Weltenbau-Artikel: Magie und Zauberei

Seit diese unsere Welt besteht, besteht auch der Glaube der Menschen an höhere Dinge. Sicher, es gibt welche die dies auf Basis der Naturgesetze abstreiten, aber glauben diese dann nicht selbst an die höheren Naturgesetze?

Wie auch immer, hier soll kein Aufsatz über Gott entstehen, sondern vielmehr um eine Form göttlicher Kräfte; um die Möglichkeit, Dinge ohne Einschränkung von Naturgesetzen oder menschlichem Vorstellungsvermögen zu bewerkstelligen. Kurz gesagt, es geht um Magie.

Magie in der Geschichte

Seit jeher existieren magische Bräuche in unserer Welt. Schon als wir noch in Höhlen lebten, pinselten wir die Bilder unserer zukünftigen Beute auf die Wände unserer Behausung, um in Ritualen unsere „Götter“ um Jagdglück anzubetteln. Jahrtausende später, im alten Griechenland, gab es Sagen von Menschen, die über magische Kräfte verfügten (man denke z.B. an Circe aus Homers Odyssee).

Während im Mittelalter dann alle potentiellen Zaubereiwirker gejagt und ausgelöscht wurden (Stichwort „Hexenverfolgung“), wurde Zauberei in unserer heutigen Zeit zu einem Alltagsphänomen der Unterhaltungsindustrie. Langweilige Bühnenmagier lassen kilometerlange Tücher aus ihren Ärmeln erscheinen, löffelbiegende Zauberer suchen ihren Nachfolger per Fernsehshow und andere wiederum befreien sich aus sich selbst auferlegten Fesseln.

Mit anderen Worten: Magie wurde so alltagstauglich, dass sie kaum noch erwähnenswert ist.

Magie in Büchern

Spätestens seit Harry Potter hat Magie ihren festen Bestandteil in der Fantasyliteratur. Was auch schön und gut ist – nur sollte ein Autor heutzutage versuchen, nicht die selben alten Kamellen wieder aufzuwärmen und neu zu verkaufen. Da die Magie in unserem Alltag eh schon keine Beachtung mehr erfährt, ist es auch eine kleine Herausforderung, sie als neues, innovatives spannendes Storyelement neu zu erfinden.

Da es mittlerweile sehr viele verschiedene Ausführungen über Magie gibt, seien im Folgenden die gängigsten aufgeführt und erläutert.

  • Magie im Stillen, Unentdeckten, Verborgenen. Kein Zauberer, der sich irgendwo hinstellt und laut seine Formel brüllt, keine Hexe, die jemanden mit einem schlechtgereimten Zauberspruch verflucht. Magie wirkt, wenn sie vonnöten ist, schnell, still, leise und unerkannt, aber trotzdem jeder Zeit zu einem Knalleffekt und Paukenschlag fähig. Trotzdem ist sie aber keineswegs das wichtigste Handlungselement, sondern wirkt beinahe unbeachtet im Hintergrund. Ein gutes Beispiel hierfür ist die „Ringmagie“ aus J.R.R. Tolkiens „Der Herr der Ringe“ – die Macht der Ringe, um die sich die ganze Handlung dreht, steht eigentlich im Hintergrund und lässt den Protagonisten Freiraum für ihre Probleme, Gefühle und Abenteuer.
  • Magie a la Harry Potter: Magie ist Alltag, allgegenwärtig, immer vorhanden. Fast jeder kann Zaubern, hat einen Zauberstab in der Tasche und im Notfall das richtige lateinische Wort auf den Lippen. Gezaubert wird per Geste, kurzem Zauberspruch und gutem Ziel – der Königsweg, um ein effektvolles Zauberduell zu schildern. Jedoch ungeeignet, um die Geschichte eines Rings zu erzählen.
  • Magie von Gut und Böse: In unzähligen Büchern stehen sich die Guten und die Bösen gegenüber. Beide Seiten haben ihre eigene Magie, ihre eigene Quelle der Macht. Ein gutes Beispiel hierfür ist etwa die Fernsehserie Charmed, in der beide Seiten ein sogenanntes „Buch der Schatten“ haben, welches alles Wissen über die Gegenseite enthält. Ein ständiger Kampf zwischen Gut und Böse lässt natürlich keine Grauzonen zu. Zauberer und Hexen sind auf eine Seite gebunden, können zwar wechseln, aber auch das nur zur direkt anderen Seite. Schwarz und Weiß, Licht und Schatten – stets das gleiche Prinzip, wird beinahe überall praktiziert.
  • Magie geteilt in 4 Elemente: Die neue Fernsehserie Avatar macht’s vor, jeder Magier kann nur ein Element bändigen, der Rest bleibt im Verschlossen (mal abgesehen vom Avatar, der als einziger alle Elemente bändigen kann). Die Idee ist gut und im Gegensatz zu anderen Serien zeigt Avatar, dass ein Feuerbändiger einem Wasserbändiger durchaus Ärger machen kann. Das Stichwort in einer solchen 4er Beziehung heißt Balance, keine Seite darf stärker sein und für jeden Zauber muss jede andere Seite einen Gegenzauber parat haben.
  • Magie durch wahre Namen: Erdsee macht’s vor, Eragon macht’s nach. Gemeint ist eine Magie, die durch eine alte, allmächtige Sprache wirkt. Die Theorie dahinter ist, dass jeder Gegenstand und jedes Lebewesen in dieser alten Sprache einen eigenen Namen, den sogenannten „wahren Namen“ besitzt. Dieser Name verleiht dem Magier jegliche Macht über den Gegenstand.
  • Magie durch Beschwörung: Jonathan Stroud macht es in seinem Meisterwerk „Bartimäus“ vor: Zauberer haben nur Macht, weil sie Dämonen knechten können. Jeder magische Gegenstand enthält eine geknechtete Seele, Geister sind gezwungen, ihrem Herrn zu dienen. Die Zauberer selbst haben keine Macht, wenn man davon absieht, dass sie Dämonen beschwören können.
  • Magie durch Gegenstände: Hauptsächlich von Hollywood gebraucht. Plötzlich aufgetauchte, uralte Artefakte, deren Vergangenheit völlig im Dunkeln liegen, verleihen ihren Besitzern unvorstellbare Kräfte. Gut für ein großartiges Spektakel, wenig geeignet für anspruchsvolle Erklärungen.

Zusätzlich kann man die gewählte Magieart noch an bestimmte Voraussetzungen knüpfen, als da wären:

  • Material: Gemäß des Energieerhaltungssatzes „Energie kann nicht erzeugt oder zerstört, sonder nur umgewandelt werden“ ist eine weithin verbreitete Theorie, das es sich bei magischer Energie ähnlich verhält. Ein Magier braucht demnach etwas, womit er arbeiten kann. In einem recht bekannten Browserspiel muss ein Eismagier beispielsweise erst einem Schneeklumpen die Kälte entziehen, bevor er einen Frostzauber wirken kann.
  • Körperliche Verfassung: Zaubern strengt an. Oft wird das Gelingen eines Zaubers an die körperliche Verfassung des Zauberers geknüpft. Es kommt auch vor, dass der Zauber dem Zauberer Energie entzieht, das Zaubern schwächt ihn also. Ist er zu schwach, war’s das mit der Magie.
  • Umwelteinflüsse: Es soll schon vorgekommen sein, dass ein Regenschauer die magischen Flammen gelöscht hat. Oder dass der Wind den fliegenden Teppich zum Absturz brachte. Mutter Natur ist nach wie vor stark und dem findigen Magier ein Hindernis.
  • Widerwillige Sklaven – nur für die Beschwörungsmagie interessant. Wenn ein Dämon sich weigert, gelingt der Zauber nicht.

Die sind natürlich nur Beispiele – es gibt noch unzählige andere Varianten von Magie. Welche Magieart die richtige ist, muss jeder Autor natürlich selbst entscheiden. Bei der Wahl zu beachten ist natürlich die Art der Geschichte, die Beschaffenheit der benötigten Zauber und nicht zuletzt die persönlichen Vorlieben des Erfinders. Du schreibst gerne große Kampfszenen? Oder lässt du deine Magier lieber im Verborgenen agieren? Vielleicht lässt du dir mit der Wahl auch etwas Zeit und mischst verschiedene Varianten? Oder doch gleich ein völlig eigenes, neuartiges Magiesystem? Du hast die Wahl (damit auch die Qual, leider). Bedenke aber stets: Es ist deine Geschichte und es gibt weder ein richtig, noch ein falsch.

Mehr zum Thema:

Advertisements

Über fruehstuecksflocke

Tätig als Studiosus, Autor, Blogger, Leser; außerdem Zusatzqualifikationen: Zitatesammler, Schwammaufsauger von jeglicher Nichtigkeit und leidenschaftlicher Verlierer beim Schachspiel.
Dieser Beitrag wurde unter Weltenbau-Artikel abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Weltenbau-Artikel: Magie und Zauberei

  1. Pingback: Weltenbau-Artikel: Wahrsagerei | Weltenschmiede

Hat dieser Artikel dir geholfen? Hast du eine Anregung oder eine weiterführende Frage?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s