Fallstudie: Ovid über den perfekten Ort…

…um jemanden kennenzulernen. „Wie sieht für euch das perfekte Date aus?“ haben die Tussis on Tour kürzlich gefragt und zu einer erneuten Blogparade aufgerufen, auf dass Mann und Frau ihre Träume und Visionen offenlegen.

Der römische Dichter Publius Ovidius Naso hat seine Vision, wo Mann zum ersten Date laden soll, bereits vor 2000 Jahren in seiner Ars Amatoria dargelegt: Mann datet am besten im Circus, dem Ort der Pferderennen, wofür Ovid auch gleich einige praktische Gründe liefert.

Zunächst einmal stellten die Pferderennen im alten Rom eine wichtige Freizeitbeschäftigung dar, der sich kaum ein Römer oder eine Römerin verschließen konnte. Wer nicht den Gladiatoren zusah, sah den Pferden zu (und so manch einer verlor bei Pferdewetten auch Haus und Hof, aber das ist eine andere Geschichte…).
Der Verlauf der Rennen liefert so eine gute Gesprächsbasis für den Start. Mann fachsimpelt mit seiner Angebeteten gemeinsam über Pferde, Wagenlenker und Rennställe, stellt Prognosen auf und feuert fleißig den Favoriten seines Herzblattes an – und schon ist Mann in der Gunst gestiegen.
Übrigens muss man in einem Stadion für Pferderennen auch keine Angst vor einer peinlichen Stille haben, wenn das Gespräch einmal stockt. Für Lärmpegel und Ablenkung ist reichlich gesorgt.

Doch abgesehen von der ausgezeichneten Gesprächsbasis hat der Circus noch eine viel praktischere Funktion: Er ist überfüllt. Wodurch man recht beängt sitzt und sich bereits beim ersten Treffen ungeniert an seine Liebste schmiegen darf.
Wichtig ist übrigens, dass man es nicht mit lüsternem Geschmiege übertreibt. Der echte Römer ist natürlich ein Gentleman und sollte sich einmal vom Rennen aufgewirbelter Staub in den Schoß der Geliebten verirren, so zögert er nicht, diesen sofort abzuwischen. (Wobei Ovid schelmisch anmerkt, dass das Abwischen nie eine schlechte Idee ist, selbst wenn dort kein Staub ist).
Ganz der Gentleman ist der Römer auch, wenn er schnell nach dem Kleid greift und es in die Höhe rafft, ehe es am Boden schleift und schmutzig wird. Natürlich entblößt ein hochgerafftes Kleid auch eine kleine Belohnung für das Auge ;-).

Doch nicht nur Lüsternheiten fährt der römische Kavallier auf, wenn er mit seiner holden Dame in den Circus geht: Als Kavalier fechelt er seiner Geliebten natürlich auch Luft zu, hat ein Sitzpolster und vielleicht sogar einen Schemel dabei, sodass Frau sich entspannen kann, während Mann sie verwöhnt…

So sieht laut Ovid das perfekte Date im Alten Rom aus. Ob sich Frauen wohl immer noch so erobern lassen?

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Über fruehstuecksflocke

Tätig als Studiosus, Autor, Blogger, Leser; außerdem Zusatzqualifikationen: Zitatesammler, Schwammaufsauger von jeglicher Nichtigkeit und leidenschaftlicher Verlierer beim Schachspiel.
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Eine Antwort zu Fallstudie: Ovid über den perfekten Ort…

  1. Holly Wood schreibt:

    Vielen Dank für den tollen Artikel. Ich jedenfalls würde mich gerne so verwöhnen und erobern lassen :-)

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