Fallstudie: Westliche Kultur und Mythologie im Manga “Sailor Moon”

Die meisten in Europa lebenden Menschen sind fasziniert von der exotischen Kultur in Asien – sie kaufen Buddhastatuen, zünden Räucherstäbchen an und lesen Bücher über die weise Philosophie des Ostens.
Doch womit umgeben sich die Menschen in Asien? Denn was für uns exotisch ist, ist für sie gängiger Alltag – oder gar Touristenkitsch.
So ist es im Prinzip nur logisch, dass es für japanische Mangaka wenige Dinge gibt, die exotischer sind, als die Europäer, ihre Religion, Geschichte und ihre Traditionen.
Auch in der Anime-Version von “Sailor Moon” merkt man immer wieder diverse kulturelle Einflüsse – christliche Sagen treffen auf griechisch-römische Mythologie.
Dieser Artikel bezieht sich nur auf den Manga – abweichende und widersprüchliche Fakten aus Anime, Realserie oder Musical werden nicht berücksichtigt.

Sailormoon und die Mythologie der Griechen und Römer

Der Name von Artemis, der Katze von Sailor Venus/Minako, stammt aus der griechischen Mythologie. Die Göttin Artemis ist die jungfräuliche Göttin der Jagd. Entsprechend interessant ist die Tatsache, dass Artemis als männlicher Begleiter der Sailor Venus auftritt und in Notsituationen die Gestalt eines Mannes annehmen kann.
Während es in einigen Versionen des griechischen Schöpfungsmythos das Chaos war, aus dem alles geboren wurde, ist im Manga das Chaos eine diffuse Entität, die die Bösewichte des Sailor-Moon-Universums hervorbringt und letztendlich auch Sailor Galaxia korrumpiert. Ähnlich wie das mythologische Vorbild, ist Chaos gestaltlos, ist jedoch im Gegensatz zu diesem nicht neutral, sondern eindeutig böse. Die Hauptgegnerin des Chaos ist Sailor Cosmos, nicht zuletzt weil Cosmos in der griechischen Mythologie Ordnung repräsentierte – also das Gegenteil von Chaos. Im Manga bleibt unklar, ob es sich bei Sailor Cosmos um eine spätere Form von Sailor Moon handelt.
Galaxias Schergen Sailor Chi und Sailor Phi sind einfach nach griechischen Buchstaben benannt – jeweils der 22ste und 21ste Buchstabe im Alphabet, wieso gerade Diese, konnte bei der Recherche nicht ermittelt werden.
Die Namen der (fiktiven) Planeten und entsprechend der Kriegerinnen Sailor Lethe und Sailor Mnemosyne wurden von Flüssen im Hades abgeleitet – während Lethe Vergessen bringt, kann Mnemosyne die Erinnerung wiederherstellen. Im Manga fungieren die Kriegerinnen als Wächterinnen der zwei Wüstenflüsse Oblivion und Memory. Sie kämpfen zusammen unter Sailor Galaxia, haben sich jedoch in der Vergangenheit bekriegt – was Sinn ergibt, da Vergessen und Erinnerung gegensätzliche Aspekte darstellen.
Die Raben, welche Sailor Mars manchmal begleiten, heißen Deimos und Phobos, wie die Monde des Mars und die gleichnamigen griechischen Sagengestalten. Sie können eine menschliche Form annehmen und für sie kämpfen.
Das goldene Königreich in der Erde heißt im Manga Elysion – ähnlich wie der Ort in der griechischen Unterwelt, an dem die heroischen und ehrenwerten Helden sich nach dem Tode aufhalten. Die Priesterinnen im Sonnenschrein von Elysion heißen zwar Mänaden, haben aber mit den mythologischen Wesen gleichen namens nichts zu tun. Zwischen Helios, dem Hüter von Elysion und Mamoru dem Erdprinzen scheint es einen diffusen Zusammenhang zu geben. Sein Name entspricht dem griechischen Namen des Sonnengottes, ein solcher Zusammenhang wird aber nicht im Manga erwähnt. Auf der Erde nimmt Helios die Form eines geflügelten Einhorns mit einem goldenen Horn an und nennt sich Pegasus – was wenig mit dem mythologischen Pegasus gemeinsam hat.
Der Name des Planeten “Nemesis” stammt von der gleichnamigen Göttin der Rache – lange Zeit wurde außerdem ein zehnter Planet mit diesem Namen angenommen, dessen Einfluss man das Massenartensterben auf der Erde zugeschrieben hat. Analog dazu ermorden die Aliens vom Planeten Nemesis die meisten Menschen in Crystal Tokyo im Manga.

Die Namen der magischen Katzen Luna und Diana stammen aus der römischen Mythologie. Luna ist die Göttin des Mondes, Diana ist das römische Äquivalent zu Artemis. Das Kätzchen Diana ist die Tochter von Luna und Artemis.
Auch die Planetennamen, nach denen die Sailorkriegerinnen des Erdplanetensystems benannt werden, basieren auf den europäischen Namen für diese Planeten – diese widerum wurden von den römischen Gottheiten abgeleitet, ebenso wie die astrologischen Symbole von diesen abgeleitet werden, die die Sailorkriegerinnen bei der Verwandlung auf ihrer Stirn haben.
Sailor Venus trägt im Manga eine Art goldenen Gürtel um die Taille – dieses Detail ist der Tatsache nachempfunden, dass Venus in der römischen Mythologie einen Gürtel besitzt, der ihr besondere Attraktivität verleiht.
Außerdem entsprechen die besonderen Eigenschaften und Funktionen der Sailorkriegerinnen teilweise den Zuständigkeitsbereichen der römischen Gottheiten – bis auf wenige Ausnahmen. So ist Sailor Pluto nicht für den Tod zuständig, sondern beschützt das Raum-Zeit-Tor, während Sailor Saturn für den Tod zuständig ist. Außerdem ist die Rolle der Sailorkriegerin, die in irgendeiner Weise mit Wasser zu tun hat, überbesetzt – Sailor Merkurs Element ist Wasser, aber Sailor Neptun ist für die Ozeane zuständig und ist nach dem römischen Gott der Ozeane benannt.
Sailor Mars ist dem Feuer zugeordnet und die Kriegerischste der Kriegerinnen, entsprechend dem römischen Gott Mars.
Sailor Jupiter kann zwar, entsprechend dem Gott in der römischen Mythologie, Blitze schleudern, zu ihren Kräften gehört aber auch das Kontrollieren von Pflanzen, da in der japanischen Astrologie Jupiter dem Holz zugeordnet wird.
Mamoru oder Tuxedo Mask war in seinem früheren Leben Prinz Endymion, der in der griechischen Mythologie ein Geliebter der Mondgöttin Selene war.
Mitunter werden griechische und römische Mythologie bunt gemischt – so sind die Leibwächterinnen der Zukunfts-Serenity und von Chibiusa Sailor Vesta (römisch), Sailor Juno (römisch), Sailor Pallas (griechisch) und Sailor Ceres (römisch) und als Sailorkriegerinnen für die entsprechendenden Asteroiden eingesetzt.
Die Paläste der Sailorkriegerinnen während des Silver Milleniums wurden – sofern vorhanden – nach Monden benannt (Deimos-Phobos-Pallast für Sailor Mars, Io-Pallast für Sailor Jupiter) oder nach dem Element, so Sailor Merkurs “Mariner Pallast”.
Sowohl das Amazonastrio als auch das Amazonasquartett verfügen im Manga über Lemuren – dunkle, formlose Kreaturen, ähnlich den Lemuren in der römischen Mythologie.
Nehelenias Name wurde vermutlich vom Namen der römisch-germanischen Göttin Nehalennia, die allerdings sehr unklar belegt ist. Man kann sie sowohl als Göttin der Seefahrt als auch als Göttin von Fruchtbarkeit und Unterwelt ansehen.

Sailormoon und das Christentum

Die Mangaka legt die Begriffe “Heiliger Gral” und “Messias” etwas anders aus, als es im Christentum oderder europäischen Artussage der Fall ist – es handelt sich nicht um den Kelch vom letzten Abendmal, sondern um ein mächtiges magisches Objekt. Es entsteht im Manga durch die Vereingigung der Kräfte aller Sailorkriegerinnen. Durch seine Macht kann Sailor Moon sich in die stärkere Form “Super Sailor Moon” verwandeln und Mistress 9 besiegen.
Äußerlich erinnert er an einen weiß-goldenen Pokal mit weißen Flügelchen, zumindest im Manga.
Mistress 9 oder “der Messias der Stille” ist hierbei keine positive Erlöserfigur, sondern ein bösartiger Aliendämon, der sich mit Einverständnis ihres Vaters in Hotaru einnistet und im Laufe der Zeit immer größere Macht über das Mädchen gewinnt, bis schließlich die Anwesenheit von Chibiusas Silberkristall den Dämon aktiviert.
Man könnte eventuell aber auch Sailor Moons Opferbereitschaft und die wiederholten Auferstehungen der Figuren mit den reinsten Herzen als christliches Element interpretieren. Besonders im Kampf gegen Galaxia, als Sailor Moon ihr unbewaffnet entgegentritt und nur mit der Kraft ihrer Liebe, ihrer Reinheit und ihrer Opferbereitschaft das Böse besiegt, erinnert an christliche Tugenden. Außerdem hat Sailor Moon in ihrer stärksten Form Engelsflügel auf dem Rücken.

Fazit

Auch wenn “Sailor Moon” in den 90ern zu einem der (auch im Westen) erfolgreichsten Mangaserien wurde und die Animeserie Fans auf der ganzen Welt hat, ist es nicht empfehlenswert, teilweise scheinbar völlig willkürlich Elemente aus verschiedenen Kulturen mit der eigenen zu vermischen und daraus einen Canon zusammenschmelzen zu wollen. Spätestens wenn man sich näher mit der Materie befasst, fallen die vielen Unstimmigkeiten und Inkompatibilitäten der einzelnen Elemente bald auf und wirken auf Leser, die sich mit der jeweiligen Mythologie gut auskennen, bestenfalls befremdlich.
Sailor Moon ist eine wilde Mischung aus griechisch-römischen Elementen, die teilweise nur dem Namen nach übernommen wurden, (teilweise schein-)christlichen Elementen und japanischer Folklore. Diese Mischung funktioniert bei japanischen Lesern ebenso wie bei recht jungen europäischen Lesern, die die mythologischen Vorbilder nicht kennen.
Bei älteren oder in der Materie bewanderteren Lesern dagegen kann der wilde Mix Irritationen auslösen oder das Lesevergnügen stark einschränken.
Ob man also beim Bau der eigenen Welt und beim Konzipieren eigener Superhelden einen ähnlichen Weg beschreiten sollte? Tendentiell nicht – es spricht nichts dagegen, exotischere und/oder unbekanntere Mythologien als Grundlage heranzuziehen. Man sollte sich dann aber nicht auf die bloße Übernahme von Namen beschränken, sondern versuchen, mit dem vorhandenen Material zu arbeiten und die Inhalte sinnvoll aufeinander abzustimmen.

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Fallstudie: Zeitreisen IX – Die Abenteuer des Kalifen Harun al Pussah

…so der offizielle Titel von damals, besser bekannt dürfte die gute, alte Comic-Serie aber unter dem Namen „Der bitterböse Großwesir Isnogud“ sein. Wobei hier alt nicht nur sprichwörtlich zu verstehen ist: Der uns vorliegende zweite Band in deutscher Übersetzung stammt tatsächlich aus dem Jahre 1975 (wen’s interessiert: Damals konnte man tatsächlich noch einen Comicband um 4,20 DM bzw. 32 Schillinge kaufen… waren das noch Zeiten).

Aber zurück zum Thema: Auch der bitterböse Großwesir erlebt im Laufe der Abenteuer des Kalifen so manche Überraschung, dazu zählt auch eine Zeitmaschine.

Die Zeitmaschine und ihre Funktionsweise

Die Zeitmaschine besteht aus Holz und hat die praktische Form eines Schranks. Wer den Schrank öffnet und hineintritt, findet sich in der Vergangenheit wieder. Wie weit in der Vergangenheit, das lässt sich leider nicht beeinflussen: Wer in den 1960er Jahren in die Maschine steigt, landet im alten Bagdad. Wer in Bagdad in die Maschine steigt, in der Steinzeit.

Einen Weg zurück gibt es dabei nur, wenn jemand in der Ursprungszeit die Schranktür wieder öffnet. Dabei ist es egal, wo man sich gerade befindet – wird die Tür geöffnet, tritt man automatisch zu Hause wieder aus dem Schrank.

Blöd nur, wenn man vergessen hat, jemandem von der Zeitreise zu erzählen und niemanden hat, der einem die Tür aufmacht…

Vom längeren Öffnen der Tür ist übrigens abzusehen: Es könnten sich sonst Dinge aus der Vergangenheit in die Gegenwart verirren.

Die Auswirkungen der Zeitreise

…sind recht unspektakulär. Man findet sich vorübergehend in der Vergangenheit wieder und kann dort allerlei Unsinn anstellen. Aber das war’s auch schon. Wer die Tür zu lange offen stehen lässt, muss sich vielleicht auch in der Gegenwart dem Unsinn stellen, den die Vergangenheit dann anrichtet.

Fazit

Zunächst möchten wir jedem die Comic-Serie rund um Isnogud sehr ans Herz legen, strotzt sie doch vor skurrilen Einfällen und gelungenen Wortspielen.

Abgesehen davon scheinen Kleiderschränke ein sehr beliebtes Konzept als Tor zu sein. Nicht nur nach Narnia, auch durch die Zeit kann man mit ihnen reisen. Das ist nicht unplausibel – ein Kleiderschrank ist in sich geschlossen, er hat eine Tür, ergo ist er perfekt geeignet, um als Übergang in eine andere Dimension zu dienen.

Daher unsere Frage an euch: Wo gibt es noch andere Schränke, die ungeahnte Wege eröffnen?

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Fallstudie: Vampire in verschiedenen Canons – Teil 7 – Myotismon

Im heutigen Teil unserer Blutsauger-Serie behandeln wir einen eher unüblichen Vertreter der Gattung: Das Digimon Myotismon. Die Kinder der 90er unter unseren Lesern wissen vermutlich bescheid und können sich noch des goldenen Zeitalters entsinnen, als der deutsche Privatsender RTL II in seinem Nachmittagsprogramm nicht nur auf betrunkene Teenies auf Mallorca oder stahlharte Berliner Privatdetektive setzte, sondern einen japanischen Anime nach dem anderen ausstrahlte.

Für alle anderen hier die Kurzfassung: Die Anime-Serie Digimon handelt von einer digitalen Parallelwelt, die von Monstern, den sogenannten Digimon (=Digital Monsters) bewohnt wird. Diese Welt wird allerdings von finstren Mächten bedroht und so sorgt eine unbekannte Macht dafür, dass mehrere Kinder von der Erde in die Digiwelt gelangen und dort als Digiritter allerlei bösen Buben Einhalt gebieten.

Einer dieser bösen Buben ist Myotismon – und bei genauerem Hinsehen entpuppt sich dieses als waschechter Dracula-Abklatsch.

Optik

Myotismon hat – was nicht selbstverständlich für Digimon ist, manche Monster sehen z.B. aus wie waschechte Dinosaurier – nahezu menschliche Gestalt. Es geht auf zwei Beinen und trägt Kleidung, die aussieht, als hätte man sie Dracula direkt aus dem Sarg gestohlen. Etwas altertümlich, passend für die Zeit des 17. oder 18. Jahrhunderts. Fehlen darf dabei natürlich auch nicht der typische Dracula-Umhang, der natürlich schwarz ist und dessen Kragen bis weit über die Ohren hochsteht.

Verziert ist dieses Outfit, damit auch kein Zweifel aufkommen kann, mit Fledermauszeichen auf Handschuhen, Schultern und einem Stiefel (während den anderen Stiefel ein Totenkopf ziert).

Abgesehen davon weist Myotismon auch das wichtigste Merkmal eines jeden Vampirs auf: Spitze Eckzähne.

Fähigkeiten

In Digimon verfügt jedes Digimon über ein fixes Set an Attacken. Myotismons erste Attacke hört auf den schauerlichen Namen „Gruselflügel“: Dahinter verbirgt sich ein Schwarm an Fledermäusen, der sich sofort aufmacht, den Gegner zu fressen (etwa so, wie wenn ein Piranha-Schwarm fliegen könnte…). Die zweite Attacke von Myotismon ist „Albtraumkralle“: Hierbei handelt es sich um eine Art roter Peitsche, mit der der Feind fröhlich verdroschen wird.

Zusätzlich dazu kann Myotismon aber auch per Telekinese Gegenstände bewegen und Attacken anderer Digimon umleiten. Und selbstverständlich kann es auch fliegen.

Vernichtung

Als waschechtem Vampir kann Myotismon nichts wirklich gefährlich werden: Die Digimon der Digiritter beißen sich an ihm die Zähne aus, keines kann im Kampf mit ihm bestehen. Zumindest kein herkömmliches (der Metall-Dino Metallgreymon oder der Riesenkäfer Megakabuterimon etwa). Wohl aber kann Weregarurumon sich mit ihm messen – und nicht nur zufällig sieht dieses Digimon aus wie ein Wolf auf Zweibeinen und in abgerissener Hose, ein Werwolf eben. Gab es da nicht mal diese Geschichte, dass Werwölfe und Vampire sich in ewiger Feindschaft befinden und sich auf ewig im Zwielicht verkloppen? ;)

Sei es, wie es sei, Myotismon kann Weregarurumon entkommen, dafür findet es sich im späteren Verlauf der Handlung einem anderen, eigentlich vom Level her schwächeren Digimon gegenüber: Angemon. Angemon, was wohl so viel wie „Angel Monster“ heißen soll, sieht auch genauso aus wie ein Engel. Und tatsächlich hält Myotismon nicht nur inne, sondern lässt sich von dieser pseydo-christlichen Macht zurückdrängen. Als dann auch noch Angewomon (das weibliche Pendant zu Angemon) auftaucht, ist es um Myotismon geschehen. Passenderweise jagt ihm Angewomon auch noch einen Himmelspfeil, der natürlich aus himmlischem weißen Licht besteht, durch die Brust. Obs ein Holzpflock auch getan hätte, erfahren wir leider nicht.

Was wäre aber ein Vampir, wenn er nicht Menschen aussaugen würde? Tatsächlich wagt Myotismon gleich zwei Versuche, sich seine Macht zurückzuholen. Beide Male zapft es die Energie von Menschenkindern an, um noch viel stärker zurückzukehren. Dabei macht es sich jedoch nicht die Mühe, jedes Kind einzeln zu beißen, sondern absorbiert einfach deren Energie. Beim ersten Versuch geht das noch auf magisch-telekinetische Weise, indem Myotismons Helfer die Kinder einfach zusammenscharen und sie schlafen schicken.

Beim zweiten Versuch wird jedes Kind einzeln mit dem Samen einer schwarzen Blume infiziert und Myotismon muss dann selbst jede einzelne dieser Blumen ernten.

Die vampirische Macht scheint mit der Rückkehr aber gebrochen zu sein: Beide Male kann Myotismon dann von jedem stinknormalen Digimon aus dem Weg geräumt werden, so es denn stark genug für diese Aufgabe ist.

Fazit

Da sich in der Digiwelt allerlei seltsame Gestalten tummeln, ist wohl anzunehmen, dass der Zufall es so wollte, dass einige dieser Gestalten eben Ähnilchkeit mit Vampiren haben. Ein wirklicher Entstehungsmythos ist leider nicht vorhanden, wozu auch? Myotismon ist an sich ein fieser Gegner, der gut in das christlich geprägte Gut-Böse-Schema passt, das bei Digimon immer wieder auftaucht und wohl einen eigenen allgemeinen Artikel wert wäre.

Nichtsdestotrotz ist Myotismon ein gutes Exempel dafür, wie die Japaner die christliche Religion und ihre vielen Mythen und Auswüchse adaptieren und verändern, um ihre Geschichten anzureichern – gleich dem, wie es in der westlichen Fantasy aktuell auch „in“ zu sein scheint, die nordische Mythologie wieder aufzugreifen und zu verballhornen. Aber auch das ist eine andere Geschichte…

Nun die Frage an euch: Sind euch schon mal Vampire oder christliche Symbole in anderen japanischen Mangas oder Animes begegnet?

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Ankündigung: Teilnahme an der “Welttag des Buches”-Blogparade

Unter der Regie von Kevin  fanden sich im Blogzug-Forum mehrere Blogger, die den Welttag des Buches nicht mit einem Gewinnspiel, sondern statt dessen mit einer Blogparade rund um Bücher begehen wollen.

Auch die Weltenschmiede hat sich dem Projekt angeschlossen und am 23. April werdet ihr lesen können, zu welchen Thema rund um Bücher wir gebloggt haben. Die komplette Liste aller teilnehmenden Blogposts findet ihr ebenfalls ab dem 23. April bei Kevin (siehe Link oben).

Wir werden außerdem auf den Beitrag vor uns, dem nach uns und auf einen persönlichen Favoriten verlinken.

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Weltengeflüster März 2014 – die Rubrik wird ein Jahr alt!

Vor einem Jahr haben wir angefangen, Blogposts zu den Themen Weltenbau allgemein, für Weltenbauer Interessantes und Kurioses aus der Geschichte und Technik und Posts zum Thema “Schreiben und Veröffentlichen” allgemein zu sammeln. Mittlerweile gibt es Blogleser, die diese Kategorie am Liebsten mögen und Blogger, die so gut wie jeden Monat hier mit einem Artikel vertreten sind.
Danke an alle Blogger, die das hier überhaupt möglich gemacht haben!

Den Start macht diesen Monat Hiltibold - nachdem er vor mehreren Jahren einen Blogpost über die Kleidung des römischen Mannes geschrieben hat, folgte diesen Monat endlich der entsprechende Blogpost über die Kleidung der römischen Frau – hilfreich für alle, die für ihre Romane nicht das klassische Mittelaltersetting (Fantasy), das viktorianische Zeitalter (Steampunk) oder eine mehr oder weniger entfernte Zukunft (Science Fiction) gewählt haben, sondern sich in der Antike mehr zu Hause fühlen.

Von einem Autor der Fantasy Faction gibt es diesen Monat Tipps, wie man die Produktivität als Autor steigern kann – oder zumindest die Tipps, die dem Artikelschreiber dabei helfen. Ist etwas für euch dabei? Haltet ihr es ähnlich?
Ergänzend zu unseren Artikeln  zu diesem Thema gibt es von ihnen diesen Monat auch einen Überblick über die diversen Heilmethoden in Fantasy und Science Fiction.
Ein publizierter Autor gibt außerdem Tipps, wie man einen mehrschichtigen Handlungsstrang erschaffen kann.
Wann kann man einen Witz machen und wann sollte man besser in seinem Roman/Theaterstück/Comic/Computerspiel (ob der Fantastik zugehörend oder nicht) besser ernst bleiben? Ein hilfreicher Artikel über die richtige Humorbalance.Dieser Artikel ist vor allem für Fans der klassischen Heldenreise interessant – unabhängig was man selbst vom Konzept hält, ist er informativ und zeigt die Hintergründe der Forschung auf.
Als besonders hilfreich empfand ich aber vor allem diesen Beitrag – Videospiele und diverse Unterhaltungsfilmchen vermitteln ein völlig falsches Bild davon, was eine praktische und im Kampf wirklich hilfreiche Rüstung ist. Die zehn Tipps rücken das Ganze gerade.
Breaking News für alle, die wie wir sehnsüchtig auf die Verfilmung der Abenteuer von Newt Scamander warten – es wird eine Filmtrilogie! Erfahrungsgemäß werden jetzt Viele “Geldmacherei! Kinogängermelken” und Ähnliches schreien, aber das Versprechen, nicht für einen, sondern für ganze drei Filme wieder in die Welt von Hogwarts eintauchen zu dürfen, ist den dreifachen Kinoticketpreis mehr als wert. Oder wie seht ihr das?

Sind das tolle News oder sind das tolle News? Nachdem es jahrzehntelang keine Neuigkeiten über den beliebtsten Vampir der 70er, 80er und 90er gab, enthüllt Anne Rice die sensationelle Neuigkeit: Am 28. Oktober erscheint “Prince Lestat” – und damit nach über zwanzig Jahren eine Fortsetzung der Handlung aus den Vampirchroniken. Das ganze englischsprachige Internet spricht über nichts anderes – für das Weltengeflüster habe ich den entsprechenden Artikel (mit Originalvideo) von dreadcentral.com verlinkt.

Sind unter unseren Lesern Leute, die schon 1984 einen Computer hatten und darauf Textadventures spielten? Vielleicht sogar das mit 350.000 Exemplaren meistverkaufte Game der damaligen Zeit? Selbst wenn das nicht der Fall ist: Auf der Webseite des BBC gibt es zum dreißigjährigen Jubiläum des Ursprungsspiels zum Roman “Per Anhalter durch die Galaxis” eine Neuauflage des originalen, von Douglas Adams geschriebenen (zumindest die Texte sind von ihm) Textadventures mit hohem Spaß-, Frust- und Suchtpotential ;-).
Viel Spaß!

Quidditschfans aufgepasst: The Rowling Library berichtet, dass der erste Teil von “The History of the Quidditsch World Cup” von J.K. Rowling auf Pottermore veröffentlicht wurde. Laut Artikel dürfte auch der zweite Teil mittlerweile online sein. Seid ihr schon auf Pottermore oder würdet ihr euch dort registrieren, um exklusiven Zusatzcontent über Harry Potter und seine Welt zu lesen?

Für alle, die genauso wie ich sich schon darauf gefreut haben, dass VIVA den Sailer-Moon-Anime zeigt und sich dann wunderten, wie sie DAS als Kinder ertragen konnten, gibt es positive Neuigkeiten. Wie Geeks are Sexy berichtet, wird es wie schon vor zwei Jahren angekündigt, eine Neuzeichnung des Animes geben, die sich (im Gegensatz zum Anime von 1992) stärker am Manga orientiert. Einen ersten Blick auf die Optik kann man im Artikel erhaschen.

Für alle, die ihre Geschichten im viktorianischen Zeitalter ansiedeln und sich immer gefragt haben, wo bei einem Ball eigentlich die vielen Kutschen hinkommen, bloggt Sandra Schwab auf The Risky Regencies über die Verkehrsprobleme, die ein großes Kutschenaufgebot zu verursachen pflegte. Interessant zu wissen, dass das Problem mit dem Stadtverkehr nicht erst in der Neuzeit seinen Anfang nahm.

Können wir die Erderwärmung mit Hilfe von kohlensäurehalter Limo (oder Mineralwasser) aufhalten? Laut xkcd – ja, aber man bräuchte ziemlich viel davon und es würde mehr Probleme verursachen, als man lösen kann. Dennoch – eine interessante Idee für einen Science-Fiction-Roman, nicht wahr?

Habt ihr einen Artikel gelesen oder gar selbst geschrieben, der im Weltengeflüster April verlinkt werden sollte? Dann schreibt es als Kommentar unter diesen Artikel oder über das Kontaktformular. Außerdem suchen wir weiterhin Gastartikel!

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200 Posts – ein kleiner Rückblick

Wordle Weltenschmiede 20134

Mit dem Gastbeitrag von Carmilla ging am Sonntag der zweihundertste Post in unserem Blog online und es stellt sich immer wie Frage, was sich verändert hat, seit wir in unserem Post Nummer 101 vor über einem Jahr eine Billanz zogen.

Fallstudien, ursprünglich nur ein kleiner Teil inmitten der immer noch von Weltenbauartikeln dominierter Postings, sind mittlerweile die häufigste Postingart – während nur noch vereinzelte Weltenbauartikel zu immer komplexeren und kleinschrittigen Themen geschrieben werden.
Das hat einen einfachen Grund – das Gröbste, das man beim Weltenbau beachten muss, haben wir im Grunde genommen größtenteils abgearbeitet (wenn euch etwas Wichtiges fehlt, das wir vergessen haben, dann schreibt uns!) und es gibt nur noch wenige Dinge, die man in einem allgemeinen Weltenbauartikel behandeln kann. Dafür öffnet sich immer stärker der Blick aufs Spezielle: Was unterscheidet so unterschiedliche Schurken wie Voldemort und den Joker – und warum sind beide trotzdem bei ihren jeweiligen Fans so beliebt? Wieso ist ein glitzernder Vampir genauso erfolgreich wie einer mit Sonnenbrand? Und warum sind Werwölfe keine guten Haustiere?

Auch die im letzten Artikel erwähnten Tool-Tipps erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Wir testeten für euch den yWriter, Knovelty und Evernote - damit ist das Potential an nützlichen Autorentools allerdings noch keineswegs ausgeschöpft.

Während wir anfangs noch ganz allein gegen Zeitmangel und stressige Prüfungswochen an der Uni kämpften, gehören nun auch Gastartikel fest zu unserem Programm. Seit Mai 2013 suchen wir aktiv nach Gastautoren, die unseren Blog mit ihren Sichtweisen und ihrem Wissen bereichern wollen. Herausgekommen sind wunderbare Artikel, die zur Diskussion einladen und den Lesern neue Horizonte eröffnen.

Was mich angeht, so ist dieser Artikel mein 89ster Post – womit zwar nach wie vor mehr Beiträge von fruehstuecksflocke online sind als von mir, aber ich hole auf und bald haben wir den gleichen Anteil an Artikeln auf diesem Blog.

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[Gastartikel] Fallstudie: Die Affären der Götter

Carmilla deWinter bloggt auf http://carmilladewinter.com/  über das Schreiben von Queer Fantasy, über das Schreiben allgemein und über Geschlechtervorurteile. Ihr Roman “Albenbrut: Ein bindender Eid” erscheint am 15.04.2014 und kann bereits vorbestellt werden.

Über das Machtgefälle in Beziehungen und dessen Überbrückung anhand N. K. Jemisins „The Hundred Thousand Kingdoms“ (Deutsch: „Die Erbin der Welt“)

Kleines Caveat: Ich kenne die Geschichte nur im englischen Original, daher vielleicht der eine oder Schluckauf für Leute, die die Übersetzung gelesen haben.

Wie fruehstuecksflocke einmal bemerkte, sind beidseits erfolgreiche Liebesgeschichten zwischen Göttern und Menschen meistens zum Scheitern verurteilt. Wenn eine_r der Beteiligten mehr Macht besitzt als der andere, ist eine Partnerschaft auf Augenhöhe zumeist nicht möglich. Selbst Menschen und Zauberer haben es schwer – siehe Kirke und ihre Schweine.

Klar, Moral, wahre Liebe und gegenseitiger Respekt können viel ausmachen. Aber nicht immer habe ich es mit herzensguten Figuren zu tun, und selbst herzensgute Figuren haben den Tropfen, der ihr Fass zum Überlaufen bringt, beziehungsweise das Ereignis, mit dem gewiefte Autor_inn_en sie korrumpieren.

Und Götter kümmern sich sowieso nicht um das, was Menschen gut oder böse finden.

Zum Beispiel Nahadoth, der Nachtgott der Hunderttausend Königreiche. Vor Jahrhunderten bekriegte er sich mit seinem Gegenpol, dem Lichten Itempas, um die Liebe der Dämmerungsgöttin Enefa. Enefa starb, nur noch ein Rest ihrer Seele liegt in einem Stein eingeschlossen. Itempas zwang Nahadoth in einen Menschenkörper, und machte ihn und drei seiner Kinder zu Sklaven der Familie Arameri, welche diese neue Macht sofort ausnutzte.

Einen Haken hat die Sache allerdings: Nahadoth und seine Mitgefangenen leisten jedem Befehl der Arameri Folge, nehmen jeden Befehl wörtlich, und nutzen jede Logiklücke aus. Die Arameri müssen also sehr aufpassen, wie sie ein Gespräch mit ihnen führen. „Vernichte diese Armee.“ – Blöd, wenn die betreffende Armee vor den Toren der Hauptstadt lagert und man nicht gesagt hat, dass die Hauptstadt bitte nicht in einem Schwarzen Loch verschwinden soll.

Zur Zeit der „Erbin der Welt“ herrschen die Arameri unangefochten über die Hunderttausend Königreiche, also über die gesamte Welt. Nahadoth, durch sein Sklavendasein jeder Würde beraubt, hat Rache an Itempas geschworen, was mittlerweile das Einzige ist, was ihn einigermaßen zurechnungsfähig macht. Bisher hat er jede Person, die sich in ihn verliebt wähnte, in einen Fleck aus Blut und Gewebe auf dem teuren Steinboden des Palastes verwandelt.

Insofern sind die Aussichten der Baronin Yeine Darr nicht gerade rosig, als sie sich in Nahadoth verguckt. Wobei ich nicht verschweigen kann, dass ihre Aussichten allgemein düster sind, scheint es doch, als habe ihr Großvater, Dekarta Arameri, sie nur in den Palast beordert und zur Erbin erklärt, um dabei zuzusehen, wie seine anderen beiden Erben sie in der Luft zerreißen.

Für Yeine beginnt Detektivarbeit – kann sie rechtzeitig vor der Machtübergabe in zwei Wochen herausfinden, wer hier welches Spiel spielt, und es zu ihren Gunsten beeinflussen? Verkompliziert wird das ganze dadurch, dass Nahadoth und die anderen versklavten Götter sie um Hilfe gegen die Arameri bitten. Anscheinend haben sie berechtigte Hoffnung, ihre Gefangenschaft beenden zu können.

Also genau das freundliche Umfeld, das keimende Liebe aufblühen lässt. Ahem.

Sehen wir uns an, wie sich die beiden Figuren gegenseitig im Zaum halten, und wie Jemisin verhindert, dass das Ganze in Liebesroman-Wunscherfüllung abgleitet, wo allein echte und wahre Liebe dafür sorgen würde, dass Nahadoth Yeine leben lässt, und dass Yeine Nahadoth nicht mit ihrer Befehlsgewalt erniedrigt. (Nicht, dass ich was gegen Wunscherfüllungsprosa habe … *hust* Fanfiction *hust*)

Nahadoth ist ein Gott mit fast uneingeschränkter Macht – sobald seine Sklavenhalter_innen ihn von der Leine lassen. Yeine ist eine jener Sklavenhalterinnen. Außerdem will er einen Dienst von ihr, von dem er sich seine Freiheit verspricht. Sie umzubringen, verspricht bestenfalls kurzfristig Befriedigung, wäre auf längere Sicht aber kontraproduktiv.

Yeine hat mit dem richtigen Befehl uneingeschränkte Macht über Nahadoth. Aber: Das gleiche gilt für den Rest der Arameri. Yeine erwartet sich zudem von Nahadoth Aufklärung über Ereignisse in der Vergangenheit, und Hilfe dabei, die nächsten Wochen heil zu überstehen. Ihn vor den Kopf zu stoßen, wäre kontraproduktiv.

Die beiden brauchen sich gegenseitig zum Erreichen ihrer Ziele. Aus dem Palast können sie nicht entfliehen. Nahadoth, weil er keine Erlaubnis dazu hat, und Yeine, weil ihre Verwandtschaft ihm jederzeit ihre Rückholung befehlen könnte. Zuckerguss zum Verdecken von Logiklöchern ist hierbei unnötig, deshalb kommt dieser von der Autorin als „romance“ bezeichnete Subplot auch mit bemerkenswert wenig Schwärmerei und sehnsüchtigem Seufzen aus.

Wir haben hier ein klassisches Beispiel dessen, was James N. Frey als einen „Crucible“ bezeichnet. Beide kochen, zusammen mit anderen Figuren, bei geschlossenem Deckel im selben Kessel, bis der Druck so groß wird, dass das Ding hochgeht. (Aber ich verrate nicht, wie.)

Fazit: Ich würde auch gern an die Liebe glauben. Leider ist es aber häufig so, dass Macht korrumpiert. Diejenige Partei, die sich als machtlos empfindet, wird mit der Zeit Ressentiments aufbauen, während die Partei, die als Bestimmer agiert, eventuell Verachtung für jemand entwickelt, der sich nicht wehrt. Schlechte Aussichten für ein dauerhaftes Happy End. Ergo muss ein Geflecht gegenseitiger Abhängigkeiten her, welcher Art die auch immer sein mögen.

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Unser Feuerblut veröffentlicht!

Ich möchte diesen sonnigen Mittwoch nach Einbruch der (gefühlten) Eiszeit nutzen, um auf ein paar erfreulichere Neuigkeiten hinzuweisen.

Wie ihr sicherlich wisst, sind wir nicht nur Fiktive-Welten-Freaks und Fantasy-Nerds, sondern schlagen uns auch tagtäglich mit dem harten Autorenhandwerk herum (i.e. E-Mails checken, Twitter aktualisieren und manchmal ein oder zwei Zeilen schreiben…). Weil das ist nun mal einfacher, als sich einen wirklichen Job zu besorgen.

Nun können wir sogar von der Autorenfront einen wirklichen Erfolg vermelden: Unsere Evanesca Feuerblut (ihr alle kennt sie als die, die hier die wirklich ernsthaften, guten Artikel veröffentlicht) hat es geschafft und darf sich nun wirklich Autorin nennen. Neben einer Zeitschriftenveröffentlichung in der 20. Ausgabe von Asphaltspuren hat sie es nun auch in zwei Anthologien geschafft, beide herausgegeben von Autor Claus Beese:

  • “Ist ja tierisch!”:
    Taschenbuch – 145 Seiten – 11,00 € – Mohland Verlag – ISBN: 978-3-86675-220-7
  • “Plätzchenduft und Tannengrün”:
    Taschenbuch – 131 Seiten – 10,00 € – Mohland Verlag – ISBN: 978-3-86675-214-6

Mir bleibt nur zu sagen: Hut ab, Frau Feuerblut! Ich beglückwünsche Sie herzlichst zu diesem Erfolg! Mögen noch viele weitere Veröffentlichungen folgen!

Und ich weiß ja nicht, was ihr jetzt macht, aber ich werde, sobald ich wieder daheim bin, mir die Bücher in meiner Buchhandlung bestellen.

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Tool-Tipp: Evernote – kostenlose Version

Nachdem Ally Stone  in ihrem Artikel auf Evernote hingewiesen hat, musste Evernote auf Herz und Nieren getestet werden – gerade Weltenbastlern und Schreibern kann eine Idee für ein Buch genau dann zufällig einfallen, wenn man mit dem Smartphone im Bus sitzt und „Angry Birds“ spielt (oder was auch immer gerade angesagt ist) und den Kopf völlig frei hat.
Ein Programm, mit dem man Notizen von unterwegs anlegen und zu Hause bequem vom Rechner aus anschauen kann? Ein Programm, mit dem man auch von unterwegs, beim Ausspinnen einer Idee, bequem Hintergründe nachschauen kann?
Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein.
Es gibt bei Evernote zwar auch Premiumfeatures, die nur gegen Bezahlung zugänglich sind, diese wurden jedoch bisher nicht getestet. Alle Aussagen beziehen sich auf die kostenlose Version.

Evernote – das Programm

Zunächst einmal ist es wichtig zu wissen, auf welchen Rechnern sich das Programm installieren lässt. Die Systemanforderungen (Stand: 06.03.2014 [Quelle: netzwelt.de]) sehen so aus:

Betriebssystem: funktioniert ab Windows XP, mit allen Mac OS auf dem Markt kompatibel
Dateigröße: 77,5 MB
Es handelt sich um Freeware, für den Download des Grundprogramms muss man also kein Geld zahlen und sofern man keine Premiumfeatures aktiviert, fallen keine Gebühren an.

Sobald man das Programm heruntergeladen hat, muss man sich auf Evernote registrieren. Dabei gibt man einen Benutzernamen, eine E-Mailadresse und ein Passwort ein.
Während man mit Evernote arbeitet, sollte idealerweise eine Internetverbindung dauerhaft vorhanden sein oder – falls man aus irgendeinem Grunde Volumen sparen muss – regelmäßig angeschaltet werden, da nur so die Daten regelmäßig mit dem Evernote-Server synchronisiert werden und so auf allen Geräten bereitstehen.
In der kostenlosen Version stehen dem User 50 MB Volumen pro Monat zu, die neu hochgeladen, notiert oder sonstwie verwendet werden können. Für den Normalgebrauch während der Testphase und darüber hinaus reicht das völlig aus (selbst wenn sehr viele Texte geschrieben oder hochgeladen wurden, wird zumindest von meiner Seite selten auch nur 1% des maximal erlaubten Volumens erreicht). Wem das nicht reichen sollte, der kann auf 1 GB pro Monat in der Premiumversion aufstocken.

Man kann damit Notizen, Listen und Erinnerungen an Termine anlegen und an die Notizen zusätzlich Dateien anhängen (solange sie im Rahmen des maximal möglichen Uploadvolumens bleiben).
Die Notizen kann man in Notizbüchern ordnen (von denen man so viele anlegen kann wie man will) und man kann sie freigeben – also öffentlich lesbar machen. Wenn man also einem befreundeten Weltenbauer seinen Text zeigen will, kann man über Evernote recht komfortabel direkt eine Mail verschicken. Damit die Mail allerdings nicht im Spam-Ordner landet, sollte man noch einen kurzen Text hinzufügen und vorsichtshalber von der regulären Mailadresse aus schreiben, dass etwas auf dem Weg ist. Denn Evernote versendet von einer selbstregulierten Mailadresse aus und die gelangt z.B. bei GMX nicht durch den Spam-Filter.
Außerdem ist es möglich, eine handschriftliche Notiz anzulegen. Mit der Maus ist es allerdings recht mühselig, dort wirklich etwas Längeres reinzuschreiben. Oder man nimmt per Mikrofon oder Webcam direkt eine Audio- oder Videonotiz auf. Auch das Abspeichern eines Screenshots ist möglich.
Gespeichert wird automatisch während des Anlegens – wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte jedoch nach getaner Arbeit an einer Notiz einfach eine beliebige andere Notiz anklicken. Dann wird die vorige Notiz auf jeden Fall synchronisiert und kann nicht verloren gehen.
Sämtliche Notizen können mit Schlagwörtern versehen oder mit Hilfe von „Evernote Atlas“ bestimmten Orten auf der Weltkarte zugeordnet werden.
Das Programm kann außerdem mit zahlreichen Browser-Add-Ons aufgewertet werden und unzählige Zusatzfunktionen erhalten. Am Beliebtesten ist „Webclipper“, mit dem man sich Seiten aus dem Web direkt ins Notizbuch holen kann.
Generell ist die Bedienung sehr intuitiv und man braucht keine Handbücher zu wälzen, um sie zu verstehen. Dennoch gibt es z.B. im Evernote-Blog zahlreiche Vorschläge, wie man noch mehr aus dem Programm herausholen kann.

Webanwendung

Die Webanwendung ist im Vergleich zum vollwertigen Programm teilweise abgespeckt, ermöglicht es jedoch, von jedem beliebigen (internetfähigen) Rechner aus auf die eigenen Notizen zuzugreifen und etwas an ihnen zu verändern.
Man kann mit der Webanwendung ausschließlich getippte Notizen hinzufügen, handgeschriebene Notizen werden zwar angezeigt, können jedoch nicht bearbeitet werden.
Auch die Menüanordnung ist teilweise anders und darum nicht so leicht zu finden, wenn man an das vollwertige Programm gewöhnt ist.
Außerdem sortiert die Webanwendung die Notizen anders als das Programm, weshalb man einige Notizen nicht auf Anhieb findet (bis man die Suche bemüht).
Um die Webanwendung nutzen zu können, muss man sich bei www.evernote.com mit seinen Daten einloggen. Auf Fremdrechnern sollte man sich entweder unbedingt wieder ausloggen oder im anonymen Modus arbeiten, um nicht versehentlich private Daten (insbesondere Benutzername/Mailadresse und Passwort) dort zu hinterlegen, wo man sie nicht gern hätte.

App für Android

Die Android-App ist sehr komfortabel in der Bedienung (zumindest wenn man größere Bildschirme hat – die App ist derzeit auf einem 5“-Smartphone in Verwendung) und sehr übersichtlich. Wenn man die App startet, werden die Notizüberschriften und die ersten paar Sätze in der Reihenfolge angezeigt, in der sie zuletzt bearbeitet wurden.
Um eine Notiz zu lesen, muss man sie lediglich antippen. Ein weiterer Tipp auf den Stift und schon kann man lostippen und die Notiz ergänzen. Bei längeren Notizen ist es allerdings mit der Zeit etwas mühselig, bis ans Ende der Notiz zu scrollen. Man kann eine Datei anhängen oder direkt aus der Anwendung heraus ein Foto schießen und an die Notiz anhängen. Von den umfangreichen Formaten der PC-Version stehen immerhin fett, kursiv, unterstrichen, nummerierte und unnummerierte Auflistung sowie Checkliste zur Verfügung. Außerdem kann man Termine und Erinnerungen erstellen.
Auch in der App stehen umfangreiche Möglichkeiten zur Verfügung, um die entstandene Notiz mit anderen zu teilen.
Achtung: Wenn man mit der App gearbeitet hat und den Text am PC weiterschreiben will, ist es sehr wichtig, nach der Arbeit mit der App zur Übersicht zurückzukehren. Ansonsten kann es vorkommen, dass die App beim Start mit dem Server synchronisiert und dabei alles, was man am PC geschrieben hat, verloren geht.

Einschränkungen und Probleme

Während des Testzeitraums lief der NaNoWriMo und so wurde getestet, ob es möglich ist, einen ganzen NaNo-Roman in einer Notiz zu haben und zu bearbeiten.
Dabei stößt das Programm bald an seine Grenzen – statt allerdings eine Fehlermeldung auszugeben, wird die Notiz auf der Android-App und in der Web-Anwendung schlicht und ergreifend nicht in der Liste der Notizen angezeigt, während die Notiz nach wie vor auf dem normalen Programm für den PC vorhanden ist und bearbeitet werden kann. Wieso, konnte letztendlich nie abschließend geklärt werden, da auch mit diesem riesigen Dokument (als der Versuch, die Riesennotiz zu synchronisieren, abgebrochen wurde, hatte sie rund 20.000 Wörter von insgesamt 50.030, die in diesem NaNoWriMo geschrieben wurden) keine Uploadgrenzen für den Monat November erreicht wurden und auch keine Fehlermeldung ausgegeben wurde.
Nachdem das Experiment abgebrochen wurde, tauchte die Notiz irgendwann unversehens auch in der App und in der Web-Version wieder auf. Die – übrigens exzellente – Community stand vor einem Rätsel.
Es gibt keine Testergebnisse zur App für iPhone und iPad, da solche Geräte nicht im Besitz der Testerin sind.

Generelles Fazit

Bis auf einige kleine Einschränkungen bietet Evernote ein überraschend vielseitiges Tool für den Autor und Weltenbauer. Das Programm ist intuitiv und durch die vielen Plattformen kann es überall mitgenommen werden. Das erleichtert die Arbeit enorm und seit dem Test im November ist auch so mancher Weltenbauartikel mit Hilfe dieses Programms entstanden.
Es hat jedoch, wie jedes andere Programm auch, seine kleinen Macken und Schwächen.

Kennt ihr Evernote? Habt ihr schon mal damit gearbeitet? Wie sind eure Erfahrungen? Oder würdet ihr anderen Programmen den Vorzug geben?

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Gastartikel: Sprachwandel

Heute stellen wir euch einen Gastbeitrag von Ben vor. Ben bloggt auf “ben schreibt” über das Schreiben allgemein, über seine eigenen Geschichten und über philosophische Dinge. In diesem Gastartikel widmet er sich dem Wandel der Sprache und seinen Hintergründen.

Für mich als Schreiberling stellt sich oft die Frage: Wie hauche ich den Dialogen meiner Charaktere Leben ein?
Das ist natürlich eine Frage auf die es tausende Antworten gibt. Man kommt aber in der Regel nicht daran vorbei, sich bei der Suche nach Antworten über die Sprachentwicklung Gedanken zu machen. Woher kommt die Sprache? Warum ist Sprache so, wie sie ist? Was macht Sprache aus?

Klar ist: Sprache entwickelt sich.

Sonst würden wir uns heute immer noch angrunzen (oder wie auch immer Neandertaler sich verständigt haben). Ohne Sprachentwicklung gäbe es nicht gut 53 aktiv gesprochene Dialekte, alleine in Deutschland. Schätzungen berufen sich auf 6500 bis 7000 Sprachen weltweit (ohne Dialekte). Dies haben wir – davon ausgehend das alle Menschen den selben Ursprung haben – einer Sprachentwicklung von gut 100.000 Jahren Menschheitsgeschichte zu verdanken. In dieser Zeit ist unglaublich viel passiert mit unserer Sprache.

Sprache kann sich natürlich nur entwickeln, wenn sie gesprochen wird. Daraus kann man ableiten, das sich Sprache grundsätzlich nur regional durchsetzt. In “Rufweite”, wenn man so will. Das sind wohl die Dialekte, welche wir heute noch kennen und lieben. Je weiter man sich voneinander entfernt, um so weiter entfernt sich auch die Sprache voneinander. Ist logisch. Man nehme nur mal das Stille-Post-Spiel als Beispiel…

Einigen Charakteren kann man hierdurch schon Charakter verleihen. Man kann sanfte Dialekte entwickeln oder kopieren. Es muss natürlich für jeden leserlich bleiben, man darf es also nicht übertreiben. Aber wenn man seinen Charakteren “Angewohnheiten” mit in die Sprache gibt wie zum Beispiel das beliebte “Aye” oder bei Fragen ein “…, wa?” dann formt das schon Unterschiede heraus und sorgt für Wiedererkennungswert.
Es kann auch erlaubt sein die Sprache in Dialogen ein wenig umzuformen und Regeln der Grammatik zu brechen. So könnte zum Beispiel ein Satzbau wie “Ich esse mir jetzt etwas” oder “Ich rauche mir jetzt eine” durchaus erlaubt sein, obwohl richtig natürlich wäre “Ich esse jetzt etwas” oder “Ich rauche jetzt eine” – Das “Mir” hat da grundsätzlich nichts verloren. Wem will man sonst etwas essen oder rauchen?
Auch die Rechtschreibung darf stilisiert werden! Man kann Buchstaben weglassen oder ergänzen, wenn man das möchte. “Un da hatter mich anepöbelt!” um ein Lallen darzustellen, beispielsweise.
Aber man muss damit auf jeden Fall aufpassen. Es darf nicht störend oder nervig werden. Außerdem muss es, wie gesagt, verständlich und leserlich bleiben. Einen richtigen Dialekt kann man kaum simulieren, ohne dass der Leser den Text in den Kamin schmeißt. Außer man will als Stilelement, dass etwas nicht verstanden wird. Man sieht in Fantasiebüchern ja oft ganz eigene Sprachen; Tolkien mit seiner Elbensprache ist da wohl das populärste Beispiel.

Diese Dialekt-Entwicklung erfährt natürlich Einbrüche durch Besatzungen, Handel, Reisende, Diplomatie, Grenzen… also immer dann, wenn zwei oder mehr Sprachkreise aufeinandertreffen und sich überschneiden. Das war schon immer so, selbst bei den alten Stämmen. Wenn die sich begegnet sind, musste improvisiert werden. Diese Treffen von Stämmen und Urclans wurden mit ihrer Sprachproblematik zum Beispiel hervorragend von Jean M. Auel in ihrer sechsbändigen Buchserie “Ayla” zu einem Thema gemacht. Wie verständigen die sich? Wie ändert sich die eigene Sprache und Wahrnehmung dadurch?
Von solchen Begegnungen stammen letztendlich auch Anglizismen & Co. Wann immer wir etwas aus einer anderen Sprach übernehmen, dann weil wir mit dieser konfrontiert wurden. Auf welche Art und Weise auch immer. Das kennt auch jeder von uns, der mal in einem Bundesland war, in dem starker Dialekt gesprochen wird. Man kommt überhaupt nicht drum herum, den Dialekt nachzumachen. Das passiert komplett automatisch.

Auch solche Elemente kann man in seinen Geschichten als Stilmittel verwenden, wenn sie in die Zeit passen. Das sollte man dann sogar tun, damit es plausibel wird. Wenn sie nicht in die Welt der Geschichte passen, dann sollte man extrem aufpassen, was man übernimmt.
Wenn man eine Welt kreiert, in welcher es gleich mehrere Sprachen gibt, die aufeinandertreffen, dann kann man auch stilistisch nutzen, das sich Sprache überschneidet. Das ist natürlich nicht einfach und muss wohl überdacht werden.

Heute passiert Sprachentwicklung, wie es niemals zuvor passieren konnte. Das liegt an zwei Phänomenen:
- Wir sind weit über 7 Milliarden Menschen auf unserer blauen Kugel. Der Platz wird langsam echt knapp. Um 1900 gab es lediglich 2,5 Milliarden Menschen. Man lasse sich diese Zahlen und die Differenz in nur 100 Jahren mal auf der Zunge zergehen. In Antike und Mittelalter gab es teilweise nur ein paar Millionen. In der Steinzeit ein paar hundert Tausend. Klar, das die Sprachkreise heute mehr überlappen als jemals zuvor! Die Kulturen vermischen sich.
- Dazu kommt noch, das wir in den letzten 100 Jahren eine sagenhafte Entwicklung in der Kommunikation gemacht haben. Funk, Radio, Telefon, TV, Internet… und vieles haben wir schon wieder vergessen, wie Telegrafen beispielsweise. Wir leben in Zeiten von Glasfaserkabeln, in der Daten ans andere Ende der Welt in Millisekunden verschickt werden. Das hat vor 50 Jahren auch noch Minuten, bisweilen Stunden gedauert.

Es findet also eine Globalisierung der Sprache statt.

Solche Gedanken darf man nicht vergessen, wenn man Belletristik der Neuzeit schreibt. Man muss sich vor Augen halten, wie die Menschen zu ihrer Zeit kommuniziert haben. Vor 20 Jahren ist keiner mit Smartphone herumgelaufen. Vor 50 Jahren hatte nicht mal die Hälfte der Bevölkerung ein Telefon. Man kann nicht etwas in den 60ern schreiben und auf einmal zieht der Hauptcharakter ein Handy aus der Hose.
Wichtig ist das auch, wenn man in der Zukunft schreib. Was wird in 10 Jahren sein? Da muss man sich ein paar Gedanken machen. Gibt es Implantate in der Haut? Smartlinsen fürs Auge? Oder bricht die komplette Kommunikation zusammen? Da darf es gerne ein wenig futuristisch werden!

Gleichzeitig aber entstehen gerade wegen dieser hervorragenden Kommunikationswege nicht regional gebundene Verbünde von Menschen. Es entstehen also nicht regionale Dialekte, wenn man so will. Das finde ich unglaublich spannend. Das betrifft geschlossene Gruppen von Menschen: Whatsappgruppen, Facebookfreunde, Twittergemeinden, Firmen, Multiplayer, Foren, Firmen, Fachbereiche. Wenn man neu in so eine Gruppe hereinkommt oder als außenstehender Gespräche mitbekommt, versteht man oftmals nur Bahnhof. Es entstehen Abkürzungen, Sprachen werden vermischt, neue Worte kreiert, die nur Insider logisch verstehen können.
Gerade der Multiplayer ist dafür ein Beispiel, das jetzt mal herhalten muss. Ich spiele immer mal wieder gerne Onlinerollenspiele, daher kann ich da ganz gut mitreden. Typische Gespräche können so aussehen im Multiplayer:

“tank lfg 5er grp mit dd und heal für br”
“invite dd und heal für br”
“invite für br kommt mom”
“Port für br otw”
“Tank go – adds inc”
“dds dotten, heal in tankrange”
“tank aggro halten”
“dd focus und mehr dps”
“wipe”
“5 minuten afk für alle”

Das ist natürlich eine hochspezialisierte Sprache! Keiner, der sich nicht ein wenig auskennt, weiß was gemeint ist. Mann muss schon zur Gamercommunity gehören. Und so wird nicht nur im Chat geschrieben sondern auch über Sprachprogramme gesprochen. Das betrifft aber wie gesagt nicht nur Spiele, sondern auch alle anderen Bereiche in denen eine kleine Gruppe von Menschen spezialisiert kommuniziert werden muss. Das erinnert mich alles ein wenig an das früher übliche Steno-Schreiben. Was heißt früher? Bei handschriftlichen Notizen die in Echtzeit aufgezeichnet werden müssen ist Stenographie immer noch üblich. Doch im Grunde ist es das Selbe: Optimierte Sprache.

Davon muss man in seinen Geschichten zwingend die Finger lassen. Von Fachbüchern die auf einen bestimmten Bereich abzielen mal ausgenommen, fällt mir nichts ein, bei dem solche Stenosprachen als Stilmittel vorteilhaft wären.

Es passiert aber noch eine weitere Sache: Örtliche Dialekte sterben weltweit schneller aus, als es je zuvor der Fall war. Die werden nicht mehr gebraucht und abgelegt. Oft als hinderlich und überflüssig betrachtet, weil man damit eben nicht überall verständlich ist. Das hat soweit ich beurteilen kann zwei Ursachen:
- Sprache ist eher global und weniger regional.
- Es wird wichtiger, dass man im weitem Umfeld verstanden wird.
Niemals zuvor hat in der westlichen Welt so gut wie jeder zwei Sprachen gesprochen. Viele sogar drei oder vier. Einige noch mehr.
Das gab es früher einfach nicht, außer in diplomatischen Kreisen und bei einigen wenigen Händlern. Da hat man den örtlichen Dialekt gesprochen. Und wenn es hoch kam, dann hat man noch die dialektfreie Landessprache beherrscht. Der Klerus und manch Adeliger verstand sich vielleicht noch auf Latein oder in anderen Sprachen. Das waren dann aber schon Spezialisten.
Wichtig ist heute: Dass man im ganzen Land verstanden wird. Dass man global kommunizieren kann.

Mein Fazit: Die Sprache befindet sich momentan weltweit im Umbruch. Irgendwann wird es soweit sein, dass jeder Mensch ein und dieselbe Sprache spricht (ob das nun Englisch, Chinesisch, Russisch oder Arabisch wird, da will ich mich mal nicht festlegen – man sollte vielleicht besser alle 4 lernen…).
Örtliche Dialekte werden dem zu Gunste immer weiter weichen, statt dessen wird es die alten Landessprachen geben (Deutsch zum Beispiel). Das menschliche Gehirn hat eben nur begrenzte Sprachkapazität und Tradition ist eben doch nicht so wichtig wie weltweite Kommunikation. Jeder will überall verstanden werden und wer nicht gerade ein Sprachgenie ist, der muss sich gut überlegen, was er nun effektiv lernen will. Dialekte werden etwas für Traditionsbewusste und Spezialisten, Forscher werden.

In Nischen wie Firmen, Games, Hobbys, Chatgruppen werden sich hochspezialisierte Sprachen die auf Effektivität und Zeitersparnis ausgelegt sind entwickeln, welche ein Außenstehender kaum verstehen wird.

Ganz Liebe Grüße, Euer Ben

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