Fallstudie: Gründungssagen im alten Griechenland

Zwischen Äckern und Wiesen schlängelt sich ein Silberband durch das Tal, golden glänzen die Dächer der Stadt in der Mittagssonne und ein etliches fahrendes Volk strömt auf die Hauptstadt des Landes zu, einst gegründet von….ja, von wem eigentlich?

Hinter jeder Siedlung verbirgt sich eine sagenhafte Geschichte: Irgendjemand muss schließlich einst das erste Haus gebaut haben.

Die Frage nach diesen Gründungssagen war auch im alten Griechenland von großem Interesse: Es gab noch keine lückenlosen Aufzeichnungen über die Vergangenheit und erst recht keine Ahnenforschung, sodass sich um die Gründung griechischer Siedlungen oft die wunderlichsten Sagen und Mythen ranken.

Im Groben hatten die Griechen zwei Varianten von Gründungssagen:

1. Der Mann, der auszog…

….um die Welt zu entdecken, zu retten oder den Drachen zu erschlagen. In der Fremde trifft er schließlich auf die schönste aller Frauen. Am Ende einer Liebesgeschichte mit all ihren Ecken und Kanten heiraten sie und gründen ein Herrscherhaus.

Eine bekannte Geschichte nach diesem Schema ist der Mythos um die Machtergreifung des Pelops.

König Oinomaos in Pisa in der Elis wurde von einem Orakel vorhergesagt, dass er von seinem Schwiegersohn getötet wird. Um daher alle Freier abzuschrecken, bestand Oinomaos darauf, gegen jeden Freier seiner Tochter ein Wagenrennen zu fahren: Nur wer gegen ihn gewinnt, der würde seine Tochter zur Frau kriegen. Wer aber verliert, der wird getötet und den Göttern geopfert.

Pelops, der Sohn des Tantalos, ging nun in die Fremde und kam schließlich nach Elis. Er forderte Oinomaos zum Wagenrennen heraus, hatte aber eine geheime Abmachung mit dessen Wagenbetreuer: Dieser sabotierte den Wagen des Oinomaous. Pelops gewann so das Rennen, Oinomaos wurde geopfert. Pelops gewann so die Hand der Tochter und die Herrschaft über das, was wir heute als Peloponnes kennen.

Viele dieser Geschichten gibt es mit Herakles, dem bekanntesten Sohn des Zeus, der unzählige Liebschaften hatte, Städte gründete und Söhne in die Welt setzte.

2. Die Frau, die auszog…

….nachdem ein Gott mit ihr das Lager teilte.

Eine Frau hat erst eine Beziehung zu einem Gott, wird schwanger und muss deswegen ihre Heimat verlassen. In der Fremde gründet sie schließlich ein neues Herrscherhaus.

Ein Beispiel hierfür ist die Geschichte von Io, in die sich Zeus verliebt hatte. Um aber nicht den Zorn seiner Frau Hera zu erregen, versuchte Zeus die Sache zu verschleiern und verwandelte Io in eine Kuh. Dieser Schwindel blieb aber nicht lange vor Hera verborgen und sie schickte den Riesen Argos aus, um Io zu fangen. Io blieb nicht viel anderes übrig – als schwangere Kuh kämpft es sich nicht leicht gegen einen Riesen, weshalb sie über das spätere ionische Meer nach Ägypten floh. Dort erhielt sie ihre menschliche Gestalt zurück und gebar einen Sohn, der später König von Ägypten wurde.

Vergleichbare Geschichten wären die Mythen um Medea, die mit Jason ihre Heimat verlässt, oder Europa, die von Zeus aus ihrer Heimat entführt wird.

Natürlich laufen nicht alle Gründungssagen der alten Griechen nach diesem vereinfachten Schema ab, aber wer eine Welt besitzt, in der Mythen eine starke Rolle spielen, kann sich vielleicht doch daran orientieren.

Wie ist es bei euch? Wie sind die Städte und Königshäuser in euren Welten entstanden?

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Über fruehstuecksflocke

Tätig als Studiosus, Autor, Blogger, Leser; außerdem Zusatzqualifikationen: Zitatesammler, Schwammaufsauger von jeglicher Nichtigkeit und leidenschaftlicher Verlierer beim Schachspiel.
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4 Antworten zu Fallstudie: Gründungssagen im alten Griechenland

  1. alice4siblings schreibt:

    Ich habe ein Projekt in Planung, bei welchem die gesamte Welt aus einer bestímmten Anzahl Kontinente besteht, wobei über jeden Kontinent eine passende Gottheit herrscht. Dazu denke ich mir noch Geschichten aus, die im jeweiligen Buch zum jeweiligen Kontinent eine Rolle spielen. Darüber wie die einzelnen Städte und Siedlungen gegründet worden sein könnten in denen die Menschen lebten, habe ich aber noch nicht nachgedacht.

    Ist ein guter Denkansatz… Danke :-)

    • Evanesca Feuerblut schreibt:

      Ich gebe zu, mir geht es teilweise wie dir, Alice! Ich habe zu den meisten Ortschaften in meiner Magierwelt keine Gründersage!

      • alice4siblings schreibt:

        Ich denke auch das es zu der Geschichte passen sollte. Es ist wie gesagt ein guter Denkanstoß und zu einer Götter-gelenkten Welt wie in meinem Beispiel ist das schon eine Idee die ich gut durchdenken sollte. Aber wenn die Story eher einen anderen Schwerpunkt hat, würde ich die Gründerstory vll maximal für mich selbst schreiben, um ein feeling für die Menschen zu bekommen und sie besser beschreiben zu können. Einbauen würde ich es in diesem Fall aber nicht zwingend.

  2. Pingback: Weltenbaukasten: Religion [Teil 1: Der Aufbau des Glaubens] «

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