Weltenbau-Artikel: Essen und Trinken

Ein Thema, um das man in der realen Welt nicht herumkommt, aber das in der Literatur regelmäßig unter den Tisch fällt. Oder kann jemand auf Anhieb zehn Bücher nennen, in denen Fressalien eine tragende Rolle spielen?

Dabei steckt soviel Potential in der Beschreibung von Nahrungsmitteln und Festgelagen – sie lassen die Welt gleich realistischer erscheinen und geben dem ganzen mehr Tiefgang. Außerdem müssen selbst die tapfersten Helden einmal etwas zu sich nehmen, wenn sie groß und stark bleiben und den nächsten Drachen besiegen wollen.

Zudem hat Essen eine wichtige Stellung in der menschlichen Kultur inne, schon in grauer Vorzeit scharte man sich beim Mammutbraten ums Lagerfeuer, in der Antike lag man bei Tische und heute fährt man zusammen beim Drive-In seines Vertrauens vorbei.

Also warum dies dem Romanhelden vorenthalten?

Faktoren für den Speiseplan

Ob Hochzeitsbankett oder Bettlereintopf – von was hängt es nun eigentlich ab, was auf dem Teller landet?

  • Landschaft und Ressourcen: Ist ein Gewässer in der Nähe? Dann schwimmt wohl eine Forelle in der Kelle. Gibt es da einen Wald? Dann wäre doch zu einem Hirschbraten zu raten. Das nähere Umfeld bestimmt, was es zu essen gibt. Denn Dinge, die sich nicht ins umgebende Ökosystem fügen, müssen erst herbei geschafftt werden und das kostet Kohlen.
  • Gesellschaftlicher Stand – eine Frage des Geldes: Wer auf der Straße haust, wird wohl kein Zuckergebäck verspeisen. Und wer stolzer Burgherr ist, wühlt auch nicht im Abfallhaufen. Geld regiert die Welt und auch den gedeckten Tisch.
  • Vorrecht des Besitzers: Wilderei in einem fremden Wald ist meist bei Strafe verboten, will doch der Besitzer das Hasenragout für sich selbst. Es kann schon mal in Verminderung der Körpergröße resultieren, wenn man einen fremden Hasen jagt.
  • Religiöse Einschränkungen: Juden essen keinen Hummer, Hindus keine Kühe und Moslems lassen die Finger vom Schwein – es gibt durchaus religiöse Gründe für den Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel.
  • Politische Umstände: Das Wechselspiel von Krieg und Frieden bringt Rationen und Engpässe mit sich. Die Burg wird belagert? Dann gibt es wohl keinen Fisch aus der nahegelegenen Hafenstadt und die Bewohner müssen den Gürtel enger schnallen und gar die Ratten fangen.
  • Volk: Zwerge sollen Bier bevorzugen und nichts von Wein halten. Man hörte auch schon von vegetarischen Elfen. Je nachdem, von welcher Art das verwendete Volk ist, wäre eine andere Ernährungsweise zu bedenken.
  • Wirtschaftliche Lage: Der Markt unterliegt schwankenden Werten. Nach einer Dürre fliegt der Getreidepreis durch die Decke und selbst der stolze Graf kann sich dann mitunter kein Brot mehr leisten.
  • Landwirtschaftliche Erschließung: Monokultur, verbesserte Gerätschaften und Zucht erhöhen die Produktion, drücken den Preis und machen das Gut der Allgemeinheit zugänglich.

Klassische Zeitpunkte zum Essen fassen

Kaum ein Held wird sich eine Jause gönnen, wenn er gerade im Orkblut watet.

  • Der obligatorische Besuch in der Kneipe / Taverne / sonstigen Spelunke ist immer für einen Happen gut.
  • Unterwegs: Beim Reiten ist das Essen zwar nicht bequem, aber auf der Flucht geht’s meist nicht anders.
  • Am Lagerfeuer: Ein gemütliches Zusammensitzen, ein paar alte Geschichten erzählen, ein Stück Braten und ein paar Fässer Bier. Gibt es was schöneres?
  • Königliche und kaiserliche Festbankette: Wenn sich die oberen 100 beim König einfinden, ist das Essen sicher keine Nebensache.
  • Rauschende Volksfeste: Hier zählt die Quantität und nicht die Qualität, vor allem beim Alkohol.
  • Almosen: Wer kurz vorm Hungertod steht oder knapp bei Kasse ist, kriegt vielleicht nach etwas Betteln am Straßenrand ein Stück Brot ab.

Wie ist es in euren Welten? Was landet auf dem Teller? Wann setzen sich die Helden zum wohlverdienten Schmaus zusammen?

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Über fruehstuecksflocke

Tätig als Studiosus, Autor, Blogger, Leser; außerdem Zusatzqualifikationen: Zitatesammler, Schwammaufsauger von jeglicher Nichtigkeit und leidenschaftlicher Verlierer beim Schachspiel.
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12 Antworten zu Weltenbau-Artikel: Essen und Trinken

  1. Evanesca Feuerblut schreibt:

    Kommt auf die Welt an – meine Vampire machen es mir da ja bemerkenswert einfach *hehe*. Was meine Magierwelt angeht… da ich dort eine eigene Tierwelt habe, darf ich mir im Grunde genommen auch selbst eine Küche ausdenken. Und da ich es auch noch ablehne, nach altbekannter Fantasy-Manier der ganzen Welt die gleiche Küche zu geben, isst man je nach Getier überall auch noch was Anderes *G*.
    Im Land F…d wird das Fleisch fast immer in Soße ertränkt und gekocht, in L…h gibt es so gut wie keine Getreideprodukte etc.
    Auch die Mahlzeiten unterscheiden sich nach Land und Region oft erheblich.

    • fruehstuecksflocke schreibt:

      Daraus resultiert ein ziemlich großer Planungsaufwand. Respekt, dass du dir den aufbürdest!

      • Evanesca Feuerblut schreibt:

        Ganz Hewa ist ein Rieeeesenplanungsaufwand – ein Faktor mehr oder weniger macht da den Braten auch nicht mehr fett. Wenn ich mir Königsdynastien ausdenken kann, kann ich mir auch Rezepte ausdenken :).
        Außerdem… koche ich einfach leidenschaftlich gerne und denke mir Rezepte aus. Somit macht mir das einfach Spaß!

    • alice4siblings schreibt:

      Das finde ich toll das du dich da so hinterklemmst, aber das weißt du ja schon. ^^ Ich liebe btw eure Weltenbauartikel, da bekommt man auch als selbst-Schreibende mit, an was man alles sonst NICHT denkt. :)

      • Evanesca Feuerblut schreibt:

        Es ist tortzdem immer wieder nett, es zu hören *g*.
        Und… wir fühlen uns geehrt, der Schmied und ich! :D

      • alice4siblings schreibt:

        Ich weiß das es das ist. ;D Dann sage ich es beim nächsten Artikel nochmal. *g*

      • fruehstuecksflocke schreibt:

        Und wie wir uns geehrt fühlen – es freut mich ungemein, dass dir unsere Artikel gefallen!

      • alice4siblings schreibt:

        Ihr macht euch ja auch eine Menge arbeit damit – und mir hilft sowas weiter! Ich bin zwar noch hauptsächlich im „Denkprozess“ (toller Begriff xD), aber es schubst mich in die richtige Richtung.

        Und seltsamerweise motiviert es auch, obwohl es ja eigentlich noch mehr Arbeit für mich anküdigt. ^^

  2. Carlin schreibt:

    Also ich mag deinen Blog sehr. Die Fragen in den Artikeln bringen mich dazu, noch genauer über mein neuestes Weltenprojekt nachzudenken. Manchmal vergisst man die banalsten Dinge wie Essen einfach! Das darf aber nicht passieren, besonders nicht einer leidenschaftlichen Köchin und Geniesserin wie mir!

    • fruehstuecksflocke schreibt:

      Hallo Carlin, es freut mich sehr, dass dir mein Blog gefällt! Es stimmt, es gibt vieles, was bei einem Weltenbau-Projekt zu beachten ist. Wir versuchen hier möglichst vieles mal anzureißen und darauf aufmerksam zu machen, aber uns entgeht auch vieles – deshalb danke für dein Feedback, sowas hilft immer weiter und steigert die Motivation :-)

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  4. Pingback: Weltengeflüster Juli/August 2014 | Weltenschmiede

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