Fallstudie: Schurken II – „Wir wollen über die Erde regieren…

…und unseren eigenen Staat kreieren.“ Zugegeben nicht der aussagekräftigste Titel für eine Fallstudie, aber wahre Fans (oder Freaks?) wissen bereits, um wen es heute gehen wird: Um Team Rocket, die berühmt-berüchtigten und erstaunlich langlebigen Antagonisten des Pokemon-Universums.
Entgegen unseres Konzepts für Schurken-Fallstudien, die eigentlich nur einen prominenten Super-Bösewicht (zuletzt Lord Voldemort) in den Fokus stellen, haben wir es hier mit drei prominenten Anhängern eines großen Verbrechersyndikats zu tun: Mit Jessie, James und Mauzi.

Der Weg zum Bösen

So böse und niederträchtig ihre übliche Kampfansage klingt – und so mancher Superschurke wäre wohl darauf neidisch – so überhaupt nicht böse und niederträchtig ist das Rocket-Trio eigentlich von Haus aus. Blickt man hinter ihre Fassaden, so findet man zweifehlafte Schicksale, Leid, Unglück, Elend – und den einzigen Ausweg, der da hieß: Team Rocket.

So wuchs Jessie in einer armen Pflegefamilie auf und ihre Mutter konzentrierte sich damals schon auf Team Rocket als möglichen Ausweg aus dem Elend. Dennoch versuchte Jessie den Weg des Guten zu beschreiten: Sie wollte Krankenschwester werden, bewarb sich an einer Schule, wurde aber abgelehnt. Also versuchte sie es als Pokemon-Krankenschwester, wurde auch an der Schule angenommen, aber von Anfang an ausgegrenzt. Schließlich flog Jessie von der Schule, versuchte an der Privatschule Pokemon Tech einen Neuanfang (dort traf sie dann auch ihren späteren Partner James), aber flog auch von dieser Schule. Entmutigt und verzweifelt war die nächste Station ihres Weges eine Bikergang – und darauf folgte bereits Team Rocket.

James hingegen schien das Glück bereits in die Wiege gelegt: Er wuchs gut behütet in einer reichen Familie auf, genoss Privatunterricht und sehr besorgte Eltern, die sogar so weit gingen, eine Ehe für ihn zu arrangieren. James, der nie auf eigenen Beinen stand und dessen Selbstvertrauen nie das Beste war, wagte es, diese abzulehnen – und er lief von zu Hause weg. Später traf er auf Jessie, schloss sich ihr an und fand in der Gemeinschaft von Team Rocket ein neues Heim.

Mauzi, das sprechende Pokemon, war ursprünglich nicht mehr als eine gemeine „Straßenkatze“ in einer Streunerbande – bis er sich in ein weibliches Mauzi verliebte. Um es zu beeindrucken, lernte er das Gehen auf zwei Beinen und sogar das Sprechen. Dabei verbrauchte er so viel Kraft, dass er sich als Pokemon nie weiterentwickeln und nie weitere mächtige Attacken erlernen würde. Anstrengung und Opfer wurden aber nicht belohnt: Seine Angebetete stieß ihn von sich und sah ihn als „Freak“ an, und auch seine alte Gang wollte nichts mehr von Mauzi wissen.

Ziele und Absichten

Drei gebrochene Schicksale, die alles zu ihrem Glück versuchten, aber scheiterten. „Mehr und mehr Macht“ will das Team Rocket, wie es in der legendären Kampfansage heißt, doch ist vor dem Hintergrund der Einzelschicksale wohl in Frage zu stellen, was das Trio wirklich antreibt. So ist es wohl kein purer Machtergreifungswille oder böses Gedankengut, sondern der Wunsch nach Anerkennung, nach einem Stück Glück und einer Position in der Welt, auf der man sich nicht mehr herumschubsen und schikanieren lassen muss.

Kräfte und Fähigkeiten

Wie alle anderen in der Pokemon-Welt auch, sind auch die Rocket-Mitglieder Pokemontrainer (wenngleich sie die meisten Kämpfe verlieren).
Abgesehen davon zeigt das Trio eine außerordentliche technische Begabung: Statt frontal anzugreifen, bevorzugen sie den Hinterhalt. So gehören allerlei Fallen, Auslöser und Täuschungsmanöver zu ihrem Repertoire, die allerdings oft sehr aufwändig und feinsinnig konstruiert sind.
Kommt es dennoch Hart auf Hart, ist das Rocket-Trio nie um einen Plan B verlegen: Mächtige Kampfroboter, schnelle Fahrzeuge zur Flucht und ausgefeilte Apparturen, um die Attacken gegnerischer Pokemon abzuwehren, warten nur darauf, eingesetzt zu werden.

Das Team Rocket

Der heimliche Anführer von Team Rocket ist der Italiener Giovanni. Ein italienischer „Pate“ ist aber nur eines von unzähligen Mafia-Klischees: In den Pokemon-Spielen macht Team Rocket Geld mit Casinos, Pokemonhandel, Artefakt- und Reliquienschmuggel, Terror und sogar der Übernahme von Firmen, Radiosendern und ganzen Städten. Alles, was irgendwelchen Profit abwirft, wird gemacht. Versagen ist keine Option, wie auch unser Trio oft zu spüren bekommt.

Team Rocket ist eine große, langlebige Organisation. So wird in den ersten Pokemon-Spielen das Team offiziell aufgelöst, aber bereits drei Jahre später haben sich die Reste des Teams zusammengerottet, machen grausame Experimente mit Pokemon und greifen sogar offen eine ganze Stadt an. Erneut werden sie gestoppt, aber ob dies das Ende des Teams ist, ist mehr als fraglich, denn wirklich bereit aufzugeben zeigt sich keiner.

Mitglieder des Team Rockets sind – abgesehen von den Führungsmitgliedern – an ihren einheitlichen schwarzen Uniformen zu erkennen, auf denen ein brustgroßes rotes R prangt.

Weltenbauerisches Fazit

Pokemon verfügt inzwischen über ein recht altes Geschichtsuniversum: Mehrere Videospiele, Mangas, Filme, eine langlebige Anime-Serie haben einen schier unüberschaubaren Kanon ergeben, in dem es das Team Rocket als einzige Konstante neben den Protagonisten bis heute zu überleben schaffte.
Dies liegt daran, dass hinter der harten Fassade, der ernsten Kampfansage und den brutalen Absichten eine Vielzahl an Fakten, Facetten und Schicksalen steckt, die sie interessant machen. Sei es das ständige Versagen und der daraus resultierende Knick des Selbstbewusstseins, die Rivalität des Trios mit anderen Teammitgliedern oder die schiere Freude, wenn einmal ein Plan wenigstens zum Teil gelingt: Team Rocket ist in seiner Konzeption alles andere als ein „Schuss in den Ofen“.

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Über fruehstuecksflocke

Tätig als Studiosus, Autor, Blogger, Leser; außerdem Zusatzqualifikationen: Zitatesammler, Schwammaufsauger von jeglicher Nichtigkeit und leidenschaftlicher Verlierer beim Schachspiel.
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2 Antworten zu Fallstudie: Schurken II – „Wir wollen über die Erde regieren…

  1. Adligerbert schreibt:

    Wow, echt toll! Ich mag Team Rocket und das was du da geschrieben hast, ist nach meinem Wissen alles Richtig und sehr interessant.
    Weiter so!

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