Weltenbau-Artikel: Sterne und Geschichten

Ein Punkt, auf den bei High-Fantasy-Welten oft vergessen wird, sind Sternbilder. Zwar hört man immer wieder in den klassischen Prophezeiungssituationen, dass die Sterne dem Helden sein Schicksal vorausgesagt hätten oder dass der zukünftige Bösewicht unter einem schlechten Stern geboren sei, aber man kann sich oft des Eindrucks nicht erwehren, dass viele Weltenbastler nicht so wirklich wissen, was sich da am Nachthimmel eigentlich abspielt.

Das ist schade. Denn um genau zu sein ist unser Sternenhimmel nicht nur etwas Einmaliges (kein anderer Planet hat ihn), sondern auch das Einzige, was ein Mensch aus dem alten Babylon, wenn er zufällig in eine Zeitmaschine stolpern würde, heutzutage noch wiedererkennen würde.

Und nicht nur das, auch vieles, was alte Kulturen mit den Sternen verbunden haben, ist auch heute noch tief in unserer Kultur verankert.

Zeit, sich Sternbilder anzusehen.

Wie kommen Sternbilder zustande?

Sternbilder entstehen allein durch die Willkür des Beobachters. Es gibt am Nachthimmel unzählige Sterne, die in keinerlei Bezug zueinander stehen. Nehmen wir etwa die Sterne Antares und Dschubba, beide aus dem Sternbild Skorpion. Antares ist von uns 553,75 Lichtjahre entfernt, Dschubba hingegen „nur“ 401,67 Lichtjahre. Diese beiden Sterne haben nichts miteinander zu tun – außer, dass sie an unserem Nachthimmel in einer Linie zu liegen scheinen.

Der Skorpion am Nachthimmel

Der Skorpion am Nachthimmel

Es gibt helle, dunkle, große, kleine, weiße, rote Sterne. Sterne, die vermeintlich allein und isoliert sind. Sterne, die sich mit anderen fast auf die Füße treten. Sterne, die in Linien angeordnet sind, Sterne, die nirgends dazugehören. Sterne, die ins Auge stechen und solche, die es nicht tun.

Aus diesem riesigen „Chaos“ am Nachthimmel schafft das Auge des Beobachters Strukturen. Sterne werden zu Linien zusammengefasst, Linien zu Körpern. Welche Sterne dabei von den alten Kulturen gruppiert wurden, könnte man höchstens mit Willkür erklären.
Mit diesen so entstandenen Sternbildern verknüpften die alten Kulturen ihre Mythen.
Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: Die Geschichte einzelner Sterne vs. die Geschichte eines ganzen Sternbildes.

Geschichte einzelner Sterne

Bei Geschichten einzelner Sterne spielen – wer hätt’s gedacht – einzelne Sterne eine tragende Rolle. Es wird also keine Figur am Himmel konstruiert, die eine mythische Figur repräsentiert, sondern die Sterne selbst repräsentieren die Figur.

Die Sterne Altair, Deneb und Wega bilden zusammen das Sommerdreieck.

Die Sterne Altair, Deneb und Wega bilden zusammen das Sommerdreieck.

Ein Beispiel hierfür wären etwa die Sterne Altair und Wega. In der chinesischen und japanischen Mythologie ist Altair ein Kuhhirte, in den sich die Fee Wega verliebt. Wega kommt zur Erde und bleibt dort, sie und Altair heiraten, haben Kinder. Er hütet die Kühe, sie sitzt am Webstuhl. Der Himmelskaiser ist über das Fernbleiben von Wega aber erzürnt, er trennt die beiden und Wega wird zurück an den Himmel beordert. Altair folgt ihr und als er Wega einholt, werden sie von einem Fluss getrennt. Diesen Fluss wiederum repräsentiert die Milchstraße am Himmel.

 

Geschichte eines ganzen Sternbildes

Bei der Geschichte eines ganzen Sternbildes werden mehrere Sterne zu einem Bild zusammengefasst. Ein Beispiel hierfür wäre etwa das Sternbild Orion.

Der mythologische Hintergrund des Orion ist kompliziert, da es um den griechischen Jäger Orion mehrere Sagen gibt. In einer dieser Sagen trifft Orion auf einen Skorpion, der ihn sticht. Orion stirbt daraufhin, doch da er den Göttern wichtig war, wurde er zur Rettung an den Himmel versetzt.

Das Sternbild Orion.

Das Sternbild Orion.

Auch der Skorpion wurde an den Himmel versetzt, damit ein solches Unglück nie wieder geschehen kann – und um zu verhindern, dass der Skorpion Orion am Himmel nicht erneut verletzen kann, haben die Götter es so eingerichtet, dass sie nie zur selben Zeit am Himmel stehen. So ist Orion ein Wintersternbild, während der Skorpion ein Sommersternbild ist.

Man könnte es auch so sehen, dass die beiden sich immer noch gegenseitig jagen.

Gerade am Beispiel von Orion und dem Skorpion zeigt sich, dass auch die Geschichten mehrerer Sternbilder, die sich auch am Nachthimmel gar nicht nahe sind, trotzdem miteinander verwoben sein können.

Fazit

Der Nachthimmel steckt voller Geschichten und Inspiration. Schaut ihn euch an, seine Schönheit ist unglaublich.

Für Weltenbastler kann es sich lohnen, ihn genauer anzuschauen. Der Sternenhimmel ist für jeden Planeten einzigartig und verändert sich während des Jahres, da die Planeten selbst um ihre Sterne kreisen und so ihren Blickpunkt auf das Universum täglich ändern.

Man kann am Nachthimmel die Jahreszeiten ablesen, das Schicksal von Neugeborenen vorherbestimmen (man denke nur an die Tierkreiszeichen!), ihn als Hintergrund für eine romantische Szene verwenden, die Kultur der fiktiven Welt verdeutlichen und vieles mehr.

(bei allen Sternbildern in diesem Posting handelt es sich um Screenshots aus der kostenlosen und quelloffenen Software Stellarium)

 

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Weltengeflüster Juni 2015

Die tropische Hitze kann echte Weltenbauer nicht aufhalten – unglaublich, auf wie vielen Kanälen und Plattformen im Juni über weltenbauerische und fandomrelevante Dinge gepostet wurde. Neben tollen Neuigkeiten für alle Fans des Potter-Franchises scheint es aber auch einige gegeben zu haben, denen die Hitze zu Kopf gestiegen ist und die meinten, sexistische und diskriminierende Äußerungen in die Welt werfen zu müssen. Die Weltenschmiede ist auf alle Fälle für Diversität in der Literatur & Fantastik – medienübergreifend.
Viel Spaß beim Stöbern, so vielfältige und verschiedene Quellen hatten wir lange nicht auf dem Blog.

Hiltibold beehrt uns mit einem sehr spannenden Beitrag samt verlinkten Videos und selbstgemachter Infografik zum Thema mittelalterliche Mörtelmischer. Egal ob ihr einen historischen (Fantasy/Zeitreise-)Roman schreiben oder eure selbsterdachte Welt näher an der mittelalterlichen Wirklichkeit ansiedeln wollt – hier sind nützliche Infos.

Viele fiebern schon lange auf die Newt-Scamander-Filmtrilogie hin – Fantasy Faction zeigt, dass es auch andere Fantasy-Biologen gibt und inspiriert dazu, eigene Forscher dieser Art zu erstellen. Newt selbst kommt in diesem Artikel übrigens nicht vor.
Außerdem erschien auf diesem Blog ein interessanter Essay zum Thema “starke Frauen” – der unter anderem mit dem Stereotyp aufräumt, eine Frau müsse um stark zu sein sich unbedingt wie ein Mann verhalten. Interessant und regt stark zum Nachdenken an.

Übrigens berichtete unter anderem Businessware darüber, dass der Schauspieler für die Hauptrolle der Newt-Scamander-Filmreihe gefunden wurde. Es handelt sich um Eddie Redmayne. Was haltet ihr von dieser Besetzung?
Auf Time.com gibt es News über die weibliche Hauptrolle – Porpentina, eine amerikanische Hexe.
Auf Entertainment Weekly gibt es einen Bericht über eine weitere Twitter-Aktivität von Rowling – sie bestätigt unter anderem, dass es auch in den USA mindestens eine Zauberschule gibt. Und die liegt nicht in New York. Ob das die Zauberschule ist, die auch Porpentina besucht hat?

Anlässlich dessen, dass in Irland nun auch gleichgeschlechtliche Paare heiraten dürfen, hat Rowling einmal ein wenig herumgesponnen, wie es wäre, wenn Dumbledore und Gandalf heiraten würden. Es folgte eine hitzige Twitterauseinandersetzung zwischen einer evangelikalen Gruppierung und Rowling… bis dann am Ende tatsächlich aus Protest eine solche Hochzeit initiiert wurde. Bericht auf The Daily Beast.

Auf Buzzfeed fand sich die interessante Bilderserie zum Thema “Was, wenn Arielle die Meerjungfrau in einem anderen Teil des Meeres gelebt hätte?” Hier wird zu Grunde genommen, dass es irgendwie möglich ist, dass sich Meermenschen im Sinne von Disney entwickeln und dann mit der Variation gespielt. Faszinierend.

Auf YouTube gibt es den ersten Trailer zu Mockingjay 2 zu bestaunen. Wie gefällt er euch? Werdet ihr euch den Film ansehen?

Zumindest in den USA kehren laut Mashable die Powerpuff Girls zurück. An der Optik der Serie wird sich nichts ändern, die neuen Folgen werden also visuell den alten Staffeln treu bleiben. Für amerikanische Fans gibt es allerdings den Wermutstropfen, dass die Mädchen neue Synchronsprecher erhalten.

Besonders für High-Fantasy-Autoren interesant: Wonach schaut eine Verlegerin, wenn sie ein solches Manuskript in der Hand hält? Melanie Waldhardt plaudert aus ihrem Verlagsleben und gibt interessante Einblicke.

Christopher Lee – der unter anderem Dracula, Saruman und Count Dooku verkörperte – starb im Alter von 93 Jahren.

KiwiKaiser berichtet auf seinem Blog kaiserkiwi über die Entwürfe für einen weiblichen Link – und über das seltsame Echo einiger Zelda-Fans. Die Weltenschmiede-Redaktion befindet Linkle für durchaus gelungen.

Passend zu den Linkle-Diskussionen bekam die liebe Zeitzeugin eine ziemlich aggressive Hatemail, weil sie in ihren Videos unter anderem über Diversität in Videospielen spielt. Sie hat sehr souverän reagiert. Man beachte auch die Kommentare und die darin enthaltenen Links zu verwandten Themen.
Außerdem stellt sie auf ihrem Blog die Arbeiten eines Künstlers vor, der Superheldinnen redesignt und dabei das Augenmerk weniger auf “sie sollen heiß aussehen” als auf praktische Fragen lenkt. Man muss nicht mit allem einverstanden sein, aber es ist auf alle Fälle interessant.

Auf Tor.com gibt es einen interessanten Essay zur Frage, ob Super Mario eigentlich zu Fantasy oder zu Science Fiction gehört. Wo hättet ihr es eingeordnet?
Außerdem erschien dort eine sehr lesenswerte Analyse zum Original-Theaterstück und Originalroman zu Peter Pan. Die Analyse und die Kommentare sind jeweils sehr faszinierend.
Des weitern gibt es schon wieder einen neuen Spiderman. Der vergleichsweise unbekannte Jungschauspieler Tom Holland gilt als vielversprechendes Talent.

Der Deutsche Phantastik Preis wird alljährlich auf dem Buchmesse-Convent in Dreieich verliehen. Die Finalisten für dieses Jahr stehen fest – heute könnt ihr sogar noch abstimmen. Erst am 17. Oktober werden wir jedoch erfahren, wer die begehrten Preise nach Hause holen kann. Wer sind eure Favoriten?

Moviepilot bestätigt eine Theorie, die viele Fans von “Die Eiskönigin – Völlig unverfroren” unter anderem auf Tumblr fleißig diskutieren – Elsa und Anna sind tatsächlich die Schwestern von Tarzan.

Sollten die Weltenbauer und Rollenspieler unter euch zu irgendwelchen Zwecken detaillierte, mit Klimaanalysen und anderen Features versehene zufallsgenerierte Karten benötigen, findet ihr hier ein tolles Online-Tool.

Shaoshi schrieb auf ihrem Blog über das Problem, das China mit Science-Fiction hat. Ein faszinierender Einblick in eine andere Kultur!

Potterfans aufgepasst – neben der Newt-Scamander-Verfilmung wird Harry auch die Londoner Bühnen aufmischen. Bei der Produktion “Harry Potter and the Cursed Child” handelt es sich – wie Rowling immer wieder betont – nicht um ein Prequel. Rowling selbst ist an der Produktion beteiligt. Hier findet ihr die Homepage des Projekts.

Habt ihr einen Artikel gelesen oder gar selbst geschrieben, der im Weltengeflüster Juli verlinkt werden sollte? Dann schreibt es als Kommentar unter diesen Artikel oder über das Kontaktformular. Außerdem suchen wir weiterhin Gastartikel!

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Fallstudie: Geister II – Geister bei Anne Rice

Wer die Vampirchroniken von Anne Rice kennt, weiß, dass dort nicht nur die namensgebenden Vampire eine große Rolle spielen – schließlich leitet sich deren Entstehungsgeschichte von einem Geist namens Amel ab. In späteren Bänden wird das ganze Konzept von Geistern, Seelen aber auch Geschöpfen wie Engeln weiter ausgebaut und in das allgemeine Vampirkonzept integriert.
Doch je mehr Wesenheiten und Konzepte ein Roman enthält – und je mehr davon gerade bei einer Serie im Laufe der Folgebände hinzugefügt wird – desto mehr Probleme gibt es, das Ganze sinnvoll zu erweitern. Diese Problematik sieht man auch in den “Vampirchroniken”.

Sind alle Seelen Geister und alle Geister Seelen?

Es gibt durchaus einen Unterschied zwischen Geist und Seele. So besteht eine Seele bei Anne Rice im Prinzip aus zwei Teilen – dem physischen Teil, der im Körper verankert ist und mit diesem stirbt und einem unsterblichen Teil, der sich vom physischen Teil lösen kann.
Auf diese Weise sind auch Astralreisen möglich – der unsterliche Teil der Seele reißt sich los, denn theoretisch kann er immer wieder am physischen Seelenteil andocken.
Nach dem Tod löst sich der unsterbliche Teil der Seele von der physischen Seele und wandert umher.
Dieser Dualismus der Seele macht die Ereignisse in “Nachtmahr” möglich – der Körperdieb ist in der Lage, den unsterblichen Teil der Seele vom Körper dessen zu lösen, dem der Körper gehört und seinerseits den Körper in Besitz zu nehmen. Außerdem kann man die Fähigkeiten zur Astralreise trainieren und bewusst ausüben, auch wenn man nicht mit dem natürlichen Talent von Raglan James gesegnet sein sollte.Bei Anne Rice haben übrigens nur Menschen eine solche dualistische Seele – Tiere haben nur den “Lebensfunken”, also jenen Seelenteil, der physisch ist. Gott und die Engel haben gar keine menschliche Seele, sondern etwas, das im Roman nicht näher definiert wird.

Werden alle Seelen zu Geistern?

Ganz so einfach ist es nicht.
Einige Seelen verlöschen und sind fort, niemand weiß, was genau mit ihnen passiert. Andere Seelen widerum bleiben schwach und verwirrt – sie nehmen sich nicht als geistig, sondern als körperlich wahr und können nicht verstehen, dass sie gestorben sind. Bei ihren Versuchen, sich bemerkbar zu machen, besetzen sie Menschen und Dinge oder richten auf andere Weisen Schaden an. Sie verhalten sich sozusagen wie “Poltergeister”.
Mächtige Seelen können zu gut- oder bösartigen Dämonen werden. Amel ist ein Beispiel für einen solchen Dämon, der Macht erlangen konnte und im Bewusstsein seiner/ihrer Eigenschaften als Geist bewusst nach Einfluss strebt.
Mächtige Candomblé-Priester sind in der Lage, Poltergeister und andere niedere Dämonen ihrem Willen zu unterwerfen. In der Romanreihe gehören dazu David Talbot, der sich in Brasilien entsprechend ausbilden lässt. Auch Merrick Mayfair besitzt entsprechende Macht.

Scheol

Ursprünglich gab es keinen Ort, an den die Seelen oder Geister gehen konnten. Diejenigen, die sich nicht auf der Erde herumgetrieben haben, sammelten sich also in einer Schicht zwischen dem (metaphorischen) Himmel und der Erde.
Innerhalb dieser Geister bildeten sich bald Gruppen und Hierarchien heraus.
Erst später schafft Memnoch an dieser Stelle das Scheol – umgangssprachlich die Hölle – wo die Seelen genug lernen sollen, um in den Himmel aufsteigen zu können. Eine Voraussetzung, um in den Himmel zu gelangen, besteht darin, Gott zustimmen beziehungsweise vergeben zu können. Das ist eine interessante Sichtweise – nicht die Gottheit soll dem Toten vergeben, nein, der Tote soll in der Lage sein, der Gottheit zu vergeben, um am Himmel teilhaben zu können. Auch an dieser Version der Geschichte ist Einiges problematisch, da es nach wie vor das Primat des Christentums voraussetzt.Einige Geister gelangen sofort ins Scheol – andere dagegen können vorher noch Kontakt mit Lebenden aufnehmen. So ist Roger in der Lage, in letzter Sekunde mit Lestat zu kommunizieren und ihm seine Tochter Dora anzuvertrauen.

Widersprüche

Memnoch unterrichtet die Seelen im Scheol, indem er ihnen immer wieder aufzeigt, welche Fehler sie gemacht haben, damit sie einsichtig werden. Dabei muss er selbst nicht anwesend sein – überall gibt es Räume und Illusionen. Wofür also braucht Memnoch Lestat, wenn er genauso gut automatisch unterrichtet?
Wenn alle Seelen ins Scheol eingehen, wieso laufen dann immer noch so viele Geister frei herum? Fühlen sie keinen Bedarf, ins Scheol zu gehen? Müsste Memnoch sie händisch “holen” und hat sie einfach übersehen?
Einige Geister im Scheol unterstützen Memnoch beim Unterrichten – wenn diese Geister aber selbst unterrichten können, wieso gehen sie nicht in den Himmel? Verzichten sie bewusst darauf? Können sie das also steuern? Oder sind sie selbst noch nicht so weit? Aber wieso können sie dann helfen?
Und vor allem – wie soll Scheol/die Hölle größer sein als der Himmel, wenn beide Orte unendlich groß sind? Kann etwas ein größeres Unendlich sein als etwas anderes?
Ein weiterer Widerspruch findet sich schon im Artikel zur Natur der Vampire. In Band drei heißt es, wie bereits erwähnt, dass Schamanen ihre Fähigkeiten im Umgang mit Geistern verlieren, sobald sie zu Vampiren werden. Sie können keine Geister sehen, keine Geister rufen, nicht mit Geistern sprechen. Dennoch kann Roger vor dem Gang ins Scheol mit Lestat kommunizieren. Mehr noch – als im Band “Merrick” besagte Merrick für Louis den Geist von Claudia beschwört, kann er sie sehen und hören.
Weder Merrick noch David Talbot verlieren jedoch ihre parapsychologischen Fähigkeiten, nachdem sie verwandelt werden.

Weltenbauerisches Fazit

Ich werde das Gefühl nicht los, dass ein Großteil des Seelen- und Geisterkonzepts in den Vampirchroniken nachträglich auf die Geschichte aufgepropft wurde. Nur so kann der teilweise sehr starke Bruch zwischen den weltenbauerischen Konzepten erklärt werden. Auch wenn in “Nachtmahr” teilweise bereits der Dualismus der menschlichen Seele und das Konzept der Astralreisen angedeutet wurde, wirkt das Konzept wie es besonders in “Memnoch der Teufel” dargestellt wird, lückenhaft und widersprüchlich. Die gebaute Welt wirkt nicht mehr rund.
Allerdings wird in den Folgebänden alles, was in “Memnoch” geschah, grundsätzlich neutralisiert, indem behauptet wird, dass ein Teil der “historischen” Ereignisse, an denen Memnoch Lestat teilhaben ließ, nie stattgefunden haben sondern auf späterer christlicher Legendenbildung basierten. Aber auch dieser Ansatz widerspricht sich selbst – wenn die Geschichte von Veronika und ihrem Schleier fiktiv war und so nicht stattgefunden hat, was bitte hat Lestat dann eigentlich aus der (fiktiven?) Vergangenheit mitgebracht und wieso hat es so große Macht?
Der Leser bleibt ratlos zurück – und es ist nicht verwunderlich, dass die christlichen Motive in dieser Stärke nur noch in “Vittorio” aufgegriffen werden.

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Blogparade: Unsere besten und erfolgreichsten Blogartikel

Nachdem wir die Parade bei der wunderbaren Tintenelfe gesehen haben, wollten wir auch unbedingt an der von Cloudworkers gestarteten Blogparade teilnehmen und kramten in den Tiefen unserer Artikel (wobei ich feststellte, dass ich vergessen habe, wie ich die Aufrufe pro Artikel für “immer” nachschauen kann und es durch Trial and Error wieder herausfinden musste – und dann noch rauskriegen musste, wie ich mir die Artikel mit den meisten Kommentaren anzeigen lassen kann. Verwende ich sonst nie, dabei bin ich die, die immer auf unsere Statistiken schaut!) – um Überraschendes herauszufinden.

1. Welcher eurer Blogartikel ist der beliebteste?

Unser beliebtester Blogartikel ist überraschenderweise gar nicht von uns – es handelt sich dabei um den tollen Gastartikel von Carmilla de Winter über genderneutrale Pronomen. Eigentlich vergeht kaum ein Tag, an dem er nicht mehrmals aufgerufen wird und täglich entdecken wir, dass noch eine andere Webseite oder ein anderer Blog auf ihn verlinkt haben. Das Thema ist nun einmal nicht nur für Autoren brandaktuell, sondern auch für viele Menschen im Alltag relevant.
Der erfolgreichste Artikel aus unserer eigenen Feder ist der zu Sheldon Coopers Kontrafaktuale-Spiel. Hierbei handelt es sich um eine clevere Fingerübung für Weltenbastler, die sich vor allem mit der Frage beschäftigt “Wenn man nur ein winziges Detail an unserer Welt ändert – was kommt dabei für eine Welt heraus?”
Der am häufigsten kommentierte Artikel ist unser Tutorial zum yWriter, mit bisher insgesamt 40 Kommentaren.

2. Was denkt ihr ist aus eurer Sicht der Grund weshalb diese Artikel so erfolgreich wurden?

Bei Carmillas Gastpost verwundert es wenig – nicht nur, weil in der fantastischen Literatur zunehmend vom Konzept des binären Geschlechterdenkens Abstand genommen wird. Schon Marion Zimmer-Bradleys “Darkover”-Zyklus präsentiert hier mit den emasca-Geborenen und den Chieri, die in ihrer Geschlechteridentität frei wählen können, einen Ansatz, das “Mann-Frau”-Schema aufzubrechen. Immer mehr Autoren sehen, dass es sehr reizvoll wäre, gerade bei außerirdischen Lebensformen von den “terrestrischen” Konzepten wegzugehen. Natürlich stellt sich hier automatisch die Frage nach dem richtigen Pronomen, um die Geschichte literarisch auch aufschreiben zu können.
Aber auch im Alltag werden genderfluide Konzepte zunehmend anerkannt und Menschen sind logischerweise auf der Suche nach dem richtigen Wort.
So finden sowohl Weltenbastler als auch andere Interessierte den Artikel informativ.
Carmilla, vielen Dank fürs Schreiben und dafür, ihn uns zur Verfügung zu stellen!

Mit den Kontrafaktualen hätten wir dagegen spontan gar nicht gerechnet – aber scheinbar suchen sehr viele Menschen im Internet danach, wie das Spiel geht. Ob aus Neugier, oder weil sie es selbst z.B. auf einer Party mal spielen wollen? Wer weiß.

Der yWriter-Artikel wird so oft kommentiert, weil unsere Leser wissen wollen, ob sich ein Download des Programms für sie lohnt oder weil sie von erfahrenen yWriter-Usern wissen wollen, ob ein Bug auch bei uns auftritt (oder ob wir wissen, wo sich ein Feature versteckt hat). Das ist normal – wenn wir etwas auf Herz und Nieren testen, dann wissen wir auch, wo was zu finden ist. Hoffentlich jedenfalls ;-). Bei manchen Fragen können wir allerdings nicht weiterhelfen. Hier müsste der Support ran.

3. Was habt ihr dadurch gelernt bzw. für die Zukunft an Erfahrung mitgenommen?

Man kann noch so viel versuchen, einen Blog für Suchmaschinen zu optimieren und mit Keywords zu füllen – am Ende kann man nie und nimmer voraussehen, welche Artikel beim Suchmaschinenbenutzer ganz vorne sind und welche Themen auf einmal brandaktuell werden können. Genauso wie man sich mit scheinbar brandaktuellen Themen völlig verrechnen kann, weil sie nicht annähernd so viele Aufrufe kriegen, wie erwartet.
Außerdem bedeuten viele Kommentare nicht unbedingt viele Klicks. Auch wenn der Artikel zum yWriter sowohl zu den meistgelesenen als auch zu den meistkommentierten Artikeln bei uns gehört, haben wir ganz viele Blogposts entdeckt, die zwar vergleichsweise oft kommentiert, aber dafür vergleichsweise selten gelesen wurden. Wie kommt das zu Stande?
Das Internet ist nun mal doch ein Mysterium, was das angeht.
Außerdem habe vor allem ich gelernt, dass ein von mir heißgeliebter Artikel nicht immer auch ein erfolgreicher Artikel ist. Aber wenn ich meine Herzartikel gegen 1.000.000 Klicks eintauschen müsste, blieben meine Lieblingsartikel drin :P.

4. Was würdet ihr auf eurem Blog / in euren Blogartikeln definitiv nicht mehr machen?

Eine sehr gute Frage :D. Ich finde die ganz alten Artikel von uns eigentlich nicht schlecht. Klar, heute würde sowohl fruehstuecksflocke als auch ich jeden davon anders schreiben, vermute ich. Man entwickelt sich weiter, lernt dazu, findet Neues heraus.
Bei meinen eigenen Artikeln fällt mir auf, dass ich inzwischen nicht mehr ganz so ernst schreibe und auch mal etwas lockerer geworden bin. Vermutlich der Einfluss des sarkastischen Blogstils des Bloggründers? Also wenn überhaupt, würde ich nicht mehr so steif und bierernst bloggen, wie bei den allerersten Artikeln, die von mir hier erschienen, als ich hinzugekommen bin.
Aber ansonsten wüsste ich jetzt nichts, was wir zwei online angestellt hätten und auf dem Blog nie mehr machen dürften.

5. Welche drei Tipps würdet ihr, jungen Bloggern mit auf den Weg geben, die ihr euch damals gewünscht hättet?

1. Ihr könnt gar nichts falsch machen, wenn ihr guten Content liefert.
2. Der Blog wächst mit seinen Aufgaben. Nicht gleich am ersten Tag alles bombastisch zu haben, ist normal!
3. Vernetzung ist das A und O. Eigenbrötlerisch vor sich hinbloggen macht auf Dauer nicht erfolgreich.

Danke für diesen tollen Anlass, ein paar Stunden durch die Archive und Statistiken zu stöbern  und dort Überraschendes zu entdecken!

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Fallstudie: Werwölfe III – Der Werfisch in “Arielle, die kleine Meerjungfrau” Folge 29

Trickfilme sind eine faszinierende Sache – irgendwann stellt man fest, dass die meisten Trickfilmreihen früher oder später eine Liste an “Must-Have”-Folgen abhaken, die sich in so gut wie jeder Trickfilmserie findet. Ein Abhaken der gängigsten TV-Tropen, müsste man sagen. Eine dieser beliebten Fernsehserientropen scheint es zu sein, dass irgendeine Figur sich in einen Werwolf verwandelt.
Vor dieser Entwicklung ist auch die Disney-Animationsserie “Arielle, die kleine Meerjungfrau” aus den Neunzigern nicht sicher. Doch wie passt man die gängigen Werwolfgeschichtenklischees an eine – bis auf Meerjungfrauen und einige andere fantastische Elemente – relativ realistisch konzipierte Unterwasserwelt an?
In der Folge “Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft” (im Original “The Beast Within”) verwandelt sich Fabius in … einen Werfisch.

Aussehen und Veränderungen

Der Werfisch ist weitaus größer, als der normale Fisch, ungefähr so groß wie ein größerer Hai oder größer und ungefähr dreimal so stämmig. Seine Farbe geht ins rötlich Violette und er hat gruselige Hauer, die ihm aus dem Mund ragen. Außerdem erinnert die “Schnauze” des Fischs eher an eine Hundeschnauze als an einen Fisch und der Fisch wirkt, als hätte er “Haare”.

Fabius hat auch als Werfisch die charakteristischen Streifen und eine viel tiefere Stimme. Außerdem heult er wie ein Wolf.

Entstehungsgeschichte

Eine Seehexe sprach einst den Werfischfluch über einen Fisch, der ihr blödkam und daran beteiligt war, sie und ihre Freunde aus dem Dorf zu werfen.
Seitdem schwimmt der wilde Werfisch durch die Weltmeere.

Verwandlung und Verhalten

Wer von einem wilden Werfisch gebissen wird, verwandelt sich selbst in einen Werfisch.
Die Verwandlung kündet sich mit einem leichten Schmerzen an der gebissenen Stelle an, während ansonsten keine Beeinträchtigungen eintreten – zwar schmerzt Fabius’ gebissene Flosse beim Schwimmen, aber das Schwimmen selbst macht ihm nichts aus.
Bei der Verwandlung selbst wird Fabius allerdings völlig hysterisch. Er fühlt sich am ganzen Körper komisch, krümmt sich, bekommt eine tiefere Stimme. In seinen Augen drehen sich grellorange Spiralen. Er verwandelt sich in einen viel größeren, leicht “haarigen” rostroten Werfisch, heult auf und schwimmt davon.

Neben einigen Vorteilen – der Werfisch ist größer und schneller als der gebissene Fisch – wird der Werfisch auch wilder und hat das eigene Verhalten nicht unter Kontrolle – oder verhält sich instinktiv zerstörerisch und aggressiv.

In der konkreten Arielle-Folge bedeutet das, dass Fabius aka wilder Werfisch in ein Dorf schwimmt und den Bewohnern Angst und Schrecken einjagt, während er willkürlich Blumentöpfe und andere zufällige Gegenstände zerbeißt, mit Unterwassermelonenkernen schießt und den Meermenschen nachschwimmt, um sie zu beißen.
Dies wirkt dank der Comedy-Elemente wie “Unterwassermelonenkernmaschinengewehr trifft den fetten Hintern von Meermenschen” oft eher lustig als bedrohlich. Dies dient nicht nur dem komischen Effekt, sondern soll auch gerade für jüngere Zuschauer den Schrecken aus einer eher düsteren Folge mildern.

Die Verwandlung hängt übrigens nicht in irgendeiner Weise vom Mond ab – vermutlich wäre dieser Aspekt nicht in einer Unterwasserwelt umsetzbar gewesen – sondern kann zufällig auftreten. Auch die Rückverwandlung scheint nicht steuerbar zu sein.

Gegenmittel oder Vernichtung?

Als Arielle im Dorf eintrifft, steht der Lynchmob bereit – und zwar mit sowas Ähnlichem wie Mistgabeln – und schwingt Reden á la “Wir holen uns den Werfisch! Wir machen ihn fertig!”
Hier ist es im Grunde genommen eigentlich nicht uninteressant, wie genau die Interaktion abläuft, die Ariel beobachtet.
Ein Aufrührer stachelt die Dorfbewohner mit völlig absurden Losungen gegen den Werfisch an, der angeblich ihre Brunnen vergiftet und ihre Kinder rauben möchte. Hier erkennen sich durchaus überspitzte Parallelen zur allgemeinen Hetze gegen Minderheiten – auch wenn Fabius als Werfisch tatsächlich Schaden angerichtet hat und anrichten könnte, werden hier die kleinen und großen Zuschauer gegen den Aufrührer vereinnahmt und nehmen seine überspitzten Hetzparolen als falsch wahr. Hier steckt eindeutig ein pädagogischer Kern in der Art, wie die Dynamik zwischen den Dorfbewohnern dargestellt wird.
Ein einziger Dorfbewohner stellt hier die Stimme der Vernunft dar und schlägt vor, die Wahrsagerin zu konsultieren und den Werfisch nicht blind zu jagen – der Lynchmob lässt sich darauf aber nicht mehr ein.
Nachdem der Mob Fabius fangen kann, ketten sie ihn in einem Käfig in einem Schiffswrack an und wollen dieses in die Tiefe stürzen – den Werfisch also töten. Sie sehen keine andere Aussicht.

Arrielles Ansatz ist hier anders. Sie verfolgt den vernünftigen Dorfbewohner bis zur Wahrsagerin – im Gegensatz zu ihm spricht sie mit Arielle und ihren Freunden.
Bemerkenswert ist hier, wie eine weitere Trope auf die Schippe genommen wird – die Fischgestalt erinnert in gewissem Sinne an eine Klischee-Wahrsagerin vom Jahrmarkt und natürlich spricht sie (zumindest in der deutschen Synchronisation) mit Akzent.
Die Wahrsagerin gibt nur widerwillig die Information weiter, da sie aus persönlichen Rachegelüsten heraus den Dorfbewohnern nicht helfen will – nur Arielles gutes Herz kann sie überzeugen, eine Lösung zu verraten: Der Werfisch muss baden in Silbernebel-Schwaden.

Arielle kann das Rätsel bald durch Zufall lösen – es handelt sich um einen silbrig glänzenden Fischschwarm, den Arielle irgendwie dazu bringen kann, ihr zu folgen.
Sie kommen in letzter Minute, um Fabius zu umschwimmen, ehe das Schiffswrack in die Tiefe stürzt.

Die Psychologie einer Trickfilmfolge

Die Folge ist in vielerlei Hinsicht interessant – nicht nur wegen der zwei ineinandergewobenen Handlungsstränge (zum Einen der Werfisch, zum Anderen vergisst Triton Sebastians Jubiläum, schenkt ihm einen unfassbar hässlichen Pokal – den er anders nicht loswerden konnte – und Sebastian bewertet das Ding völlig über und zerstreitet sich mit Frechdachs), auch wegen der vielen pädagogischen Botschaften für die jungen Zuschauer.
Neben der bereits erwähnten Kritik an pauschaler Hetze gegen Andersartige und der Kritik am Lynchmobverhalten der Dorfbewohner wird hier auch beigebracht, dass man alte Freunde nicht vergessen sollte – denn für Triton ist es genauso unangenehm, kein Geschenk für Sebastian zu haben, wie es für Sebastian wäre, keins zu seinem Dienstjubiläum zu erhalten. Gleichzeitig soll hier jedoch gezeigt werden, dass man sich nicht zu sehr an den materiellen Zeichen einer Freundschaft aufhängen soll. Last but not least zeigt Arielle am Anfang der Folge ein verantwortungsloses “Man lebt nur einmal”-Verhalten, durch das sie die Werfischkatastrophe überhaupt erst auslöst. Am Ende der Folge begreift sie, dass sie falsch gehandelt hat und entschuldigt sich.

Kindgerechte Werfische?

Interessanter für den Weltenbauer ist hier allerdings ein anderer Aspekt der Geschichte, nämlich die Umsetzung des Werwolfmythos in einer Unterwasserwelt – und kindgerecht. Im Grunde genommen ist das nämlich eigentlich eine gruselige Erfahrung. Erst wird das Opfer von einem gruseligen Wesen angefallen, dann verwandelt es sich selbst in ein wildes Tier und verliert die Kontrolle über die eigene Identität. Das kann auch erwachsene Zuschauer durchaus verstören – wie also verwandelt man den Mythos in etwas, das von Kindern verdaut werden kann?

Die Autoren der Folge lösen hier das Problem mit dem Mythentransfer, indem sie den Einfluss des Mondes eliminieren und aus “Silber ist für Werwölfe tödlich” ein unterwassertaugliches und gleichzeitig kindgerechteres “ein Schwarm aus silbernen Fischen bringt Heilung” machen. An dieser Stelle spielt es keine Rolle, dass dieser Transfer eigentlich überhaupt nicht logisch ist – und man keinem anderen Medium verzeihen würde, dass der silberne Fischschwarm wie gerufen kommt, kaum dass Arielle und ihre Freunde den Wagen der Wahrsagerin verlassen haben. Eine Folge ist nur 20 Minuten lang – inklusive Titelsong und Abspann – da muss gestaucht werden.
Das Kindgerechte wiederum wird teilweise dadurch erreicht, dass komische Elemente eingebaut werden und im Grunde genommen kein bleibender Schaden entsteht. Fabius wird im Laufe der Folge schließlich geheilt und wird das Abenteuer bald vergessen haben. Auch hat er keinen einzigen Dorfbewohner verletzt. Er hat also auch als Monster nichts angerichtet, was ein Kind verstören könnte.
Weitere komische und kindgerechte Elemente kommen durch den zweiten Handlungsstrang – Sebastians Besessenheit mit seinem Pokal und der dadurch entstehende kindische Streit mit Frechdachs – ins Spiel.

Weltenbauerisches Fazit

Auf jeden Fall sollten angehende Autoren öfter mal in eine Trickfilmserie reinschauen – ich staune immer wieder, wie viel man dort eigentlich lernen kann, wenn man die Folge mit den Augen eines Schriftstellers sieht!

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Weltengeflüster Mai 2015

Der Mai war wieder ein sehr weltenbaureicher Monat – es gibt viel Neues zu entdecken und dieses Neue stammt aus allen möglichen Ecken und Enden des Internets. Ob News rund um Harry Potter, eine Einführung in Weltenbauhintergründe bei Jonathan Stroud und Ursula Le Guin oder eine gute Portion Linguistik – diesen Monat ist alles dabei, was dabei sein kann.

Viel Spaß beim Lesen!

Leider scheint ein WordPress-Update dafür zu sorgen, dass ich als Mouse-Over-Text keine tollen, sarkastischen Anmerkungen oder Zusatzinformationen, Meinungen etc. mehr einfügen kann. Schade. Das hat mir beim Zusammenstellen des Weltengeflüsters immer am Meisten Spaß gemacht.
(Ihr wisst nicht, wovon ich spreche? Dann klickt euch doch durch ein paar alte Weltengeflüster-Ausgaben. Auch wenn die Neuigkeiten dann nicht mehr neu sind, gibt es immer wieder Artikel, die nie veralten ;-) )

Unter der Rubrik “Schöpfungsgeschichten” stellte Weltenbau Wissen im Mai den Weltenbau hinter den “Chroniken von Erdsee” vor. Nicht zuletzt reizvoll für Autoren, weil hier Ursula Le Guins Taktikten thematisiert werden, eine komplexe Welt zu erzeugen, ohne sofort automatisch noch vor dem Schreiben die ganze Welt in ihren ganzen, komplexen Details erstellen zu müssen.

Auf Books for Keeps, einem Onlinemagazin für britische Kinderliteratur, erschien ein Interview mit Jonathan Stroud, in dem er über die Hintergründe und Entstehungsgeschichten hinter “Lockwood und Co” plaudert – aber auch andere Themen kommen zur Sprache.

Auf Risky Regencies schreibt Sandra Schwab darüber, dass gerade bei historischen Romanzen – gilt aber vermutlich auch für andere Genres – es ungeschriebene Regeln gibt, wie man eine durchaus reale Epoche fiktionalisiert. Welche Aspekte der Geschichtsschreibung werden verstärkt oder weggelassen, um einen Liebesroman, eine Detektivgeschichte oder einen Thriller in einer bestimmten Epoche spielen zu lassen? Was gilt bei Freunden des Genres als Tabu? Kann man damit spielen?

Die Nase voll von immer demselben Standard-Bestiarium, das auch noch meist von Tolkien abgekupfert wurde? Es gibt Geschöpfe, die nur darauf warten, in eure Fantasywelten eingebaut zu werden. Tor.com stellt 10 mythologische Figuren vor, die noch nicht in gefühlt jedem Fantasyroman auftauchen.
Eine beliebte Fantheorie besagt, dass die Dursleys gemein zu Harry waren, weil er sie als Horcrux negativ beeinflusst hat. Dieser Essay belegt am Text, wieso das nicht der Fall sein kann.
Für alle, die Fantasy gerne mit Märchenhaftem verbinden oder sich generell ihre Inspiration gerne bei alten Märchenvorlagen holen, gibt es hier spannende und informative Einblicke in die Hintergründe von Cinderella.

Spaß muss sein – die auf dem tumblr von triceracroptops gefundene Auflistung “Woran merkt man, dass man in einem Fantasy-Roman gelandet ist?” könnte man nämlich sehr gut zu einem Bullshit-Bingo umfunktionieren. Erfüllt ein Roman (oder gar der eigene Roman) zu viele dieser Punkte? Dann hat man zu viele Klischees drin und sollte als Autor dringend überarbeiten…

Gefunden auf hypable: Es sind oft die kleinen Details, die eine Welt so richtig rund erscheinen lassen. Gerade bei “Harry Potter” trifft das ziemlich oft zu. Auf eine getwitterte Fanfrage nach dem Namen der Maulenden Myrthe gab Rowling nämlich ebenfalls dort eine Antwort.

CBS hat einen Supergirl-Trailer veröffentlicht. Was haltet ihr persönlich von einer Supergirl-Verfilmung?

Nicht alle Blogposts aus der Muggelnet-Artikelserie über die Gemeinsamkeiten zwischen Disney-Charakteren und Figuren aus der Potterwelt sind treffend – dieser hier schon. Was hat Belle mit Hermine gemeinsam?

Die Webseite ist schon älter – um ehrlich zu sein habe ich keine Ahnung, wie alt genau. Es handelt sich um eine linguistische Analyse der im Darkover-Zyklus von Marion Zimmer-Bradley gesprochenen Sprachen. Thorsten Renk ist ein deutscher Linguist für tolkien’sche Sprachen, unter anderem bietet er auf seinen Webseiten Sindarin-Sprachkurse an (und hat über Create Space das dazugehörige eBook veröffentlicht). Die Analysen gehen eher in die wissenschaftliche Richtung, sind also nicht nur für Darkover-Fans und begeisterte Leser, sondern auch für interessierte Conlanger spannend.

Hiltibold stellt den Lesern auf seinem Blog hochauflösende, nach antikem Vorbild erstellte Weltkarten zur Verfügung. Falls ihr also bei euren Romanen, Videospielen etc. in irgendeiner Weise das antike Weltbild mit einfließen lassen wollt, könnt ihr euch die Karten herunterladen und damit arbeiten.

Sarah Superwoman stellt sich die Frage, was aus dem Fantasygenre heute geworden ist. Dazu hat sie unter anderem mich interviewed, sodass einige meiner Antworten in ihrem Blogpost erscheinen. Aber auch abgesehen davon ist der Artikel auf alle Fälle lesenswert!

Last but not least: Eigentlich im Juni erschienen, muss dieser Link noch ins Weltengeflüster für den Mai – Guddy hat ihren Bloggerkarneval ausgewertet. Neben einem Link zu unserem Beitrag findet ihr dort sehr viele weitere inspirierende Blogposts, die zum Stöbern einladen. Viel Spaß!

Habt ihr einen Artikel gelesen oder gar selbst geschrieben, der im Weltengeflüster Juni verlinkt werden sollte? Dann schreibt es als Kommentar unter diesen Artikel oder über das Kontaktformular. Außerdem suchen wir weiterhin Gastartikel!

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Fallstudie: Requiescat in Pace – Assassin’s Creed und Latein

Heute wollen wir uns kurz die Verwendung der lateinischen Sprache im Computerspiel „Assassin’s Creed II“ ansehen.

Inzwischen läuft die Spiele-Serie „Assassin’s Creed“ schon recht lange und den meisten müsste sie inzwischen bekannt sein. Ich muss zugeben, dass ich gerade bei Videospielen nicht immer am Puls der Zeit bin und immer etwa 5 Jahre hinter den aktuellen Erscheinungen hinterherhinke – was hauptsächlich eine Geldfrage für mich ist, denn weder kann ich mir die 50 bis 60 € für ein neues Spiel leisten, noch kann ich mir die Hardware-Updates für meinen uralten Rechner leisten. So kommt es, dass ich Assassins Creed erst vor kurzem für mich entdeckt habe. Ich fing ganz klassisch mit Teil 1 an und widmete mich jetzt Teil 2.

Kurzüberblick: Inhalt der Serie

Für die, die die Serie nicht kennen, sei hier ihr Inhalt kurz umrissen: Teil 1 spielt im Heiligen Land zur Zeit der Kreuzzüge. Die Tempelritter wollen in einer recht obskuren Verschwörung die Weltherrschaft an sich reißen, und allein der Orden der (in letzter Zeit viel zu oft rezipierten) Assassinen kann sie aufhalten, in dem sie die wichtigsten Templer und Helfershelfer in aberwitzigen Attentaten umlegen.

Assassin’s Creed II nun verlegt die Handlung ins Italien des späten 15. Jahrhunderts. Irgendwie hat der – eigentlich offiziell längst aufgelöste – Templerorden nach wie vor seine Finger im Spiel, und irgendwie haben auch die – ebenfalls offiziell längst erledigten – Assassinen ihren Schwerpunkt nach Italien verlagert. In der Folge wird rund um die tatsächlichen historischen Ereignisse der Zeit erneut ein Machtkampf zwischen Templern und Assassinen fingiert.

Im Endeffekt ist die Rezeption der tatsächlichen historischen Elemente und ihre Verarbeitung in der Serie gar nicht so uninteressant – sie wäre auch durchaus einen Blogbeitrag wert –, aber hier in der Fallstudie widmen wir uns einem anderen Thema: Nämlich des unseligen Requiescat in Pace, das der Assassine Ezio Auditore jedem seiner Opfer ins Ohr flüstert, während es am Ende eines langen Monologs mit Messer im Bauch endlich gestorben ist.

Exkurs: Kultureller Hintergrund

Wie schon oben angerissen, ist die Handlung im Italien des späten 15. Jahrhunderts angesiedelt. Genauer gesagt: Der Protagonist Ezio Auditore wird 1457 geboren, die ersten wichtigen Ereignisse der Handlung beginnen im Jahre 1478. Die Handlungsorte wechseln zwischen Florenz, Venedig, Forlì, und Monteriggioni in der Toskana. Hinzu kommt ein Abstecher in den Vatikan.

Wer sich ein wenig in Geschichte auskennt, wird nun schon bemerkt haben, dass wir uns nicht nur mitten in der Renaissance befinden, sondern dass Ezio im Laufe der Handlung auch einige der wichtigsten „Brutstätten“ des Humanismus abklappert.
So wird Florenz zu dieser Zeit etwa von Lorenzo I. de’ Medici regiert, in dessen Umfeld zu dieser Zeit etwa Gestalten wie Christoforo Landino, Sandro Botticelli, Michelangelo Buonarotti, Marsilio Ficino, Leon Battista Alberti und viele, viele mehr tätig sind.

Kurz gesagt: Die Rezeption der Antike und die alten Sprachen blühen auf, die Sprache des Humanismus ist Latein, und wer in dieser Zeit ein Mitglieder der Oberschicht ist und etwas auf sich hält – wie es Protagonist Ezio Auditore sicherlich tut – der lernt auch fleißig Latein.

Das Spiel selbst bedient sich sehr ausgiebig in dieser Blüte des geistigen Lebens, lässt Ezio zu einem Vertrauten Lorenzos werden, macht ihn mit Caterina Sforza bekannt, gibt auch dem guten Niccolò Machiavelli eine tragende Rolle im Spiel und macht keinen geringeren als den jungen Leonardo da Vinci zu Ezios bestem Freund. Auch auf der Gegenseite wartet man mit wichtigen Namen auf, so ist etwa der Hauptantagonist des Spiels Rodrigo Borgia (der spätere Papst Alexander VI.)

Requiescat in Pace

Wenn Ezio nun auszieht, um die bösen Buben nicht nur das Fürchten zu lehren, sondern ihnen auch gleich das Leben zu nehmen, ist seine erste Lektion: Habe Respekt vor den Feinden, stelle dich nicht durch Hass auf eine Stufe mit ihnen, sondern erweise ihnen die letzte Ehre. Diese Ehre nun wird erwiesen, indem Ezio seinen Opfern seine Klinge in den Leib rammt, sie zu Boden sinken lässt, sie schützend in den Armen hält und mit ihnen ein Pläuschchen darüber hält, wieso sie taten, was sie taten, weshalb er sie umbringen musste, dass er es nicht gerne tat und vieles mehr. Alle Opfern packen bereitwillig ihr Wissen an der Schwelle zum Tode aus, und zum Dank sagt Ezio zu ihnen: „Requiescat in Pace.“ Das ist Latein für: „Er möge in Frieden ruhen.“ In just diesen Momenten sterben die Opfer dann auch endlich.

Ich rechne es Assassins Creed hoch an, dass sie das auch heutzutage noch populäre R.I.P. aufgreifen und es auf seine ursprüngliche Bedeutung zurückführen, denn es wird heute leider fälschlicherweise immer mit Rest in peace aufgeschlüsselt. Leider scheint Assassins Creed hier aber nicht viel weiter als bis zur englischen Variante zu denken.

Denn: Wenn heutzutage in Filmen jemand auf tragische Weise (meist in irgendwelchen heroischen Kontexten) stirbt, flutscht dem an der Todesszene teilnehmenden Helden nicht ungern ein Ruhe in Frieden über die Lippen. Dieses Ruhe in Frieden wendet sich in solchen Situationen direkt an den Sterbenden, ist also als Aufforderung zu verstehen. Lässt man in der deutschen Formel Er ruhe in Frieden das Personalpronomen er weg, so spricht auch nichts dagegen, ruhe als Imperativ aufzufassen, denn als dritte Person Konjunktiv. Sinngemäß im Deutschen also völlig richtig. Auch das englische Rest in peace hat damit kein Problem, auch rest kann problemlos ein Imperativ sein – und vermutlich gründet sich hierrin die Popularität der Formel als direkten Zuspruch an den Sterbenden.

Mit Requiescat in Pace funktioniert das aber nicht. Das lateinische requiescat entspricht einem Konjunktiv in der dritten Person, und es gibt hier keine Möglichkeit, das Subjekt wegzulassen und an einen Imperativ zu denken. Nicht umsonst findet sich die Formel vor allem auf Grabsteinen als Inschrift, quasi als verspäteten Wunsch für den Verstorbenen. Aber nicht als direkte Aufforderung an ihn.

Fairerweise muss man natürlich sagen, dass Requiescat in Pace es auch in die Liturgie der katholischen Kirche geschafft hat: “Requiem aeternam dona ei, Domine, et lux perpetua luceat ei. Reqiescat in pace. Amen.”
Aber: Hier handelt es sich um ein Gebet für andere Personen, nicht um einen Zuspruch an den Sterbenden selbst.

Wenn Ezio sich also direkt an den Sterbenden wendet, kann er das nicht mit requiescat tun. Stattdessen müsste er – der er als Oberschichtsmitglied im Humanismus sicherlich gut Latein kann – die Formel abändern und zur zweiten Person greifen: Requiescas in Pace.

Wer hier nicht ganz so pingelig ist und meint, Ezio bediene sich hier völlig unreflektiert einer feststehenden Wendung, die er aus dem liturgischen Kontext kennt, der möge wenigstens Anstoß daran nehmen, dass Ezio auch beim Singular requiescat bleibt, wenn er gerade zwei Personen getötet hat und folglich mit zwei Personen ein Pläuschchen hält. Hier wäre wenigstens der Plural requiescant drin gewesen, findet sich doch auch das oben zitierte Gebet in der Liturgie auch mit dem Plural für Anlässe, wenn für mehrere Personen gebetet werden muss.

Fazit

Die Rezeption der lateinischen Phrase im Sinne des Zeitgeistes durch das Spiel Assassin’s Creed II ist durchaus löblich, geschieht aber auf sehr plumpe und unbeholfene Weise. Man hätte vor Gebrauch der Phrase über ihre eigentliche Bedeutung kurz nachdenken können, oder aber – falls dies nicht zuviel verlangt ist – auch den Gebetscharakter weiter ausbauen können, um eine nichtreflektierte Verwendung der Formel klarer herauszustreichen.

Persönlich neige ich aber dazu, zu glauben, dass man es bei Ubisoft hier einfach nicht besser wusste: Denn das Spiel bezeichnet auch Schriftrollen als Kodex-Seiten … Am Ende bleibt das Spiel ein Beispiel dafür, wie man eine reale Sprache besser nicht in seine eigene fiktive Welt einbaut.

Die Story hinter Assassin’s Creed ist ziemlich verrückt und recht absurd, wer aber auf trashige, pseydohistorische Geschichtsmachwerke steht, macht hier sicherlich nichts falsch. Ich hatte jedenfalls meinen Spaß, trotz schlechten Lateins und frickeliger Steuerung.

—-

Nachtrag: Inzwischen habe ich nach Verfassen des Artikels das Spiel durch – in der letzten Szene sagt Ezio doch tatsächlich zu seinem Erzfeind: “Requiescat in Pace, du Bastard!” Ich habe mich nicht nur scheckig gelacht, sondern von einer unreflektierten Verwendung der Formel kann nun auch keine Rede mehr sein. Ubisoft hat sprachlichen Blödsinn gebaut, das steht für mich nun fest.

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Doppelter Liebster-Award? Doppelte Antworten!

Wir wurden getagt – und das gleich doppelt: Bereits im vergangenen Monat von unserer fleißigen Leserin, Gastautorin und Kommentareschreiberin Carmilla deWinter und erst… gestern von der tollen Lady Sonea. Beide nominierten uns für den “Liebster Award” – ein Award-Kettenbrief für Blogger, der dazu dient, Blogger mit weniger als 200 Lesern zu vernetzen und bekannter zu machen.
Vielen Dank für die Nominierung! Vernetzung ist immer eine wundervolle Sache.

Ich übernehme mal die Grafik, die Lady Sonea verwendet hat. Es gibt sie in 500 Farben, Formen und Variationen :).

Ich übernehme mal die Grafik, die Lady Sonea verwendet hat. Es gibt sie in 500 Farben, Formen und Variationen :).

Die Regeln sind klar: Man verlinkt den Blog, der den eigenen Blog nominiert hat, beantwortet die Fragen aus dem anderen Blog (oder in unseren Fall: Die Fragen der ZWEI Bloggerinnen) und nominiert dann bis zu elf weitere Kollegen, elf eigene Fragen zu beantworten.
Wir bedanken uns sehr für die Fragen und haben sie gerne beantwortet. Wir verzichten aber darauf, weitere Fragen zu stellen und andere Blogger zu taggen. Wir hoffen, das ist für alle Beteiligten in Ordnung!

Achtung: Die Antworten auf die Fragen können Spuren von Sarkasmus, Polarisierungsmagneten und Vanilleeis enthalten.

Zunächst einmal unsere Antworten an Carmilla:

1. Der oder das Blog?

fruehstuecksflocke: Der Blog, aber das Weblog. Ich kann es nicht begründen, es klingt aber irgendwie „besser“ in meinen Ohren.

Evanesca Feuerblut: Für mich definitiv „Der Blog“, genauso wie „Die E-Mail“, „Die SMS“ und… fruehstuecksflocke, das musste jetzt sein… „Die Butter“.
Schwer zu erklären, wieso eigentlich. Kommt ja von „Das Web-Log“. Und Log kommt von „Das Logbuch“. Linguistisch gesehen also kompletter Blödsinn – aber lautlich hat sich bei mir einfach „Der Blog“ eingebürgert und das bleibt jetzt so.

2. Ist Bloggen politisch oder privat? Oder vielleicht beides? Warum?

fruehstuecksflocke: Ich denke, jede Form öffentlicher Meinungsäußerung ist irgendwo auch politisch, sonst hätte man sie ja nicht getätigt. Gerade Blogs mit ihrer “Semi-Öffentlichkeit” (jeder kann zugreifen, aber niemand findet den Blog via Google aufgrund der großen Konkurrenz) können natürlich politisch sein, allerdings oft auch mit privatem vermischt.

Evanesca Feuerblut: Politisch. Und zwar sogar dann, wenn man gar nicht über Politik schreibt.
Man nehme ein scheinbar völlig unpolitisches Beispiel – eine Bloggerin, die über Cremetörtchenrezepte und Kuchen bloggt. Auch das ist bereits Politik, denn sie wird ihre Zutatenliste angeben – und je nachdem, welcher Ernährungsphilosophie sie anhängt, dabei omnivore, vegetarische oder vegane Zutatenkombinationen wählen. Außerdem entweder bewusst betonen, dass es sich um Eier von glücklichen Hühnern handelt – oder es weglassen, weil die Eier von Aldi aus der Bodenhaltung sind. Das ist aber bereits wieder in gewissem Sinne Politik, auch wenn man die Politik auf den ersten Blick nicht in einer Zutatenliste vermuten würde.
Langer Rede, kurzer Sinn? Politik ist überall und man kann nichts tun, ohne sich irgendwie politisch zu äußern. Öffentlich Inhalte generieren sowieso nicht. Das ist genauso wenig möglich, wie nicht zu kommunizieren.
Auch wir auf der Weltenschmiede sind nur scheinbar unpolitisch. Spätestens, als ich unsere #blogeha-Blogposts verfasst habe und den Umgang mit Diskriminierung in „Harry Potter“ beleuchtete, wurde mir das klar.

3. Als Revisionistin n-ten Grades: Durch wie viele Inkarnationen geht ein durchschnittlicher Blogpost bei dir/Ihnen? Oder hängt’s vom Thema ab?

fruehstuecksflocke: Hängt nicht vom Thema ab. Bei mir sind es meist wirklich nur zwei Versionen: Die Rohfassung und die endgültige Version. Bei den Texten für den Tintenfleck gibt es manchmal auch noch eine dritte und vierte Version desselben Textes, aber das sind eher die Ausnahmen. Auch dort ändert sich an einem verfassten Text grundsätzlich wenig bis zur Endversion.

Evanesca Feuerblut: Alle Artikel für die Weltenschmiede und unseren Rezensionsblog „Die FeuerFlocke“ werden auf alle Fälle vom jeweils anderen Blogpartner korrekturgelesen, dabei werden in der Regel krude Formulierungen, Tippfehler, vergessene Wörter bereinigt.
Meine eigenen Blogposts für meine Autorenhomepage schreibe ich oft vor, lasse sie dann zwei-drei Wochen liegen, copypaste sie dann in meinen Blog und verändere sie kurz vor dem Veröffentlichen – weil mir in diesem anderen Format Fehler auffallen oder weil ich schlicht meine Meinung geändert hat und ich darum etwas ergänzen oder ändern muss.

4. Gibt es ein Thema, über das du/Sie gern bloggen würdest/würden, dich/sich aber – aus welchen Gründen auch immer – nicht traust/trauen?

fruehstuecksflocke: “Nicht trauen” ist der falsche Begriff: Ich diskutiere über sehr viele Themen sehr gerne, etwa über Glaubensfragen, über Politik … aber die Erfahrung lehrte mich, dass Diskussionen mit mir unbekannten Menschen schnell sehr mühsam werden können, sodass ich mich hier lieber in der Öffentlichkeit bedeckt halte. Da sind fiktive Welten doch ein viel unverfänglicheres Thema ;)

Evanesca Feuerblut: Ich habe seit einer inzwischen gelöschten Grafik von 2009 und meinem ersten Blogpost (einem Weihnachtsgruß samt Bild) auf der Weltenschmiede keine Zeichnungen von mir in Blogposts verwendet und bin nicht sicher, ob ich mich jemals trauen werde, das zu tun.
Ansonsten: Wenn ich noch nicht über ein Thema gebloggt habe, dann eher, weil ich nicht daran gedacht habe, weniger, weil ich mich nicht traue

5. Bloggen verpflichtet: Postings nach Laune, nach Stundenplan, oder …?

fruehstuecksflocke: Wenn mir das Projekt ernst ist, dann gibt es einen wöchentlichen Postingplan. Auf der Weltenschmiede aktuell jeden Sonntag, auf dem Tintenfleck jeden Montag & Freitag. Spaß macht das trotzdem – und wenn ich wirklich keinen Nerv für die Blogs habe, lasse ich den Postingplan auch gerne mal schleifen. Bloggen ist nicht die Welt.

Evanesca Feuerblut: Die Weltenschmiede postet mindestens immer Sonntags (außer wir sind BEIDE verhindert UND haben unseren Vorrat an vorgeschriebenen Artikeln aufgebraucht), auf der FeuerFlocke erscheint fast jeden Dienstag eine Buchrezension und manchmal außer der Reihe etwas anderes an einem beliebigen anderen Wochentag.
Für meinen Privatblog habe ich nur die Auflage „Mindestens einmal im Monat“.

6. Reader/Feed/Lesezeichen anschauen: Gibt es da zwei Blogs und/oder Seiten, von denen keine*r erwarten würde, dass sie von ein und derselben Person verfolgt werden? 

fruehstuecksflocke: Schwierig … am weitesten klaffen vielleicht noch The Gates Notes und Bud Spencer Movie auseinander.

Evanesca Feuerblut: Zum Einen wäre da dieser hier: http://altesteine.blogspot.de/ Alles rund um Schlösser, Reiseberichte zu Ruinen, alte und kaputte Sachen… Superinspirierender Blog und ich habe mir so manchen Artikel daraus als Schreibinspiration aufgehoben und zum Anderen folge ich http://www.hatemeorloveme.net/ – eigentlich ein Blog über Make-Up und Kleidung (was eigentlich nicht so meine Themen sind), aber ich liebe die Blogposts zum Thema „USA“ und die Besonderheiten des dortigen Lebens.

7. Was muss ein Blog haben, um deine/Ihre Aufmerksamkeit zu fesseln?

fruehstuecksflocke: Ein brauchbares Layout und eine gut zugängliche “Über …”-Seite, denn ich will nicht drei Stunden auf der Seite herumkraxeln, um herauszufinden, worum es auf dem Blog geht.

Evanesca Feuerblut: Gute Frage und da ich ungefähr 70 Blogs folge – und allen aus anderen Gründen – habe ich nicht die leiseste Ahnung… Aber ich denke, ein Design, bei dem ich den Tab nicht SOFORT wieder zumache, noch ehe der Blog ganz geladen hat gepaart mit gutem Content (idealerweise Weltenbau, denn davon gibt es so wenige Blogs…) geht in die richtige Richtung.

8. Gibt es Blogs, die dich/Sie inspirieren?

fruehstuecksflocke: Auch das ist keine einfache Frage … ich mag die Gedichte von Coco J. Ginger, aber viel mehr zu literarischem Quatsch stiften mich die Comics von Randall Munroe und Sarah Burrini an.

Evanesca Feuerblut:Kommt natürlich darauf an, wie man „inspirieren“ definiert. Ich habe keine Bloggervorbilder oder etwas in der Richtung, auch niemand, bei dessen Blog ich mir denke „Ja, so müsste meiner auch sein“ oder „Das würde ich auch gerne können“. Jeder Blog ist anders, jeder bloggende Mensch ist anders und ich habe schon als Kind die Frage nach dem Vorbild nicht sehr gemocht. Einfach weil es als unfassbar abgehoben gilt zu sagen, dass man keins hat.
Hatte ich aber nie.
Inspirierend im Sinne von „Wunderschöner Blog, der zum Verweilen und Träumen einlädt“ ist in meinen Augen dieser hier: http://kopfkino.sasverse.de/
Ich kann nicht mal direkt sagen, wieso – aber seit ich ihn zufällig auf einer Kommentaraktion entdeckt habe, bin ich dort hängengeblieben und fühle mich einfach pudelwohl, sodass ich auch mal ein wenig herumstöbere, wenn es nix Neues gibt.

9. Schamlos Eigenwerbung machen: Bitte den eigenen Lieblingspost und/oder subjektiv wichtigsten Post verlinken.

fruehstuecksflocke: Ich habe für die Weltenschmiede bis heute über 100 Artikel geschrieben … eine ganze Menge. Einer meiner Lieblinge ist sicher der Beitrag über die Lotophagen , da er bis heute immer noch regelmäßig Aufrufe erhält. Aber am meisten Spaß hatte ich in der Zeitreisen-Serie, vor allem bei Zurück in die Zukunft und bei Déjà Vu, denn mit dem Beitrag habe ich Evanesca damals den ganzen Film verdorben ^^

Evanesca Feuerblut: Genauso wenig wie mein Blogpartner kann ich mich hier auf nur einen Artikel festlegen. Einfach weil ich schon 130 Artikel für die Weltenschmiede geschrieben habe und da die Entscheidung für EINEN sehr schwierig ist.
Aber ich habe versucht, Artikel auszuwählen, die selten beachtete Weltenbauaspekte beleuchten, essayartig sind und habe bei der Zusammenstellung Artikeln von 2013 und Anfang 2014 den Vorzug gegeben, da dies Artikel sind, die ein Teil der heutigen Leser vielleicht nicht kennt.
Wochentage: Eins dieser Themen, über die kaum jemand nachzudenken scheint. Selbst beim Fantasygroßmeister Tolkien werden Wochentage einfach 1:1 übernommen, obwohl er sonst doch so akribisch gearbeitet hat. Darum einige Anregungen, was man alles mit Wochentagen anstellen kann. Gehört zu meinen ältesten Artikeln für die Weltenschmiede.
Werwölfe: Besonders geschätzt und geliebt, weil ich hier zum ersten Mal in die soziologischen Implikationen des Werwolflebens in den Harry-Potter-Romanen eingestiegen bin. Dieser Artikel war in meinem Hinterkopf, als ich die #blogeha-Blogposts geschrieben habe und liegt mir heute noch am Herzen.
Sailor Moon und westliche Mythologie: Einer der relativ seltenen Postings über Animes bei uns auf dem Blog und ein Artikel, für den ich eine halbe Ewigkeit gebraucht habe, weil es doch eine Weile gedauert hat, diese ganzen Infos zusammenzutragen, aus dem Gedächtnis Erinnertes zu überprüfen, deutsche und englische Wikis abzugleichen… und ein Blogpost über einen Anime aus meiner Kindheit, den ich allein für den Kindheitsfaktor einfach liebe.
Rohstoffe und warum manche von ihnen wertvoll sind: Auch der hier unter anderem wegen des Seltenheitsaspektes des beschriebenen Themas ausgewählt. Wir denken beim Weltenbau heutzutage irgendwie zu selten darüber nach und ich lese in sehr vielen Büchern, dass man einfach das moderne Prinzip kopiert und Gold wertvoll ist.
Und last but not least einer meiner Ausflüge in die Philosophie hinter dem Weltenbau und dem Storytelling allgemein – über die Motivation des Bösen: Geliebt, weil es eine dieser Gelegenheiten ist, bei der ich mir erlaubt habe, hemmungslos zu philosophiere.

10. Was kommt auf den Tisch, wenn Gäst*innen zu beeindrucken sind?

fruehstuecksflocke: Um es mit meinem Patenonkel zu sagen: “Es werden keine Kosten und Mühen gescheut!” – dennoch hängt es wohl stark von dem ab, was die Speiesekammer hergibt ;)

Evanesca Feuerblut: Jeweils das, was ich noch nicht selbst zubereiten konnte, als besagter Besucher zuletzt bei mir war. Ich lerne gern dazu, probiere neue Rezepte aus und muss dann natürlich damit angeben, was ich Neues gelernt habe.

Und nun unsere Antworten an Sonea:

1. Wie bist du dazu gekommen, einen Blog zu schreiben?

fruehstuecksflocke: Ich hatte das Gefühl, dass es in der deutschsprachigen Blogosphäre unzählige Ratgeber gibt, wie man einen guten Rat schreibt, aber keinen einzigen, wie man eine gute Fantasywelt baut. Das war die Geburtstunde der Weltenschmiede.
Beim Tintenfleck hingegen wollte ich mich einfach literarisch neu ausprobieren – weg von nie endenden Romanprojekten, hin zu Kürzestgeschichten.

Evanesca Feuerblut: Meinen allerersten Blog öffnete ich im Jahr 2007, weil eine Klassenkameradin von mir auch einen hatte und ich auch wollte.
Zur Weltenschmiede bin ich gekommen, als fruehstuecksflocke mit den Fallstudien angefangen hat – ursprünglich sollte ich nur die Social-Media-Beauftragte sein, Artikel vor der Veröffentlichung korrigieren, „Frohe Weihnachten“-Blogposts schreiben und ja, da Vampire mein Steckenpferd sind, die Vampire-Fallstudienserie mit drei Beiträgen (Dracula, Anne Rice, Stephanie Meyer) vervollständigen.
Inzwischen stammen mindestens genauso viele (wenn nicht mehr) Artikel von mir als vom eigentlichen Bloggründer, aus der dreiteiligen Vampirserie wurden neun Artikel ohne Ende in Sicht und ich muss andauernd betonen, dass ich die Weltenschmiede nicht erfunden habe :P.
Und dann kamen wir beide relativ gleichzeitig auf die Idee mit dem Rezensionsblog, weil es sehr unzufriedenstellend ist, wenn man vieeeel mehr liest und schaut, als man verbloggen kann, weil Manches zwar toll ist, aber weder auf die Weltenschmiede noch auf die Privatblogs passt.

2. Was inspiriert dich am meisten?

fruehstuecksflocke: Das Wetter: Ob ein kühler Luftzug, der mir die Haare zu Berge stehen lässt, Regentropfen, die aufs Dach trommeln, ein klarer Sternenhimmel, der Duft nach nassem Gras, von einem Sturm entlaubte Bäume, Wetterleuchten jenseits der Berge … da geht das Kopfkino sofort an.

Evanesca Feuerblut: Das ist bei mir irgendwie ziemlich random – Spaziergänge, Musik, Superheldenfilme oder einfach Dinge, die mir in einem bestimmten Zeitraum gehäuft auffallen und die ich darum nicht ignorieren kann.

3. Welche Jahreszeit ist deine liebste und warum?

fruehstuecksflocke: Der Winter – ich mag es nicht, wenn mir zu heiß ist, außerdem bin ich ein leidenschaftlicher Skifahrer.

Evanesca Feuerblut: (Früh-)Herbst/Altweibersommer.
Wenn die Welt ganz golden wird und es noch warm ist, aber nicht mehr so furchtbar heiß wie im Sommer, aber noch nicht so kalt, dass es schneit und man noch T-Shirts unter der Übergangsjacke tragen kann.
Wenn die schlimmsten Sommergewitter schon lange vorbei sind, aber die sturzbachartigen Regenfälle des Herbst-Winter-Übergangs noch auf sich warten lassen.
Und außerdem habe ich im Herbst Geburtstag.

4. Hast du ein Lebensziel und wenn ja, welches?

fruehstuecksflocke: Ganz bescheiden: Ich möchte etwas Gedrucktes veröffentichen.

Evanesca Feuerblut: Ich habe es nicht so mit Lebenszielen. Mein nächstes Etappenziel ist es, meine Trilogie zu schreiben und dann irgendjemanden zu finden, der dieses Riesenepos auch wirklich als Trilogie verlegt. Zwar lässt sich die Romanhandlung der einzelnen Trilogiebände auch gut auf weitere Bände aufspalten, aber es tut mir in der Seele weh, das tun zu müssen.

5. Ziehst du das bunte Leben in der Stadt vor oder wohnst du lieber ländlich? Und warum?

fruehstuecksflocke: Tausendmal lieber am Land. Städte sind voll und laut, Stadtbusse bleiben alle 50 m stehen und brauchen für die Strecke eines Kilometers bis zu einer halben Stunde (ganz zu schweigen von den oft unverschämten Fahrpreisen!), alles ist mit Beton zugepflastert, die wenigen Grünflächen sind meist restlos überfüllt, im Sommer ist die Hitze durch den Beton dreizehnmal schlimmer, man kann in Städten nie gefahrlos barfuß gehen und von der schlechten Luft fang ich gar nicht erst an …

Evanesca Feuerblut: Frei nach dem Motto „Wasch mich, aber mach mich nicht nass“ hätte ich am Liebsten das Beste aus beiden Welten.
Das Grüne und Abgeschiedene, die gute Luft, die schönen Aussichten vom Lande. Und die ganzen Annehmlichkeiten der Stadt.
Die gute Ausstattung mit Supermärkten beispielsweise. Und dass ich alle 50 Meter eine Haltestelle finde, von der alle paar Minuten ein Bus abfährt, der mich an mein Ziel bringt. Oder dass ich nicht auf ein Auto angewiesen bin, mit dem ich in die Nachbarortschaft (oder weiter) fahren muss, wenn ich mal ins Kino oder ins Theater will.
Das ist das herrlich Unkomplizierte an der Stadt, dass alles jederzeit verfügbar ist und leicht zu erreichen. Außerdem mag ich die Anonymität einer Großstadt.
Gleichzeitig liebe ich es jedoch, in einer ländlichen Gegend als einziger Mensch gerade irgendwohin unterwegs zu sein und einem Bach beim Murmeln zuzuhören…

6. Was sind deine absoluten Lieblingsbücher, die du dir sich aus deinem Leben nicht mehr wegdenken kannst, und was fasziniert dich an ihnen?

fruehstuecksflocke: Lieblingsbücher? Im Plural? Evanesca wird jetzt sicher dreizehn Seiten schreiben … nun, ich mäßige mich dafür. Mein ewiger Favourit bleibt “Der Herr der Ringe”, am meisten fasziniert mich die Tiefe der von Tolkien geschaffenen Welt. Dicht dahinter kommt natürlich “Harry Potter”, denn damit bin ich aufgewachsen, die Serie hat mich fast zehn Jahre lang begleitet und ist nicht wegzudenken. Ich besitze sogar die lateinischen Ausgaben der ersten beiden Bände!
Immer wieder lesen könnte ich außerdem Jonathan Strouds “Bartimäus”-Serie. Allein schon der Humor … außerdem hält die Serie bei mir den Rekord für das emotionalste Ende aller Zeiten.

Evanesca Feuerblut: Nein, ich schreibe keine 13 Seiten darüber… Pfff! :P
Aber da es immer mal Blogparaden u.ä. zu Lieblingsbüchern und Buchschätzen gibt und ich so viele Lieblingsbücher habe, dass ich jedes Mal ein anderes Buch präsentieren könnte… habe ich viele Lieblingsbücher oder besser gesagt, Buchreihen.
Auch wenn ich Einzelbände ganz gerne mag, sind es Reihen, die mich faszinieren und über längere Zeit begleiten. Neben „Harry Potter“ – ungeschlagener Favorit seit 2001 – sind das die „Vampire Chronicles“ und Marion Zimmer-Bradleys „Avalon“-Reihe.
Eine neue Lieblingsreihe, die sich ganz gut macht und bei der ich sehnsüchtig auf die Fortsetzung warte, ist „A Song of Ice and Fire“.
Faszination… Mir ist aufgefallen, dass meine Lieblinge sich alle einer philosophischen Grundfrage oder Grundrichtung zuordnen lassen. „Harry Potter“ ist ein Plädoyer auf das Gute, das Menschliche und die Toleranz. Die „Vampire Chronicles“ prägen nachhaltig alles, was ich seit dem Alter von 14 Jahren über Schönheit, Vergänglichkeit und grenzüberschreitende Liebe gedacht habe. „Avalon“ und auch andere Romane von Marion Zimmer-Bradley haben mir sehr viel über Frauenbilder, Feminismus und die Verantwortung im Umgang mit großer Macht beigebracht. Als Kontrastprogramm dazu spiegelt „ASOIAF“ die ganze Unerbittlichkeit des Seins für mich.

7. Gab es in deiner Kindheit einen Helden und wenn ja, wen?

fruehstuecksflocke: Batman. Ich habe eines Tages die zerfledderten Comics meines Vaters und seiner Brüder in die Hände bekommen, und sie alle gelesen. Darunter waren nicht nur Batman-Comics, auch Superman, Die Spinne, Daredevil, Fantastische Vier, Rächer, Gerechtigkeitsliga, Aquaman und viele andere. Aber Batman hat bei mir den bleibendsten Eindruck hinterlassen, ich wollte als Kind eine zeitlang sogar als Traumberuf “Batman” werden.

Evanesca Feuerblut: Darkwing Duck. Nicht, dass ich damals nicht auch andere Superhelden gekannt hätte – aber irgendwie fand ich den Enterich und seine Crew nicht zuletzt wegen der flippigen Sprüche immer besonders toll.

8. Happy, sad oder open end?

fruehstuecksflocke: Happy End. Open End lässt mich immer mit so einem unfertigen Gefühl zurück, und traurige Enden lese ich generell nicht gerne.

Evanesca Feuerblut: Jeweils das Ende, das am Besten zur Geschichte passt. Bei manchen Büchern wirkt ein Happy End einfach falsch, weil die Geschichte keins hergibt, der Autor sich aber eins rausgezwungen hat. Das hat dann immer einen ollen Beigeschmack…
Hauptsache, das Ende ist gut geschrieben und genau richtig. Dann ist es auch egal, welche Art Ende es ist.

9. Bist du im Urlaub lieber aktiv oder entspannt am Strand?

fruehstuecksflocke: Beides – ich bin eindeutig ein Kultur-Fanatiker und besichtige auch den letzten historischen Steinhaufen, liege aber nach einer anstrengenden Besichtigungstour immer gerne auf der faulen Haut.

Evanesca Feuerblut: Strandurlaub ist für mich etwas sehr Seltenes und wenn ich diese Abwechslung mal kriege, freue ich mich jedes Mal darüber, denn ich liebe es, im Wasser herumzutollen.
Aber lange halte ich es nicht ohne Kulturprogramm durch. Meine Familie treibe ich in den Wahnsinn, indem ich am Tag am Liebsten drei Museen besichtige und in jedem Museum mir die Kärtchen zu JEDEM einzelnen verdammten Ausstellungsstück anschaue, dann das Ausstellungsstück anschaue und dann am Liebsten noch ganz lange darüber diskutiere, Vermutungen anstelle, mein kunstgeschichtliches Wissen auspacke oder gleich einen Vortrag über das Vorgefundene halte. Darüber können, je nach Größe des Museums, auch schon mal vier-fünf Stunden und mehr ins Land gehen.
Wenn ich dann noch Fotos mache oder Skizzen ins Notizbuch, ist die Zappelei um mich herum erfahrungsgemäß groß.
Nach so einem Museumstag bin ich aber meist fix und fertig und will den Abend nur noch verchillen und die vielen Eindrücke und Wissensschnipsel in meinem Hirn sortieren.
Und das am Strand, während über mir die Sterne leuchten und vor mir das Meer rauscht? Schöööööön!

10. Worauf bist du ganz besonders stolz? 

fruehstuecksflocke: Ich esse jeden Tag mein Mittagessen auf und bin damit nie schuld am schlechten Wetter!

Evanesca Feuerblut: Auf jede einzelne Normseite, die ich im Moment schreibe. Kennt jemand von euch diese besondere Schreibblockade, die genau dann kommt, wenn man mit dem Roman fast fertig ist und die mich daran zu hindern versucht, den Roman zu vollenden und das kurz vor der Zielgeraden?
Die habe ich nämlich gerade und seit Ende April bin ich damit beschäftigt, dieses Biest niederzuringen und meinen Roman zu beenden. Mir fehlen noch etwa sechzig Seiten. Aber die kriege ich auch noch niedergerungen.

Wir hoffen, ihr hattet Spaß beim Lesen und wisst jetzt etwas Neues über das Duo hinter diesem Blog.

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Fallstudie: Dem Odysseus seine Beziehungskisten

Die Zeitzeugin ruft zum Karneval der Rollenspielblogs – und die Weltenschmiede folgt diesem Aufruf mit Vergnügen. Das Thema soll sein: „Beziehungskiste. Passend zum Mai und doch hoffentlich mehr als ein herzchengeschwängertes Blumenmeer.“

Ein auf den zweiten Blick sehr vielseitiges Thema, wie Evanesca und ich feststellen mussten, hatten wir doch gleich mehrere Ideen. Vielleicht wird es von uns daher auch mehrere Beiträge zum Karneval geben, aber zunächst greifen wir das Thema auf, das mir als letztes einfiel.

Nicht der älteste, aber einer der bekanntesten Helden des Abendlandes ist wohl Homers Odysseus. Oft übersetzt, oft rezipiert, oft nachgemacht, aber nie übertroffen begeistert uns der findige Ithaker seit mehr als 2000 Jahren, und das zu recht: Ist er doch nicht nur ein Sinnbild für den herumirrenden, suchenden Menschen und der Prototyp des listigen Überlebenskämpfers, nein, Odysseus stellt auch so einiges an. So experimentiert er etwa mit Drogen, stiehlt Vieh und lässt nichts anbrennen.

Schauen wir uns in dieser Fallstudie also einige seiner „Beziehungskisten“ einmal genauer an.

Odysseus und Kirke

Die Geschichte mit Kirke, der Zauberin, die auf der Insel Aiaia lebt und die Gefährten des Odysseus in Schweine verwandelt, wird jeder kennen. Auch, dass Odysseus sich einen Schwamm in den Mund stopfte, ehe er Kirkes Zaubertrunk trank und so selbst der Verwandlung entging, dürfte bekannt sein. Aber was kam danach? Kirke wirft sich Odysseus zu Füßen, umfasst seine Knie, erkennt ihn als ihr überlegen an und fleht (in der Übersetzung von Johann Heinrich Voß):

Lieber! so stecke dein Schwert in die Scheid’, und laß uns zusammen
Unser Lager besteigen, damit wir, beide versöhnet
Durch die Freuden der Liebe, hinfort einander vertrauen!

Odysseus aber ahnt bereits eine Falle in diesem Angebot und er entgegnet ihr:

Nein! ich werde nimmer dein Lager besteigen, o Göttin,
Du willfahrest mir denn, mit hohem Schwur zu geloben,
Daß du bei dir nichts anders zu meinem Verderben beschließest!

Kirke tut ihm den Gefallen, schwört, dass sie nichts böses im Schilde führt und sie besteigen das Lager. In der Folge tischt Kirke Odysseus ein gar festliches Mahl auf, aber er besteht zunächst darauf, dass sie seine Gefährten endlich zurückverwandelt. Erst dann widmet er sich den Köstlichkeiten, zieht sein Schiff an Land, lässt sich tatsächlich häuslich nieder, ein ganzes Jahr lang, ehe seine Gefährten ihn endlich zum Weiterfahren mahnen:

Als nun endlich das Jahr von den kreisenden Horen erfüllt ward,
Und mit dem wechselnden Mond viel Tage waren verschwunden;
Da beriefen mich heimlich die lieben Gefährten, und sagten:
Unglückseliger, denke nun endlich des Vaterlandes;
Wenn dir das Schicksal bestimmt, lebendig wieder zu kehren
In den hohen Palast, und deiner Väter Gefilde.

Erst dann bricht Odysseus endlich auf, begibt sich auf Empfehlung der Kirke in die Unterwelt, erfährt dort sein Schicksal, kehrt zu Kirke zurück (!) und reist dann weiter, überlebt Sirenen, Skylla, Charybdis, schlachtet die Rinder des Helios, gerät in einen Sturm …

Odysseus und Kalypso

… und landet danach als einziger Überlebender des Sturmes auf Ogygia, der Insel der Kalypso. Kalypso fischt ihn aus dem Meer, füttert und wässert den großen Heroen und gibt ihm in ihrer Grotte ein Obdach – und das sieben Jahre lang, bis Hermes als Abgesandter von Zeus erscheint. Er macht Kalypso klar, dass sie Odysseus endlich gehen lassen muss. Nach einigem Hin und Her – denn Kalypso ist davon nicht begeistert – geht die Nymphe schließlich zum am Strand sitzenden Odysseus, um ihm die freudige Nachricht zu überbringen:

Aber Kalypso eilte zum großgesinnten Odysseus,
Als die heilige Nymphe Kronions Willen vernommen,
Dieser saß am Gestade des Meers, und weinte beständig,
Ach! in Tränen verrann sein süßes Leben, voll Sehnsucht
Heimzukehren: denn lange nicht mehr gefiel ihm die Nymphe;
Sondern er ruhte des Nachts in ihrer gewölbeten Grotte
Ohne Liebe bei ihr, ihn zwang die liebende Göttin;

Aber des Tages saß er auf Felsen und sandigen Hügeln,
Und zerquälte sein Herz mit Weinen und Seufzen und Jammern
Und durchschaute mit Tränen die große Wüste des Meeres.

Der große Odysseus als Liebessklave einer Nymphe – ein Aspekt der Geschichte, der nur selten erwähnt wird.

Odysseus und Penelope

Nachdem Odysseus den Fängen der Kalypso entkommen ist, landet er schließlich auf Ithaka, wird vom trefflichen Schweinehirten bewirtet, schlachtet die Freier ab und ist endlich wieder daheim. Penelope erkennt ihn wieder, sie lagern zusammen.

Es kommt zur großen Besprechung mit seiner holden Gattin, die ihn zehn Jahre lang nicht mehr gesehen hat. Penelope berichtet von ihrem Kummer in all den Jahren:

Jene, nachdem sie die Fülle der seligen Liebe gekostet,
Wachten noch lang’, ihr Herz mit vielen Gesprächen erfreuend.
Erst erzählte das göttliche Weib, wie viel sie im Hause
Von dem verwüstenden Schwarme der bösen Freier erduldet,

Auch Odysseus erzählt von all seinen Taten:

Auch von Kirkes Betrug und Zauberkünsten erzählt’ er;
Und wie er hingefahren in Aïdes dumpfe Behausung,
Um des thebäischen Greises Teiresias’ Seele zu fragen,
Im vielrudrigen Schiff, und alle Freunde gesehen,
Auch die Mutter, die ihn gebar und als Knaben ernährte.

Und wie sein rüstiges Schiff der Gott hochrollender Donner
Zeus mit dem Blitze zerschmettert; es sanken die tapfern Genossen
Allzumal, nur er selber entfloh dem Schreckenverhängnis.
Wie er drauf gen Ogygia kam, zur Nymphe Kalypso,
Die ihn so lang aufhielt in ihrer gewölbeten Grotte,
Und zum Gemahl ihn begehrte: sie reicht’ ihm Nahrung und sagte
Ihm Unsterblichkeit zu und nimmerverblühende Jugend;
Dennoch vermochte sie nicht sein standhaftes Herz zu bewegen.

Was Kalypso angeht, so ist Odysseus tatsächlich ehrlich. Aber Kirke? Er erzählt von ihrem Betrug und ihren Zauberkünsten, kein Wort davon, dass er selbst mit ihr freiwillig ein Jahr verbrachte – das zu erwähnen wäre aber wohl nach der ersten Nacht mit der treuen Gattin auch etwas ungeschickt ;)

Fazit

Die Odyssee ist wohl der Prototyp der Reisegeschichte. Ein Held zieht aus, will ein fernes Ziel erreichen. Aber das bedeutet nicht, dass er die ganze Geschichte auf Reisen verbringt – Odysseus lag in zehn Jahren „Irrfahrt“ immerhin acht Jahre in den Armen einer Frau ;-)

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Weltengeflüster April 2015

Der April ist weltenbautechnisch wieder ein aktiverer Monat gewesen – zusammen mit den ersten zarten Pflänzchen wagen sich auch die Weltenbauer in die Sonne des Internets und streuen Artikel und Neuigkeiten.

Für alle, die schon ungeduldig auf “The Winds of Winter” – Band 6 (englische Originalausgabe) der Fantasyreihe “A Song of Ice and Fire” warten, gibt es einen neuen Lichtblick – George R. R. Martin veröffentlichte ein weiteres Kapitel aus dem sechsten Band. Den Link zum Kapitel und weitere Informationen gibt es auf Tor.com.
Es gab eine Zeit, da war ein Trickfilm in Spielfilmlänge neu, aufregend, revolutionär und sündhaft teuer – der allererste so entstandene Trickfilm ist Disneys Version von Schneewittchen.

Wir haben schon mal selbst einen Artikel zu Sirenen gepostet – auch bei Fantasy Faction gibt es einen Artikel mit Informationen zu diesen Wesen, die beiden Artikel ergänzen einander – während fruehstuecksflocke sich auf die konkreten homerischen Sirenen konzentriert, bietet der englischsprachige Artikel einen allgemeinen Ausblick.
Nicht nur Fantasyautoren kommen meist nicht um sie herum – Kampfszenen. Was man beachten muss und viele weitere nützliche Tipps finden sich hier.
Weniger eine Frage des Weltenbaus, aber dennoch etwas, das früher oder später jedem Autor, Rollenspielerfinder und Weltenbauer bevorstehen könnte – der erste Besuch einer Convention. Einige Tipps, damit man kein Nervenbündel ist und sich nix traut, sind immer nett.
Durchaus praktisch für das Storytelling – aber bitte nicht im Real Life nachmachen! – sind dagegen diese Tipps, um in der eigenen Romanwelt jemanden zu vergiften.
Außerdem gibt es nützliche Tipps für das eigene Bestiarium und die Probleme, dieses in einer fantastischen Stadt unterzubringen.

Vor allem für Rollenspieler, Abenteuerschreiber und Ersteller von Computerspielen interessant, möglicherweise aber auch für andere nützlich ist die Seite http://davesmapper.com/ – hier könnt ihr Karten generieren lassen und bearbeiten. Die Dungeons lassen sich dann bei Bedarf mit Monstern füllen.

Zufällig auf Facebook entdeckt – wie würde die Brigitte und andere Zeitschriften in der Welt von “Game of Thrones” aussehen? Vorsicht: Mögliche Spoiler für alle Bände. Für alle anderen unfassbar lustig.

In manchen Cartoons kann man sich bis nach China durchgraben – doch was passiert wirklich, wenn man einfach abwärts gräbt? Infos gibt es auf dem xkcd-Blog.
Eine andere interessante Frage wäre, was mit einer Leiche im Weltraum passiert. Nützlich für alle, die neugierig sind oder entsprechende Science Fiction schreiben.

Der neueste Trailer für “StarWars VII – The Force Awakening” wurde vorgestellt. Wer ihn noch nicht kennt: Viel Spaß beim Anschauen!

Passend dazu berichtet Frau Margarete über die StarWars-Celebration in Anaheim. Und obwohl sie nicht dort war, war ihr Artikel so lebendig, informativ und spannend, dass er hier einfach reinmusste.

Goodnewsnetwork veröffentlichte einen Artikel über ein herzschmelzendes Ereignis – ein kleiner Junge fragte George Lucas, ob er heiraten könnte, ohne ein Sith zu werden. Und bekommt eine Antwort auf seinen Brief.

Die mit Abstand bizarrste Weltenbauneuigkeit entdeckten wir jedoch auf Moviepilot – nach langjähriger Abwesenheit gibt es mit “Dragonball Super” einen neuen Anime rund um Son Goku und seine Freunde. Na ob das was wird?

Habt ihr einen Artikel gelesen oder gar selbst geschrieben, der im Weltengeflüster Mai verlinkt werden sollte? Dann schreibt es als Kommentar unter diesen Artikel oder über das Kontaktformular. Außerdem suchen wir weiterhin Gastartikel!

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