Fallstudie: Überwachung II – Lord Voldemort

Betrachteten wir im ersten Teil der Serie noch das verhältnismäßig harmlose und kleine Überwachungssystem aus Narnia, so gehen wir nun im zweiten Teil der Serie in die Vollen: Im Mittelpunkt steht die magische Welt von Harry Potter – oder besser das, was die Terror-Herrschaft von Lord Voldemort daraus macht.

Warum wird überwacht?

Die einfache Antwort: Um alles und jeden zu kontrollieren.
In den letzten Bänden von Harry Potter gelingt es Lord Voldemort, das Zaubereiministerium zu unterwandern und langsam aber sicher die Kontrolle an sich zu reißen. Er errichtet ein skrupelloses Regime, in dem nur Diejenigen etwas wert sind, deren Blut rein ist. Muggel, muggelstämmige Zauberer und Hexen sowie alle Arten von – in Voldemorts Augen – niederen magischen Wesen stehen auf der Abschussliste.
Das weckt natürlich Widerstand in der Bevölkerung. Zum Einen ist da der von Albus Dumbledore gegründete Orden des Phönix, der Voldemort die Suppe versalzen will. Dann gibt es haufenweise Hexen und Zauberer, die vor dem Regime fliehen wollen. Und zu guter Letzt wäre da noch Harry Potter, der untergetaucht ist und den Voldi gerne fangen würde. Gründe genug für eine Überwachung, nicht?

Wie wird überwacht?

Voldemort hat etwas, wovon NSA und Konsorten nur träumen können: Magie. Diese ermöglicht es ihm, jegliches Gespräch mitanzuhören, aber nicht nur das: Er kann Wörter mit einem Tabu belegen. Ein solches Wort lässt dann sofort bei Voldemorts Häschern die Alarmglocken klingeln und ermöglicht eine sofortige Lokalisierung der Dissidenten.
So ergeht es zum Beispiel Harry, Ron und Hermine, als sie Voldemorts Namen aussprechen: Sofort erscheinen Greifer, um sie zu kassieren und verschwinden zu lassen.
Womit wir bei der nächsten Überwachungsinstitution sind: Die Greifer. Greifer sind Leute wie du und ich – abgesehen davon, dass sie zaubern können und Voldemort hörig sind. Sie sind eine Art magische Kopfgeldjäger. Sie tragen Steckbriefe und Listen mit den Namen der Unerwünschten mit sich und wenn sie jemanden erwischen, dann liefern sie ihn entweder den Todessern oder dem Ministerium aus.
Letzteres spielt schließlich die Schlüsselrolle der Überwachung. Das Zaubereiministerium ist fest in Voldemorts Hand – es führt Untersuchungen bezüglich des Blutstatus von Zauberern und Hexen durch, ermittelt gegen Dissidenten, macht dieses ganze Tabu-Zeugs, kontrolliert die Minderjährigen mit Hilfe der Spur (die es ermöglicht, zu überprüfen, ob sie verbotenerweise Magie ausüben), befehligt die Dementoren, verwaltet das Gefängnis von Askaban und führt selbstverständlich die Listen derer, die unerwünscht sind.
Außerdem agiert der Tagesprophet auf Weisung des Ministeriums und macht fleißig Propaganda – so findet sich Harry Potter bald auf dem Titelblatt, betitelt als „Unerwünschter Nummer 1“.

Die schlimmste Maßnahme von allen dürfte allerdings der Imperius-Fluch darstellen, nicht umsonst einer der drei verbotenen Flüche. Durch den Imperius-Fluch kann ein Zauberer die völlige Kontrolle über einen anderen erhalten. Der andere wird dann quasi ferngesteuert, hat keinen eigenen Willen mehr und muss tun, was der andere will.
Das Gemeine daran: Niemand weiß, wer unter einem Imperius-Fluch steht. Kann man dem eigenen Freund noch trauen? Ist die werte Gattin vielleicht eine unfreiwillige Spionin? Das schürt natürlich immenses Misstrauen, verhindert eventuelle Umstürze und Verschwörungen, und das Beste: Es kostet den ausspionierten Steuerzahler nicht einen Cent, denn all diese Spione wissen ja gar nicht, dass sie spionieren.

Was passiert mit denen, die geschnappt werden?

Gute Frage – so genau weiß das niemand und viele Menschen verschwinden in diesen dunklen Zeiten in der magischen Welt von Harry Potter.
Wahlweise fällt man den Todessern oder dem dunklen Lord persönlich in die Hände. Dann darf man sich auf allerlei Gräueltaten gefasst machen, von denen der Tod an sich nur die schlimmste ist – man kann auch stunden- oder tagelang gefoltert werden, als halbtote Trophäe an der Decke kleben, eingekerkert werden oder als Schlangenfutter dienen.
Wer beim Ministerium landet, der wird wohl nach Askaban überstellt und dort von den Dementoren bewacht, wenn nicht gleich die schlimmste vorgesehene Strafe folgt: Der Kuss des Dementors, bei welchem dem Sträfling seine Seele ausgesaugt wird.

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Über fruehstuecksflocke

Tätig als Studiosus, Autor, Blogger, Leser; außerdem Zusatzqualifikationen: Zitatesammler, Schwammaufsauger von jeglicher Nichtigkeit und leidenschaftlicher Verlierer beim Schachspiel.
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4 Antworten zu Fallstudie: Überwachung II – Lord Voldemort

  1. Julia schreibt:

    Eigentlich verblüffend, wie viele Überwachungsmassnahmen es da gibt! Da sie in den Büchern häppchenweise vorgestellt werden, merkt man als Leser gar nicht unbedingt, wie stark die Kontrolle ist. Davon kann jeder Diktator nur träumen!

    • fruehstuecksflocke schreibt:

      Es läppert sich tatsächlich einiges zusammen, wenn man beim Buchlesen (okay, ich hab für den Artikel mehr überflogen als gelesen) mal genau drauf achtet.
      Dass das gar nicht auffällt, ist aber ja das schlimme. Und angesichts der aktuellen Abhörskandale (Prism, Tempora etc.), die ja auch nicht wirklich auffällig waren, haben wir daher auch diese Artikel-Serie gestartet, um das Thema Überwachung mal auch in Film&Literatur zu thematisieren.

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