Fallstudie: Schokofroschkarten in Harry Potter

Leises Rascheln erklingt, als gierige Finger an der Verpackung ziehen, den Verschluss öffnen und den Deckel abnehmen. Licht flutet den Innenraum, frische Luft – der Schokofrosch erwacht sofort aus seiner Starre. Schon wollen die gierigen Finger nach ihm greifen, doch im letzten Moment springt er davon, erreicht das rettende Fenster, krabbelt daran hoch. Ein letzter Sprung, geschafft – Freiheit!

Das Kind schaut ihm kurz enttäuscht hinterher, ehe es sich dem wahren Ziel seiner Gier widmet: Der Schokofroschkarte!

Was sind Schokofrösche eigentlich?

In der Welt von J.K.Rowlings Weltbestseller „Harry Potter“ gibt es allerlei kuriose magische Süßigkeiten. Zauberstäbe aus Lakritze, essbare Federn, Bohnen aller Geschmacksrichtungen und eben der Klassiker, die Schokofrösche.

Ein Schokofrosch sieht aus wie ein Frosch und ist im Buch aus massiver Schokolade. Im Film verhält er sich aber wie ein richtiger Frosch (kann springen, quaken etc.), weshalb man natürlich schnell sein muss, um ihn zu essen, ehe er davonhüpft.

Zudem liegt jedem Schokofrosch eine Schokofroschkarte bei – ähnlich wie kleine Kinder bei uns, den Muggeln, Sammelkarten von Fußballern sammeln, sammeln die Kinder von Zauberern Schokofroschkarten, auf denen jeweils eine berühmte Hexe oder ein berühmter Zauberer abgebildet ist.

Wozu diese Sammelkarten?

Mit diesen Sammelkarten gelingt J. K. Rowling ein ganz besonderer Trick: Sie schafft ein riesiges Universum und lässt es einfließen, ohne dass man es als Leser überhaupt merkt. Denn Sammelkarten sind etwas ganz Alltägliches, das jeder kennt. Gleichzeitig aber ist ihre Aufmachung neu und aufregend. Und zu guter Letzt: Wenn es von etwas Sammelkarten gibt, muss es sehr wichtig sein und sehr viele davon geben (sonst würde und könnte man ja nicht sammeln).

Durch das Einstreuen der Sammelkarten in die Handlung des ersten Bandes „Harry Potter und der Stein der Weisen“ transportiert Rowling so die Geschichten innerhalb ihrer Geschichte, ohne dass es für den Leser zuviel wird. Ja, sogar ohne, dass es dem Leser großartig auffällt.

Denn sie knüpft die Informationen an den alltäglichsten Kinderkram, den wir kennen: An Sammelkarten.
So lüftet Rowling auch das Geheimnis um den Stein der Weisen, indem sie Harry ein Sammelkarte von Dumbledore in die Hände spielt, auf der vermerkt ist, dass er ein Freund von Nicolas Flamel ist – der wiederum, wie jeder weiß, besagten Stein ursprünglich entdeckt hat …

Was lernen wir also daraus? Willst du was neues erzählen, musst du alltägliche Mittel dafür wählen!

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Über fruehstuecksflocke

Tätig als Studiosus, Autor, Blogger, Leser; außerdem Zusatzqualifikationen: Zitatesammler, Schwammaufsauger von jeglicher Nichtigkeit und leidenschaftlicher Verlierer beim Schachspiel.
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12 Antworten zu Fallstudie: Schokofroschkarten in Harry Potter

  1. dannie schreibt:

    Also zu allererst möchte ich sagen, dass ich deinen Schreibstil wundervoll finde! Man ließt deine Texte mit solch einer Leichtigkeit, dass man richtig Spaß daran hat :)

    Als nächstes muss ich gestehen, dass ich die Harry Potter Reihe nie gelesen habe. ABER Lust auf Schokofrösche habe ich jetzt trotzdem XD

    Danke <3 :D

    Glg
    dannie

    • fruehstuecksflocke schreibt:

      Das freut mich sehr, dass dir mein Schreibstil gefällt. Immer toll, so etwas zu hören :-)

      Schokofrösche hätte ich auch gern – J. K. Rowling sollte sich dringendst um eine Markteinführung kümmern!
      (Und es ist nie zu spät, Harry Potter zu lesen! ;-) )

  2. pischel schreibt:

    Hach, Schokofrösche!

    Sehr einleuchtend, was du hier aufdeckst.

  3. Michael schreibt:

    Wenn ich mich recht erinnere hatten sie noch eine weitere Funktion: Sie sind die ersten „blebten Bilder“ denen man in der Zaubererwelt begegnet. Das hat Rowling schon perfekt gemacht, diese Details, bei denen aus der Realität bekannte Gegenstände eine ungewöhnliche Eigenschaft besitzen und man, vor allem im ersten Buch, das Gefühl hat, dass in dieser Welt alles möglich ist. Sowieso ist es vor allem die Liebe fürs Detail, die mich an ihren Büchern begeistert, während ich den Plot dann manchmal doch etwas unausgegoren finde.

    • fruehstuecksflocke schreibt:

      Ich mag mich täuschen, aber ich glaube, Harry begegnet schon nach seinem Zusammentreffen mit Hagrid den ersten sich bewegenden Bildern in der Winkelgasse – die erste Schokofroschkarte kriegt er meines Wissens erst im Hogwarts Express zu sehen, wo dann auch Ron ihm erklärt, was es mit den Karten auf sich hat.

      Aber es stimmt, Rowlings Welt besticht vor allem durch ihre Liebe zum Detail, die so wohl einmalig ist. Mir ist jedenfalls kaum ein neueres Fantasywerk untergekommen, dass ähnlich liebevoll durchdacht ist wie ihres :-)

      Edit: Quatsch, es stimmt. Es ist ja auch diese Szene im Zug, in der Harry sich wundert, dass Dumbledore plötzlich aus dem Bild verschwunden ist. Du hast recht, es sind wirklich auch die Schokofroschkarten, die die magischen Bilder dem Leser näherbringen. Danke für den Hinweis! (und Schande über mein Gedächtnis…)

  4. Tamina Za schreibt:

    Darüber hab ich, ehrlich gesagt, noch nie nachgedacht.
    Ich finde deinen Blog allgemein sehr interessant und mag die Art, wie du schreibst.
    In nächster Zeit werde ich wohl öfter mal vorbeischauen :)

    Liebe Grüße,
    Tamina.

  5. Verena schreibt:

    das ist ein süßer artikel! du schreibst toll! es ist sehr erfrischend mal einen etwas anderen blog zu sehen der auch viel wert auf text legt und nicht nur bilder :)
    viel erfolg weiterhin!

    xx
    Verena

    http://www.forwardforfashion.com

  6. Julchen schreibt:

    Ach, ich könnte keinen quckenden Frosch essen…auch wenn er aus Schokolade ist. =)
    Liebe Grüße Julchen

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