Tool-Tip: Knovelty

Im heutigen Tool-Tip möchte ich die Schriftsteller-Software Knovelty etwas näher vorstellen und beleuchten. Es handelt sich wohl mehr um eine Rezension, denn wirklich um einen Tipp – und sie steht schon lange auf meiner Agenda, denn die Entwickler selbst sind vor langer, langer Zeit per Mail an uns herangetreten und haben uns um einen Artikel gebeten.

Knovelty holen und kriegen

Knovelty ist – im Gegensatz zur Software, die wir auf unserem Blog sonst vorstellen – nicht Freeware oder OpenSource. Das Programm kostet mit vollem Funktionsumfang allerdings nur schlappe 10 € (zum Vergleich: Papyrus Autor kostet 169 €) – und bietet die Möglichkeit zu einer freiwilligen Spende in Form einer Preisaufstockung.
Zudem kann das Programm auch auf der Vertriebshomepage in einer 30-Tage-Testversion heruntergeladen werden. Wer nicht gern die Katze im Sack kauft, muss sich also keine Sorgen machen. Klingt fair, oder?
Etwas verunsichernd mutet dann erstmals die Verlesung der AGB vor, wenn man sich die Testversion holen will. Der erste Absatz beschäftigt sich dann auch gleich mit der Haftung für eventuelle Schäden durch Nutzung der Software, stellt klar, dass die Entwickler selbst nicht belangbar sind, sondern nur die von ihnen für den Vertrieb gegründete Firma … man fragt sich, wozu so viel Rechtsbelehrung bei einer Testversion? Seltsame Blüten, die das deutsche Recht im Neuland Internet treibt…
Für Schäden gibt es übrigens auch nur freiwilligen Support, keine Supportpflicht.
Und das Verbreiten von Teilen der Software ist natürlich streng verboten – weshalb es hier auch keine Screenshots geben wird.
Der Download selbst ist dann mit 2,86 MB sogar mit dem Vorzeitinternet ländlicher Gegenden rasch erledigt.
Ach ja, ehe ich es vergesse – Java braucht man für Knovelty auch noch, Version 6 oder höher. Einzige Hürde hier: Sich von Oracle nicht zu viel unerwünschte Toolbars andrehen lassen.

Das Programm selbst

Die Optik des Programms wirkt sehr modern: Alles in dunklem Grau mit gelber Schrift, Icons für alles. Beschriftete Schaltflächen sucht man zunächst vergebens – und klickt sich so orientierungslos erst mal durch. Die Icons erweisen sich dann aber eigentlich als ziemlich intuitiv und viel falsch machen kann man nicht.
Auf dem Startbildschirm kann man sofort ein neues Projekt erstellen oder ein bestehendes öffnen und wird dann in die Szenenübersicht weitergeleitet. Dort kann man Kapitel erstellen, diesen Szenen zu ordnen und die Szenen mit Text füllen – da lag zunächst der Hase im Pfeffer. Ich hatte bereits ein Schreibprojekt in einem OpenOffice-Dokument, das ich mit Knovelty reorganisieren und weiterführen wollte. Einfach den Text markieren, kopieren und in Knovelty einfügen? Fehlanzeige, ging nicht. Erster Bug in nur 10 Minuten entdeckt. Fast rekordverdächtig, zumal es sich doch – möchte man meinen – um eine Kernfunktion der Textverarbeitung handelt.

Ist erst eine Szene erstellt, kann man ihr verschiedene Informationen zuordnen – Orte, Personen, Gegenstände, den Überarbeitungsstatus, kurz: Angaben, wie wir sie vom yWriter schon kennen.
Aber: Das Hinzufügen dieser Informationen scheitert in der Übersicht. Zwar kann man eine Figur z.B. „Hans Zimmermann“ nennen, aber speichern ließ sie sich in meinem Softwaretest nicht. Nur umständlich über die andere Ansicht „Hintergrundinformationen“ konnte ich Objekte und Personen anlegen, dann erneut in die Szenenansicht wechseln und sie dann erst hinzufügen. Ausgereift wirkt das nicht, auch wenn ich dazu neigen täte, hier das Versagen auf Seiten des Rezensionsautors zu suchen. Außerdem wäre anzumerken, dass der Umfang der Detailinformationen weit hinter dem zurücksteht, was beim yWriter möglich ist – was verwundert, angesichts dessen, dass sich mehrere FAQ-Einträge auf der Homepage dem Umstieg vom yWriter auf Knovelty widmen und man sich damit eindeutig als yWriter-Alternative präsentiert.

Ein noch zu erwähnendes Feature wäre eine Textanalyse, die den eingegebenen Text auf Füllwörter und Konsorten untersucht und mit grafischen Unterlegungen dem Autoren sein Verbesserungspotential zeigt – da ich aber von solcher Textanalyse generell nichts halte, gehe ich hier auch nicht weiter darauf ein.

Fazit

Knovelty präsentiert sich als yWriter-Alternative, bleibt aber zumindest meiner Meinung nach weit hinter ihm zurück. Das Programm glänzt zuweilen mit eigenartigen Kinderkrankheiten wie einer fehlerhaften Copy-Paste-Funktion und hat ein zumindest meinem subjektiven Empfinden nach fast schon zu modernes Design (seltsamer Kritikpunkt, ich weiß).
10 € sind nicht die Welt und natürlich ist aller Anfang schwer – für die kurze Entwicklungszeit muss man den Entwicklern zu gute halten, dass sie bereits Ordentliches geleistet haben und wohl noch viel Ordentliches leisten werden. Potential ist vorhanden und man darf gespannt sein – ich würde jedoch aktuell keine Kaufempfehlung aussprechen. Der yWriter ist aktuell die sicherere und stabilere Alternative.

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Über fruehstuecksflocke

Tätig als Studiosus, Autor, Blogger, Leser; außerdem Zusatzqualifikationen: Zitatesammler, Schwammaufsauger von jeglicher Nichtigkeit und leidenschaftlicher Verlierer beim Schachspiel.
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4 Antworten zu Tool-Tip: Knovelty

  1. Alice Högner schreibt:

    Hallo ihr zwei, ich habe euch getaggt um ein paar Fragen über euch und das Schreiben zu beantworten. Viel Spaß :)

    http://allystone.wordpress.com/2013/07/23/das-frage-antwort-spiel/

    Alice

  2. Pingback: 200 Posts – ein kleiner Rückblick | Weltenschmiede

  3. Michael Lennartz schreibt:

    Java als Grundlage ist für mich ein „Geht gar nicht“. Ganz im Gegenteil – ich erwarte eher eine portable Version.

    Michael

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