Fallstudie: Vampire in verschiedenen Canons – Teil 4 – Morrowind

Das 2003 für den PC erschienene Rollenspiel Morrowind von Bethesda Softworks ist nicht unbedingt der Ort, an dem man den klassischen Literaturvampir suchen würde. Die Welt von Morrowind präsentiert sich farbenfroh und abwechslungsreich, neben saftigen Wiesen und subtropischen Küstenregionen finden sich hier auch düstere Sümpfe, trockene Wüsten und von Lavaflüssen durchzogenes Vulkanland.

Bevölkert wird diese Welt von Menschen, verschiedenen Arten von Elfen und humanoiden Tiervölkern. So verschieden diese Bevölkerung auch wirkt, ihnen ist eines gemein: Der Vampirismus macht auch vor ihnen nicht halt.

Optik

Ein einheitliches Erscheinungsbild des Vampirs gibt es hier nicht. Ob die Haut blasser ist als sonst, lässt sich bei einem pelzigen Katzenmensch oder einem bleichen Waldelfen schwerlich feststellen und auch die Schönheit liegt bei dieser Vielfalt sehr im Auge des Betrachters.

Was aber den Vampiren aller Rassen gemein ist: Ihre Augen verlieren jegliche Farbe und werden vollständig grau, außerdem setzt das Wachstum der Eckzähne ein.

Fähigkeiten

Morrowinds Vampire verfügen auch des Nachts über eine ausgezeichnete Sicht, zudem ist ihre Ausdauer und Kondition besser als bei Sterblichen.

Die Fähigkeit zur Verwandlung oder zur schnellen Regenerierung von Wunden sucht man hier allerdings vergeblich – Vampire sind untot (siehe auch unter „Entstehung“), ihr Körper regeneriert nicht. Stattdessen kann jeder Vampir auf magische Weise die Lebenskräfte seines Opfers anzapfen und mit ihnen seinen eigenen Körper wiederherstellen.

Aber gerade beim Jagdverhalten gibt es bei Morrowinds Vampiren große Unterschiede. Es existieren drei Blutlinien: Quarra, Aundae und Berne. Welcher Blutlinie ein Vampir angehört, hängt von seinem Schöpfer ab – wer z.B. von einem Quarra gebissen wird, wird zu einem Quarra, Aundae erschaffen Aundae und Berne erschaffen Berne.

  • Die Quarra zeichnen sich durch große körperliche Kraft aus. Wenn sie sich auf der Jagd befinden, ergreift sie oft ekstatischer Wahnsinn und sie fallen ihre Opfer mit höchster Brutalität an.
  • Die Aundae lassen sich von den Strömen der Magie leiten. Magische Fähigkeiten und Täuschungszauber sind bei ihnen stark ausgeprägt, auf der Jagd verlassen sie sich vor allem auf Hypnose, um den Widerstand ihrer Opfer auszuschalten.
  • Die eher schwächeren Berne nutzen Finsternis und Hinterhalt. Sie greifen ihr Opfer im Verborgenen an, vergiften es mit einem kurzen Biss und kehren erst später zurück, um das geschwächte und wehrlose Opfer auszusaugen.

Vernichtung von Vampiren

Morrowinds Vampire werden vom Licht der Sonne verbrannt. Sind sie ihm zu lange ausgesetzt, kann dies auch zum Tod führen.

Eine spezielle Weise, sie im Kampf zu töten, gibt es allerdings nicht. Die Körper der Vampire sind tot, und so fügt ihnen jeder Schwertstreich Schaden zu, bis der Körper schließlich „den Geist aufgibt“ und der Vampir stirbt.

Entstehung der Vampire

Der Legende nach sind die Vampire ein Werk Molag Bals, der auch als „Vater aller Monster“ bekannt ist.

Molag Bal schuf den ersten Vampir aus der Leiche eines besiegten Feindes. Dies erklärt, weshalb die Körper der Vampire als tot gelten und über keinerlei selbstständige Regenerationsfähigkeiten mehr verfügen.

Ansteckung und Heilung

Die Ansteckung mit der Vampirkrankheit geschieht meist beim Aussaugen des Opfers. Vampirismus gilt in der Welt von Morrowind als Krankheit, und kann dementsprechend auch im Frühstadium von Heilern behandelt werden.

Die Inkubationszeit beträgt 72 Stunden, während dieser die einzigen Symptome immer wiederkehrende Albträume sind. Nach Ablauf dieser Zeit bricht die Krankheit voll aus, eine Heilung gilt danach als unmöglich.

Allerdings gibt es Gerüchte über eine Vereinigung von Vampirjägern, die aus ehemaligen Vampiren besteht. Diese sollen über ein Heilmittel verfügen, halten es aber absichtlich zurück, um Leichtsinn im Umgang mit Vampiren zu vermeiden.

Zudem gibt es auch eine Legende von einem Krieger, der in Bal Ur, einem heiligen Ort des Vampirschöpfers Molag Bal, vom Gott persönlich geheilt worden sein soll.

Inwiefern diesen Berichten über ein Heilmittel zu trauen ist, ist aber fraglich. Die Inquisition glaubt jedenfalls nicht an eine Heilung und verfolgt jeden Vampir bis zum bitteren Ende, egal ob geheilt oder nicht.

Fazit

Gerade aus weltenbauerischer Sicht sind Morrowinds Vampire völlig anders als das, was man aus der Literatur kennt. Vor allem, dass Vampirismus als einfache Krankheit wie eine herkömmliche Grippe behandelt wird, ist für viele wohl recht unorthodox und macht sie zu einem Spezialfall unter den verschiedenen Vampircanons von heute.

Hand aufs Herz: Könntet ihr euch vorstellen, solche Vampire in euren Welten auftreten zu lassen?

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Über fruehstuecksflocke

Tätig als Studiosus, Autor, Blogger, Leser; außerdem Zusatzqualifikationen: Zitatesammler, Schwammaufsauger von jeglicher Nichtigkeit und leidenschaftlicher Verlierer beim Schachspiel.
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2 Antworten zu Fallstudie: Vampire in verschiedenen Canons – Teil 4 – Morrowind

  1. Evanesca Feuerblut schreibt:

    Ich fand es sehr spannend, einen Blick auf Videospielvampire zu werfen. Besonders, weil hier offensichtlich neue Wege gegangen wurden.

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