Weltenbau-Artikel: Medizin und Heilkunde in alten Zeiten

Spätestens, wenn der Held in der Geschichte beschädigt ist, muss man ihn entweder austauschen oder zusammenflicken. Meist ist letzteres die kostengünstigere Variante und man ruft schweren Herzens den Doktor, in dessen Händen das Schicksal des Helden liegt. Er entscheidet über Leben und Tod, ringt mit den Göttern um die Seele des Helden… Am besten drückt der römische Dichter Martial die Arbeit des Doktors aus:

Nuper erat medicus, nunc est vispillo Diaulus:
Quod vispillo facit, fecerat et medicus.
(Früher war er Arzt, nun ist Diaulus Leichenträger:
Was er als Leichenträger macht, hat er auch als Arzt gemacht.)

Damit aber die Ärzte und Doktoren problemlos ihrer Arbeit nachkommen können, muss auch die fiktive Welt mit Medizin und Heilkunde ausgestattet sein.

Geschichte der Medizin

Manche Leute behaupten, die Geschichte der Medizin habe in dem Moment begonnen, als der erste Neandertaler von einem Mammut überrannt wurde und danach seine Wunden leckte. Andere wiederum meinen, die Medizin habe erst im 20. Jahrhundert richtig begonnen, Geschichte zu schreiben, schließlich wurde da ein Haufen Zeugs entdeckt, Blutgruppen, Organe, Nervenstränge und und und.

Vielen berufen sich darauf, dass in der Antike Hippokrates seinen Eid formulierte und Leute wie Celsus und Galenos wichtige Schriften zum Thema „Medizin“ verfassten, die auch teilweise bis ins 18. Jahrhundert noch nachwirkten.

Tatasche ist, dass die Mediziner der Antike tatsächlich vieles mit ihren Schriften bewirkten – so war die Lehre der 4 Körpersäfte, die ursprünglich Hippokrates begründete, noch bis ins 18. Jahrhundert dominant, wenn es um Heilkunde geht.

Wo genau die Geschichte der Medizin beginnt, vermag dieser Artikel nicht zu sagen, jedoch steht fest: Die Antike war nicht ganz unbeteiligt.

O Gott! – magisch-religiöse Medizin

In Epidauros (Griechenland) steht auf einer Säule geschrieben:

„Euhippos trug eine Lanzenspitze sechs Jahre im Kiefer. Als er im Heilraum schlief, nahm ihm der Gott die Lanzenspitze heraus und gab sie ihm in die Hände.“

Man riecht den Braten, oder? Magisch-religiöse Medizin vollbringt wahre Wunder, die Leute übernachten im Tempel, lassen sich von Priestern segnen und sind plötzlich wieder gesund.

Es gibt zwei Erklärungen für diese Art der Heilung:

  • Gott war wirklich am Werk, hatte Mitleid mit dem armen Kerl und gab ihm das Augenlicht zurück
  • Der arme Kerl war ein „Spinner“ und bildete sich ein, blind zu sein. Es ist inzwischen wirklich erwiesen, dass ein psychisches Problem sich auf den Körper auswirken kann. Solch ein psychisches Problem kann durchaus durch das Auflegen einer Hand gelöst werden, woraufhin dann auch das physische Problem verschwindet. Der Fachbegriff hierfür wäre „Psychosomatische Heilung“.

Wissenschaftlicher: 3 Zweige der Medizin

Auch wenn die wissenschaftliche Medizin in der Lage zu sein scheint, Wunder zu vollbringen, ist sie keineswegs mit dem religiös-magischen zu vergleichen.

Es gibt im groben 3 Zweige der Medizin:

  • Die Diätetik beschäftigt sich mit der richtigen Lebensweise, um Krankheiten vorzubeugen und die Gesundheit zu verbessern. Es gibt keine richtige Lebensweise für alle, diese ist individuell verschieden. Hier hinein fallen Dinge wie gesunde Ernährung, der Tagesablauf, der wöchentliche Sport, Hygiene etc.
  • Die Pharmazie: Vom Kräutertee über das Hustenbonbon zum Aspirin – die Pharmazie beschäftigt sich mit all den Mitteln, die man einem Kranken verabreichen kann, um seine Leiden zu lindern oder zu Heilen.
  • Die Chirurgie: Ein Blinddarmdurchbruch lässt sich nicht mit Kräutertee allein bezwingen, manchmal ist der Gang zum Metzger bzw. Chirurgen unumgänglich. Erste Operationen wurden übrigens schon in der Antike durchgeführt.

Fachärzte

Natürlich gibt es nicht nur Allgemeinmediziner, auch spezialisiertere Doktoren sind in einem gut sortierten Krankenhaus verfügbar.

  • Zahnärzte: Es gab bereits um 600 v. Chr. Zahnärzte bei den Etruskern, diese fertigten Ersatzzähne aus Stein oder setzten gleich Tier- oder Sklavenzähne als Ersatz ein
  • Augenärzte: Die erste Anleitung, um den grauen Star zu operieren, schrieb Celsus schon im 1. Jahrhundert n. Chr.
  • Ohrenärzte gab es bereits in der Antike.
  • Frauenärzte: Waren ebenfalls schon in der Antike vorhanden, im Mittelalter kümmerte sich um das frauliche Befinden meist die Hebamme.

Erfolgsaussichten

Bei aller Wissenschaftlichkeit der antiken oder mittelalterlichen Medizin gibt es natürlich auch einiges, was die Aussichten auf Erfolg bei Ärzten und Patienten erheblich schmälert.

  • Desinfektion: In alter Zeit gab es nur wenige, oft unzureichende Möglichkeiten, ärztliche Instrumente, Operationsbesteck, Arbeitsplatz und nicht zuletzt die eigenen Hände zu desinfizieren, sodass Patienten oftmals an einer durch die Behandlung hervorgerufenen Entzündungen starben, obwohl die Wunde/Krankheit selbst nicht zwingend zum Tod geführt hätte.
  • Betäubung: Betäubungs- und Narkosetechniken waren ebenfalls kaum bis gar nicht bekannt. Zur Betäubung setzte man teils Alkohol oder Opiate ein, eine Vollnarkose gab es nicht – Patienten mussten die Operationen oft bei vollem Bewusstsein erdulden. Viele starben hierbei, weil der Schmerz so groß war, dass er zum Herzstillstand führte.
  • Der Aderlass: Die wohl beliebteste Behandlungsmethode des Mittelalters wurde als Allheilmittel gegen jede Krankheit angewendet. Oftmals wurde die Krankheit dadurch verschlimmert, da der Patient durch den Blutverlust zusätzlich geschwächt wurde.

All dies ist natürlich nur eine ungefähre Auflistung, ein „Überblick“ über Medizin und Heilkunde. Völlig ausgeklammert sind beispielsweise die Techniken, die in moderner Sci-Fi-Literatur gängig sind (z.B. das Ersetzen von Gliedmaßen durch maschinelle Teile) oder alternative Dinge wie Homöopathie oder Physiotherapie. Auch die Heilung durch Magie oder Zaubertränke fehlt – all das würde den Rahmen des Artikels sprengen, wird von uns aber bei Zeiten natürlich noch nachgeliefert.

Wie sieht es in euren Welten aus? Gibt es Krankenhäuser? Welche Mittel stehen den Ärzten zur Verfügung?

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Über fruehstuecksflocke

Tätig als Studiosus, Autor, Blogger, Leser; außerdem Zusatzqualifikationen: Zitatesammler, Schwammaufsauger von jeglicher Nichtigkeit und leidenschaftlicher Verlierer beim Schachspiel.
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11 Antworten zu Weltenbau-Artikel: Medizin und Heilkunde in alten Zeiten

  1. Evanesca Feuerblut schreibt:

    Args… Ich habe um ehrlich zu sein VÖLLIG vergessen, Heilkunst in einer meiner Welten einzubauen. Habe aber auch noch keinen blassen Schimmer, wie genau ich das anstellen will.

  2. alice4siblings schreibt:

    Super, der Artikel kommt mir gerade recht für „Isabel“. *g* Sie lernt und entwickelt sich innerhalb der Geschichte weiter, da wird sie wohl auch in der Heilkunst unterrichtet. Gut das ihr mich daran erinnert. :)

  3. Pingback: Weltenbauartikel: Mittelalterliche Städte und Dörfer | Weltenschmiede

  4. Pingback: Weltengeflüster März 2014 – die Rubrik wird ein Jahr alt! | Weltenschmiede

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