Weltenbau-Artikel: Geschichten in Geschichten – Sagen, Legenden und Gerüchte

J.R.R. Tolkien hat’s vorgemacht – in seinem Herrn der Ringe wimmelt es nur so von Andeutungen auf frühere Geschehnisse, Heldenlieder werden am Lagerfeuer erzählt und so mancher Streiter ruft laut seine Ahnen oder Götter an, wenn er in die Schlacht zieht.

Es macht die Geschichte um ein vielfaches farbiger und die Welt um einiges lebendiger, wenn in einer Geschichte, die darin spielt, eine andere dort stattfindende Geschichte angesprochen wird oder auch Brauchtum ausgeübt wird.

Auch dazu gibt es wieder viele Möglichkeiten, ein paar Beispiele:

  • Heldenlegenden: Die alten Griechen hatten viele Legenden über ihre alten Helden wie Achill, Herkules oder Odysseus. Die meisten von ihnen hatten auch Kontakt zu den Göttern, waren mit ihnen verwandt, von ihnen gesegnet oder verflucht. Manche von ihren existierten sogar wirklich, wurden aber in den Liedern und Erzählungen mit unzähligen Un- und Halbwahrheiten versehen, die die Geschichte ausschmücken sollten.
  • Göttersagen: Schlagen eigentlich in die gleiche Sparte wie die Heldenlegenden, nur sind die darin auftretenden keine Helden, sondern eben Götter. Helden- und Göttersagen wurden in der Antike meist vermischt.
  • Historische Erzählungen: Berichte über vergangene Schlachten, Lieder über gefallene Helden – alles, was von real passierten Vorgängen aus früheren Zeiten spricht, macht die Welt dreidimensionaler (und verknüpft auch einzelne Geschichten einer Welt miteinander, wenn man in einem Roman von einem anderen Roman erzählt).
  • Liedgut: Trinklieder, Wanderlieder, Schlaflieder – selbsterklärend.
  • Märchen und Fabeln: Kleine Kinder wollen mit Geschichten unterhalten werden. Zu empfehlen als Inspirationsquelle sind beispielsweise Märchen der Gebrüder Grimm oder Fabeln des römischen Autors Phaedrus.
  • Gerüchte aus der Umgebung: Wurde eine Postkutsche überfallen? Ist ein Schiff gesunken? Gibt es Nachrichten von der Front? Dinge, die zwar zur selben Zeit wie der Geschichtsverlauf passieren, die Protagonisten aber nicht betreffen, helfen, den Anschein einer lebendigen Welt zu wahren. Außerdem eignet sich solches gut für Stammtisch- und Lagerfeuergespräche.
  • Klatsch und Tratsch: Nicht nur Waschweiber unterhalten sich gern darüber, wer wieder wem schöne Augen gemacht hat und wen man letztens in gar abscheuliche Kleider gehüllt in der Kirche sah…
  • Witze erheitern den Leser, sorgen für Auflockerung und beweisen den Humor des Autors – sofern der auch vorhanden ist.

Zu beachten hierbei ist, dass man es nicht übertreiben sollte. Alle drei Seiten ein Lied zu schmettern, lenkt von der Geschichte ab und kann beim Leser auch Frustration auslösen.

Ein weiterer Punkt ist, dass verschiedene Völker auch verschiedene Sagen haben. Zwerge werden beispielsweise kaum eine Hymne auf einen elbischen Helden singen, genauso wenig werden Elben die spannende Geschichte vom Kampf der Zwerge gegen die Drachen wiedergeben.

Zu beachten ist auch, dass die verschiedenen Völker mit unter verschiedene Erzählstile haben, Elben könnten beispielsweise zu einer sehr blumigen Sprache tendieren, während Zwerge eher für präzise Berichterstattung zu haben sind. Man sollte also vermeiden, dass sich die Gedichte der Elfen genauso anhören wie die der Zwerge.

Ebenso könnte es natürlich auch Unterschiede zwischen verschiedenen Autoren geben, aber an dieser Stelle stellt sich die Frage von Sinn und Unsinn.

Klatsch und Tratsch hingegen muss nicht unbedingt überlegt sein, sondern kann auch einfach eingestreut werden. Ebenso verhält es sich mit Gerüchten, wobei bei diesen stets das Thema zu beachten ist (Gerüchte über einen Krieg sollten beispielsweise wohl überlegt, begründet und bei Wahrheitsgehalt gut eingeplant sein).

Und selbstverständlich können Themen auch nur angedeutet werden: Markus Heitz zum Beispiel spielt in seinem „Der Krieg der Zwerge“ regelmäßig auf einen bestimmten Witz an, der aber nie erzählt wird. Trotzdem sorgt er beim Leser für Schmunzeln…

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Über fruehstuecksflocke

Tätig als Studiosus, Autor, Blogger, Leser; außerdem Zusatzqualifikationen: Zitatesammler, Schwammaufsauger von jeglicher Nichtigkeit und leidenschaftlicher Verlierer beim Schachspiel.
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