Weltenbau-Artikel: Kriegsführung

Wird eine Welt von Menschen oder menschenähnlichen Wesen bevölkert, kommt es eines Tages zu einem Konflikt. Eine Meinung steht der anderen gegenüber, ein Streit entbrennt. Was am Stammtisch in der Kneipe höchstens zu einer wilden Rauferei und eventuellen Beschädigung des Schankraumes führt, kann auf politischer Ebene alles mögliche auslösen, von der Aufkündung eventueller Verträge bis hin zu einem bewaffneten Konflikt (außerhalb der deutschen Bundespolitik auch „Krieg“ genannt).

Davon abgesehen, dass Krieg wohl eines der schlimmsten Dinge ist, die auf Gottes Erde passieren können und dass er strengstens zu verurteilen ist, ist Krieg an sich scheinbar ein völlig normales Ereignis, wenn man sich die heutige Fantasyliteratur ansieht – ein Umstand, der es schier unvermeidlich macht, dem Krieg einen Artikel zu widmen, wenn’s um den Weltenbau geht.

Grund und Ursache eines Kriegs

„Nur wer denkt, irrt auch“, sagt ein altes Sprichwort. Nun, ebenso zutreffend ist auch, dass wohl jedes selbstdenkende Wesen auf seine Art irre ist. Könige, Politiker und andere regierende Herrschaften sind da keine Ausnahme. So können die von ihnen erklärten Kriege vielfältige Ursachen haben.

  • Krieg um Rohstoffe: Der klassischste aller Gründe, vor allem während des Kolonialismus in Afrika, Asien und Amerika ein Dauerbrenner. Saßen beispielsweise die Franzosen auf einer Goldader, platzten die Engländer beinahe vor Neid. Was dann passierte, kann sich jeder denken.
  • Krieg um Land: Welches Königreich hätte nicht gern einen eigenen Meerzugang, um eine Flotte zu unterhalten? Wer hätte nicht gern eine Grenze mit seinem liebsten Handelspartner, um nicht mehr durch das Gebiet des verhassten Nachbarn reisen zu müssen? Wer sähe dieses und jenes Weltwunder nicht gern auf dem eigenen Staatsgebiet, als wenige Kilometer von der Grenze entfernt?
  • Krieg um des Krieges Willen: Erinnert sich noch jemand an die Zeit vor dem 1. Weltkrieg? Oder an den kalten Krieg? Als alle Supermächte versuchten, mehr Waffen zu haben als die anderen und jeder Staatschef schon nervös mit dem Finger am Abschussknopf in der Kommandozentrale saß? Während es uns beim kalten Krieg erspart blieb, brach der 1. Weltkrieg auch darum aus, weil alle sich mächtiger als die anderen fühlten und schnell mal alle anderen Supermächte von der Platte putzen wollten (es gab natürlich noch viele andere Gründe für den 1. Weltkrieg).
  • Krieg um eine Frau – Troja lässt grüßen. Egal welcher Version (Filme, Bücher oder gar der alte, griechische Mythos) man glauben schenkt, es läuft immer darauf hinaus, dass der trojanische Prinz Paris was mit Helena, der Frau des spartanischen Königs hat. Dessen Bruder Agamemnon ist zufällig König von Griechenland, also hopp, man besiege die Trojaner und hole die holde Schönheit zurück.
  • Krieg aus Abneigung: König Franz mag Fürst Joachim nicht. Also weiten sie ihre persönliche Fehde auch auf ihre Reiche aus. Klingt dumm, soll aber auch schon vorgekommen sein.

Strategisch wichtige Punkte

Krieg tobt über das Land, Frauen und Kinder befinden sich auf der Flucht und tapfere Männer eilen aus, um ihre Heimat zu beschützen. Doch kein feindlicher Heerführer hetzt seine Soldaten planlos durchs feindliche Land. Ebenso werden sich keine Verteidiger irgendwo an einer beliebigen Stelle versammeln.

  • Städte und Dörfer beherbergen viele Leute, haben demnach auch größere Nahrungsvorräte und sind meist mit Palisaden oder gar Mauern umgeben. Dadurch sind sie bestens als Ausgangs- und Sammelpunkt für verteidigende Armeen geeignet und bieten Flüchtlingen Schutz. Dies macht sie ebenso zu wichtigen Zielen für den Feind. Erobert er eine Stadt, so kann er seine Soldaten mit neuem Proviant versorgen, macht unter Umständen reiche Beute und stärkt durch einen vergleichsweise einfachen Sieg die Moral seiner Truppe (denn es ist recht selten, dass einfache Dörfler oder auch kleine Stadtmilizen einer richtigen Armee viel entgegensetzen können).
  • Flüsse sind je nach Größe und Tiefe ein zeitraubendes Hindernis, muss doch erst nach einer Furt oder Brücke gesucht werden, um die Versorgungswagen sicher auf die andere Seite zu bringen. An solchen Furten gibt es meist Siedlungen, wo Brücken existieren, finden sich meist auch Städte, die meist wacker verteidigt werden. Bei Tolkiens Ringkrieg trennt nur der Fluss Anduin die beiden Kriegsparteien voneinander, um die Stadt Osgiliath, durch die er fließt, toben heftigste Schlachten.
  • Ebenso sind Berge ein natürliches Hindernis. Man muss sie entweder umgehen oder bei einem Pass überqueren, weshalb viele Herrscher ihre Pässe mit Grenzfestungen sichern.
  • Burgen und Landsitze von Adeligen können den Vormarsch des Feindes manchmal richtig zum Stocken bringen, weil Adelige meist richtige Soldaten beschäftigen, die sich aufs Kriegshandwerk verstehen.
  • Große Wälder oder Schluchten eignen sich auch gut für Hinterhalte, wie Robin Hood einst erfolgreich vormachte.

Auswirkungen von Krieg auf Land und Bevölkerung

Krieg ist wohl das schlimmste, was der armen Landbevölkerung zustoßen kann, denn während die Städter hinter sicheren Mauern sitzen und die Adeligen es sich in ihren Burgen gemütlich machen, sind Dörfer und Gehöfte dem Feind meist schutzlos ausgeliefert. Aber auch viele andere Dinge treffen Land und Leute.

  • Steuern werden in Kriegszeiten meist angehoben, um die Armee zu finanzieren und das plötzliche Leerwerden der Staatskasse zu verhindern.
  • Grundherren zwingen ihre Hörigen meist zu mehr Frondiensten, weil sie ihren Landsitz befestigen müssen oder einer dringenden, erhöhten Produktion bedürfen.
  • (Junge) Männer oder gar Jungen werden meist zwangsrekrutiert.
  • Teile feindlicher Truppen ziehen plündernd und brandschatzend durch das Land, töten arme Bauern, vergewaltigen ihre Frauen und knechten deren Kinder. Außerdem schlagen sie sich auf Kosten ihrer Opfer den Magen voll, sodass diese danach nicht wissen, was sie im kommenden Winter essen sollen (Der Hungertod ist dann meist die Folge).
  • Gefangene werden verschleppt und fristen ihr Leben fortan als Sklaven fern ihrer Heimat und zu menschenunwürdigen Bedingungen.
  • Städte sind zerstört und beschädigt, viele Menschen stehen vor den Trümmern ihrer Existenz.
  • Viele Soldaten sterben auf dem Schlachtfeld und ihre Angehörigen erfahren unter Umständen nie, was eigentlich aus ihnen wurde.
  • Die Nachwirkungen eines Krieges können meist auch Jahrzehnte später noch Auswirkungen auf Wirtschaft und Politik eines Landes haben.

Vor allem ein Blick in die Nachkriegszeit Europas macht gut deutlich, was ein Krieg einem Land antun kann. Krieg ist, wie schon erwähnt, eine der schrecklichsten Sachen der Welt und man sollte sich als Schöpfer einer Welt stets überlegen, ob man das seinem Werk wirklich antun will.

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Weltenbau-Artikel: Waffen I – Von der Antike bis zur Renaissance

Die heutige Welt strotzt vor Gewalt – Krieg hier, Wettrüsten da, Anschlag dort, Vergeltungsaktion daneben…leider ein Zustand, der beweist, dass die menschliche Rasse eigentlich nicht berechtig ist, auf diesem Planeten zu existieren. Denn sie scheint kaum fähig zu sein, der Schöpfung etwas gutes abzugewinnen, sondern sie nur mit zerstörerischen Werken zu verschandeln.
Aber genug davon – auch oder gerade in mittelalterlichen Welten kommt es des Öfteren zu epischen, heldenhaften Schlachten, in denen ehrenvolle Krieger im erbitterten Kampf Mann gegen Mann ihr Leben lassen. Töten oder getötet werden. Dazu bedarf es der richtigen Ausrüstung, wurde doch selten eine Schlacht mit bloßen Fäusten ausgetragen.

Klingen und Schwerter

Die Standardwaffe wackerer Recken ist wohl das Schwert. Doch Schwert ist nicht gleich Schwert:

  • Der Dolch: eine kurze, zweischneidige Klinge, mit einer Länge von bis zu 40 cm. Dolche gehörten bereits bei den römischen Legionären zur Ausrüstung, Cäsar selbst wurde mit 23 Dolchstichen ermordet. Dies zeigt, dass Dolche aufgrund ihrer Länge gut zu verbergen sind und somit eine beliebte Waffe für alle Hinterhältigen darstellen.
  • Der Tanto: Dem Dolch nicht unähnliches, leicht gebogenes und einschneidiges japanisches Kampfmesser von etwa 30 cm Länge.
  • Kurzschwerter: Des Langschwerts kleiner Bruder ist etwa 40 bis 80 cm lang. Die Vorteile eines Kurzschwertes sind ganz klar Leichtigkeit und Wendigkeit – ideal für enge Räume, Gedränge etc. Der große Nachteil hingegen ist die Reichweite: Man muss nahe ran, will man treffen. Das Gladius römischer Legionäre war z.B. ein Kurzschwert.
  • Der Degen: Die Musketiere und Zorro machten es schon oft genug in diversen Filmen vor: Der Degen, die vermeintliche Duellwaffe des Edelmannes.
  • Der Säbel: Eine leichte Hieb- und Stichwaffe, gekrümmt und einseitig geschliffen. Der Säbel war die typische Waffe der leichten Kavallerie (z.B. Husaren) und ging später wohl auch als Piratensäbel in die Geschichte ein.
  • Das Katana: Japanisches Langschwert, ähnelt dem Säbel. Größter Unterschied ist die Handhabung: Katanas können sowohl ein- als auch zweihändig geführt werden, Säbel hingegen sind als Einhandwaffen gedacht.
  • Das Langschwert: Als Langschwerter wurden hauptsächlich Schwerter bezeichnet, die länger waren als die zu der Zeit üblichen. Langschwerter wurden meistens mit beiden Händen geführt, selten auch mit einem Schild.
  • Das Breitschwert: Als Breitschwerter bezeichnete man hauptsächlich Einhandschwerter des europäischen Mittelalters.

Äxte

Nicht nur zum Holzhacken gedacht, in der Fantasyliteratur vor allem den Zwergen vorbehalten, eignen sich auch Äxte trefflichst zum Teilen feindlich gesinnter Schädeldecken.

  • Die Streitaxt: Im Gegensatz zum Schwert liegt der Schwerpunkt beim Axtkopf, was Schläge wuchtiger macht (besonders im Kampf gegen Rüstungen praktisch). Aufgrund des anderen Schwerpunktes eignen sich Äxte aber nicht zum Fechten und kaum zum Parieren, weshalb Axtkämpfer entweder ausweichen müssen oder Schilde mit sich führen.
  • Die Doppelaxt: Eine Axt mit Zwei klingen, meist recht lang, beidhändig geführt.
  • Das Beil: Kurze, kleine Version der Axt, verwendet für den Nahkampf, aber auch als Wurfwaffe wie beispielsweise der Tomahawk, das Beil der Indianer.

Stumpfe Waffen

Nicht alles, was töten kann, muss eine Schneide haben.

  • Die Keule: Die wohl einfachste Waffe der Welt, nicht wirklich viel mehr als ein großer, schwerer Holzprügel. Die Waffe des einfachen Mannes, auch in Form einfacher Äste im Wald zu finden.
  • Der Stab: Selbst der ärmste Bauer kann sich einen Stab leisten. Aufgrund ihrer Länge und Beweglichkeit sind Stöcke durchaus auch als Waffen beliebt. Japanische Ninjas benutzten beispielsweise auch Stäbe im Kampf. Außerdem verwenden viele Magier in der Fantasyliteratur Stäbe sowohl als Krücke als auch als Waffe (Beispiel: Gandalf).
  • Der Streitkolben: Weiterentwicklung der einfachen Keule, besetzt mit Klingen und Dornen. Als Hiebwaffe von Reiterei und Infanterie benutzt.
  • Der Morgenstern: Auf einem kurzen, kräftigen Holzstab thront eine schwere Eisenkugel. War die Eisenkugel mit Spitzen versehen, sprach man auch von einem Streitkolben. Bestand die Verbindung von Stab und Kugel aus einer Kette, wurde auch die Bezeichnung Flegel/Streitflegel gebraucht. Die heutige Definition von Morgenstern gestaltet sich als schwierig, man kann auch alle drei Varianten als Morgensterne bezeichnen. Fest steht jedoch, dass die Verwendung eines Morgensterns als unritterlich galt.
  • Der Kriegshammer: Langstieliger Hammer, diente dazu, Gegner trotz Rüstung zu verwunden, in dem diese beispielsweise durch Schläge eingedellt statt durchschlagen wurde.

Lange Waffen

Je größer der Abstand, desto schwerer wird man getroffen.

  • Der Speer: Eine der ältesten von Menschen verwendeten Jagd- und Kampfwaffen. Speere sind lang und können bei guter Ausbalancierung auch geworfen werden.
  • Die Pike: Pikeniere gehörten zur schweren Infanterie und sollten mit ihren langen Waffen hauptsächlich vor feindlicher Reiterei schützen.
  • Die Hellebarde: Der Pieke nicht unähnlich, jedoch mit einem Axtblatt und einem Widerhaken am Kopf versehen. Es wurde jedoch selten zugeschlagen, meist bestand der Kampf aus einfachem Stechen und Reißen.
  • Die Lanze: Die Lanze der Ritter, wer kennt sie nicht?

Fernkampf

Wer dem Feind nicht zu Nahe kommen will, muss von der Ferne angreifen.

  • Wurfwaffen: Beispielsweise Wurfmesser oder auch Wurfsterne. Oft aus dem Hinterhalt geworfen, beispielsweise von Attentätern.
  • Die Schleuder: Besteht in der einfachsten Form aus einem Stück Leder, das in der Mitte eine Ausbuchtung für das Geschoss hat. Der Schleuderer schwingt die Waffe über dem Kopf, lässt dann ein Ende los und das Geschoss macht sich auf den Weg.
  • Der Bogen: Pfeil und Bogen wurden nicht nur zur Jagd genutzt, sondern auch im Kampf. Beliebt bei der Verteidigung von Burgen, aber auch in Schlachten wurde dem Feind erstmal ein Pfeilhagel entgegengeschickt, ehe man angriff.
  • Die Armbrust: Bogenähnliche Fernkampfwaffe, verschießt Pfeile oder Bolzen. Da der eingelegte Bolzen per Spannvorrichtung gespannt wird und sich somit mehr Energie speichern lässt als es einem Bogenschützen durch bloßes Spannen per Arm möglich wäre, konnten Armbrüste auch Rüstungen durchschlagen und so selbst gepanzerten Kämpfern den Tod bringen.
  • Das Blasrohr: Hauptsächlich von indigenen Völkern zur Jagd verwendet. Das Rohr ist bis zu 3 m lang, aus ihm werden die Geschosse (z.B. Pfeile oder Tonkugeln) geblasen.

Wir empfehlen jedem, der weitere Informationen zu Waffen benötigt, den Besuch der deutschsprachigen Wikipedia, die vor Informationen zu diesem Thema beinahe überquillt.

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Weltenbau-Artikel: Militärwesen

Was wäre ein Königreich ohne eine prunkvolle Garde? Was wäre eine Streiterei um ein Grenzgebiet ohne ein handfestes, verlustreiches Scharmützel? Was wäre ein Orkangriff ohne Gegenwehr? Nun, je nach Können des Autors wohl entweder sehr innovativ und aufregend oder aber schnarchlangweilig. Damit letzteres nicht passiert, haben große Herrscher meist ein Heer.

Rekrutierung und Einzugsgebiete

Einen Oberbefehlshaber, ein Lager, eine Marschrichtung, Befehle, … – all das braucht eine Armee. Aber was ist eine Armee? Nun, im einfachsten Falle ein Haufen Menschen, die aus verschiedensten Gründen die gleiche Absicht verfolgen.

Was das für Menschen sein können:

  • Bauern und Bürger – durch die Geschichte hindurch wurden in jedem größeren Krieg Bauern und auch Bürger aus Städten zwangsrekrutiert. Man hatte die Wahl: Entweder man weigerte sich und wurde wegen Hochverrats hingerichtet, oder aber man zog in den Krieg und fiel dort in einer Schlacht. Zwangsrekrutierung führt bei guter Organisation zu einer sehr großen Anzahl von Rekruten, trägt aber nur selten zur Hebung der Kampfmoral bei. Gut ausgebildete Kämpfer geben Bauern auch selten ab. Werden oft als Kanonenfutter benutzt oder besiegen den Feind mehr aufgrund ihrer Überzahl als aufgrund ihres Könnens.
  • Söldner: Echte Profis, die kein Erbarmen kennen und die für ein wenig Gold jedem auch noch so brutalen Tyrannen dienen, gibt es immer wieder. Während die Gier nach Geld ein guter Antrieb fürs Töten ist, ist sie doch nicht ausreichend genug, um die Söldner in eine aussichtslose Schlacht zu führen. Wer für Gold kämpft, wird eher desertieren, als sich abschlachten zu lassen.
  • Treue Vasallen: In der Realität nicht so häufig, dafür in Fantasyromanen oft anzutreffen. Königstreue Streiter kämpfen auch mal umsonst, variieren in Kampfkunst und Anzahl und folgen ihrem Gebieter auch mal in eine bereits verlorene Schlacht. Sie stehen und fallen mit ihrem Herrn und würden jederzeit ihr Leben für ihn geben.
  • Adelige treten meist als Offiziere auf, sind dazu aber selten aufgrund ihres Könnens oder ihrer Verdienste berufen, sondern meist eher, weil sie mit dem König gut befreundet sind. Die Anzahl von adeligen in gewöhnlichen Heeren ist meist gering. Es gab in der Vergangenheit allerdings auch große Ritterorden (z.B. die Templer während der Kreuzzüge), deren Angehörige alle von hoher Geburt waren und die allein riesige Heere aufbrachten. Adelige als Offiziere sind beim einfachen Fußvolk aber nicht immer gern gesehen.
  • Veteranen: Auch oft als Offiziere eingesetzt werden altgediente, erfahrene Krieger aus dem einfachen Volke. Einen Veteranen als Kommandanten zu haben, stärkt das Vertrauen beim einfachen Fußsoldaten um ein Vielfaches, denn schließlich muss so ein alter Krieger, der bereits viele Schlachten überlebt hat, ja wissen was er tut, nicht?

Verschieden Einheiten

Soldaten zu Fuß, Soldaten zu Pferd, Soldaten auf einem Schiff und Soldaten in einem Flieger – sind zwar immer Soldaten, werden aber bei taktischen Besprechungen stets anders benannt.

  • Die Infanterie: Als Infanterie bezeichnet man zu Fuß kämpfende, mit Handwaffe ausgerüstete Bodentruppen. Die Infanterie bildet meist die Basis einer jeden großen Armee und umfasst sowohl Nah- als auch Fernkämpfer.
  • Die Kavallerie: Als Kavallerie bezeichnet man zu Pferd oder Kamel (oder auf einem anderen Reittier) kämpfende Bodentruppen.
  • Die Artillerie: Als Artillerie bezeichnet man im Groben große Geschütze. Im Mittelalter waren das meist Katapulte und andere Wurfmaschinen, die auch oft bei Belagerungen zum Einsatz kamen. Einfache, große Speerschleudern sah man aber auch hin und wieder in Feldschlachten. Nach dem Mittelalter kam das Schießpulver auf und Artilleristen schossen mit Kanonen.
  • Die Marine: Unter der Marine versteht man die Seestreitkräfte eines Staates mit Kriegsschiffen und sonstigen zugeordneten Einheiten wie etwa Ausbildungseinrichtungen auf dem Festland. Es kann durchaus sein, dass die Marine auch über eine eigene Infanterieeinheit verfügt.
  • Die Luftwaffe: In der heutigen Zeit meint man damit meist Abfangjäger, Kampfjets und Transportflugzeuge. Aber in einem Fantasyroman können darunter z.B. auch Drachenreiter fallen.
  • Polizeikräfte (wozu man auch eine Stadtwache zählen könnte) können übrigens auch militärische Charakterzüge haben.

Benennung einzelner Einheiten

Man kann zwar eine Armee haben, diese besteht aber meist aus verschiedenen einzelnen Truppen, die jeweils einen eigenen Unteranführer haben.

Als Beispiel dient hier die römische Legion:

1 Legion aus 10 Kohorten = 3600–6000 Mann;

1 Kohorte aus 3 Manipeln = 360–600 Mann;

1 Manipel aus 2 Zenturien = 120–200 Mann;

1 Zenturie mit 80 Mann

Um beispielsweise dann über eine Zenturie zu sprechen, konnte man sagen „1. Legion, 3. Kohorte, 2. Manipel, 2. Zenturie“ und wusste genau, über welche Einheit man sprach.

Statt ein solches logisches System zu verwenden, kann man auch die Truppen bei der Lagebesprechung mit ihren Befehlshabern identifizieren, z.B. „Alberts Truppen“, „Jerolfs Truppen“ etc. Sofern die Befehlshaber beim Leser bekannt sind, stiftet dies vermutlich sogar weniger Verwirrung als die Benennungen der römischen Legion.

Ein anderer Weg wäre auch noch, die Truppen über Truppennamen anzusprechen, z.B. „die Falken“ oder „die Silberklingen“.

Oder man spricht einfach von der Infanterie, der Kavallerie, der Artillerie usw.

Die Möglichkeiten sind schier unendlich.

Uniformen und Erscheinungsbild

Jeder Herrscher wird wohl wollen, dass sein Heer seine Farben und sein Wappen trägt. Während letzteres sich meist auf mitgeschleppten Fahnen und Fanfaren findet, ist die Kleidung der Soldaten meist in den auf dem Wappen vorherrschenden Farbtönen gehalten.

Oft sind Uniformen auch verziert, Wimpel in grellen Farben thronen auf den Helmen und Rüstungen strotzen nur so vor überflüssigen Verzierungen. Auch wenn böse Zungen behaupten, dass jegliche Verzierung nur über die fehlende Kampfstärke der Truppe hinwegtäuschen soll, ist der Verzierungswahn, den Hollywood in so vielen Historienfilmen vormacht, doch nicht so fern von der Realität.

Denn auch Herrscher sind Menschen und zur Demonstration ihrer Macht und ihres Reichtums sind sie beinahe gezwungen, schöne und reich bestickte Gewänder zu tragen. Und bei höfischen Besuchen trifft das dann auch für das Gefolge zu.

Abgesehen von der Protzerei am Hofe tragen Soldaten meist auch zweckmäßige Kleidung. Krieger, die im Schutz des Waldes agieren und möglichst unentdeckt feindliche Truppenbewegungen auskundschaften sollen, kleiden sich meist in Grün- und Brauntönen, um nicht schon von weitem gesehen zu werden. Sind diese Späher im Sand unterwegs, ist die Kleidung vielleicht auch in Gelbtönen gehalten. Je nach Untergrund kann man sich den Rest denken.

Bewaffnung und Heereszusammensetzung

Die Bewaffnung richtet sich in erster Linie nach den in einem Königreich vorhandenen Materialien und den geographischen Gegebenheiten.

Wo beispielsweise überhaupt kein Metall existiert, tragen Soldaten vielleicht einfache Keulen aus Holz.

In einem sehr flachen Land werden oft Kavalleristen bevorzugt, ein Inselstaat hingegen stützt sich meist auf eine starke Flotte.

Das sind nur wenige Beispiele, denn jegliche Kombination von Rohstoffen und Landschaftsbildern abzudecken, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Man möge sich selbst Gedanken machen.

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Weltenbau-Artikel: Wahlen und Wahlsysteme

Die Demokratie bringt eine Sache mit sich, die sowohl positive als auch negative Seiten hat: Die Wahlen. Denn irgendwie muss ja bestimmt werden, wer durch das Volk für das Volk über das Volk regiert, nicht?
Abgesehen davon, dass Wahlen dem Otto Normalbürger das Gefühl geben, mitbestimmen zu können, bringen sie auch einige interessante Aspekte beim Basteln an der Welt mit sich:
Fixpunkt in der Geschichtsschreibung: Gewählt wird in regelmäßigen Abständen, was regelmäßige Einträge in der Chronik der Welt zur Folge hat. So kann theoretisch alle 4, 10 oder 32 Jahre (je nach Länge der Legislaturperiode halt) der Präsident des Landes wechseln, was natürlich nicht uninteressant zu erwähnen ist.
Auch Neuwahlen, weil eine Koalition auseinander bricht, ein Politiker stirbt oder zurücktritt, geben schöne geschichtliche Ereignisse ab. Außerdem kann man um eine Neuwahl ein schönes politisches Intrigenspiel spinnen.
Wende in der Landes-Politik: Ein Land, dass immer erzkonservativ und glaubensabhängig war, vollzieht vielleicht bei einer Wahl eine tiefgreifende Wende, wenn plötzlich die Hippies gewinnen.

Wahlsysteme

Merke: Demokratie ist nicht gleich Demokratie. Bei den Amerikanern funktioniert es anders als bei uns oder bei jemand anderem. Natürlich stehen immer die Wählerstimmen im Vordergrund, aber es gibt verschiedene Methoden, etwas mit den Wählerstimmen anzufangen.

Verhältniswahlrecht

Wahlen stehen vor der Tür, der Wahlkampf rollt an und folgende Parteien geben sich die Ehre: Die Ehrlosen, die Konservativen, die Liberalen und die Hippies.
Nach dem Wahltag hat man folgendes Ergebnis:
40 % für die Konservativen
38 % für die Liberalen
18 % für die Hippies
4 % für die Ehrlosen

Die Wahl gewonnen haben also die Konservativen mit 40 % – sie haben die meisten Stimmen, also eine relative Mehrheit im Parlament und kriegen daher auch den Auftrag zur Regierungsbildung.
Allerdings haben sie keine absolute Mehrheit, können also nicht schalten und walten, wie sie wollen: Um Gesetzesbeschlüsse zu beschließen, brauchen sie die Zustimmung einer der anderen Parteien.
Denn im Verhältniswahlrecht ist es so, dass der Prozentsatz der Stimmen auch dem Prozentsatz der Sitze im Parlament entspricht. Die Konservativen werden also 40 % der Parlamentarier stellen, die Liberalen 38 % usw. usf.
Meist führt dies zur Bildung einer Koalition: Die Konservativen verhandeln mit den Liberalen oder den Hippies über ein gemeinsames Regierungsprogramm und bilden dann gemeinsam eine Regierung. Der Koalitionspartner stellt dann den Vizepräsidenten oder Vizekanzler und übernimmt ein paar Ministerien, während der Rest beim Wahlsieger bleibt.

Obwohl eigentlich ein Vorteil, dass keine Partei einfach so absolut regieren kann, führt der Koalitionszwang in der Praxis oft zu Problemen: Inhaltlich völlig unterschiedliche Parteien sind dazu gezwungen, zusammenzuarbeiten, was oftmals in Streit, Meinungsverschiedenheiten und langem Stillstand resultiert, weil keine Partei der anderen zustimmen will.
In unserem Beispiel ist die Koalitionsbildung außerdem noch recht einfach, weil es nur 4 Parteien gibt. Eine Koalition mit einer Partei reicht den Konservativen.

Schwerer wird die Koalitionsbildung, wenn es mehr Parteien, z.B. sieben oder acht ins Parlament schaffen und die Konservativen plötzlich mehr als einen Koalitionspartner brauchen, um eine regierungsfähige Mehrheit zu erhalten.
Ein Beispiel hierfür wäre die Weimarer Republik: Damals schafften es so viele Kleinstparteien ins Parlament, dass es nicht möglich war, eine Koalition zu bilden. In der Folge war das Parlament handlungsunfähig.
Um dies auszuschließen, gibt es mittlerweile in den meisten Demokratien eine „Stimmzahlhürde“, um Kleinstparteien von vornherein auszusieben. Meist ist diese Hürde etwa bei 5 % angesiedelt – die Ehrlosen hätten es in unserem Beispiel mit 4 % also nicht mehr ins Parlament geschafft.

Mehrheitswahlrecht – First Past the Post

Etwas einfacher verhält es sich mit dem Regierungsbilden im Mehrheitswahlrecht: Wer die relative Mehrheit macht und die Wahl gewinnt, erhält auch die absolute Mehrheit im Parlament.
Ein Beispiel aus Großbritannien im Jahre 2005 – damals ergab sich folgendes Wahlergebnis:
35 % Labour
32 % Conservatives
22 % Liberal Democrats
11 % andere Parteien

Die Labour-Partei gewann die Wahl. Dementsprechend sah danach die Sitzverteilung im Parlament aus:
55 % Labour
31 % Conservatives
10 % Liberal Democrats
5 % andere Parteien

Die Labour-Partei bekam also 55 % der Sitze im Parlament, hatte damit eine absolute Mehrheit und konnte im Prinzip regieren, wie sie wollte.

Ein Vorteil dieses Systems ist ganz klar, dass der lange Prozess der Regierungsbildung wegfällt: Wer die Wahl gewinnt, regiert – fertig. Keine langen Verhandlungen, keine Koalitionsstreitigkeiten, kein Stillstand, weil sich die Politiker der verschiedenen Parteien nicht einig sind.
Der Nachteil dieses Systems ist hingegen, dass der Wählerwille nicht direkt repräsentiert wird. War ein Ergebnis knapp, z.B. 34% zu 35%, so kriegt die Partei mit 35 % die absolute Mehrheit, während der knappe Verlierer die Oppositionsbank drücken muss. Es hat nicht die Mehrheit der Wähler die Partei gewählt, aber dennoch kriegt sie die Mehrheit der Sitze im Parlament – auf Kosten der anderen Parteien.

Sonderfall Amerika

Auch das amerikanische Wahlsystem basiert auf dem Mehrheitswahlrecht. Allerdings etwas anders.

In Amerika kann jeder wahlberechtigte Bürger zur Wahl gehen und für seinen Favoriten stimmen. Allerdings wird der Präsident nicht direkt durch das Volk gewählt. Die Verfassung verlangt, dass ein so genanntes „Wahlmännergremium“ letztendlich entscheidet wer die Präsidentschaftswahl gewinnt.
Und das läuft so:
Amerika ist aufgeteilt in 50 Bundesstaaten. In jedem dieser Staaten wird gewählt, die Stimmen werden ausgezählt und der Sieger im Staat bestimmt. Und der Sieger im Staat „gewinnt“ dann die Stimmen der Wahlmänner, die diesem Staat zugeordnet sind.

Ein fiktives Beispiel ohne Realitätsbezug: Obama kommt in Kentucky auf 55 % der Stimmen, McCain auf 45 %. Kentucky ist 5 Wahlmänner „wert“, die in Folge dessen alle Obama gewinnt.

Allerdings sind nicht alle Bundesstaaten gleich viele Wahlmänner wert: So ist ein Sieg in Maine oder Washington D.C. Relativ unbedeutend im Vergleich zu einem Sieg in Florida oder Texas.

Ein Hauptproblem an diesem indirekten Wahlsystem ist, dass es nicht die Gesamtheit der Stimmen ist, die den Wahlausgang bestimmt, sondern die Zahl an Wahlmännern, die der Kandidat gewonnen hat.
Im Jahr 2000 war es beispielsweise so, dass George Bush und Al Gore gegeneinander antraten. Bush gewann mehr Wahlmänner und wurde somit Präsident der Vereinigten Staaten.
Gesamt hatte aber Gore mehr Wählerstimmen erhalten – nur eben nicht in den wertvolleren Bundesstaaten…

Für was für ein System man sich als Weltenbauer in der Demokratie auch entscheidet, es gibt immer irgendwelche Probleme und Ungereimtheiten. Vielleicht sollte man sich gleich ein eigenes System ausdenken? Obige sind jedenfalls nur 3 prominente Beispiele und auch nur recht oberflächlich behandelt, um die Systeme im Groben zu erläutern. Wer ein solches System in seine Welt integrieren will, dem sei empfohlen, sich erst noch etwas tiefer in die Materie einzuarbeiten.

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Frohes neues Jahr – und ja, wir leben noch

Etwas verspätet, aber doch noch startet die Weltenschmiede ins Jahr 2012 und wünscht allen Lesern ein gutes neues Jahr und viel Erfolg bei ihren Projekten!

Nach den ziemlich ruhigen und artikel-freien Weihnachtsferien geht es bei uns wie gehabt weiter – jeden Sonntag erscheint ein neuer Weltenbau-Artikel oder eine neue Fallstudie.

Wir freuen uns auf eure Rückmeldungen und wünschen euch viel Spaß beim Weltenbasteln!

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Frohe Weihnachten!

Der Schnee fällt in Flocken… oder sollte es zumindest, überall riecht es nach Tannengrün, Glühwein und bunten Euroscheinchen, die in den Läden gegen Geschenke für die lieben und weniger lieben Verwandten eingetauscht werden…

Richtig geraten – es ist Weihnachtszeit und die Autoren der Weltenschmiede wünschen Euch allen…

kleiner Weihnachtsgruß

(für alle, die die Aufschrift auf der Weihnachtskarte nicht gefunden haben)

Frohe Weihnachten und einen guten, verletzungsfreien Rutsch ins Neue Jahr!

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Fallstudie: Übernatürliche Erscheinungen bei Plinius

Was wäre eine Welt ohne unheimliche Spukgestalten, die die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzen und sogar die mutigsten Helden des Landes zum Zittern bringen? Womit sollen sich wackere Waldläufer nachts am Lagerfeuer die Zeit vertreiben, wenn nicht mit dem Erzählen von alten Legenden und Gruselgeschichten?

Damit solche übernatürlichen Erscheinungen in der eigenen Welt nicht zu kurz kommen, wollen wir mal einen Blick auf den berühmten „Geisterbrief“ von Plinius dem Jüngeren werfen, in dem der berühmte römische Redner und Schriftsteller von drei übernatürlichen Erscheinungen berichtet.

1. Curtius Rufus und die schöne Frau

Als der römische Politiker Curtius Rufus noch unbedeutend und unvermögend war, schloss er sich dem Statthalter von Africa als Begleiter an. Eines Nachts trat ihm in einer Säulenhalle eine Frau von übernatürlicher Schönheit entgegen, die sich selbst als „Africa“ bezeichnete und ihm die Zukunft verkünden werde. So werde Rufus nach Rom gehen, Ämter bekleiden und dann als Statthalter in die Provinz Africa zurückkehren und dann dort sterben.

All dies geschah auch so – und als Rufus nach Africa zurückkehrte, erschien ihm diese Frau am Ufer von Karthago erneut. Daraufhin befiel Rufus eine Krankheit, an deren Folgen er bald starb.

Plinius erzählt uns hier die Geschichte einer weissagenden, unheimlichen Erscheinung, wie wir sie auch in vielen anderen Bereichen finden können. Moses wurde von einem brennenden Busch sein Schicksal berichtet, Harry Potter wurde im 7. Teil von Rowlings Serie von einer silbernen Hirschkuh geführt und Odysseus hatte während seiner Irrfahrt oft die Ehre, von Hermes persönlich Tipps für seine Abenteuer zu erhalten.

Auch Cundrie aus der Parzival-Sage oder der geheimnisvolle Schimmelreiter aus Theodor Storms gleichnamiger Novelle fallen in diese Sparte von „zukunftvorhersagender, unheimlicher Erscheinung.“

2. Das Geisterhaus in Athen

In einem großen Haus in Athen ertönte Nachts das Geräusch von Eisen und das Klirren von Ketten, auch erschien ein Gespenst: Ein alter Mann, abgemagert und dreckig, mit langem Bart und struppigem Haar, der an Beinen und Händen Ketten trug und sie schüttelte. Dieses Gespenst trieb die Bewohner in Angst, Schlaflosigkeit und am Ende sogar zum Tod aus Furcht. Bald stand das Haus zum Verkauf, da niemand mehr darin wohnen wollte.

Der Philosoph Athenodorus kam nach Athen, las die Anzeige und erkundigte sich. Daraufhin mietete er sich in das Haus ein, richtete sich ein Lager ein und und schrieb mit Griffel und Tafel. Als das Gespenst kam und raschelte, ließ er sich nicht beirren, sondern schrieb weiter und wies das Gespenst an, zu warten, bis er fertig sei. Das Gespenst bedeutete ihm, zu folgen, und der Philosoph folgte. Er wurde in den Hof geführt, an eine ganz bestimmte Stelle, dann verschwand das Gespenst. Der Philosoph markierte diese Stelle und ließ am nächsten Morgen dort graben – und gefunden wurden in Ketten gebundene Gebeine. Nachdem diese ordnungsgemäß bestattet wurden, hörte auch der Spuk auf.

Plinius präsentiert hier den Klassiker einer jeden modernen Gespenstergeschichte. Etwas ähnliches hat wohl jeder, der schon mal nachts am Lagerfeuer saß, gehört. Auch in Film und Literatur findet man solche Geschichten von unsachgemäß Bestatteten, die daraufhin gezwungen sind, bis zur Erlösung zu spuken, zuhauf. Man denke nur an den berühmten „Canterville Ghost“, der lebendig eingemauert wurde.

3. Die nächtliche Sklavenrasur

Ein Freigelassener von Plinius selbst schlief mit seinem jüngeren Bruder in demselben Bett. Er glaubte zu sehen, dass sich jemand auf sein Bett setzte, eine Schere an seinen Kopf hielt und ihm die Haare schnitt. Als es Tag wurde, war er wirklich geschoren.

Kurze Zeit später geschah dies erneut – ein Sklave schlief gemeinsam mit anderen im Sklavenzimmer. Da kamen durch das Fenster zwei Gestalten in weißen Gewändern und schoren ihn im Bett. Auch ihn fand man am nächsten Morgen geschoren und seine Haare lagen im Bett verstreut.

Diese Geistergeschichte präsentiert uns Plinius aus seinem eigenen Leben, da es seine eigenen Sklaven sind, denen dies widerfuhr. Hier hat Plinius auch prompt eine Deutung parat: Es war kurz nach dem Tode des Domitian eine Anklageschrift gegen Plinius aufgetaucht. Da der Kaiser aber tot war, wurde diese nicht mehr verfolgt. Im alten Rom war es Brauch, dass Angeklagte sich die Haare wachsen ließen – so war also die nächtliche Sklavenrasur ein Vorbote dessen, dass Plinius nicht angeklagt wird.

Für uns in heutiger Zeit wirkt diese Geistergeschichte von den nächtlichen Rasierern eher wie ein schlechter Streich – zur Zeit von Plinius war das anders. Wundersame Ereignisse in Traum und Schlaf waren quasi an der Tagesordnung. So gab es z.B. auch Heiltempel, in denen man übernachtete und träumte, dass der Heilgott komme und die Verletzungen heile. Am nächsten Morgen waren diese Verletzungen dann tatsächlich weg.

Ähnlich ist es auch bei Plinius Geschichte: Die Sklaven träumen von der Rasur und werden dadurch wirklich rasiert.

Aufgrund der anderen Auffassung solcher Ereignisse findet sich kaum ein Beispiel für diese Geschichte in der modernen Literatur – was aber nicht heißt, dass ein geneigter Weltenbauer nicht so eine einbauen könnte ;-)

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Weltenbau-Artikel: Kleider machen Leute

Oder machen die Leute Kleider? Egal wie rum, solange man keine Welt voller Nudisten will, wird man sich damit abfinden müssen, dass die Bewohner der eigenen Welt etwas zum Anziehen brauchen.

Äußere Umstände

Kleidung dient zum primären Zweck als Fellersatz, da Menschen ja bekanntermaßen nicht sonderlich behaart sind. Außerdem ist da noch der Aspekt der Blöße, die sich ja niemand geben will…

  • Jahreszeiten: Es ist wohl überflüssig zu sagen, dass es im Winter kälter ist als im Sommer. Die Folge davon ist, dass Kleidung im Winter dick sein muss, sie soll Wärmen und vor Kälte schützen. Im Sommer hingegen soll Kleidung luftig und leicht sein. Frühling und Herbst liegen irgendwo dazwischen.
  • Wind und Wetter: So wie Kleidung im Winter vor Kälte schützen muss, sind Regenmäntel dazu gemacht, Feuchtigkeit im Zaum zu halten. Wind- und wetterfeste Kleidung hat hauptsächlich praktischen Nutzen und wird bei widrigen Verhältnissen zu jeder Jahreszeit gern getragen.
  • Ansehen: Besonders Frauen tun sich gern mit schönen Kleidern und Schmuck hervor, aber auch für reiche Männer gilt: Wer hat, der hat’s. Kein Grund, sich zu verstecken. Es liegt wohl auf der Hand, dass reiche Leute sich nicht in Sack und Asche kleiden, sondern in teuren, reich verzierten und farbenfrohen Kleidern herumstolzieren und dass arme Leute sich hingegen in einfache, meist erdfarbene Klamotten zwängen.
  • Geographische Lage: Wer hoch im Norden lebt, wo ständig viel Schnee liegt, hat wohl nichts außer warmen Felljacken und Pelzmänteln in seiner Garderobe, so er nicht erfrieren will. Wer hingegen im Süden lebt, wird keine Pelzklamotten besitzen, sondern nur einfache, luftig lockere Klamotten haben.

Materialien

Es gibt selbstverständlich die verschiedensten Materialien, aus denen man Kleidung herstellen kann.

  • Leder
  • Seide
  • Wolle
  • Baumwolle
  • Leinen
  • Hanf
  • Sisal
  • Sonstige Pflanzenfasern
  • Fell

Kleidung in der Kultur

Nicht alle Leute kleiden sich gleich, zur Veranschaulichung vergleiche man mal die mittelalterliche Kleidung von Abendland und Morgenland. Es gibt teilweise große Unterschiede.

  • Freizügige Kleidung ist nicht überall gesehen – in manchen islamistischen Ländern sind Frauen beispielsweise gezwungen, sich komplett zu verschleiern.
  • Kaum Kleidung tragen hingegen Ureinwohner mitten im Regenwald. Ein luftiges Baströckchen um die Lenden und sonst nichts tragend, gehen sie ihrem Tagwerk nach wie Gott sie schuf.
  • Strenge, konservative Kleidung ist beispielsweise auch in Klöstern ein Thema. Schon einmal eine Nonne im Bikini gesehen? Oder einen Mönch in der Badehose?

Arbeitskleidung

Nicht jede Art von Gewand eignet sich für jede Art von Beruf. So wird beispielsweise ein Schmied an der Esse keinen teuren Pelzmantel tragen.

  • Es grünt so grün: Grün ist die Farbe der Natur. Bäume, Gräser, Büsche, Sträucher – alles grün. Eine Folge davon ist, dass sich Menschen, die mit und in der freien Natur arbeiten, meist auch grün kleiden. Ein Jäger wird so kein rotes Wams tragen, dass seiner Beute sofort auffällt, sondern es bei schlichter grüner Tarnkleidung belassen. Ebenso natürlich auch Förster, die die Tiere nicht verschrecken wollen. Zudem tragen auch in den Wäldern lebende Banditen grün, weil sie so auf der Lauer nicht auffallen. Man vergleiche hierzu auch die Tarnkleidung der heimischen Heere.
  • Uniformen: Seien sie uninformiert oder nicht – noch jeder Soldat im Heer seines Königs trug eine Uniform in den Farben des Herscherhauses, das Wappen auf dem Schild und vielleicht sogar auf der Rüstung aufgemalt. Böse Zungen behaupten, dass je besser die Armee, desto schlichter die Uniform. Man kann davon halten, was man will, bisher hat noch jeder König bei einem Staatsbesuch mit reichgeschmücktem Gefolge angegeben.
  • Teuer, teuer, teuer – besonders Adelige und reiche Kaufleute tragen gern die bunteste und teuerste Kleidung, stets nach dem letzten Schrei der Mode ausgesucht.
  • Darum ist es nicht schade – je schweißtreibender und schmutziger die Arbeit, desto minderwertiger wird wohl die dazu getragene Kleidung sein. Aus dem einfachen Grund, dass ein eh schon zerfetzter Lumpen bei vollkommener Ruinierung nicht sehr zu beklagen ist.
  • Fischer und Perlentaucher werden natürlich naturgemäß wenig anhaben, da es sich voll eingekleidet schlecht schwimmt.
  • Schutzkleidung: Ein Schmied wird eine Schürze tragen, die ihn vor Funken aus der Esse schützt, ein Minenarbeiter hat womöglich einen Helm auf dem Kopf.

Das sind nur einige Beispiele und Anregungen. Am End sollte jeder selbst entscheiden, was er seinen Figuren anzieht. Es soll auch schon Leute gegeben haben, die die teuersten gefärbten Klamotten trugen, aber eigentlich bettelarm waren. Der Grund: Ein Päckchen Farbstoff ist auf dem Schwarzmarkt aufgetaucht…

Es gibt folglich immer Mittel und Wege für ausgefallene Garderobe – Kleidervorschriften sind eh meist nur „Richtlinien“.

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Weltenbau-Artikel: Handel

Ich geb dir und du gibst mir – das Prinzip des Tauschhandels ist so alt wie die Menschheit selbst. Schon in der Steinzeit wurde getauscht, wenn sich zwei trafen und jeder etwas hatte, was der jeweils andere gerne wollte. Doch abseits vom einfachen Handel von Mann zu Mann wurden Produkte und Waren mit dem Aufschwung der Wirtschaft auch über immer größere Strecken getauscht. Import und Export waren geboren.

Import und Export – wozu das ganze?

Selbstverständlich werden große Warenmengen nicht einfach so, ohne einen Grund, durch die Weltgeschichte gekarrt. Dass der Mikrochip vom Computer aus Amerika in China hergestellt und in Frankreich eingebaut wird, hat natürlich seine Gründe.

  • Rohstoffmangel: Man braucht verschiedenste Rohstoffe, um ein Produkt herzustellen. Wie aber soll der Steinmetz aus Land A einen Marmorgrabstein fertigen, wenn es in Land A keinen Marmor gibt? Richtig, man holt sich den Marmor aus Land B.
  • Billigste Produktionsstandorte: In manchen Ländern sind die Mindestlöhne bedeutend niedriger als in anderen und es gibt unter Umständen auch Steuererleichterungen für Unternehmer. So ist es natürlich nur logisch, seine Ware am billigsten Standort zu produzieren und danach ins Land, das die Ware braucht, zu exportieren, wenn man denn trotz Versandkosten noch immer billiger ist.
  • Ist der Markt im Produktionsland gesättigt und niemand braucht mehr die Ware, kann man zusätzlichen Gewinn einfahren, wenn man sein Produkt im Ausland feil bietet.
  • Der Mensch braucht Luxus – und wer in seiner Prasserei gerne Walfleisch isst, muss es sich aus Japan liefern lassen, da es in der EU halt keinen Walfang mehr gibt. Luxusgüter waren und bleiben immer ein unnötiges Exportgut, dass stets viel Geld in die Kassen spült.

Sinn und Unsinn von Zöllen

Die Wirtschaft floriert, der Handel boomt und die Post muss sich neue Transporter kaufen, da die alten zu klein sind. Bei all diesem Warenhandel sieht natürlich die Politik nicht untätig zu, da heißt es handeln – Zölle müssen her.

Und das mit Grund:

  • Wird der Fernhandel besteuert, bringt das der Staatskasse einen enormen Batzen Geld ein, der dann für das Militär (selten auch die Bildung) wieder hinausgeworfen werden kann.
  • Zusätzlich schützen Zölle die Inlandswirtschaft, in dem sie eine Marktflutung durch zu billige Ware verhindern, bei der die einheimischen Betriebe nicht mehr mithalten könnten. In der Folge würden sie in Konkurs gehen müssen, was dem Staat viele Arbeitslose und weniger Steuereinnahmen einbrächte – bei gleichzeitigen Ausgaben für mehr Arbeitslosengeld. Das daraus nichts gutes folgt, dürfte klar sein.

Schmuggel

Sobald es Zölle gibt, fragt sich so mancher Fernhandelstreibende natürlich, wieso gerade ihm das passieren muss. Grad war die Ware noch schön billig und jetzt, eine Zollstation später, muss sie zu Wucherpreisen verkauft werden, die keiner mehr bezahlen will und man bleibt auf der Ware sitzen, hat also ein Verlustgeschäft gemacht.

Aber was tun? Wie die Zölle umgehen? Die Sternstunde der Schmuggler beginnt.

Geschmuggelt wird alles, womit sich Geld machen lässt. Zum einen Waren, auf denen sehr hohe Zölle liegen, um sie möglichst billig anbieten und ein gutes Geschäft zu machen. Zum anderen natürlich Ware, die es nie durch die Zollstationen schaffen würde, weil sie ganz einfach nicht legal ist (etwa diverse Rauschgifte, Beute aus Diebstählen und diverse andere verbotene Freuden des Lebens…).

Bei der Frage, wie sie ihre Ware durch die Kontrollen bringen, haben Schmuggler ihre besonders kreativen Momente:

  • Der Seeweg – Schiffe legen z.B. in einer geheimen Bucht an, wo die Waren verladen werden
  • Geheime Tunnel unter der Grenze, durch die die Waren in das andere Land geschafft werden
  • Schleichwege in den Bergen über unüberwindbare Gipfel
  • Auch der Luftweg sei nicht ausgeschlossen – ob auf dem Rücken eines Drachen oder in einem Flugzeug
  • Verstecke in allerlei Fortbewegungsmitteln, die bei der Kontrolle an der Zollstation vorzugsweise nicht gefunden werden
  • Im Körper selbst: Viele Drogenkuriere lassen z.B. ihre armen Mitmenschen Beutelchen mit Rauschgift schlucken, schicken sie dann über die Grenze und warten, bis sie auf der anderen Seite mal aufs Klo müssen (oder helfen mit einem Messer nach, sofern sie noch nichts von Recycling und Wiederverwendung gehört haben).
  • Ablenkung der Zöllner durch beabsichtigtes Erregen von Verdacht – man munkelt, es habe einst einen Typen gegeben, der jeden Tag eine Schubkarre mit Mist über die Grenze schob und bei dem jedes Mal die Zöllner den Mist durchsuchten. Nie aber wäre jemand auf die Idee gekommen, dass er Schubkarren schmuggelt.

Selbstverständlich gibt es noch andere Schmuggelwege, sie müssen dem findigen Autoren nur einfallen ;-)

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