Fallstudie: Vampire in verschiedenen Canons – Teil 3 – Twilight

Mit ihrer eher für Teenager geschriebenen Romanreihe rund um den Vampir Edward und die tollpatschige Schülerin Bella Swan schuf Stephanie Meyer das Buch, das die Vampirliteratur seit der Mitte des Null-Jahrzehnts entscheidend geprägt hat: Seitdem erschienen immer wieder zahlreiche Vampir-Schulstorys, die sich mehr oder weniger offensichtlich an die „Bis(s)“-Reihe anlehnten.
Die Weltenschmiede geht dem Mythos analytisch auf den Grund.

Optik

Laut Buch haben die Vampire im Bis(s)-Canon blasse, glatte Haut, die das Licht stärker reflektiert als normale Haut, da sie teils kristallin aufgebaut sein soll. In der Sonne fängt sie gar an zu glitzern.
Das Äußere des Vampirs wirkt perfekt – jeglicher Makel an seiner Gestalt wird bei der Verwandlung beseitigt.
Allerdings haben Bis(s)-Vampire keine individuelle Augenfarbe – je nachdem, wie sie sich ernähren, kann sie rot, golden oder schwarz sein.
Bei den Rotäugigen handelt es sich um Vampire, die sich von Menschenblut ernähren. Goldäugig sind die sogenannten „Vegetarier“ – die sich ausschließlich von Tierblut ernähren – und schwarzäugig sind alle durstigen Vampire, unabhängig von ihrer Lebensweise.
Die Augen neugeborener Vampire sind immer eine gewisse Zeit lang rot.

Fähigkeiten

Es gibt eine Reihe von Fähigkeiten, die sämtliche Vampire ab dem Moment der Verwandlung erhalten und von da an mit der Zeit ausbilden. So entwickeln sie übermenschliche Kräfte, sind sehr schnell und verfügen über eine größere Intelligenz.
Andererseits besitzt jeder Vampir zusätzlich eine einmalige Fähigkeit, über die kein anderer Vampir verfügt. Die Fähigkeiten selbst sind zwar einmalig und individuell verschieden, können jedoch grob einer der folgenden Gruppen zugeordnet werden:
Diejenigen, die in der Lage sind, andere Vampire und Menschen aufzuspüren, nennen sich Tracker. Andere können Schutzschilde beschwören, die Sinne oder die Gefühle anderer Lebewesen beeinflussen.
Einige sehen in die Zukunft.
Manche spüren nicht Lebewesen, sondern Beziehungen, Lügen oder Fähigkeiten anderer Vampire auf.
Sehr selten steuern sie die Elemente, elektrische Spannung oder ihre eigene Sichtbarkeit.
Manche Fähigkeiten verstärken lediglich bereits vorhandene Grundfähigkeiten – so den „Vampircharme“, den Selbsterhaltungstrieb oder die kommunikativen Fähigkeiten.
Welche Zusatzfähigkeit ein junger Vampir erhält, hängt von seinem Leben als Mensch ab.

Verwandlung

Um einen Menschen zu verwandeln reicht es, ihn zu beißen, ohne ihn zu töten. Dabei gelangt Vampirgift in die Blutbahn des Menschen. Je nachdem, wie nah der Biss am Herzen war und wie viel Gift abgesondert wurde, dauert die Verwandlung zwei bis drei Tage und ist sehr schmerzhaft.

Vernichtung

Vampire können vernichtet werden, indem ihnen Werwolfgift injiziert wird. Außerdem, indem man ihnen sämtliche Gliedmaßen abhackt und sie sofort verbrennt. Dies kann aufgrund der Kraft der Vampire nur von ihresgleichen oder von Werwölfen und Gestaltwandlern durchgeführt werden.
Außerdem könnten bestimmte Waffen sie vernichten. Welche das sind, wird jedoch nicht explizit erwähnt.

Bedürfnisse

Das Einzige was sie brauchen, ist Blut. Ihr Bedarf danach kann auch mit Hilfe von Tierblut gestillt werden. Im Schnitt müssen Bis(s)-Vampire einmal pro Woche trinken.

Sonstiges

Aufgrund der ausgeprägten Nahrungskonkurrenz der Vampire untereinander sind sie meist einzeln unterwegs. Nur „Vegetarier“ leben in familienähnlichen Verbänden. Große Clans wie die Volturi halten sich durch gemeinsame Ziele zusammen.
Außerdem ist anzumerken, dass nirgendwo in den Büchern explizit erklärt wird, wie die ersten Vampire entstanden.
Schläft ein Vampir mit einer Menschenfrau, können Mischwesen entstehen – in diesem Punkt unterscheidet sich der Bis(s)-Canon von den anderen bisher vorgestellten Vampircanons.

Fazit

Das Vampirkonzept hinter dieser Geschichte ist nicht uninteressant – Fähigkeitengruppen, Augenfarbe nach Ernährung und einige andere Details sind durchaus neu und ungewöhnlich, ungeachtet der Umsetzung, die diese Geschichte gefunden hat.
Entscheidendes Manko ist hierbei die Story selbst – es will sich mir nicht erschließen, wieso solche mächtigen Wesen, die über ungewöhnliche Intelligenz verfügen, sich unter die Schüler der örtlichen Highschool mischen. Außerdem ist es zwar bei einer menschzentrierten Geschichte wie „Dracula“ verzeihlich, wenn die Entstehungsgeschichte der Vampire unbekannt bleibt – im Falle von „Bis(s)“, wo die Beziehung Mensch-Vampir eine so große Rolle spielt, dagegen nicht.
Insgesamt jedoch sollten auch eingefleischte Bis(s)-Hasser bei der Konzipierung ihrer eigenen Vampire nicht außer Acht lassen, dass man sich auch von Stephanie Meyer inspirieren lassen kann.

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Über Evanesca Feuerblut

Lektorin, Alphaleserin, Forumsadministratorin, Entdeckerin, Trilogie-in-X-Bänden-Autorin, Chara-Dichterin, Neologistin, Polyglotin... und ein Fan kurioser Worte.
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2 Antworten zu Fallstudie: Vampire in verschiedenen Canons – Teil 3 – Twilight

  1. cazze schreibt:

    So habe ich das noch far nicht gesehen. Schöner, gut geschriebener und informativer Artikel.

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