Blogger-Adventskalender 2014

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Zeigt her eure Füße, zeigt her eure Schuh’…. okay, das mit den Weihnachtsliedern proben wir nochmal…

Es ist nicht nur noch zu früh für Weihnachtskram, nein, es ist auch wieder soweit: Der Weihnachtstrubel beginnt und mit dabei in der Welt der Blogs ist wieder der Blogger-Adventskalender von Tintenelfe.

Wie jedes Jahr werden sich wieder 24 fröhlich-weihnachtliche Bloggerinnen und Blogger zusammentun und die unterschiedlichsten weihnachtlichen Beiträge im Dezember veröffentlichen.

Wer wie wo wann dran kommt, wollen wir an dieser Stelle nicht verraten – die Links zu den einzelnen “Kalendertürchen” werden sich alle auf Tintenelfes Blog finden.

Nur so viel sei gesagt: Auch die Weltenschmiede ist dieses Jahr dabei und die Ehre des Beitrags hat fruehstuecksflocke höchstpersönlichst.

Hohoho – oder so.

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Fallstudie: Vampire und die Kunst

Wenn man von der Prämisse ausgeht, dass die Kunst der Menschen aus dem Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit entstand – warum sollen dann Vampire Künstler sein? Für einen Vampir kann Kunst schließlich nicht bedeuten, etwas von sich selbst zu hinterlassen, um sich selbst vor dem Vergessenwerden zu bewahren. Im Gegenteil – die Sicherheit und das Überleben eines Vampirs können davon abhängen, dass die Menschen sie möglichst schnell vergessen.
Im Folgenden einige Gedanken zu Vampirkünstlern aus der Literatur, ihre Beweggründe und die Folgen der Kunst.

Wieso also Kunst?

Selbst wenn Kunst nicht mehr dazu dient, in Erinnerung anderer zu bleiben, behält sie immer noch ihre Funktion als Mittel des Selbstausdrucks. Sich selbst auszudrücken aber ist eine nie versiegende Quelle künstlerischer Energie und die Romane, Gedichte, Stücke, Gemälde etc. der “Sterblichen” sind nicht oder nur unzureichend in der Lage, Kunstwerke zu schaffen, die auch die ganze Reichweite vampirische Denkens und Fühlens umfassen. Menschliche Kunst befasst sich schließlich mit menschlichen Emotionen oder Problemen der menschlichen Gesellschaft – die einem Vampir nicht mehr zwingend wichtig sind oder die nicht ausreichen, um auch sein Denken und Fühlen abzudecken.
Die so entstandene Lücke verlangt danach, gefüllt zu werden – und so entstehen Kunstwerke von und für Vampire.
Welche Art von Kunst dabei entsteht, hängt aber von den individuellen Talenten der Vampire ab.
Für einige Vampire stellt Kunst oder Ästhetik darüber hinaus das einige akzeptable Wertesystem dar, so gibt es für Nicholas de Lenfent, Lestats Geliebten aus “Fürst der Finsternis”, kein Gut und Böse – es gibt nur gute und schlechte Kunst.

Die Sache mit der Unterschrift

Die nächste Frage ist, ob und wie man ein Kunstwerk als sein eigenes ausgeben oder signieren sollte, wenn niemand bemerken darf, dass man nicht altert.
Zum Einen ist jedes Lebewesen stolz, selbst etwas geschaffen zu haben und möchte natürlich auch als der Urheber gelten – zum Anderen ist hier die Gefahr, entdeckt zu werden, besonders groß. Dieses Problem kann verschieden gelöst werden.
So sind die Näharbeiten und Kunstwerke der Vampirin Teesha aus “Dhampir – Halbblut” nur für die interne Verwendung der Vampire in Miiska gedacht und kein Mensch hätte diese jemals zu Gesicht bekommen sollen. Sie konnte also ruhig Kunstwerke entstehen lassen, ohne eine Entdeckung fürchten zu müssen.
Anders sieht es mit den Vampiren aus den “Vampirchroniken” von Anne Rice aus – diese sind von zahlreichen Künstlervampiren bevölkert: Marius ist nicht nur ein begnadeter Künstler, sondern hat im 15ten Jahrhundert mitten in Rom sogar eine große Gruppe menschlicher Schüler um sich, denen seine Eigenheiten nicht entgehen können. Lestat schreibt nicht nur Bücher, er tritt eine kurze Zeit sogar als Rockmusiker in Musikvideos und life in Erscheinung – und wer seine Bücher für bare Münze nimmt, kann sehr leicht die beschriebenen Vampirmerkmale an ihm erkennen.
Dabei gibt es zwei Arten von Motivation – während Marius mit seiner Kunst einfach nur erfreuen will, ist es für Lestat nicht zuletzt auch der Kitzel der Provokation anderen Vampiren gegenüber, seine öffentliche Art in Hinblick auf die Geheimhaltung ihrer Existenz bringt ihm regelmäßig eine Menge Ärger.
Ein Vampirkünstler kann sich im Prinzip jedoch Menschen gegenüber weitestgehend auf den Effekt der Unsichtbarkeit in der Öffentlichkeit verlassen – bis auf wenige Ausnahmen wird jedem Leser, Zuschauer oder Zuhörer bewusst sein, dass der “vermeintliche” Vampir nicht echt sein kann und das Ganze wird als großer Kunstgriff gefeiert.
Wie Eleni es in “Fürst der Finsternis” so treffend beschreibt, finden sich Vampirkünstler in einer Situation, in der Vampire so tun, als wären sie Menschen, die so tun, als wären sie Vampire.

Die Auswirkung der Kunst

Ein Großteil von Kunst – egal ob durch Mensch oder Vampir geschaffen – wird rezipiert und diskutiert.
Im Falle von Lestats Rockband hat seine Kunst allerdings eine in “Die Königin der Verdammten” beschriebene Beinahe-Katastrophe ausgelöst, denn durch seine Songs – in denen er die ältesten Vampirgeheimnisse mit den Menschen teilt – wird die Urvampirin Akasha aus ihrem Schlaf erweckt und dezimiert drastisch die Zahl der Vampire. Nur mit Mühe kann sie vermichtet werden.
Die Aktivität von Marius als Künstler und Zeichenlehrer für zahlreiche Jungs führte zum Angriff durch die “Kinder der Finsternis”, beinahe zu seiner Vernichtung. Außerdem wird sein Geliebter Armand entführt. Denn Marius’ den Menschen naher Lebensstil stellt für die “Kinder der Finsternis” eine Sünde dar.
Als Armand sich dem “Theater der Vampire” unter Elenis Leitung anschließt und daraus schließlich seinen neuen Vampirclan macht, führt er auch das Töten von Opfern auf der Bühne ein – dabei macht er sich die Dekadenz der Menschen im Paris des achtzehnten Jahrhundert zu Nutzen, die die vor ihren Augen geschehenden Morde für besonders geschickte Inszenierungen halten. Die zunehmende Degenerierung der Theatercrew mündet in Claudias Tötung – woraufhin Louis das Theater niederbrennt und dieser Kunstform ein Ende setzt.

Absurd hoher Künstleranteil unter Vampiren?

Prinzipiell nicht – wer unendlich viel Zeit hat, um sich im Ausüben einer Kunst, egal welcher, zu perfektionieren, wird letztendlich auch Ergebnisse erhalten. Selbst völlig talentlose Zeichner, Schriftsteller und Sänger haben die Zeit auf ihrer Seite und können bei entsprechendem Interesse alles meistern.
Da außerdem “jagen und Blut trinken” auf Dauer nicht unbedingt nachtfüllende Aktivitäten sind, legen sich Vampire notgedrungen kreative Hobbies zu, damit die Ewigkeit nicht zur ewigen Langeweile verkommt. Der Rest ergibt sich von selbst.
Dazu kommt allerdings auch der rein praktische Aspekt – wie oben erwähnt, ist kaum ein Versteck sicherer als eins, bei dem man die ganze Zeit vor einem Publikum steht. Genau das aber sind Künstler – permanent im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit. Wenn dann etwas über seltsame Vorlieben bekannt wird, schiebt man das einfach auf die in der Branche üblichen Künstlerallüren und denkt nicht weiter darüber nach.
Und außerdem gibt es Vampircanons, in denen kein einziger Vampir ein Künstler ist… wie beispielsweise der Klassiker “Dracula”!

Welche künstlerisch tätigen Vampire sind eure Lieblinge? Oder könnt ihr dem Konzept vom ewigen Künstler gar nichts abgewinnen?

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Weltengeflüster Oktober 2014

So langsam wird es wieder – der Herbst lockt die Menschen vor die Tastatur, der NaNoWriMo hat vor zwei Tagen angefangen und in Vorbereitung musste so viel über Weltenbau geschrieben werden wie nur möglich. Es ist also wieder Weltenbauzeit und somit die schönste Zeit des Jahres.

Warum nicht auch mal über das Schicksal von Baldor schreiben? Das dachten sich auch die Leute von legendariummedia. Der Artikel weist in die literaturhistorische Dimension von Tolkiens Werk – und zeigt, auf welche winzigen Details ein versierter Weltenbauer bei seinem Werk achtet.
Im Moment gibt es die Tendenz, ältere Bücher und Filme nicht unhinterfragt zu konsumieren, sondern sie darauf abzuklopfen, ob sie frauenfeindliche und/oder rassistische Tendenzen aus ihrer Entstehungszeit transportieren und somit von Heranwachsenden vorsichtiger zu genießen wären. Ein Vorwurf, dem sich auch die “Chroniken von Narnia” stellen müssen – doch ist er in diesem Fall auch angemessen?
Außerdem nehmen sich die Blogger eines in den Filmen vernachlässigten Charakters aus den Büchern an – Fredegar Bolger.

Das Schreibnacht-Magazin widmet sich der Frage, was es alles in einer selbstgebauten Stadt benötigt und welche grundlegenden Dinge ein Städtebauer beachten soll. Wer mehr wissen will, kann in unseren hauseigenen – etwas längeren – Artikel zum Thema “Städtebau im Mittelalter” reinlesen oder unseren Bastelbogen von der Materialseite runterladen.

Kein Artikel im eigentlichen Sinne, aber als ich auf Tumblr über dieses kuriose Weltenbautool gestolpert bin, musste ich es hier verewigen. Man kann damit zwar nur eine optische und etwas pixelige Variante eigener Welten basteln, aber Visualisierung kann nie schaden.

Der Preis für die kurioseste Nachricht des Monats geht an Tor.com – sie berichten über einen Versuch, einen auf Tetris basierten Actionfilm zu drehen. Und der ist ernst gemeint. Falls er je released wird… wir sind gespannt.
Star-Wars-Fans hier auf dem Blog? Könnt ihr sagen, wie Kanzler Palpatine mit Vorname heißt? Nein? Jetzt schon!

Sofian gibt wertvolle Tipps, wie der Geschichte einer Welt Leben eingehaucht werden kann – mit Hilfe von Beziehungsnetzen und Herrscherdynastien.

Eine kleine Kuriosität findet sich auf der Webseite The Art of Manliness - in der Bibel und in anderen Schriften findet sich oft die Anweisung, “sich die Lenden zu gürten” (ich habe extra nachgeschaut, so scheint es auf Deutsch tatsächlich zu heißen – so seltsam das klingt…) – was soll Mann darunter verstehen  und wie geht das? Hier eine illustrierte Anleitung.

J.K.Rowling verkündete auf ihrer Facebookseite die Releasejahre und Regisseure für die Newt-Scamander-Trilogie. Mit dabei? Einige bekannte Namen aus dem alten Harry-Potter-Team. Wir dürfen also gespannt sein!
Auf dem offiziellen Pottermore-Blog wurde 15 Tage lang angeteasert, welche neuen Inhalte an Halloween erscheinen sollen – und am 31. Oktober wurden sie enthüllt. Viel Spaß beim Gruseln…
Und der Mirror lieferte zusätzlich etwas kuriose News – Rowling plant ein Sommerhäuschen auf ihrem Grundstück, das ziemlich genau Hagrids Hütte gleichen soll.

Auf The Public Domain Review erschien ein wirklich guter Artikel über einen der ersten europäischen Vampirromane. Möglich, dass alle heutigen Vampire auf einen wirklich, wirklich fiesen Kerl zurückgehen, der wirklich gelebt hat.

Fantasy Faction stellt eine Möglichkeit vor, das Film-Dothraki aus “Game of Thrones” zu lernen – mit Hilfe einer iPhone-App. Neugierig? Würdet ihr irgendeine – egal ob reale oder fiktive Sprache – per App lernen wollen?
Ein anderes Goodie aus Westeros ist dagegen für alle verfügbar – das Begleitbuch zur Romanserie enthält die Geschichte der Welt hinter dem Buch. Wenn man sich den Kurzteaser ansieht, handelt es sich um ein opulentes, reich illustriertes Hintergrundwerk.

Hiltibold widmet sich altenglischen Ortsnamen - und enthüllt so manchen Zusammenhang, der keineswegs offensichtlich ist. Wer eine gute Welt bauen will, kann ja versuchen, ähnlich komplexe Ortsnamenetymologien zu erfinden!

Air New Zealand – oder eher Mittelerde-Airline? – hat ein neues, hochkarätig besetztes Sicherheitsvideo herausgebracht…

Nerd-Wiki.de präsentiert… eine sehr schöne Rezension zum Trailer von “Avengers 2: The Age of Ultron” – und Einiges an Humor. Sehr lesenswerter Blogpost und sehr sehenswerter Trailer für alle Marvel-Fans!

Habt ihr einen Artikel gelesen oder gar selbst geschrieben, der im Weltengeflüster November verlinkt werden sollte? Dann schreibt es als Kommentar unter diesen Artikel oder über das Kontaktformular. Außerdem suchen wir weiterhin Gastartikel!

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Weltenbau-Artikel: Navigation auf See

Die Entwicklung der Seefahrt führte in der Realität zu einem bedeutenden Sprung in der Entwicklung: Neue Handelsrouten waren zugänglich, der Handel erlebte einen Aufschwung, neue Güter konnten preisgünstiger und schneller von A nach B verschifft werden, manch einer entdeckte gar unbekannte Inseln oder Kontinente und schließlich eröffneten sich auch Vater Krieg ganz neue Möglichkeiten, gab es doch neues Land zu unterjochen.

Auch für eine fiktive Welt bringt die Seefahrt alle diese neuen Entwicklungen mit sich. Weltenbastler sollten sich aber vielleicht auch kurz Gedanken über die Navigation machen. Oft liest man, man hätte sich an den Sternen orientiert, eh klar. Aber denkt auch jemand daran, dass der Himmel und damit die Sterne in Bewegung sind?

Grundlegendes

Bevor ich hier aber nun Unsinn verbreite: Nein, der Himmel bewegt sich nicht. Es ist die Erde, die sich dreht. Diese Drehung beschert uns Sonnenaufgang und -untergang. Wenn die Sonne untergeht, dann weil die Erde sich dreht und die Sonne sich dann einfach auf der anderen Seite der Erde befindet – die Erde steht uns dann sozusagen in der Sonne.
Selbiges mit dem Mond, selbiges mit den Sternen.

Die Erde dreht sich nach Osten – vom Polarstern betrachtet bedeutet das, sie dreht sich gegen den Uhrzeigersinn. Wie jedes Kind immer lernt, geht die Sonne im Osten auf, eben weil sich die Erde in diese Richtung dreht.

Ebenso ist es mit Mond und Sternen – sie gehen auf der einen Seite auf, auf der anderen Seite unter. Wer es nicht glaubt, der setze sich nachts mal hin und beobachte den Nachthimmel. Er wird feststellen, dass sich dort einiges tut, Sterne auf- und untergehen.
Aber nicht alle gehen unter und manche gehen gar nicht erst auf.

Zirkumpolarsterne

Eine sehr einfache Grafik zur Veranschaulichung:

Erdrotation und Sterne - Grafik von fruehstuecksflocke, CC-BY

Erdrotation und Sterne – Grafik von fruehstuecksflocke, CC-BY

Stellt euch vor, ihr seid das kleine, schlampig gezeichnete Strichmännchen/-weibchen auf der ebenfalls schlampig gezeichneten Nordhalbkugel. Und ihr dreht euch gegen den Uhrzeigersinn mit der Erde mit.

Die Sache von der anderen Seite .... Grafik von fruehstuecksflocke, CC-BY

Die Sache von der anderen Seite …. Grafik von fruehstuecksflocke, CC-BY

Ihr werdet den Stern Nr. 1 immer sehen können, da er sich aus eurer Perspektive über der Erde befindet, relativ direkt über dem Nordpol. Für euch geht dieser Stern nie unter. Einen solchen Stern nennt man Zirkumpolarstern – auch der Himmel hat einen Pol (dort, wo die gedachte Verlängerung der Erdachse in den Nachthimmel ragt), und um diesen Pol bewegen sich alle Sterne. Der Stern Nr. 1 bewegt sich nun um diesen Pol, bleibt dabei aber immer über der Erde und ist für euch von der Nordhalbkugel aus zu sehen.

Ebenfalls ein Zirkumpolarstern ist der Stern Nr. 3, allerdings bewegt sich dieser um den Himmelssüdpol – und für euch als Bewohner der Nordhalbkugel ist dieser Stern niemals zu sehen, da die Erde immer im Weg bleibt. Ein Bewohner der Südhalbkugel würde diesen Stern aber stets sehen können.

Der Stern Nr. 2 hingegen geht für euch auf und unter, ebenso wie es auch die Sonne tagsüber tut. Irgendwann habt ihr euch weitergedreht, die Erde ist im Weg und der Stern nicht mehr zu sehen.

Anders hingegen verhält sich die Lage am Äquator:

Vom Äquator aus gesehen... Grafik von fruehstuecksflocke, CC-BY

Vom Äquator aus gesehen… Grafik von fruehstuecksflocke, CC-BY

Ihr werdet alle Sterne sehen können und es werden alle Sterne für euch auf- und untergehen. Es gibt keine Fixsterne am Himmel, denn auch die Zirkumpolarsterne werden irgendwann auf der anderen Seite der Achse stehen und für euch außer Sicht sein.

Für die Navigation auf See ist dieses Wissen darum sehr wichtig, denn sich an einem Stern zu orientieren, der mal hier, mal dort und manchmal gar nicht vorhanden ist, ist nicht so einfach. Ein Zirkumpolarstern ermöglicht so die Navigation. Je näher der Stern sich dabei an der Achse befindet, desto geringer seine Bewegung. Anhand der eigenen Position im Verhältnis zum Stern kann man sich dann seine Route berechnen.

Wer sich aber den Nachthimmel schon einmal angesehen hat, weiß, dass es am Himmel sehr viele Sterne gibt. Ein Stern, der zur Navigation taugt, muss also zusätzlich auch sehr hell sein, damit man ihn gut finden kann.

Auf der Nordhalbkugel wurde daher jahrhundertelang der Polarstern zur Navigation verwendet. So verläuft Kolumbus’ erste Fahrt nach Indien (will sagen: Amerika) in völlig gerader Linie direkt über den Atlantik. Kolumbus wusste ja nicht, wo genau er hinfährt und hat sich darum einfach so gehalten, dass der Polarstern stets zu seiner Rechten lag.

Wenn man keinen hellen Zirkumpolarstern hat…

… dann wird die Sache zugegeben schwierig. Eine solche Situation haben wir auf der Südhalbkugel, dort ist an der Stelle des Polarsterns gähnende Leere.

Aber auch das macht die Navigation nicht unmöglich. Nur sehr, sehr aufwändig.

Die Polynesier hatten dieses Problem, erstreckt sich ihre Gegend doch über unzählige verstreute Pazifikinseln:

By Kahuroa (talk · contribs), translated by NordNordWest [Public domain], via Wikimedia Commons

Aber: Auch dieses Problem lässt sich lösen. Ein Navigator bei den Polynesiern orientiert sich ebenfalls an den Sternen.

Er kennt für jede Insel, zu der er will, einen Stern, der direkt über dieser Insel aufgeht, wenn er aus der Richtung seiner Startinsel dorthin blickt. Und um seine Startinsel nicht aus dem Blick zu verlieren, kennt er auch den Stern, der direkt über dieser Insel aufgeht, wenn er von der Zielinsel aus dorthin blickt.

Navigation in Polynesien - Grafik von fruehstuecksflocke, CC-BY

Navigation in Polynesien – Grafik von fruehstuecksflocke, CC-BY

Er muss sich also nur darum kümmern, dass der Bug seines Schiffes immer zum Stern der Zielinsel zeigt und das Heck immer zum Stern der Startinsel. So kommt er von A nach B.

Nun ist es aber so, dass die Sterne auf- und untergehen. Der Navigator kann sich also nicht darauf verlassen, dass er so zum Ziel kommt. Stern 1 wird bald nicht mehr direkt über Insel A schweben, und auch Stern 2 wird nicht ewig über Insel B bleiben.

Deshalb muss der Navigator für jede Uhrzeit und für jede Insel immer einen Stern kennen, der genau über der Insel steht.

Woraus natürlich folgt, dass nur die klügsten Köpfe mit dem besten Gedächtnis hier den Beruf des Navigators ergreifen können und dass die Ausbildung schon im Kindesalter beginnt – denn bis ein Navigator zu jeder Insel für jede Uhrzeit einen Stern kennt, können schon ein paar Jahre ins Land ziehen.

Denn die Polynesier wussten alle diese Dinge, aber sie haben sie nicht aufgeschrieben, sondern nur mündlich überliefert. Erstaunlich, nicht?

Fazit

Muss man all das wissen? Nein, muss man nicht – aber es ist dennoch schön, es zu wissen. Vielleicht nimmt ja der eine oder andere Weltenbauer diese Fakten in seine Überlegungen auf? Eine Fantasy-Geschichte mit einer Entdeckungsfahrt wäre wirklich mal was Neues, das ich gerne lesen würde ;)

 

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Fallstudie: Überwachung III – Die Tribute von Panem

Was, wenn jeder Schritt, jedes Wort, jede Geste gefilmt, archiviert und gegen mich verwendet werden kann? Was, wenn niemand mehr Herr über die eigenen Taten ist, weil niemand weiß, was sie für die eigene Familie für Folgen haben können? Was, wenn man in einer Welt lebt, in der jeder Mensch zum Feind werden kann, weil das eigene Gesicht auf jedem Fernsehapparat des Landes zu sehen war?
Willkommen in Panem – einer Welt, in der man nur dort sicher ist, wo keine Kameradrohnen hinkommen. Und auch dort nicht zwingend. Nicht nur während der Hungerspiele – der TV-Übertragung von Kämpfen Jugendlicher um Leben und Tot – und nicht nur die (ehemaligen) Tribute werden rund um die Uhr überwacht.

Warum wird überwacht?

Im Grunde genommen können alle im Buch genannten Argumente für die Überwachung zu einem zusammengefasst werden – es geht darum, den Status Quo mit allen Mitteln zu wahren.
Doch der Status Quo ist nicht annähernd so stabil, wie das Propagandafernsehen des Kapitols dem Volk zeigen will – denn die Machthaber fürchten respektloses Gerede, Spott und jede noch so kleine Geste, die bei der Bevölkerung den Status des Kapitols ins Wanken bringen könnte.
Denn wer das Buch gelesen hat, weiß, dass die Menschen in den einzelnen Distrikten nicht glücklich sind – Viele leiden Hunger und wären nicht in der Lage, auf legale Weise zu überleben. Doch während gelegentliche illegale Nahrungsbeschaffung noch toleriert werden könnte, wird jedes falsche Wort, jeder aufrührerische Gedanke im Keim erstickt und erbarmungslos verfolgt.
Denn das Kapitol ist nur mächtig, solange es unangezweifelt bleibt – doch Katniss’ Geste mit den Beeren, vor laufender Kamera und in allen Haushalten als Pflichtprogramm, hat dieser Macht einen empfindlichen Dämpfer gegeben.

Wie wird überwacht?

Zum Einen gibt es direkt Beamte, die dafür zuständig sind, zu überprüfen, ob beispielsweise alle Bürger bei der Ernte erscheinen. Fehlt jemand, besuchen sie denjenigen sogar zu Hause um zu sehen, ob es für das Fehlen einen triftigen Grund wie z.B. Krankheit gibt.
Innerhalb der Distrikte selbst weiß man nie, wo es versteckte Kameras, Mikrofone oder schlicht missgünstige Mitmenschen verstecken. Oder ob die Kameras aufrührerische Worte von den Lippen ablesen können.
Der Staat ist also quasi allgegenwärtig, sodass man überall die Angst haben muss, belauscht zu werden.
Eine gesteigerte Form davon findet sich zusätzlich in der Arena bei den Hungerspielen – überall befinden unzählige Kameras und Mikrofone, die alles aufzeichnen, was die Tribute sagen und tun. Schließlich wird es im Fernsehen ausgestrahlt und gilt als Pflichtprogramm. Sogar in Distrikten, in denen die Fernseher veraltet sind oder wo sonst regelmäßig der Strom ausfällt, funktioniert während der Übertragungen der Hungerspiele alles tadellos.
So kommt für die Tribute zusätzlich zur permanent gegenwärtigen Todesgefahr – sowohl die Mitspieler als auch die Arena können jederzeit zum Verhängnis werden – die permanente Überwachung in jeder Minute.

Was passiert mit denen, die geschnappt wurden?

Die Strafe für alle, die sich aufständig verhalten, ist grausam und einen allgemeinen Strafenkatalog scheint es nicht zu geben oder er wurde im Roman nicht direkt thematisiert. Darum können an dieser Stelle nur Einzelschicksale behandelt werden.
Darius, ein ehemaliger Friedensrichter, der sich gegen die Strafmaßnahmen des neuen obersten Friedensrichters aufgelehnt hat, wurde beispielsweise zu einem Avox – einem stummen Sklaven, der im Kapitol den Tributen dienen muss.
Peeta, den man des Komplotts mit den Rebellen verdächtigt hat, wurde eingewebt. Das bedeutet, dass man ihn mit halluzinogenem Gift traktierte und ihm dabei falsche Erinnerungen einimpfte, bis er nicht mehr zwischen Realität und Wahn, Freund und Feind unterscheiden konnte.
Der verbotene Schwarzmarkt in Distrikt zwölf wurde zusammen mit allen Menschen darin schlicht niedergebrannt.
Schließlich muss sogar ein ganzes Distrikt für die angeblichen Fehler Einzelner leiden und wird ausgelöscht.

Feuer mit Feuer bekämpfen?

Ironischerweise überwacht nicht nur das Kapitol – District 13 hat ein Kamerateam abgestellt, um auch während des Sturms auf das Kapitol Katniss bei militärischen Aktionen zu filmen und die Aufnahmen durch Hacking ins Staatsfernsehen zu bringen.
Dies kann zu seltsamen Situationen führen – wie beim Erobern von District 2, als Katniss auf einem der vielen Bildschirme mitverfolgen kann, wie sie selbst angeschossen wird.

Weltenbauerisches Fazit

Die Panem-Trilogie zeigt sehr gut, was aus der Welt werden kann, wenn “um der Sicherheit willen” die Menschen überwacht werden. Und zwar in zweierlei Hinsicht – nicht nur die Überwachung erreicht immer absurdere Dimensionen, auch die Strafen für jede noch so kleine Gesetzesübertretung stehen früher oder später in keinstem Verhältnis mehr zum tatsächlichen Vergehen.
Es gibt nichts zu essen und man wildert in einem Wald, der niemandem gehört? Tod durch Auspeitschen.
Man lehnt sich dagegen auf? Sklaverei.
Jeder noch so kleine Fehltritt erzeugt Gegenmaßnahmen, die nur noch eins zum Zweck haben – die Menschen durch Angst gefügig zu machen.
Die Trilogie zeigt jedoch auch eindrucksvoll, dass dies auf Dauer nicht funktioniert und spätestens wenn der Bogen überspannt ist, sich auch genügend tapfere Menschen finden, um den Widerstand zu leiten.

Dabei fixiert sich der Roman allerdings stark auf zentralisierte Medien, Videokameras und das Fernsehen, um die Überwachungsproblematik aufzuzeigen. Gefahren und Problematiken der Internetüberwachung wurden hier noch nicht berücksichtigt, da die Problematik zur Entstehungszeit der Romane noch nicht so stark in der Diskussion stand wie heutzutage.
Für jeden, der einen eigenen Roman rund um das Thema Überwachung, Privatsphäre und Diktatur schreiben möchte, kann die Panem-Trilogie dennoch als gut geschriebenes Anschauungsmaterial dienen. Außerdem handelt es sich schlicht um sehr gut geschriebene Romane.

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Weltengeflüster September 2014

Der September war ungewöhnlich spärlich – sind alle Autoren bereits damit beschäftigt, sich auf den NaNoWriMo im November vorzubereiten und haben keine Zeit für Weltenbaupostings? Oder woran sonst liegt die Flaute? Sogar die englischsprachigen Blogs mit drei-vier Postings am Tag waren ungewöhnlich unergiebig…

Tor.com versorgt uns mit der spannenden Neuigkeit, dass eine Wikingerkriegerin keineswegs in den Bereich moderner Geschichtenerzähler gehört, die einfach jeden Film mit starken Frauen in Rüstung aufpeppen wollen. Die Hälfte aller Wikingerkrieger war weiblich – was nicht nur die Sicht auf die Wikinger revidiert, sondern auch Autoren historischer Romane (inklusive historischer Fantasy, Zeitreiseromanen etc.) und Filmemachern ganz neue Geschichten eingeben könnte.

Natürlich macht es besonders viel Spaß, coole Raubtiere für die eigene Welt zu erfinden. Aber da die Raubtiere auch von was leben müssen und man die Nahrungskette generell besser von unten aufdröselt, gibt es bei Fantasyfaction einen tollen Einblick in die Biologie der “Beutetiere“.
Aus irgendeinem Grund gehört Fantasy mit zu den Genres, die zum Nutzen von Charakterschablonen und genau festgelegten Gruppenzusammenstellungen à la “ein Kind, ein Mentor, ein Elf, ein Zwerg” neigen. Daran ist im Prinzip nichts Verkehrtes – aber man kann interessantere Charaktere gestalten, wenn man auf ein paar Kleinigkeiten beim Charakterdesign achtet.
Außerdem findet sich dort eine sehr faszinierende Artikelserie darüber, wie Religion eine Romanwelt beeinflusst – unter anderem verändert sie den Charakter der gläubigen Figuren.
Viele Fantasyromane verwenden in irgendeiner Weise Gilden – doch was sind Gilden überhaupt und wie baut man sie sinnvoll ein? Hier ein paar Tipps. Aber nicht mit Zünften verwechseln ;-).

Unser alter Bekannter Sofian befasst sich mit den Grundlagen der Geschichtlichkeit einer Welt – und beginnt bei ihren Quellen. Welche Urkunden, Chroniken und andere Schriften können von einer fiktiven Vergangenheit künden?
Als kleine Ideenhilfe, worüber sie erzählen könnten, ein Link zu unserer Liste möglicher geschichtlicher Ereignisse und zum wirkungsvollen Einbauen von Sagen, Legenden und Gerüchten.

Carmilla deWinter, gelegentliche Gastautorin auf der Weltenschmiede, beschreibt die Gedankengänge und Probleme beim Integrieren einer eigenen, selbst gebauten Religion. Ein sehr interessanter Einblick, der sich auch dann lohnt, wenn man schon häufiger eigene Religionen gebastelt hat.

Auf newyorker.com kann man alles lesen, was man jemals über Wonder Woman wissen wollen könnte. Ein sehr langer (englischer) Artikel, der viele Informationen bereithält.

Jahrelang war ich mir sicher, dass Laserschwerter so nicht funkionieren (auch wenn sie unfassbar coole Waffen abgeben) – nun widerspricht ein Artikel auf Legendarium Media – man kann Photonen nicht nur erzeugen, sondern sie auch zwingen, innerhalb eines bestimmten Bereichs zu bleiben.

Habt ihr einen Artikel gelesen oder gar selbst geschrieben, der im Weltengeflüster Oktober verlinkt werden sollte? Dann schreibt es als Kommentar unter diesen Artikel oder über das Kontaktformular. Außerdem suchen wir weiterhin Gastartikel!

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Minifallstudie: Die Sprache von Qwghlm

Qwghlm – ungefähr Taghum gesprochen, mit Betonung auf die zweite Silbe, ist eine kleine fiktive Inselgruppe im gemeinsamen Canon des Barock-Zyklusses und des Romans “Cryptonomicon” von Neal Stepehnson. Die Sprache, die dort gesprochen wird, ist für Fremde praktisch unaussprechlich und die Schrift besteht nur aus Runen für Konsonanten.

Die von Jack Shaftoe, einem weitgereisten Vagabunden aus London, während des Türkenkriegs gerettete Haremssklavin Eliza ist eine Muttersprachlerin dieser Sprache. Kaum dass sich die Wege der Beiden trennen, verstrickt sich Eliza in die politischen Intrigen rund um Wilhelm von Oranien und Ludwig den Vierzehnten von Frankreich. Um ihre Ziele zu erreichen und gefahrlos unter anderem mit Leibnitz kommunizieren zu können, beschäftigt sie sich mit Verschlüsselungstechniken.
Normalerweise verschlüsselt sie dabei ihre Briefe, indem sie mit Hilfe einer Zahlenkombination aus dem chinesischen I-Ging einen Brief schreibt, der bedenkenlos abgefangen und gelesen werden kann, da er unverfänglich ist – in Wirklichkeit jedoch einen kürzeren Brief mit geheimer Zusatzbotschaft kodieren soll. Dieser Code, laut Roman von Leibnitz erfunden, wird im Verlau des Romans nicht geknackt.

Einmal jedoch nutzt sie ihre Muttersprache und ihr Talent zum Verschlüsseln, um Informationen unbemerkt zu transportieren. Sie nutzt die besonderen Eigenschaften ihrer Muttersprache – keine Zeichen für Vokale und einige wenige Zeichen für Konsonanten – um jeder Rune einen binären Wert zuzuweisen und diesen mit Hilfe von zweierlei Arten von Kreuzstich zu kodieren.
Um die Muster der Kreuze abzulesen, müsste man die Stickerei umdrehen und anschließend die zwei Arten von Sticktechnik in Nullen und Einsen umwandeln.
So konnte Eliza ein Reisetagebuch auch auf einem Flussschiff oder auf der Flucht vor französischen Truppen führen, ohne dass jemand etwas Verdächtiges bemerkt hätte. Denn eine reisende Frau, die stickt, war im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert nichts Ungewöhnliches, im Gegenteil.
Raffinierterweise sollte dieser Code jedoch gar nicht unbrechenbar sein – ein ausgeklügelter Plan sorgt dafür, dass dieses verschlüsselte Reisetagebuch zu Ludwig dem Vierzehnten gelangt und dort von einem Entschlüsslungsmeister und einem Kenner des Qwghlm entschlüsselt wird. Denn Eliza hat hier eine gefälschte Botschaft codiert, die nur auf diese Weise ihren Empfänger erreichen kann.

Die qwghlminische Sprache, wie sie im Barock-Zyklus und später verstärkt im Cryptonomicon verwendet wurde, stellt im Grunde genommen das fiktive britische Equivalent zum real existierenden amerikanischen Navajo-Code dar und wird im Cryptonomicon tatsächlich ähnlich verwendet.

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Weltenbauartikel: Die Motivation des Bösen

Nachdem wir uns schon mal damit beschäftigt haben, welche Bösewichtklischees zu vermeiden sind und welche Gedanken man sich sonst noch zum Thema „Das Böse“ machen könnte … geht es heute um die Motivation hinter dem sogenannten Pfad des Bösen in der Fantasyliteratur.
Selbst gestandene Fantasyautoren wie Anne Rice stellen sich und ihren Fans gelegentlich die Frage, was beispielsweise für Voldemort eigentlich der Reiz der Dunklen Seite war. Mit anderen Worten: Was hat man davon, böse zu sein?

Tu, was du willst

Ein Antagonist sieht sich in den seltensten Fällen selbst als böse – im Grunde genommen möchte er sich aus dem gesellschaftlichen Wertekorsett von Gut und Böse lösen, um außerhalb des Gesetzes die maximale persönliche Freiheit leben zu können. Auch auf Kosten anderer.
Im ersten Harry-Potter-Band sagt Quirrel während der Konfrontation mit Harry angesichts des Spiegels „Nerhegeb“ sinngemäß, dass Voldemort ihm gezeigt hat, dass es kein Gut und Böse gäbe – nur Macht, und diejenigen, die zu schwach seien, um danach zu streben.
Nicht nur bei Harry Potter, sondern auch in vielen anderen modernen Fantasysettings gibt es bestimmte typische Ausprägungen des Bösen, die in der Regel eng mit der Motivation für den Seitenwechsel zusammenhängen.
Kurz ließe es sich mit folgendem Prinzip zusammenfassen:
„Strebe nach Macht und nutze sie auf selbstsüchtige und nicht auf die Gesellschaft ausgerichtete Weise, um

  • Unsterblichkeit, wie im Falle von Voldemort
  • die Macht, andere vor dem Tod zu bewahren, wie im Falle von Darth Vader
  • völlige Unabhängigkeit von den moralischen Einschränkungen großer Macht, wie Saruman

zu erlangen.
Wesen, die eigentlich genauso mächtig wie ein Antagonist wären, jedoch ihre Kräfte maßvoll und gemäß den moralischen Standards der Gesellschaft gebrauchen, gelten von diesen Antagonisten als Schwächlinge – denn sie sehen nicht, dass ein „Guter“ in der Regel seine wahre Stärke nicht aus seiner Machtfülle, sondern aus ebenjener Liebe und Selbstdisziplin bezieht.
Im Grunde genommen könnte man die Motivation dieser Antagonisten also so zusammenfassen, dass sie nur ihrem eigenen Willen folgen, um ihr Ziel wenn nötig auch auf Kosten anderer Lebewesen zu erreichen. Selbst wenn ihre Absichten – wie bei Darth Vader – anfangs nobel sein mögen, stellen sie sich auf Dauer selbst ins gesellschaftliche Aus und ihnen bleibt nichts Anderes, als die Gesellschaft als solche zu bekämpfen oder zu unterwerfen.

Der Schwächefehlschluss

Auf den ersten Blick erscheint es den Antagonisten, dass sie durch den Verzicht auf Liebe und/oder selbst auferlegte Beschränkungen der Machtausübungen stärker sind als die Guten in der Geschichte.
Denn natürlich machen Liebe und Beschränkungen in gewissem Sinne verletzlich. Anakin hätte ohne seine Liebe zu Padme vielleicht nie die Dunkle Seite gewählt, weil es nicht so einfach gewesen wäre, ihn zu korrumpieren. Harry hätte ohne die ihm innewohnende Güte und Menschlichkeit zugelassen, dass Lupin und Sirius Pettigrew töten – und hätte somit Voldemorts Auferstehung und Cedric Diggorys Tod verhindern können. Gandalf hätte Saruman vernichten können, hat sich aber an die ethischen Einschränkungen gehalten, denen er als Zauberer nun einmal unterlag und aus denen Saruman willentlich ausgebrochen ist.
Aber genau diese Verletzlichkeit und Verwundbarkeit macht einen Menschen erst zu einem Menschen. Wirklich große Herzen und große Geister können der Versuchung widerstehen, sich auf die gleiche Stufe wie die Antagonisten zu begeben, um diese leichter besiegen zu können – egal wie verlockend es ist.
Ein weiterer Fehlschluss (seitens des Antagonisten und eventueller Anhänger) ist, dass so ein Antagonist selbst keine Fehler oder Schwächen hat. In der Regel bringen sich jedoch Antagonisten selbst zu Fall – gerade weil sie Liebe und Emotionen oft als Schwäche auslegen, können sie sich meist nicht in ihre Gegner, die Protagonisten, hineinversetzen. Sie können nicht vorhersehen, zu was diese aus purer Liebe zu jemandem in der Lage sind oder solche Gefühlshandlungen einzuplanen – denn natürlich schließen sie wie viele Menschen von sich auf andere.
Gerade klassischere Bösewichte sind sich sicher, unverwundbar zu sein – sind es jedoch nicht.

Weltenbauerisches Fazit

Natürlich sieht man dieses Phänomen in dieser Größenordnung in der Regel in Romanen oder Filmen und dann überwiegend in fantastischen Genres.
Aber das bedeutet nicht, dass das Prinzip „Antagonist befreit sich vom Zwang der Gesellschaft und der Protagonist überwindet ihn durch die Verbindung von Macht und Liebe“ nicht auch auf nicht fantastische Geschichten anwendbar wäre.
Auch im kleinen Rahmen und für Alltagsgeschichten oder Krimis kann das Prinzip an sich durchaus spannend zu variieren sein und wird auch gerne angewendet – nur ist es da oft nicht ganz so offensichtlich thematisiert. Es kann jedoch auch durchaus beispielsweise in einer Kindergeschichte über Mobbing und Freundschaft angewendet werden.
Man muss sich lediglich bewusst sein, dass es so ein häufig in der modernen Fantasy genutztes Bösewichtsprinzip gibt – und es gegebenfalls auf andere Genres anwenden, umschiffen oder anderweitig kreativ damit umgehen. Oder es ganz klasisch für eine Fantasygeschichte verwenden.
Wieso nicht, solange es gut gemacht ist?

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Fallstudie: Gestaltenwandler I – Gestaltenwandler in der “Delia”-Trilogie von Mia Bernauer

Nicht immer sind es die mit den Millionenauflagen, von denen man sich inspirieren lassen muss. Im Gegenteil. Wann immer man als Leser das Gefühl hat, bei Büchern aus demselben Genre immer nur die gleichen vorgekauten Figurenkonstellationen und die immergleichen Fabelwesen vorzufinden, sollte man sich ein wenig bei Independent-Autoren, Kleinverlagen und Selfpublishern umsehen.
Und manchmal sollte man einfach beim Autorenkollegen vom Blog nebenan schauen, was so geschrieben wurde.
Gesagt, getan – und die „Delia“-Trilogie von Mia Bernauer entdeckt, die der Weltenschmiede die Einleitung einer Fallstudienserie wert ist. Sie entführt die Leser nämlich in die geheimnisvolle Welt der Halbwesen.

Optik

Die meisten Halbwesen sehen größtenteils wie Menschen aus, höchstens ihre Haut ist heller und ebenmäßiger. Außerdem hat jede Tierart ihre charakteristische Augenfarbe – alle Löwen sind grünäugig, alle Adler haben schwarze Haare und die Augen sämtlicher Jaguare sind beispielsweise saphirblau. Auch sonst sehen sich die meisten Vertreter der selben Tierart recht ähnlich.
Einzig die Reptilienhalbwesen unterscheiden sich teilweise deutlich von den Menschen – ihre Haut ist grünlich und ihre Pupillen sehen aus wie die von Schlangen oder Krokodilen.

Fähigkeiten

Selbstredend können sämtliche Halbwesen sich in ihre jeweilige Tierart verwandeln. Darüber hinaus besitzen sie jedoch eine ganze Reihe an Fähigkeiten.
Diese hängen von ihrer Tierart ab. So beherrscht jede Tierart ein anderes Element und kann damit die Umwelt beeinflussen oder kämpfen. Löwen beherrschen das Feuer, die Adler das Eis, Jaguare beispielsweise den Wind.
Darüber hinaus beherrschen manche Tierarten zusätzliche Fähigkeiten – Jaguare können sich telepathisch verständigen und Schlangen besitzen besondere Heilkräfte.
Jede Tierart kann mit Hilfe eines Bisses Einfluss auf einen Menschen erlangen, aber in der Regel ist dieser nicht verheilende und permanent blutende Biss für den Menschen so schädlich, dass kaum ein Mensch länger als zwei Wochen mit diesem Biss überlebt. Damit der Mensch nicht an den Folgen stirbt, muss das Halbwesen mit der Zunge über den Biss lecken.
Allgemein betrachtet sind die Sinne der Halbwesen jedoch auch in ihrer menschlichen Gestalt wesentlich schärfer als die eines Menschen. Sie können besser sehen und riechen. Auch hier sind die jeweiligen Fähigkeiten abhängig vom Wesen – keine Halbwesen sehen so scharf wie Adler. Dazu kommt, dass sie in der Lage sind, Menschen zu hypnotisieren und sie z.B. vergessen zu lassen, sie je getroffen zu haben. Halbwesen wirken auf Menschen von Natur aus charmanter als Menschen, sodass die Menschen sich zu ihnen hingezogen fühlen.
Außerdem sind Halbwesen stärker und schneller als Menschen. Sie spüren weniger Schmerz und benötigen nur wenig Schlaf.

Verwandlung

Normalerweise wird man als Halbwesen geboren – als normaler Mensch wird man nicht zum Halbwesen.
Die einzige Ausnahme bildet die Vorhergesehene – eine Frau aus einer bestimmten Familie mit bestimmten Fähigkeiten, die alle hundert Jahre geboren wird.
Nach einer gewissen Zeit der Einweisung muss sich die Vorhergesehene selbstständig dafür entscheiden, entweder in die für sie vorherbestimmte Tierart verwandeln zu lassen oder ein menschliches Leben zu führen. Bei der Wandlung erhält sie Energie von einem Halbwesen, die mit ihrer Energie als Vorhergesehene vermischt wird.
Die Wandlung dauert eine Weile und ist für die Vorhergesehene mindestens unangenehm, meistens sogar schmerzhaft. Sie sollte von Heilern betreut werden, damit die Vorhergesehene dabei nicht ums Leben kommt.

Vernichtung

Man kann ein Halbwesen nur dann töten, wenn man ihm vorher sein Element nimmt. Dazu sind nur besonders ausgebildete Halbwesen, sogenannte Teiler, in der Lage. Diese können ein Halbwesen von der eigenen Energie trennen und sie so zu sterblichen Wesen machen.
Danach können Halbwesen ganz normal getötet werden.
Ein Halbwesen kann allerdings durch die Macht anderer Elemente und natürlich durch Waffen verletzt werden.

Bedürfnisse

Gelegentlich kommt im Halbwesen das Tier an die Oberfläche – dann muss das Halbwesen seinem Jagdtrieb nachgehen und ohne von den Menschen gesehen zu werden, Tiere jagen und fressen. Wenn ein Halbwesen dieses Bedürfnis ignoriert, wird es gefährlich für die Menschen und könnte diese angreifen. Das jedoch würde den Geheimhaltungsregeln widersprechen und viel Ärger nach sich ziehen.
Halbwesen benötigen außerdem etwa drei Stunden Schlaf pro Nacht, wenn auch nicht mehr.

Herkunft

Man weiß nur, dass es die Halbwesen schon seit mindestens viertausend Jahre gibt, denn so alt ist ihr Buch, in dem die Vorhergesehenen und deren Betreuer verzeichnet sind.
Außerdem weiß man, dass die Halbwesen seit längerer Zeit nichts mehr mit den Menschen zu tun haben wollen. Leander macht Delia darauf aufmerksam, dass einige uralte Legenden auf Halbwesen zurückgeführt werden können.

Sonstiges

Die Halbwesen halten sich an strenge Regeln und Gesetze, um nicht aufzufallen, nachdem sie beschlossen haben, sich nicht mehr von den Menschen für deren Zwecke vereinnahmen zu lassen. Wenn ein Mensch von der Existenz der Halbwesen erfährt, muss er schnell und unauffällig getötet werden.
Wer als Halbwesen mutwillig Menschen tötet, riskiert eine Vorladung vor die Therion – ein Gremium aus alten und erfahrenen Halbwesen mit je einem Vertreter aus jeder Rasse. Dieses Gremium hält Gericht, kontrolliert die Beschlüsse und wacht über die Einhaltung der Gesetze. Ein jeder Therion-Vertreter kann je einen Teiler ausbilden.

Weltenbauerisches Fazit

Auch wenn die Halbwesen an manchen Stellen ein bisschen überstark daherkommen, merkt man irgendwann im Laufe der Trilogie, dass das seine Berechtigung hat – da werden von den Gegnern der Protagonisten so gewaltige Kräfte entfesselt, dass Delia und ihre Freunde unbedingt selbst ebenbürtige Kräfte benötigen, um eine Chance zu haben.
Ansonsten bot die Romanreihe jedoch eine wunderbar ausgearbeitete, in sich logische Welt, die ich sehr faszinierend fand. Egal ob es sich um eine eigene Stadt der Halbwesen, um Fallen oder – mein absoluter Favorit – eine ganze Eisfestung irgendwo im hohen Norden handelte – alles war unfassbar gut ausgearbeitet und originell gelöst.

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In eigener Sache: FeuerFlocke

Seit drei Jahren bloggen wir – Evanesca Feuerblut und fruehstuecksflocke – nun hier bei der Weltenschmiede, zerlegen fiktive Welten in ihre Einzelteile und wollen wissen, was die Welt im Innersten zusammenhält. All das in gewohnt seriöser Optik nach fixen Schemata und mit möglichst systematischem Zugang.

Vermutlich wirken wir wie die größten Nerds aller Zeiten.

Sind wir auch.

Aber noch viel mehr als das.

Nur ein Bruchteil dessen, was wir lesen, spielen, sehen, schafft es wirklich hier auf die Weltenschmiede in Form eines Artikels.
Ein weitaus größerer Teil hat mit Fantasy oder Sci-Fi rein gar nichts zu tun.
fruehstuecksflocke steht zum Beispiel auf Actionserien aus den 80ern und auf lateinische Klassiker rund um Christi Geburt.
Evanesca hingegen sammelt uralte Bücher und liest wahllos alles, was ihr unter die Nase fällt – und dabei nur wenig Fantasy…

Ist das das Ende? Nein, es ist ein Anfang.
Heute verkünden wir voller Stolz (und mit etwas schlechtem Gewissen) den Start eines zweiten Blogs, der FeuerFlocke!

Im Gegensatz zur Weltenschmiede soll es dort etwas lockerer zugehen und Platz für alles mögliche geben – von allgemeinen Überlegungen zur Weltsituation der Fantasyliteratur, über Buchrezensionen quer durch alle Genres bis hin zur Besprechung des einen oder anderen Films.

„Zweitblog“ sagt es bereits, aber es sei hier nochmals ausdrücklich erwähnt: Für die Weltenschmiede ändert sich nichts, neue Artikel gibt es wie gewohnt am Sonntag (und falls wir sehr viel Zeit haben, auch am Mittwoch).

Für die FeuerFlocke wollen wir uns auf keinen bestimmten Rhythmus festlegen, sondern posten einfach, wie uns die Rezensionen aus den Fingern fließen. (Den Anfang macht übrigens fruehstueckflockes Meinung zum neuen Hercules-Film.)

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