als Zahlungsmittel in Form von Platinmünzen und als Geldanlage oder Schmuck, bei der Herstellung von Glas oder in der Wissenschaft.
Gold selbst ist allerdings auch nicht ohne – es ist ein wertvoller Rohstoff in der Elektronikindustrie, was für Steampunkwelten mit beginnender Stromgewinnung reizvoll sein könnte.
Diamanten waren schon im alten Rom bekannt – und dienten überwiegend als Werkzeugsmaterial. Die Verwendung als Schmuck und somit die Zuordnung zur Kategorie “wertvoll, weil hübsch” kam erst in den letzten 200 Jahren auf. Da Diamanten inzwischen künstlich hergestellt werden können, fallen sie auf der Erde nicht mehr in die Kategorie “wertvoll, weil selten” rein – dies kann in einer selbsterfundenen Welt jedoch anders aussehen.

Und wenn all das zusammenspielt…

… dann steigen die Preise ins Astronomische. Gerade Gold ist dafür ein sehr gutes Beispiel – es sieht nicht nur hübsch aus und ist vergleichsweise selten, es hat auch noch viele nützliche und faszinierende Eigenschaften, die es zu einem faszinierenden und begehrten Metall machen. Sei es, dass man es mit Hilfe von Legierungen fast beliebig einfärben kann, sei es, dass man es unter Zugabe anderer Metalle zu einem Material mit den verschiedensten Eigenschaften machen kann – Gold ist ein Allround-Talent.
Ähnliches gilt für Platin, dessen Verwendungszwecke nahezu genauso vielfältig sind.

Was sagt uns das?

Es muss nicht immer Gold sein – je nach erfundener Welt und je nach Anzahl und Zusammensetzung der Metalle in dieser Welt kann durchaus auch ein anderes Material seinen Platz einnehmen. Man könnte sich durchaus eine Raumfahrernation vorstellen, deren Währungssystem auf Titan aufbaut – oder auf einem extrem seltenen selbsterfundenen Metall.
Was auch immer sich jedoch letztendlich als wertvoll durchsetzt, muss nicht nur selten, sondern vor allem nützlich sein. Und idealerweise auch noch hübsch aussehen.

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Die Weltenschmiede wird drei!

Dieses Mal haben wir unseren eigenen Bloggeburtstag nicht schon wieder verpasst – dass wir zwei geworden sind, ist mir letztes Jahr erst in den Kommentaren zum neuen Artikelverzeichnis bewusst geworden und ich bin mal wieder überrascht, wie alt wir schon sind und wie viele Artikel wir hier schon eingestellt haben.

Da es keinen Artikel zu Jahr zwei gibt, vergleiche ich jetzt einfach mit Jahr eins:

Inzwischen zählen wir 225 Artikel (im Vergleich zu 55), 10 Kategorien (statt 6) und 727 Schlagwörter (vs. 214). Besonders beliebt? Das Schlagwort “Antike” – hier findet ihr besonders häufig tolle Artikel von fruehstuecksflocke, der sich bestens mit der Materie auskennt. Erstaunlich ist auch, wie sich die Kommentarzahl innerhalb von zwei Jahren geändert hat – waren es vor zwei Jahren noch 95, so sind es mittlerweile großartige 966 Kommentare! Danke dafür :).

3.582 Spamkommentare im Vergleich zu 89 sind auch ein sehr netter Indikator – verirrten sich anfangs nur gelegentlich Schuh- und Handtaschenverkäufer auf diesen Blog, scheinen wir mittlerweile so bekannt und beliebt zu sein, dass sie in Scharen hier einfallen ;-).

Mit diesem Beitrag melde ich außerdem offiziell: Wir sind wieder da, die Sommerpause ist vorbei und wir starten mit frischem Artikelmaterial.

Demnächst: Weltengeflüster Juli/August 2014.

Und danach? Lasst euch überraschen und viel Spaß beim Lesen!

Vorfreudige Postinggrüße,
fruehstuecksflocke & Evanesca

 

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Sommerpause!

Ihr habt sicher schon bemerkt, dass es bei uns in letzter Zeit ein wenig still geworden ist – daran hat nicht nur die Sommerhitze und ihre Verlockungen schuld, auch die Universität hat noch mal alle Kräfte mobilisiert, uns zu binden.

Deshalb verkünden wir nun feierlich, dass die Weltenschmiede in die Sommerpause geht – und zwar bis zum 1. September.

In dieser Zeit wird es nur vereinzelt Artikel je nach Anlass von uns geben, wir werden aber die üblichen Veröffentlichungstermine am Sonntag und Mittwoch nicht einhalten.

Wir wünschen euch einen erholsamen Sommer und sehen uns dann in alter Frische im Herbst wieder. Genießt die Ruhe ;)

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Weltengeflüster Juni 2014

Diesen Monat war die Ausbeute vergleichsweise spartanisch – sei es, weil sich alle im Juni auf den Camp NaNoWriMo vorbereitet haben und nicht zum Bloggen kamen, sei es, weil das schöne Sommerwetter in den Garten und an den Pool lockt. Und wie wir alle wissen, verkraftet weder Schreibpapier noch ein Laptop Poolwasser außerordentlich gut…

Hoffentlich beschert der Juli uns eine etwas reichere Ernte.

Unser Kollege Sofian gibt allgemeine Einblicke, was genau letztendlich eine Währung ausmacht. Ergänzend zu seinem Artikel empfehle ich unseren Weltenbauartikel zum gleichen Thema. Beide Artikel behandeln jeweils unterschiedliche Aspekte des gleichen Themas.

Im Namen von Team Schreibnacht bloggt diesen Monat Anna Moffey darüber, wie man Fakten über die selbstgebaute Welt am Geschicktesten in eine Geschichte einfließen lässt – am Beispiel der klassischen Heldenreise.
Ein weiterer spannender Artikel stammt von Cleo Johnson - sie setzt die Serie rund um politische Systeme mit einem Blick auf ihre Auswirkungen fort.

Alex Dally Macfarlane bloggt für Tor.com darüber, wie sich unter anderem in der Science-Fiction-Literatur mehr als zwei Geschlechter mit Hilfe von Pronomen oder anderen Mitteln sprachlich darstellen lassen. Das im Artikel angesprochene Problem würde auch im Deutschen auftreten – wenn man irgendein selbsterfundenes Pronomen verwendet, wirkt das ungewohnt und kann den Lesefluss zerreißen. Wie also damit umgehen? Hat jemand von euch Beispiele aus dem Deutschen oder selbst damit gearbeitet?

Fantasy Faction bietet diesen Monat nicht zuletzt einen ganz praktischen Artikel für alle von uns, die eine Autorenvita schreiben müssen – wie gestaltet man sie so, dass sie weder langweilig noch völlig von der Rolle wirkt?
Ein anderer Beitrag befasst sich eher mit der Möglichkeit, Symbolgehalt in eine Fantasygeschichte zu bringen – beispielsweise durch den bewussten Einsatz von Bäumen.
Außerdem gibt der Blog Anregungen, wie man exotischere Namen ganz gewöhnlicher Heilpflanzen nutzen kann, um der Fantasywelt und den Kräuterkundlern dort einen schöneren Flair zu verleihen.
Wenn wir Welten bauen, werden wir zu Göttern - sollten aber nicht aus den Augen verlieren, wie sich Kult und Religion unterscheiden.
Bei der Biologie von selbsterfundenen Tieren ist mehr zu beachten, als man denkt – dabei sind Raubtiere ein Thema für sich.

Ein Phänomen in Thailand zeigt, dass auch fantastische Literatur durchaus Auswirkungen auf das Hier und Jetzt in der realen Welt hat. Wie unter anderem Wired berichtete, verwenden viele Thailänder den Gruß aus “Die Tribute von Panem” als Zeichen der Rebellion gegen das neue Militärregime.

Wie bereits auf unseren Social-Media-Kanälen erwähnt, habe ich im Juni außerdem zum ersten Mal fremdgebloggt – und zwar zum Thema, wie man einen Sachblog aufbaut. Da ich dabei unter anderem auf Weltenschmiede-Erfahrungen zurückgegriffen habe, will ich euch diesen Post nicht vorenthalten.

Erinnert ihr euch noch an den zweiteiligen Weltenbauartikel über die wissenschaftlichen Grenzen der Welt und was dort über Planetengrößen geschrieben wurde? Die Realität stellt alle wissenschaftlichen Berechnungen immer wieder vor erstaunliche Tatsachen – wie beispielsweise die, dass Gesteinsplaneten möglich sind, die 17 mal so groß sind wie die Erde. Praktische Konsequenzen für den Weltenbau? Unermesslich viele Möglichkeiten, riesige Planeten mit reichlich flachen Lebensformen zu bevölkern und viel mehr…

Kennt ihr “Säulen der Erde”? Ich hatte beim Lesen immer wieder das dumpfe Gefühl, die Geschichte von Aliena der post-aristokratischen Kauffrau wäre dann doch zu sehr an den Haaren herbeigezogen. Ein Blogpost von Hiltibold legt allerdings nahe, dass die Geschichte so tatsächlich hätte ablaufen können.

Noch eine linguistische Geschichte – bestimmte Begriffe gelten als fast obligatorisch, wenn man Science Fiction schreibt und einige davon sind sogar in unseren alltäglichen Sprachgebrauch eingegangen. Doch wann wurden sie zum ersten Mal verwendet und in welchem Zusammenhang?

Vampirfans aufgepasst – es gibt einen Grund, aus dem Vampirfledermäuse nur Blut trinken: Sie können nichts Anderes mehr schmecken. Zeit, um sich bei euren selbsterfundenen Vampiren zu fragen, ob auch bei ihnen der Geschmackssinn verloren gegangen ist oder ob es andere Gründe gibt, aus denen sie normales Essen nicht verdauen können (oder ob es im Gegenteil Gründe dafür gibt, dass sie sich abwechselnd von Blut und Pommes ernähren könnten).

Habt ihr einen Artikel gelesen oder gar selbst geschrieben, der im Weltengeflüster Juli verlinkt werden sollte? Dann schreibt es als Kommentar unter diesen Artikel oder über das Kontaktformular. Außerdem suchen wir weiterhin Gastartikel!

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Fallstudie: Meerwesen III – Sirenen bei Homer

Wir wären ja nicht wir, wenn wir eine eben begonnene Serie wie die über Brot und Spiele sofort fortsetzen würden. Deshalb schweifen wir lieber ab und widmen uns erneut unseren Meerwesen. Die Stars des heutigen Artikels: Die Sirenen.

Sie sind wohl zugleich die berühmtesten, als auch gefährlichsten Wesen der Meere, die uns heutzutage bekannt sind. Tausenfach kopiert, tausendfach in Film, Spiel und Buch verwurstet. So wird es Zeit, uns ihre Schilderung bei Homer genauer anzusehen.

Aussehen

Wenn wir an Sirenen denken, haben wir alle sofort das klassische Bild vor Augen: Schöne Frauen, die auf Felsen sitzen, auf Harfen oder anderen Saiteninstrumenten klimpern, den vorbeisegelnden Seefahrern schöne Augen machen und sie mit ihrem Gesang aus den Booten zu ihnen locken.

Leider nur beschreibt uns Homer in der Odyssee die Sirenen gar nicht – und dementsprechend unklar ist unser Bild von den Sirenen. Während Homer sie nämlich gar nicht beschreibt, sind die Griechen nach ihm erstaunlich erfindungsreich und das Sirenenbild erweist sich als sehr wandelbar.

“Sirena de Canosa” im National Archaeological Museum of Spain – Foto von Luis García [CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

In älteren Darstellungen erscheinen Sirenen als Vögel mit Menschenköpfen. Nicht immer handelt es sich bei ihnen um Frauen, teils auch um Männer mit Bärten. Eine gewisse Verwandschaft mit den Harpyien ist dabei nicht auszuschließen. Später vermenschlichten sich auch die Öberkörper der Sirenen – die nackte Brust kam auf, wie wir sie aus den Darstellungen heutzutage kennen und die uns an Meerjungfrauen erinnert. Die Sirenen blieben aber geflügelt, die Verbindung mit Fischen ist eine Erfindung des Mittelalters, die sich u.a. bei Boccaccio findet.

Wieso genau die werten Damen geflügelt sind, ist aber unklar – hier gibt es verschiedene Varianten. Erneut schweigt Homer sich darüber aus. Ovid berichtet, dass sie ursprünglich Gefährtinnen der Persephone waren. Als Hades diese entführte, ersuchten sie die Götter um Flügel, um Persephone überall suchen zu können.

Nach Hygin hingegen ließen die Sirenen zu, dass Persephone entführt wurden, und wurden dann zur Strafe von Demeter in geflügelte Wesen verwandelt.

Kräfte

Zumindest was die Sirenen können – außer fliegen – verrät uns Homer. Als Odysseus von Kirke aufbricht und seine Irrfahrt nach Hause fortsetzt, warnt sie ihn vor den Sirenen (hier in der Übersetzung von Johann Heinrich Voß, 1781):

Erstlich erreichet dein Schiff die Sirenen; diese bezaubern
Alle sterblichen Menschen, wer ihre Wohnung berühret.
Welcher mit törichtem Herzen hinanfährt, und der Sirenen
Stimme lauscht, dem wird zu Hause nimmer die Gattin
Und unmündige Kinder mit freudigem Gruße begegnen;
Denn es bezaubert ihn der helle Gesang der Sirenen,
Die auf der Wiese sitzen, von aufgehäuftem Gebeine
Modernder Menschen umringt und ausgetrockneten Häuten.
Aber du steure vorbei, und verkleibe die Ohren der Freunde
Mit dem geschmolzenen Wachse der Honigscheiben, daß niemand
Von den andern sie höre. Doch willst du selber sie hören;
Siehe dann binde man dich an Händen und Füßen im Schiffe,
Aufrecht stehend am Maste, mit festumschlungenen Seilen:
Daß du den holden Gesang der zwo Sirenen vernehmest.
Flehst du die Freunde nun an, und befiehlst die Seile zu lösen;
Eilend feßle man dich mit mehreren Banden noch stärker!

Zwar stimmt unser heutiges Bild von der Gestalt nicht, doch wenigstens die Sache mit dem Gesang ist verbürgt. Nicht nur schön ist er, auch sein Inhalt ist verlockend – denn die allwissend Sirenen versprechen dem unschuldigen Seefahrer, ihn an ihrem Wissen teilhaben zu lassen:

Komm, besungner Odysseus, du großer Ruhm der Achaier!
Lenke dein Schiff ans Land, und horche unserer Stimme.
Denn hier steurte noch keiner im schwarzen Schiffe vorüber,
Eh’ er dem süßen Gesang aus unserem Munde gelauschet;
Und dann ging er von hinnen, vergnügt und weiser wie vormals.
Uns ist alles bekannt, was ihr Argeier und Troer
Durch der Götter Verhängnis in Trojas Fluren geduldet:
Alles, was irgend geschieht auf der lebenschenkenden Erde!

Was genau aber machen die Sirenen mit den Männern, die zu ihnen kommen? Als Kirke Odysseus warnt, erzählt sie von aufgehäuften Gebeinen rund um die holden Damen und ausgetrockneten Häuten. Werden die Männer von den Sirenen ausgesaugt? Gefressen? Oder spielen sie mit ihnen und erzählen ihnen so viele Neuigkeiten, dass sie sich selbst, die Zeit, das Essen und Trinken vergessen und elend zugrunde gehen? Auch hierzu sagt uns Homer leider nichts – und auch spätere Autoren schweigen darüber.

Schwachstellen

Die offensichtlichste aller Schwachstellen: Man stopfe sich Wachs (oder Petersilie?) in die Ohren und schon bleibt man vom Gesang verschont. Allzu neugierige Personen mögen sich auch einfach festbinden, um nicht in Versuchung zu geraten, hinüberzuschwimmen.

Laut Hygin sollen die Sirenen sogar nur so lange leben können, wie es ihnen gelingt, jeden vorbeifahrenden Seemann zu verführen. Als Odysseus ihnen entgeht, stürzen sich die Sirenen ins Meer und sterben. Nach anderen Quellen sind aber die schon früher vorbeifahrenden Argonauten schuld, dass die Sirenen sterben – was die Frage aufwirft, ob sie erst noch warteten, bis Jahre später Odysseus auch vorbeikommt, oder ob das wiederum neue Sirenen sind, die Odysseus verlocken…. ganz zu schweigen davon, dass später der ebenfalls sich auf einer Irrfahrt befindende Aeneas auch noch vorbeikommt … ich denke, man merkt daran bereits, wie kompliziert sich Mythenüberlieferungen gestalten können und wollen das an dieser Stelle nicht mehr weiter vertiefen.

Fazit

Homers Sirenen sind die klassischen Vorgänger der Meerjungfrauen – aber wer hätte gedacht, dass aus „Halb Mensch, halb“ Vogel eines Tages in der Populärkultur „Halb Mensch, halb Fisch“ werden könnte? (man denke etwa an die Pseydo-Meerjungfrauen/-Sirenen aus Fluch der Karibik…)

Es möge uns dies ein mahnendes Beispiel für den alles verändernden Zahn der Zeit sein und dafür, wie bereits vor über 2000 Jahren Autoren sich nicht an eine einzige Version hielten, sondern munter vor sich hin dichteten, hier ein Konzept aufgreifend, hier ein Konzept ändernd, hier ein Konzept erfindend….

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Camp NaNoWriMo Juli 2014 – wer ist dabei?

Damit niemand alleine schreiben muss. Bildquelle: http://campnanowrimo.org/badges

Damit niemand alleine schreiben muss.

Manche brauchen einen Extra-Anstupser, um zu schreiben. Und Vielen kommt der NaNoWriMo im November mit dem festgelegten Wordcount gerade Recht, um schon lange vor sich hergeschobene Romanprojekte endlich anzufangen und ihre Träume zu realisieren.

Doch Hand aufs Herz – wer schreibt nach dem nervenaufreibenden NaNoWriMo erstmal einen ganzen Monat so gut wie gar nichts und kommt danach erst langsam wieder in Schwung? Sodass erneut ganz viel bis zum nächsten NaNo liegen bleibt?

Hier bietet sich beispielsweise das “Camp NaNoWriMo” an, das demnächst im Juli starten wird. Angesichts des schönen Sommerwetters, der Ferienzeit und anderer Faktoren ist es nicht ganz so streng wie der NaNo im November: Der Teilnehmer kann sich selbst ein Wortziel setzen, das realistisch scheint. Dadurch wird das virtuelle Schreibcamp auch für Jugendliche attraktiv – oder für Autoren von Novellen und Kleinprojekten, die für die Realisierung ihrer Idee schlicht keine 50.000 Wörter benötigen werden.

Ich werde im Juli vermutlich nicht am Start sein (es sei denn, ich lasse mich noch spontan dazu hinreißen, wider besseres Wissen und trotz akutem Zeitmangel teilzunehmen) – aber wer von euch mitmacht, sollte sich auf jeden Fall mit dem Weltenschmiede-Gründer fruehstuecksflocke kurzschließen.

Seid ihr dabei? Oder habt ihr im April beim Camp mitgemacht? Oder habt ihr vielleicht ganz andere Schreibmonate und Schreibmotivationen? Schreibt uns!

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