Weltenbau-Artikel: Kriegsführung

Wird eine Welt von Menschen oder menschenähnlichen Wesen bevölkert, kommt es eines Tages zu einem Konflikt. Eine Meinung steht der anderen gegenüber, ein Streit entbrennt. Was am Stammtisch in der Kneipe höchstens zu einer wilden Rauferei und eventuellen Beschädigung des Schankraumes führt, kann auf politischer Ebene alles mögliche auslösen, von der Aufkündung eventueller Verträge bis hin zu einem bewaffneten Konflikt (außerhalb der deutschen Bundespolitik auch „Krieg“ genannt).

Davon abgesehen, dass Krieg wohl eines der schlimmsten Dinge ist, die auf Gottes Erde passieren können und dass er strengstens zu verurteilen ist, ist Krieg an sich scheinbar ein völlig normales Ereignis, wenn man sich die heutige Fantasyliteratur ansieht – ein Umstand, der es schier unvermeidlich macht, dem Krieg einen Artikel zu widmen, wenn’s um den Weltenbau geht.

Grund und Ursache eines Kriegs

„Nur wer denkt, irrt auch“, sagt ein altes Sprichwort. Nun, ebenso zutreffend ist auch, dass wohl jedes selbstdenkende Wesen auf seine Art irre ist. Könige, Politiker und andere regierende Herrschaften sind da keine Ausnahme. So können die von ihnen erklärten Kriege vielfältige Ursachen haben.

  • Krieg um Rohstoffe: Der klassischste aller Gründe, vor allem während des Kolonialismus in Afrika, Asien und Amerika ein Dauerbrenner. Saßen beispielsweise die Franzosen auf einer Goldader, platzten die Engländer beinahe vor Neid. Was dann passierte, kann sich jeder denken.
  • Krieg um Land: Welches Königreich hätte nicht gern einen eigenen Meerzugang, um eine Flotte zu unterhalten? Wer hätte nicht gern eine Grenze mit seinem liebsten Handelspartner, um nicht mehr durch das Gebiet des verhassten Nachbarn reisen zu müssen? Wer sähe dieses und jenes Weltwunder nicht gern auf dem eigenen Staatsgebiet, als wenige Kilometer von der Grenze entfernt?
  • Krieg um des Krieges Willen: Erinnert sich noch jemand an die Zeit vor dem 1. Weltkrieg? Oder an den kalten Krieg? Als alle Supermächte versuchten, mehr Waffen zu haben als die anderen und jeder Staatschef schon nervös mit dem Finger am Abschussknopf in der Kommandozentrale saß? Während es uns beim kalten Krieg erspart blieb, brach der 1. Weltkrieg auch darum aus, weil alle sich mächtiger als die anderen fühlten und schnell mal alle anderen Supermächte von der Platte putzen wollten (es gab natürlich noch viele andere Gründe für den 1. Weltkrieg).
  • Krieg um eine Frau – Troja lässt grüßen. Egal welcher Version (Filme, Bücher oder gar der alte, griechische Mythos) man glauben schenkt, es läuft immer darauf hinaus, dass der trojanische Prinz Paris was mit Helena, der Frau des spartanischen Königs hat. Dessen Bruder Agamemnon ist zufällig König von Griechenland, also hopp, man besiege die Trojaner und hole die holde Schönheit zurück.
  • Krieg aus Abneigung: König Franz mag Fürst Joachim nicht. Also weiten sie ihre persönliche Fehde auch auf ihre Reiche aus. Klingt dumm, soll aber auch schon vorgekommen sein.

Strategisch wichtige Punkte

Krieg tobt über das Land, Frauen und Kinder befinden sich auf der Flucht und tapfere Männer eilen aus, um ihre Heimat zu beschützen. Doch kein feindlicher Heerführer hetzt seine Soldaten planlos durchs feindliche Land. Ebenso werden sich keine Verteidiger irgendwo an einer beliebigen Stelle versammeln.

  • Städte und Dörfer beherbergen viele Leute, haben demnach auch größere Nahrungsvorräte und sind meist mit Palisaden oder gar Mauern umgeben. Dadurch sind sie bestens als Ausgangs- und Sammelpunkt für verteidigende Armeen geeignet und bieten Flüchtlingen Schutz. Dies macht sie ebenso zu wichtigen Zielen für den Feind. Erobert er eine Stadt, so kann er seine Soldaten mit neuem Proviant versorgen, macht unter Umständen reiche Beute und stärkt durch einen vergleichsweise einfachen Sieg die Moral seiner Truppe (denn es ist recht selten, dass einfache Dörfler oder auch kleine Stadtmilizen einer richtigen Armee viel entgegensetzen können).
  • Flüsse sind je nach Größe und Tiefe ein zeitraubendes Hindernis, muss doch erst nach einer Furt oder Brücke gesucht werden, um die Versorgungswagen sicher auf die andere Seite zu bringen. An solchen Furten gibt es meist Siedlungen, wo Brücken existieren, finden sich meist auch Städte, die meist wacker verteidigt werden. Bei Tolkiens Ringkrieg trennt nur der Fluss Anduin die beiden Kriegsparteien voneinander, um die Stadt Osgiliath, durch die er fließt, toben heftigste Schlachten.
  • Ebenso sind Berge ein natürliches Hindernis. Man muss sie entweder umgehen oder bei einem Pass überqueren, weshalb viele Herrscher ihre Pässe mit Grenzfestungen sichern.
  • Burgen und Landsitze von Adeligen können den Vormarsch des Feindes manchmal richtig zum Stocken bringen, weil Adelige meist richtige Soldaten beschäftigen, die sich aufs Kriegshandwerk verstehen.
  • Große Wälder oder Schluchten eignen sich auch gut für Hinterhalte, wie Robin Hood einst erfolgreich vormachte.

Auswirkungen von Krieg auf Land und Bevölkerung

Krieg ist wohl das schlimmste, was der armen Landbevölkerung zustoßen kann, denn während die Städter hinter sicheren Mauern sitzen und die Adeligen es sich in ihren Burgen gemütlich machen, sind Dörfer und Gehöfte dem Feind meist schutzlos ausgeliefert. Aber auch viele andere Dinge treffen Land und Leute.

  • Steuern werden in Kriegszeiten meist angehoben, um die Armee zu finanzieren und das plötzliche Leerwerden der Staatskasse zu verhindern.
  • Grundherren zwingen ihre Hörigen meist zu mehr Frondiensten, weil sie ihren Landsitz befestigen müssen oder einer dringenden, erhöhten Produktion bedürfen.
  • (Junge) Männer oder gar Jungen werden meist zwangsrekrutiert.
  • Teile feindlicher Truppen ziehen plündernd und brandschatzend durch das Land, töten arme Bauern, vergewaltigen ihre Frauen und knechten deren Kinder. Außerdem schlagen sie sich auf Kosten ihrer Opfer den Magen voll, sodass diese danach nicht wissen, was sie im kommenden Winter essen sollen (Der Hungertod ist dann meist die Folge).
  • Gefangene werden verschleppt und fristen ihr Leben fortan als Sklaven fern ihrer Heimat und zu menschenunwürdigen Bedingungen.
  • Städte sind zerstört und beschädigt, viele Menschen stehen vor den Trümmern ihrer Existenz.
  • Viele Soldaten sterben auf dem Schlachtfeld und ihre Angehörigen erfahren unter Umständen nie, was eigentlich aus ihnen wurde.
  • Die Nachwirkungen eines Krieges können meist auch Jahrzehnte später noch Auswirkungen auf Wirtschaft und Politik eines Landes haben.

Vor allem ein Blick in die Nachkriegszeit Europas macht gut deutlich, was ein Krieg einem Land antun kann. Krieg ist, wie schon erwähnt, eine der schrecklichsten Sachen der Welt und man sollte sich als Schöpfer einer Welt stets überlegen, ob man das seinem Werk wirklich antun will.

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Über fruehstuecksflocke

Tätig als Studiosus, Autor, Blogger, Leser; außerdem Zusatzqualifikationen: Zitatesammler, Schwammaufsauger von jeglicher Nichtigkeit und leidenschaftlicher Verlierer beim Schachspiel.
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