Fallstudie: Schurken IV – Cole Turner aus Charmed

Cole „Balthasar“ Turner ist der langlebigste Antagonist in der Fernsehserie „Charmed“ und wohl einer der wandlungsreichsten Schurken, den die Fernsehlandschaft der 90er Jahre je ausgespieen hat. Im Laufe der Serie durchläuft kein anderer Charakter eine solche Wandlung – sowohl was Gestalt, Kräfte und Motive angeht.
Zeit, ihn in unserer Schurken-Serie etwas genauer zu beleuchten.

Der Weg zum Bösen

Anders als bei Lord Voldemort oder Big Smoke gibt es bei Cole keinen direkten Weg zum Bösen – mehr einen Trampfelpfad voller in die Irre führender Abkürzungen und Umwege.
Geboren im Jahre 1885 als Kind eines Menschen und einer Dämonin war Cole der Zwiespalt zwischen Gut und Böse bereits in die Kinderwiege gelegt. Als Coles sterblicher Vater die wahre Gestalt seiner Mutter entdeckte, versuchte er, mit Cole vor ihr zu fliehen – und wurde deswegen von ihr getötet. Seine Mutter erzog Cole dann zum perfekten Dämonen und mahnte ihn stets, seine schwächliche menschliche Seite zu verachten und zu unterdrücken.
Die Quelle des Bösen (so lautet die amtliche Bezeichnung für den obersten aller Dämonen) selbst nahm sich bald Coles Schicksal an – er wurde in die Menschenwelt geschickt, studierte Rechtswissenschaften und praktizierte als Staatsanwalt unter dem Namen Cole Turner. So gelang es Cole, viele dämonische Verbrechen vor Menschen und Hexen zu vertuschen. Sein Ansehen wuchs, seine Macht nahm zu und bald wurde er Mitglied in einer Bruderschaft hochrangiger Dämonen. Sein Ruf als erfolgreicher Assassine war weit bekannt, der Name Balthasar, den er in der Unterwelt trug, allseits gefürchtet.
Schließlich heuerte ihn die Triade an, die mächtigsten Hexen aller Zeiten zu töten – die Mächtigen Drei.
Damit endete Coles geradliniger Aufstieg – er verliebte sich in die jüngste der Hexen, Phoebe, seine menschliche Seite gewann die Oberhand und er sah sich außer Stande, sie zu töten. Balthasar wechselte die Seiten, kämpfte ab sofort mit den Hexen gemeinsam für das Gute und gegen das Böse. Die Folge: Kopfgeldjäger, alte Rivalen, junge Heißsporne, die sich einen Namen machen wollten – jeder wollte dem Verräter ans Leder. Nicht zuletzt auch die Hinterbliebenen seiner ehemaligen Opfer. Eines Tages gelingt es einer fremden Hexe, Coles dämonische Seite zu vernichten. Nun nur noch ein Mensch, wird er für alle uninteressant. Cole sieht sich außer Stande, noch irgendetwas zu tun, um Phoebe zu helfen und sie zu schützen, fühlt sich schwach, unnütz – und ist so der ideale Wirt für die Seele der Quelle des Bösen, als diese ihren Körper verlassen muss, weil die Mächtigen Drei sie vernichten. Ein neuer Streit entbrennt in Cole: Seine Liebe gegen die Quelle des Bösen. Cole wird zur neuen Quelle, trachtet aber nicht nur nach Bösem, sondern auch nach Phoebe.
Als Phoebe erkennt, was aus ihm wurde, reicht sie die Scheidung ein – als er noch gut war, hatten sie geheiratet.
Wahnsinn packt Cole, er versucht sich umzubringen – ist aber inzwischen längst zu mächtig, als dass er es könnte. Auch die Mächtigen Drei können ihn nicht vernichten. Immer wieder sehen sie sich seinen Angriffen ausgesetzt. Dabei würde Cole Phoebe nie töten – er will nur ihre Liebe wieder und versucht oft, sie auf die böse Seite zu ziehen. Schließlich verändert er sogar die gesamte Realität und schafft ein Utopia, in dem Phoebe von Vornherein böse ist und mit ihm über die Unterwelt herrscht – dafür muss er aber einen guten Teil seiner Macht opfern und kann so endlich vernichtet werden. Cole landet daraufhin in einer Art Zwischenwelt zwischen Diesseits und Jenseits – und ist gezwungen, auf ewig als eine Art Geist alles mitanzusehen. Schließlich zeigt er Reue und wacht über Phoebe.

Seine Ziele und Absichten

Coles primäres Ziel als Dämon dürfte es zunächst gewesen sein, die ultimative Macht zu erlangen, die Karriereleiter des Bösen zu erklimmen und irgendwann Quelle zu werden. All das ändert sich, als er auf Phoebe trifft – der Mensch in Cole regt sich und sein neues Ziel ist das Zusammenleben mit ihr. Er kehrt der dunklen Seite den Rücken, kämpft für das Gute und kümmert sich um Phoebe. Sein Ziel scheint erreicht – bis seine dämonische Seite vernichtet wird.
Daraufhin findet sich Cole in einer Rolle wieder, die ihm ganz und gar nicht behagt – er ist schwach und sterblich, während Phoebe weiterhin Kräfte hat und Dämonen jagt. Er will sie beschützen, kann es aber nicht – stattdessen muss er von ihr beschützt werden. Mehrmals kann er dem Tod nur knapp entkommen.
Cole fühlt sich nutzlos und sehnt sich nach seiner alten Macht zurück. Kein Wunder, er war auch über 100 Jahre lang ein Dämon, einen machtlosen Zustand kennt er nicht. Die Kräfte der Quelle kommen ihm so gerade recht – Cole hat wieder Macht, kann Phoebe schützen, wagt es aber nicht, es ihr zu erzählen. Zu groß ist seine Furcht davor, dass Phoebe ihm nicht zutraut, die Quelle zu beherrschen und darauf besteht, dass ihm diese Kräfte wieder genommen werden.
Fatal daran: Phoebe hätte eigentlich recht und Cole entgleitet zusehends die Kontrolle, sodass er sich bald auf der anderen Seite wiederfindet. Schließlich wird er enttarnt, Phoebe hält ihn für endgültige Böse, das Glück ist zerstört. Zwar kann Cole die Quelle schließlich meistern und trachtet wieder danach, Phoebe zurückzugewinnen, doch diese Tür ist ein für alle mal zu. Was bleibt, ist Wahnsinn, Wahnvorstellungen und an all dem Schuld ist nicht Hass, sondern endlose Liebe. Es ist der Wunsch, seine Familie zu beschützen und die, die er liebt, die Cole erneut auf die Seite des Bösen getrieben haben. Solange er ein Dämon ist, kann er nicht mehr zurück.
Erst nach seiner Vernichtung kann er geläutert werden und wahre Reue zeigen – und noch aus dem Jenseits heraus reicht sein Arm weit genug, um über Phoebe zu wachen, wie sich in den späteren Staffeln der Serie immer wieder zeigt.

Kräfte

Coles Kräfte sind schon zu Beginn enorm – er kann Energiekugeln schleudern, sich selbst und auch Gegenstände teleportieren, Gegenstände mit Telekinese bewegen, Gegenstände und Menschen einfach in Flammen setzen, seine Gestalt verwandeln … all das verliert er, als Balthasar, seine dämonische Seite, vernichtet wird. Und all das und viel mehr gewinnt er zurück, als er die Quelle in sich aufnimmt.
Schließlich kann Cole sogar die Realität selbst verändern und eine neue Welt schaffen…

Seine dunklen Organisationen

Cole ist im Laufe der Zeit bei allerlei bösen Buben mit von der Partie. Er dient in einer Bruderschaft von Auftragsmördern, die der Quelle selbst direkt unterstellt ist, arbeitet für die Triade – ein Zusammenschluss dreier sehr mächtiger Dämonen – und steigt schließlich selbst zur Quelle des Bösen auf, ist also der oberste Bösewicht aller Bösewichte.
Bevor das geschieht, arbeitet er als Informant für die Mächtigen Drei, jagt mit ihnen Dämonen und vernichtet in Eigenregie eine Vielzahl dunkler Gestalten.
Nach seinem Fall als Quelle des Bösen ist er eine Art freischaffender Dämon – er paktiert mit allem und jedem, nur um Phoebe zurückzugewinnen.
Schließlich tritt er sogar bei den Avataren ein – ein Geheimbund, der neutral ist und sich sowohl aus Guten, als auch Bösen zusammensetzt. Deren erklärtes Ziel ist es, die Welt zu verändern und den ewigen Krieg zu beenden.

Weltenbauerisches Fazit

Cole zeigt einmal mehr, dass es gute Gründe gibt, weshalb der Rat der Jedi ihren Jedirittern die Liebe untersagt hat: Eigentlich hat Cole nur die besten Absichten, lediglich die von ihm gewählten Mittel sind seinem Zweck nicht wirklich dienlich. Auf der Suche nach dem ewigen Glück gerät er immer mehr auf die schiefe Bahn und findet keinen Weg zurück.

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Über fruehstuecksflocke

Tätig als Studiosus, Autor, Blogger, Leser; außerdem Zusatzqualifikationen: Zitatesammler, Schwammaufsauger von jeglicher Nichtigkeit und leidenschaftlicher Verlierer beim Schachspiel.
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5 Antworten zu Fallstudie: Schurken IV – Cole Turner aus Charmed

  1. Julia schreibt:

    Ach ja, Cole Turner… Ich mochte ihn ja, weil er mit seiner inneren Zerrissenheit ein spannender Charakter war. Allerdings habe ich Charmed etwa in der Mitte der vierten Staffel aufgegeben. Irgendwie wurde mir die Geschichte zu wirr, zudem war Paige ein zu blasser Ersatz für die kämpferische bissige Prue…

    LG, Julia

    • fruehstuecksflocke schreibt:

      Charmed ist ein gutes Beispiel für eine Serie, die sich selbst überlebt hat. Ich fand die Serie nach dem Endgültigen Verschwinden von Cole nicht mehr wirklich sehenswert….und sie hat auch davor schon manchmal sehr geschwächelt (z.B. als Cole wahnsinnig wird oder er die Realität verändert – das ging für mich dann doch etwas zu weit).
      Ich fand Paige auch kein gelungener Prue-Ersatz – eine neue Hexe, die eingeschult werden muss, haufenweise Quatsch macht (sich die Brüste magisch vergrößert z.B.), das lief doch alles etwas zu sehr in eine gezwungen-komisch wirkende Richtung und hat für mich den Charme der Serie etwas zerbröselt.

      Aber die ersten drei, vier Staffeln waren Klasse. An die denk ich gern zurück (und wie die Serie wirklich geendet hat – wobei, Ende kann man diesen Mist nicht nennen – das verdräng ich einfach ;) )

  2. SamiraJessica schreibt:

    Wenn man vom Teufel spricht!
    Cole Turner alias Balthasar, endlich lerne ich auch ihn näher kennen!
    Ein paar Wendungen, die hier genannt werden kenne ich aus eben den Folgen, die ich bisher nur zufällig gesehen habe. ^^

    Ich bin noch ein wenig geflasht von dem, wie ich finde tollen Charakter Cole Turnen und seiner Geschichte, den zerreißenden innernen Konflikten und den Konsequencen. Das alles nur, weil seine Mutter ihre wahre Identität geheim hielt … Wahnsinn!

    Den Artikel finde ich einfach nur grandios und sehr umfassend, detailliert beschrieben, so lernt man Cole’s ganzes Wesen (das im Grunde durch seine Liebe zu Prue doch irgendwie ständig gut ist… Ihr wisst was ich meine, hoffe ich. Er ist nicht so abgrundtief Böse, wie er scheint!) und Geschichte kennen, ohne die Serie zu Ende geschaut zu haben …

    • fruehstuecksflocke schreibt:

      Nein, Cole ist alles andere als abgrundtief böse. Eigentlich will er nur das Beste – nur die Wahl seiner Mittel ist nicht gerade die Klügste.
      Vermutlich wäre alles gut gegangen, wenn seine dämonische Seite nicht vernichtet worden wäre. Wäre Cole für immer an Phoebes Seite als Halbmensch/Halbdämon geblieben, hätte sich wohl nicht viel verändert. Aber die Machtlosigkeit, die Versagensgefühle und dann der Rausch voll neuer Macht, das hat ihn die Kontrolle (und damit Phoebe) verlieren lassen. Erst da gerät er eigentlich wieder auf die schiefe Bahn.

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