Fallstudie: Pilgerreise der Sieben Gnaden in Morrowind

Spätestens seit Hape Kerkelings Buch über den Jakobsweg ist es auch im Abendland wieder in: das Pilgern. Tausende nehmen jedes Jahr den weiten Weg durch halb Spanien auf sich, um am Ende der katholischen Messe in Santiago de Compostela beizuwohnen und des hl. Jakobs zu gedenken – zumindest war es so, ehe das Pilgern zum Volkssport verkam. Denn in der Regel haben Pilgerreisen religiöse Ursprünge. Der Gläubige nimmt einen harten, langen Marsch voll von Strapazen und Entbehrungen auf sich, um sich so seines Gottes würdig zu erweisen und seinem Wirken auf Erden zu gedenken.

Dass Pilgerreisen zu heiligen Stätten ein durchaus ernstzunehmender Faktor für Geschichte und Atmosphäre der eigenen Welt sind, stet wohl außer Frage. Daher werden wir uns in dieser Fallstudie die „Pilgerreise der Sieben Gnaden“ aus dem Computerspiel Morrowind genauer anschauen.
Die Pilgerreise besteht aus sieben Schreinen, quer über das Land verteilt. Ein jeder Schrein ist dem Andenken an eine große Tat des Halbgottes Vivec und die dabei bewiesene Tugend gewidmet.

1. Der Schrein der Demut

In den Feldern von Kummu traf Vivec auf einen armen Bauern, dessen Guar (ein Morrowind-eigenes Nutztier) gestorben war. Ohne diesen war es dem Bauern nicht mehr möglich, seine Schlammschwämme zu ernten und so seine Familie zu versorgen. Vivec zögerte nicht lange, sondern streifte seine Kleider ab und stürzte sich heldenhaft in die Felder, um zu helfen, bis die ganze Ernte eingefahren war.
Gläubige gedenken am Schrein von Kummu der Demut, die Vivec an diesem Tag bewies, und beten dafür, selbst zu mehr Demut fähig zu sein.

2. Der Schrein der Kühnheit

Sheogorath, der Gott des Wahnsinns, behauptete, eine von Vivec neugegründete Stadt sei nur dazu da, dem Himmel zu spotten. So verleitete er den Mond Baar Dau dazu, seine Umlaufbahn zu verlassen, um die neue Stadt zu zerstören. Doch Vivec stellte sich dem Mond tapfer entgegen und ließ ihn mit nur einer Geste erstarren. Beeindruckt von so viel Kühnheit unterwarf sich Baar Dau dem Halbgott und schwor, ihm auf immer zu dienen und die neue Stadt zu beschützen.
Gläubige suchen den Schrein unterhalb des über der Stadt schwebenden Mondes auf und opfern dort einen Zaubertrank, der für kurze Zeit das Fliegen ermöglicht. Als Dank erhalten sie eine Segnung, die ihnen für einen Tag die Macht zu fliegen gewährt.

3. Der Schrein der Großzügigkeit

Nach dem Triumph Vivecs und seiner Getreuen über Dagoth Ur wollte das Volk Vivec und den Helden des Kriegs ein Denkmal erbauen. Vivec hielt sie jedoch davon ab und sprach, dass es besser sei, das Denkmal nicht nur den Helden, sondern allen Menschen, die im Krieg gefallen waren, egal ob groß oder klein, zu widmen.
Als Erinnerung an den Großmut Vivecs, der auf eine eigene Statue zugunsten des kleinen Mannes verzichtete, kommen Gläubige zu diesem Schrein und spenden Geld für die Armen.

4. Der Schrein der Ritterlichkeit

Im Kampf mit seinem Widersacher Mehrunges Dagon gab Vivec diesem sein eigenes Schwert. Denn die Tugend der Ritterlichkeit gebot es ihm, nicht gegen einen wehrlosen Gegner zu kämpfen.
Gläubige pilgern zum Rätsel-Kanal, einem unterirdischen Labyrinth und schlagen sich bis in dessen Mitte durch, wo sie die edle Tat Vivecs nachahmen und einem auf sie wartenden Dämon ein Schwert überreichen, um sich so in der Tugend der Ritterlichkeit zu üben.

5. Der Schrein der Gerechtigkeit

Dagoth Ur erweckte den Roten Berg, einen Vulkan im Herzen des Landes. Vivec zog aus, um die Opfer der Aschewolken in Sicherheit zu bringen. Doch der Weg war weit, und unterwegs machten sie Rast, wobei der erschöpfte Vivec einschlief. Als er erwachte, waren er und die Seinen von Asche umhüllt. Unfähig, sich aus dem Aschepanzer rund um seinen Körper zu befreien, weinte Vivec bittere Tränen um seine Freunde. Durch die Feuchtigkeit wurde der Panzer spröde, Vivec konnte sich befreien und riss die Asche von seinen sterbenden Freunden, beatmete sie und entriss sie den Klauen des Todes.

6. Der Schrein der Tapferkeit

Der Schrein der Tapferkeit befindet unter Wasser in der Koal-Höhle. Hier focht Vivec mit dem Verfluchten Mann, dem Vater der Dreugh (eine Art Meermensch) und besiegte ihn. Doch großmütig, wie Vivec nun einmal ist, verschonte er den Verfluchten Mann im Austausch gegen die Treue der Dreugh.

7. Der Schrein des Stolzes

Der Schrein des Stolzes steht am Geisterwall, einem magischen Wall, den Vivec um den Roten Berg legte, um Dagoth Ur und Seinesgleichen für immer im Zaum zu halten. Der Schrein symbolisiert die Macht Vivecs und seinen Sieg über Dagoth Ur. Er ist ein Zeichen von Vivecs unbeugsamem Willen und seiner endlosen Kraft.

Und wie ist es bei euch? Welche bekannten Wallfahrtsorte gibt es in euren Welten?

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Über fruehstuecksflocke

Tätig als Studiosus, Autor, Blogger, Leser; außerdem Zusatzqualifikationen: Zitatesammler, Schwammaufsauger von jeglicher Nichtigkeit und leidenschaftlicher Verlierer beim Schachspiel.
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