Beitrag zur Blogparade: Welten, die beeindrucken – und Welten, die bedrücken

Als ich mir die Fragestellung für unsere erste Blogparade überlegt habe, ging es mir vor allem darum, eine Fragestellung zu finden, die jeder Blogger da draußen beantworten kann – als musste die Frage einfach sein, verständlich, und nicht zu speziell, sodass sie wirklich jeder Leser, Filmseher oder Videospielespieler beantworten kann.
Dass dann ausgerechnet ich an dieser Frage scheitere, hat schon eine gewisse Ironie.
Welche Welt hat mich beeindruckt? Es wäre zu einfach, nun „Mittelerde“ zu antworten …

Begonnen hat meine Fantasy-Leidenschaft im Alter von wohl so 10 bis 12 Jahren, als ich das erste mal mit einem Harry-Potter-Buch in Berührung kam. Rowling hat mich sofort gefesselt, die Welt mich eingesogen und ich erkundete als vierter im Bunde mit Harry, Ron und Hermine die Flure, Klassenzimmer und vielen geheimen Orte von Hogwarts. Meine Knicker-Bocker-Banden-Zeit war damit eindeutig zu Ende.
Zur gleichen Zeit damals lief Peter Jacksons – zurecht Oscar-gekrönte – Verfilmung von Tolkiens Meisterwerk an und ich verweigerte mich den vielen Empfehlungen meines Freundeskreises zum Trotz erfolgreich den Filmen und las erst einmal das Buch, damals noch in der alten Übersetzung, in der Sam Frodo noch mit „Herr Frodo“ ansprach, während die neue Übersetzung ihn mit „Chef“ betitelt …. man merkt es schon, ich kenne beide Übersetzungen und Mittelerde hat mich auch nie mehr losgelassen. Ich verschlang den Hobbit, das Silmarillion und alles andere, was ich von Tolkien in die Finger bekam. Die Filme selbst sah ich erst Jahre später.
In den Monaten, in denen ich in Mittelerde versank, wiederholte ein Fernsehsender (Pro7?) die klassische Star Wars Trilogie und kaum tauchte ich aus Tolkiens Universum auf, versank ich im Universum von George Lucas.
Interessanterweise hat Lucas mein Bild von einer Sci-Fi-Welt geradezu verdorben – ich sah und sehe mir zwar gerne Star Trek an, aber die Welt der Raumschiffe Enterprise, Voyager & Co. tat sich für mich nicht mehr auf.

Es war dann wohl so um 2005, da versank ich vollständig in meinem allerersten PC-Rollenspiel, TES III: Morrowind. Wobei der Titel irreführend ist, man bereist nicht die ganze Welt der Provinz Morrowind (die wiederum zum Kontinent Tamriel gehört, und der wiederum … lassen wir das), sondern nur einen Ausschnitt. Dennoch ein Ausschnitt, der so detailliert geschaffen ist, so viele Geschichten enthält und so viele Erlebnisse bietet, dass er mich bis heute nicht losgelassen hat.
Etwa zur gleichen Zeit erlebte ich mit Christopher Paolinis Drachenreiter Eragon den ersten Rückschlag in meinem Welteneifer: Eine Welt, deren Bestandteile mir so bekannt vorkamen, dass nach dem ersten Band für mich die große Frage im Raum stand, ob Paolini sich da nicht woanders bedient hatte … Trost und Zuflucht nach der großen Eragon-Enttäuschung fand ich an der Seite des trefflichen Hilfsschweinehirten Taran in der Welt von Prydain …. weitere Streifzüge führten mich in die düsteren Parallelwelten von Philip Pullman, ins Geborgene Land von Markus Heitz oder in das magische London meines Lieblingsdschinns Bartimäus, geschrieben vom meisterhaften Jonathan Stroud. Und Hohlbein nicht zu vergessen – ich liebte Hohlbein.

Relativ spät erst kam ich zur Welt von Narnia – das, wie das Vorwort von Christian Rendel zur Neuübersetzung verrät, von C.S. Lewis als Kinderbuch verfasst wurde. Witzigerweise hat mich kein Buch und keine Welt mehr so sehr berührt wie Narnia. Begonnen mit einem unscheinbaren Kleiderschrank, in den sich ein paar Kinder verirren und sich in einer fantastischen Welt wiederfinden. So banal es klingt, bringt mich diese Schilderung der spielenden Kinder immer wieder zum schmunzeln. Doch bald ändert sich das Bild, die weiße Hexe wird in die Handlung eingeführt und es kommt zur Auseinandersetzung, zum Konflikt, zum Krieg. Aslan, der mächtige, unbesiegbar wirkende Löwe – er wird geopfert, die Welt scheint in Trümmern, das Abenteuer verloren.
Nicht einmal 200 Seiten, doch „Der König von Narnia“ entfesselt Emotionen, die unglaublich sind. Und so geht es weiter in der Serie, man erlebt Höhen und Tiefen. Trifft wieder auf Lucy und Edmund, aber auch auf neue Personen, Helden und Fabelwesen aus Narnia und mutige Kinder aus unserer Welt, bis es zum letzten großen Wiedersehen im siebten Band der Chroniken von Narnia kommt. Ein Ende, das mir näher ging als jedes andere – wer es nicht kennt, soll es selber lesen, ich werde hier nichts mehr verraten (jedenfalls nicht mehr, als ich eh schon tat).

Die beeindruckendste Welt für mich? Narnia, denn es war auch die bedrückendste Welt für mich. Dennoch möchte ich keine Sekunde missen, die ich in ihr verbracht habe und wünsche einem jeden, dass er diese Erfahrung auch gemacht hat – oder noch machen wird.

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Über fruehstuecksflocke

Tätig als Studiosus, Autor, Blogger, Leser; außerdem Zusatzqualifikationen: Zitatesammler, Schwammaufsauger von jeglicher Nichtigkeit und leidenschaftlicher Verlierer beim Schachspiel.
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8 Antworten zu Beitrag zur Blogparade: Welten, die beeindrucken – und Welten, die bedrücken

  1. Jenna schreibt:

    ich muss gestehen, dass fantasy so gar nicht mein genre ist…

  2. Julia schreibt:

    Ich finde deinen Header irgendwie total klasse :)

  3. Sandra schreibt:

    Die Idee und überhaupt der Blogtitel sind einfach genial! :D
    Ich finde, beides regt sofort zum Lesen an und btw ich finde den Header auch nicht schlecht – nicht unbedingt ein Picasso, aber als kreativer Gag sicherlich super .D

    glg Sandra

    • Evanesca Feuerblut schreibt:

      Als ich die Skizze *hust* gemalt habe, ahnte ich noch nicht, dass meine Skizze dann tatsächlich der neue Header wird :).
      Aber irgendwie hat uns keine „ausgeschmückte“ Variante davon gefallen – vor allem aber entstehen zumindest meine Welten zuerst in einem kritzligen Karoheft… und bestimmt bin ich da nicht die Einzige (wobei fruehstuecksflocke vielleicht linierte Hefte bevorzugt? Man müsste ihn mal fragen :D ).

      Idee und Titel gehören fruestuecksflocke, sein sind die Anerkennungen :).

      LG, Evanesca

      • fruehstuecksflocke schreibt:

        Und was ist mit deiner Anerkennung bezüglich der Skizze? Stell mal dein Licht nicht so unter den Scheffel ;-)

        Btw verwende ich tatsächlich auch lieber karierte Blöcke.

  4. Pingback: Unsere Blogparade: Der krönende Abschluss! | Weltenschmiede

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