Weltenbauartikel: Ein glaubhafter Superheld

Schon die Eltern der Blogautoren wurden von Geschichten unterhalten, in denen Männer und Frauen mit besonderen Kräften es sich zur Aufgabe machten, die Welt zu retten.
Noch heute locken Spiderman und Co. unzählige Zuschauer aller Altersgruppen an – und inspirieren vermutlich den einen oder anderen Hobbyschreiber zu eigenen Kreationen.
Doch auch wenn die Gedanken frei sind, dürfen glaubwürdige Superhelden keine eierlegenden Wollmilchsäue sein. Wie aber rüstet man einen Helden aus, ohne ihn hoffnungslos zu überpowern?

Wo kommt er her? Wie kam er ein?

Nicht umsonst fragt sich der kaiserliche Hofstaat, wo Mephisto herkommt und was ihn zum perfekten Hofnarren des Kaisers macht, denn er kommt aus dem Nichts und kann alles.
Mit der riesigen Auswahl an Comics, Büchern und Filmen in Verbindung mit dem allgemeinen Leserwunsch nach Hintergründen werden Figuren bei Lesern unbeliebter, die keinen Hintergrund und/oder keine plausible Erklärung für ihre Kräfte aufweisen.
Wer also einen Superhelden schaffen will, muss definieren, wo er herkommt, was er kann und wieso. (Das Gleiche gilt übrigens auch für Heldinnen – der Einfachheit halber steht hier das generische Maskulinum.)

Grob gesagt gibt es zwei grundsätzliche Optionen – entweder stammt der Held von der Erde oder aus einem beliebigen (möglicherweise fiktiven) anderen Ort – was alle Möglichkeiten von „Parallelerde“ über „fremder Planet in Galaxie X“ bis hin zum fiktiven Ort „Hermannstadt“ umfassen könnte.

Je nachdem, wofür man sich entscheidet, müssen die Kräfte anders eingegrenzt werden.
Stammt der Superheld von der Erde, dann stellt sich die Frage, ob die Superkräfte sich aus einer angeborenen – wie bei den X-Men – oder einer erworbenen Mutation – wie bei Spiderman – herrühren. In beiden Fällen muss zumindest der Erfinder grob biologisch begründen können, dass aus der Mutation die Superkräfte in der Art entspringen, wie sie in der Geschichte beschrieben werden.
Wie immer gilt: Es muss nicht wahr sein, solange es plausibel ist.

Kommt der Superheld dagegen aus einer anderen Galaxie, einer Parallelwelt etc., so stellen sich andere Fragen: Wieso ging der Superheld von dort weg? Waren seine Kräfte dort einzigartig oder hatten alle sowas?
Wenn sie einzigartig waren: Wo hatte er sie her? Wenn nicht, dann skizziere man grob die Welt, in der er lebte, um „Superkräfte für alle“ plausibel zu machen ;-).

Weniger ist mehr

Was in den Achtzigern und Anfang der Neunziger bei „Dragonball“ und „Dragonball Z“ funktionierte, hat heutzutage einen eher nostlagischen Reiz als eine Vorbildfunktion für die Heldenschöpfer von heute.
Ein Superheld, der in fünf Minuten dreißig mal um die Erde läuft, mit einem Feuerball ganze Planeten sprengt und dazu ein perfekter, immer von den Toten auferstehender Vater ist… ist overpowered, neigt zur Mary Sue und kann nur durch noch overpowertere Gegner noch in einen spannenden Kampf verwickelt werden.

Da sind Helden mit menschlichen Problemen und einer kleinen, aber gut abgestimmten Fähigkeitenpalette einfach interessanter – denn die Möglichkeit, dass sie doch noch scheitern, macht Kämpfe spannender. Man lernt ungefähr das Ausmaß der Kräfte, ahnt, was der Held schaffen kann – oder was nicht.
Wenn so ein „runder“ Superheld seine letzten Reserven mobilisiert, um jemanden zu retten, ist das viel spannender, als Upgrade 400 vom perfekten Helden.

Abschluss

Um einem eventuellen Flamewar gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen: Niemand hat hier wirklich etwas gegen Dragonball. Es ist eine sehr erfolgreiche Serie und man kann beim Schauen viel Spaß haben.

Allerdings ist nicht alles, was unterhaltsam ist, auch wirklich nachahmenswert – Dragonball funktionierte durch eine Mischung aus durchgeknallten Charakteren, teilweise absurd witzigen Dialogen und Figuren, die samt und sonders overpowered waren. Doch es ist kein Konzept, das ein zweites Mal oder in unserer Zeit funktionieren würde – Dragonball als Phänomen kann es nur einmal geben.

Wer dagegen heutzutage einen Superhelden erschaffen will, kommt nicht drumherum, ihm mehr als nur überdurchschnittliche Muskeln zu verschaffen – sofern Kraft überhaupt die Superkraft sein soll.

 

Advertisements

Über Evanesca Feuerblut

Lektorin, Alphaleserin, Forumsadministratorin, Entdeckerin, Trilogie-in-X-Bänden-Autorin, Chara-Dichterin, Neologistin, Polyglotin... und ein Fan kurioser Worte.
Dieser Beitrag wurde unter Weltenbau-Artikel abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Weltenbauartikel: Ein glaubhafter Superheld

  1. Tony schreibt:

    Hi Evanesca,

    genau mein Artikel! Habe ihn mir schon abgespeichert und werde ihn demnächst auf meiner Facebook Pinnwand teilen. :)

    Dragonball ist wahrscheinlich wirklich ein einmaliges Phänomen und begleitet mich schon mehr als mein halbes Leben. Gibt kaum eine gezeichnete Serie, die ich einfach immer wieder sehen kann. Ich kann noch nicht mal wirklich sagen, woran das liegt?! Heute fallen natürlich viele Sachen auf, die man damals einfach übersehen hat. Gerade Dragonball Z besteht ja zur hälfte nur aus Fillerteilen.

    Heutige Superhelden brauchen einfach auch eine Schwäche. Diese muss nicht mal sonderlich offensichtlich sein, aber dennoch vorhanden. Über diese Schwäche kann man sich viel einfach mir dem Helden identifizieren und eine Beziehung aufbauen.

    Beste Grüße
    Tony

    • Evanesca Feuerblut schreibt:

      Hallo Tony,
      Das freut das Artikelschreiberherz! :D
      Stimmt, Dragonball ist, was das angeht, einzigartig – und Trashfaktor hin- oder her, wenn es läuft, wird es immer wieder eingeschaltet.
      Nun soll mit „Dragonball Super“ das Franchise ja weitergehen, bin gespannt ob und wann die Serie auch auf Deutsch laufen wird und ob das Superhedenverständnis das Alte bleibt.

      So ist es – ich glaube, heutzutage braucht man einfach Superhelden zum „Anfassen“ – die genauso sind wie wir, außer dass sie halt noch Superkräfte haben.
      Zeiten ändern sich – und mit den Zeiten auch die Helden. (Da fällt mir ein, ich sollte mal den russischen Klassiker „Ein Held unserer Zeit“ lesen, vermutlich geht das auch in diese Richtung, nur ohne Superkräfte).

      LG,
      Evanesca

Hat dieser Artikel dir geholfen? Hast du eine Anregung oder eine weiterführende Frage?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s