Weltenbau-Artikel: Militärwesen

Was wäre ein Königreich ohne eine prunkvolle Garde? Was wäre eine Streiterei um ein Grenzgebiet ohne ein handfestes, verlustreiches Scharmützel? Was wäre ein Orkangriff ohne Gegenwehr? Nun, je nach Können des Autors wohl entweder sehr innovativ und aufregend oder aber schnarchlangweilig. Damit letzteres nicht passiert, haben große Herrscher meist ein Heer.

Rekrutierung und Einzugsgebiete

Einen Oberbefehlshaber, ein Lager, eine Marschrichtung, Befehle, … – all das braucht eine Armee. Aber was ist eine Armee? Nun, im einfachsten Falle ein Haufen Menschen, die aus verschiedensten Gründen die gleiche Absicht verfolgen.

Was das für Menschen sein können:

  • Bauern und Bürger – durch die Geschichte hindurch wurden in jedem größeren Krieg Bauern und auch Bürger aus Städten zwangsrekrutiert. Man hatte die Wahl: Entweder man weigerte sich und wurde wegen Hochverrats hingerichtet, oder aber man zog in den Krieg und fiel dort in einer Schlacht. Zwangsrekrutierung führt bei guter Organisation zu einer sehr großen Anzahl von Rekruten, trägt aber nur selten zur Hebung der Kampfmoral bei. Gut ausgebildete Kämpfer geben Bauern auch selten ab. Werden oft als Kanonenfutter benutzt oder besiegen den Feind mehr aufgrund ihrer Überzahl als aufgrund ihres Könnens.
  • Söldner: Echte Profis, die kein Erbarmen kennen und die für ein wenig Gold jedem auch noch so brutalen Tyrannen dienen, gibt es immer wieder. Während die Gier nach Geld ein guter Antrieb fürs Töten ist, ist sie doch nicht ausreichend genug, um die Söldner in eine aussichtslose Schlacht zu führen. Wer für Gold kämpft, wird eher desertieren, als sich abschlachten zu lassen.
  • Treue Vasallen: In der Realität nicht so häufig, dafür in Fantasyromanen oft anzutreffen. Königstreue Streiter kämpfen auch mal umsonst, variieren in Kampfkunst und Anzahl und folgen ihrem Gebieter auch mal in eine bereits verlorene Schlacht. Sie stehen und fallen mit ihrem Herrn und würden jederzeit ihr Leben für ihn geben.
  • Adelige treten meist als Offiziere auf, sind dazu aber selten aufgrund ihres Könnens oder ihrer Verdienste berufen, sondern meist eher, weil sie mit dem König gut befreundet sind. Die Anzahl von adeligen in gewöhnlichen Heeren ist meist gering. Es gab in der Vergangenheit allerdings auch große Ritterorden (z.B. die Templer während der Kreuzzüge), deren Angehörige alle von hoher Geburt waren und die allein riesige Heere aufbrachten. Adelige als Offiziere sind beim einfachen Fußvolk aber nicht immer gern gesehen.
  • Veteranen: Auch oft als Offiziere eingesetzt werden altgediente, erfahrene Krieger aus dem einfachen Volke. Einen Veteranen als Kommandanten zu haben, stärkt das Vertrauen beim einfachen Fußsoldaten um ein Vielfaches, denn schließlich muss so ein alter Krieger, der bereits viele Schlachten überlebt hat, ja wissen was er tut, nicht?

Verschieden Einheiten

Soldaten zu Fuß, Soldaten zu Pferd, Soldaten auf einem Schiff und Soldaten in einem Flieger – sind zwar immer Soldaten, werden aber bei taktischen Besprechungen stets anders benannt.

  • Die Infanterie: Als Infanterie bezeichnet man zu Fuß kämpfende, mit Handwaffe ausgerüstete Bodentruppen. Die Infanterie bildet meist die Basis einer jeden großen Armee und umfasst sowohl Nah- als auch Fernkämpfer.
  • Die Kavallerie: Als Kavallerie bezeichnet man zu Pferd oder Kamel (oder auf einem anderen Reittier) kämpfende Bodentruppen.
  • Die Artillerie: Als Artillerie bezeichnet man im Groben große Geschütze. Im Mittelalter waren das meist Katapulte und andere Wurfmaschinen, die auch oft bei Belagerungen zum Einsatz kamen. Einfache, große Speerschleudern sah man aber auch hin und wieder in Feldschlachten. Nach dem Mittelalter kam das Schießpulver auf und Artilleristen schossen mit Kanonen.
  • Die Marine: Unter der Marine versteht man die Seestreitkräfte eines Staates mit Kriegsschiffen und sonstigen zugeordneten Einheiten wie etwa Ausbildungseinrichtungen auf dem Festland. Es kann durchaus sein, dass die Marine auch über eine eigene Infanterieeinheit verfügt.
  • Die Luftwaffe: In der heutigen Zeit meint man damit meist Abfangjäger, Kampfjets und Transportflugzeuge. Aber in einem Fantasyroman können darunter z.B. auch Drachenreiter fallen.
  • Polizeikräfte (wozu man auch eine Stadtwache zählen könnte) können übrigens auch militärische Charakterzüge haben.

Benennung einzelner Einheiten

Man kann zwar eine Armee haben, diese besteht aber meist aus verschiedenen einzelnen Truppen, die jeweils einen eigenen Unteranführer haben.

Als Beispiel dient hier die römische Legion:

1 Legion aus 10 Kohorten = 3600–6000 Mann;

1 Kohorte aus 3 Manipeln = 360–600 Mann;

1 Manipel aus 2 Zenturien = 120–200 Mann;

1 Zenturie mit 80 Mann

Um beispielsweise dann über eine Zenturie zu sprechen, konnte man sagen „1. Legion, 3. Kohorte, 2. Manipel, 2. Zenturie“ und wusste genau, über welche Einheit man sprach.

Statt ein solches logisches System zu verwenden, kann man auch die Truppen bei der Lagebesprechung mit ihren Befehlshabern identifizieren, z.B. „Alberts Truppen“, „Jerolfs Truppen“ etc. Sofern die Befehlshaber beim Leser bekannt sind, stiftet dies vermutlich sogar weniger Verwirrung als die Benennungen der römischen Legion.

Ein anderer Weg wäre auch noch, die Truppen über Truppennamen anzusprechen, z.B. „die Falken“ oder „die Silberklingen“.

Oder man spricht einfach von der Infanterie, der Kavallerie, der Artillerie usw.

Die Möglichkeiten sind schier unendlich.

Uniformen und Erscheinungsbild

Jeder Herrscher wird wohl wollen, dass sein Heer seine Farben und sein Wappen trägt. Während letzteres sich meist auf mitgeschleppten Fahnen und Fanfaren findet, ist die Kleidung der Soldaten meist in den auf dem Wappen vorherrschenden Farbtönen gehalten.

Oft sind Uniformen auch verziert, Wimpel in grellen Farben thronen auf den Helmen und Rüstungen strotzen nur so vor überflüssigen Verzierungen. Auch wenn böse Zungen behaupten, dass jegliche Verzierung nur über die fehlende Kampfstärke der Truppe hinwegtäuschen soll, ist der Verzierungswahn, den Hollywood in so vielen Historienfilmen vormacht, doch nicht so fern von der Realität.

Denn auch Herrscher sind Menschen und zur Demonstration ihrer Macht und ihres Reichtums sind sie beinahe gezwungen, schöne und reich bestickte Gewänder zu tragen. Und bei höfischen Besuchen trifft das dann auch für das Gefolge zu.

Abgesehen von der Protzerei am Hofe tragen Soldaten meist auch zweckmäßige Kleidung. Krieger, die im Schutz des Waldes agieren und möglichst unentdeckt feindliche Truppenbewegungen auskundschaften sollen, kleiden sich meist in Grün- und Brauntönen, um nicht schon von weitem gesehen zu werden. Sind diese Späher im Sand unterwegs, ist die Kleidung vielleicht auch in Gelbtönen gehalten. Je nach Untergrund kann man sich den Rest denken.

Bewaffnung und Heereszusammensetzung

Die Bewaffnung richtet sich in erster Linie nach den in einem Königreich vorhandenen Materialien und den geographischen Gegebenheiten.

Wo beispielsweise überhaupt kein Metall existiert, tragen Soldaten vielleicht einfache Keulen aus Holz.

In einem sehr flachen Land werden oft Kavalleristen bevorzugt, ein Inselstaat hingegen stützt sich meist auf eine starke Flotte.

Das sind nur wenige Beispiele, denn jegliche Kombination von Rohstoffen und Landschaftsbildern abzudecken, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Man möge sich selbst Gedanken machen.

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Über fruehstuecksflocke

Tätig als Studiosus, Autor, Blogger, Leser; außerdem Zusatzqualifikationen: Zitatesammler, Schwammaufsauger von jeglicher Nichtigkeit und leidenschaftlicher Verlierer beim Schachspiel.
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