Fallstudie: Vampire in verschiedenen Canons – Teil 5 – Anonymous

Was hat eine Online-Widerstandsgruppe, der Autor eines Vampirbuches und ein Historienthriller aus dem Jahr 2011 gemeinsam?
Sie alle nennen sich „Anonymus“.
Doch was ist das Besondere an den Vampiren, die „Das Buch ohne Namen“ und das „Buch ohne Staben“ bevölkern? Was unterscheidet sie von den ersten vier Fallstudienkandidaten dieser Blogeintragserie?
Im Folgenden wird aufgezeigt, dass es sich dabei um ein völlig anderes Vampirkonzept handelt.

Optik:

Sie sehen aus, wie ganz normale Menschen, zumindest tagsüber und wenn sie nicht auf Pirsch sind. Wenn sie jedoch als Vampire tätig werden wollen, dann nehmen sie eine andere Gestalt an: Die von blutrünstigen Monstern mit riesigen, mit spitzen Zähnen gespickten Mäulern und langen Krallen.
Da die Vampire in Clans organisiert sind, die alle unter einem bestimmten Motto stehen, kleiden sie sich auch entsprechend. So gibt es einen gefürchteten Vampirclan, dessen Mitglieder sich ausschließlich als Clowns verkleiden. Andere Clans haben Sonnenbrillen und Lederjacken als optisches Merkmal.
Hier eine Aufzählung der Clans und deren typische Merkmale:
– The Hoods: Tragen lange Umhänge, meist geborene Vampire
– die Clowns: Alles Gebissene, tragen Clownssachen
– the filthy pigs: Der Polizistenclan – Gebissene
– die Schwarze Pest: Keine Optik-Angabe
Nirgends im Buch wird erwähnt, ob geborene und gebissene Vampire sich optisch unterscheiden würden – auch die Geborenen können eine normale, menschliche Gestalt annehmen.
Den gebissenen Vampiren ist gemeinsam, dass sie nicht altern – wie das bei den geborenen Vampiren ist, wird nicht eindeutig beschrieben. Jessica behält jahrhundertelang die Gestalt einer jungen Frau, Ramses dagegen wird immer als älter beschrieben.

Fähigkeiten:

Sie verfügen über übermenschliche Körperkräfte, die weit über die Fähigkeiten noch so gut trainierter Menschen hinausgehen. Sie sind durch Schusswaffen nicht totzukriegen, selbst wenn man hundert Kugeln in sie hineinballert. Außerdem sind sie ungeheuer schnell.
Verwandlung:
Wer einen Vampirbiss überlebt, wird automatisch verwandelt – dies geschieht ausgesprochen selten. Oder man wird als Vampir geboren – was noch seltener geschieht. Warum es dennoch so viele Vampire in Santa Mondega gibt? Es ist der einzige Ort, an dem sie sich aufhalten dürfen.

Vernichtung:

Unter anderem mittels sich Draufschmeißen, während man das Buch ohne Namen – dessen Einband aus dem Holz des Wahren Kreuzes besteht – um den Bauch geschnallt hat. Das vernichtet selbst hartgesottene Vampire. Normale Kruzifixe können den Vampiren jedoch nichts anhaben, es muss genau DAS Kreuz sein.
Auch geweihte Kugeln und Weihwasser können sie vernichten. Was einen Vampir vernichtet, kann ihn auch verletzen.

Bedürfnisse:

Diese Vampire gieren nicht nur nach Blut – sie pflegen ihre Opfer auch mal bei lebendigem Leibe zu verspeißen. Außerdem sind sie in der Regel versessen auf Geschlechtsverkehr, zumindest die männlichen Vampire. In ihrer Vampirgestalt können sie ihre Bedürfnisse kaum steuern und werden somit oftmals zu unaufhaltsamen Mord- und Vergewaltigungsbestien.

Herkunft:

Die wird in den Büchern nicht direkt erklärt – eine der ältesten bekannten Vampirinnen ist Jessica und ihr Vater ist mutmaßlich der erste Vampir, aber im Buch steht nirgends explizit, wie er es geworden ist.
In irgendeiner Weise hängt es vermutlich mit dem mächtigen Auge des Mondes zusammen.

Sonstiges:

Die Körpertemperatur der Vampire ist niedriger als die der Menschen. Darum wird Dante, als er sich undercover unter die Vampire mischen muss, auch ein Mittel gespritzt, das seine Bluttemperatur abkühlt.
Man munkelt, wer Käse nach achtzehn Uhr zu sich nimmt, zieht damit die Vampire an. Ob daran etwas dran ist oder es sich um einen der vielen abstrusen Scherze im Buch handelt, bleibt ungeklärt.
Neben Vampiren gibt es auch Werwölfe, Zombies und andere spannende Untote in Santa Mondega. Außerdem gibt es in Santa Mondega die höchste Dichte an Untoten im Land.
Der Lieblingstreffpunkt der Untoten ist die Night Jar Bar.
Vampire haben einen Klarnamen und einen Vampir-Spitznamen. Diese sagen meist was über ihren Charakter aus. „Obedience“ beispielsweise tut alles, wirklich ALLES, was man ihm befielt – und lässt sich sogar Obszönitäten auf die Stirn tätowieren.
Mit dem Auge des Mondes kann ein Vampir sich wieder in einen Menschen verwandeln – dies ist die einzige Möglichkeit, vom Vampirismus „geheilt“ zu werden.

Weltenbauerisches Fazit:

Das ist mal was Anderes – Vampire nicht als die unnahbaren, aristokratischen Schönen, die die unschuldigen Mädchen verführen, sondern eine Mischung aus etwas versifften Haudegen und gefährlichen, unkontrollierbaren Bestien.
Somit zeigt dieses Buch, wie viele Möglichkeiten noch offen sind, die Blutsauger in die eigenen Werke zu integrieren.

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Über Evanesca Feuerblut

Lektorin, Alphaleserin, Forumsadministratorin, Entdeckerin, Trilogie-in-X-Bänden-Autorin, Chara-Dichterin, Neologistin, Polyglotin... und ein Fan kurioser Worte.
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4 Antworten zu Fallstudie: Vampire in verschiedenen Canons – Teil 5 – Anonymous

  1. Echt interessantes Blog… finde es toll sich in dieser Form mit Fiktion zu beschäftigen. Erinnert mich an meine Pen&Paper-RPG-Zeit…

    • Evanesca Feuerblut schreibt:

      Danke :). Das hier war einer der Posts, in die einiges an Herzblut geflossen ist, da ich das Lesen der drei Romane dazu sehr genossen habe.
      RPG ist cool – wer weiß, ob unsere Fallstudien/Weltenbauartikel sogar mal einen RPG-Macher zu seiner/ihrer eigenen Welt inspirieren…

  2. Allie schreibt:

    Klingt gut :)
    Du schreibst übringens toll!

    • Evanesca Feuerblut schreibt:

      Danke :).
      Die drei Bücher kann ich jedem empfehlen, der auf eine riesige Portion schwarzen Humors und auf eine Story steht, die auf brutale Weise trashig ist – oder auf trashige Weise brutal? Aber genau das macht den Charme dieser Geschichten aus.
      Obwohl ich eigentlich kaum Zeit hatte, habe ich mich kaum von den Büchern losreißen können, als ich für Recherchezwecke noch mal durchgeblättert habe.

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