Fallstudie: Überwachung I – Die weiße Hexe in Narnia

Edward Snowden, PRISM, die NSA und jüngst das britische Tempora – rechtzeitig vor dem Sommerloch, das nur Fußball und Badewetter für die Medien bereithält, hat es der Überwachungsstaat noch schnell in die Schlagzeilen geschafft.

Und während alle Welt nun grübelt, wer ihre zugestellten Briefe außer dem Briefträger noch in der Hand hatte, läuten wir hier auf der Weltenschmiede eine neue Fallstudien-Serie ein, die sich mit – wie sollte es anders sein – Überwachung beschäftigt.

Den Auftakt macht heute das kleine, feine und noch relativ harmlose Regime der weißen Hexe von Narnia.

Warum wird überwacht?

In Narnia gibt es die Sage, dass eines Tages Adamssöhne und Evastöchter (also Menschen) kommen werden und die Herrschaft über das Land übernehmen werden.

Die weiße Hexe nun sieht aus wie ein Mensch – und das ist auch der Grund, weshalb sie Anspruch auf die Herrschaft über Narnia erhoben hat. In Wahrheit jedoch leitet sich ihre Abstammung nicht von Eva ab, sondern von Lilith, der ersten Frau Adams. Sie ist also keine rechtmäßige Evastochter, womit auch ihr Herrschaftsanspruch auf wackligen Beinen steht.

So fürchtet die Hexe nun nichts anderes, als dass eines Tages wirkliche Adamssöhne und Evastöchter in Narnia auftauchen und ihr ihren Herrschaftsanspruch streitig machen könnten. Deshalb überzieht sie das Land mit einer flächendeckenden Überwachung.

Wie wird überwacht?

Wir können aus der Begegnung von Lucy mit dem armen Faun Tumnus (wahrlich kein schlechter Kerl) schließen, dass die Hexe wirklich jeden Bewohner des Landes in die Überwachung eingebunden hat: Jeder ist, so wie Tumnus, dazu angehalten, nach Menschen Ausschau zu halten und sofort Meldung an die Hexe zu machen, wenn welche in Narnia auftauchen. Wer diesem Befehl nicht Folge leistet, muss mit Strafe rechnen.

Es handelt sich also um keine bezahlten Spione, vielmehr um ein gegensätzliches Bespitzeln der Landesbewohner – denn wer unrecht handelt, wird wohl von seinen Nachbarn bald angezeigt. Ein jeder hat Angst, und ein jeder würde jeden ans Messer liefern, um die eigene Haut zu retten.

Auf diesem Prinzip baut die Überwachung auf.

Die kontrollierende Instanz dahinter ist jedoch erstaunlich klein: Die Geheimpolizei der Hexe besteht aus Wölfen und gestaltet sich als kleines Rudel, quasi eine Art Elite. Sie ist direkt der Hexe selbst unterstellt, die jeden Gefangenen eigens verhört und über sein Schicksal entscheidet.

Wölfe als Rudeltiere und begnadete Jäger eignen sich natürlich bestens, um ein bewaldetes, im Schnee versunkenes Land wie Narnia zu kontrollieren: Sie sind stark, schnell, wendig und arbeiten auch im Team stets Hand in Hand. Rudeltiere eben.

Was passiert mit denen, die geschnappt werden?

Die Befürchtungen des lieben Tumnus, was die Hexe alles mit ihm anstellen wird (Hörner abschneiden, Bart stutzen, seine Hufe in Pferdehufe verwandeln, … ), zeigt, wie einfallsreich die Hexe sich gibt – möglichst grausame und gleichzeitig anschauliche Strafen schüren natürlich Angst und machen die Bevölkerung gefügig.

Aus selbigem Grund greift die Hexe bei der Bestrafung auch auf ihre Zauberkräfte zurück und versteinert ihre Gefangenen: Denn was ist eindrucksvoller und abschreckender als ein ganzer Garten voller zu Stein gewordener Dissidenten?

Nicht zuletzt hat die Hexe durch einen uralten Zauber auch das Recht, die Auslieferung von erwiesenen Verrätern zu verlangen und diese auf dem steinernen Tisch hinzurichten – ein Schicksal, das sich mit der Versteinerung wohl um den unrühmlichen ersten Platz der Grausamkeiten streitet…

So sieht es also aus im Land, in dem es immer Winter, aber niemals Weihnachten ist. Möge es in der Realität nicht so weit kommen.

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Über fruehstuecksflocke

Tätig als Studiosus, Autor, Blogger, Leser; außerdem Zusatzqualifikationen: Zitatesammler, Schwammaufsauger von jeglicher Nichtigkeit und leidenschaftlicher Verlierer beim Schachspiel.
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