Fallstudie: Pokémon-Geister?

Nicht nur außerplanmäßig, sondern auch etwas am Thema vorbei, das könnte man meinem Artikel wohl nachsagen, den ich jetzt ganz frech im Nachhinein in die von Evanesca organisierte Blogtour einschleuse. (An dieser Stelle: Sorry, Eva – und vielen, vielen Dank für die große Mühe und die wahnsinnig tolle Blogtour, die du uns beschert hast!)

Kinder der 90er kennen es, auch heutige Kinder kommen – allerdings mit besserer Technik und teureren Geräten ;) – inzwischen in den Genuss der 150/251/niemand weiß mehr wie vielen Pokémon, die sich auf 15 verschiedene Typen wie Pflanze, Feuer, Wasser etc. verteilen. 15? Weit gefehlt, denn den (noch nicht) exponentiellen Anstieg der Pokémon-Zahl machten auch die Typen mit und so kamen viele neue, undurchschaubare hinzu.
Der, der uns interessiert, ist jedoch seit Anbeginn der Pokémon-Ära dabei:

Pokémon-Typ: Geist

Angesichts der Anleihen, die die Welt der kleinen japanischen Videospielhelden immer wieder an der Realität macht – so sind etwa die meisten Pokémon tatsächlich existierenden Tieren nachgebildet oder orientieren sich zumindest grob an legendären Monstern und Viechern aus Mythologie und Sagenschatz – ist es beinahe schon verwunderlich, dass es sie gibt: Die Geist-Pokémon. Denn Geister sind schon in unserer Realität etwas höchst zweifelhaftes, oft umstrittenes und – obwohl oft behauptet – nie bewiesenes.
Bei Pokémon hält man sich damit aber nicht lange auf: Geister werden – auch dank der „Pokémon-Wissenschaft“, deren führender Kopf wohl Prof. Eich mit seinem Pokédex ist – ganz offiziell behandelt. Es gibt sie, man weiß es und man weiß sogar, wie man ihrer Herr wird (Psycho-Pokémons beispielsweise sind der Geisterkiller schlechthin…).
Dadurch, dass Geister offiziell Pokémon sind, werden sie quasi den Tieren an sich gleichgestellt, den „normalen“ Pokémon. Seit der 2. Generation der Pokémon-Spiele kann man Pokémon auch züchten, also Weiblein und Männlein verbandeln, ein Ei erhalten und dieses ausbrüten.
Wir gelangen also zur Erkenntnis: Geister sind eine Art von Tier, die aus Eiern schlüpfen, aufgezogen werden müssen und die auch die selben Entwicklungsstadien wie jedes andere Geschöpf durchlaufen: Anfangs können sie nichts, durch Training werden sie stärker und lernen neue Tricks (sind ja noch junge Geister, keine alten Hunde ;) ).

Dennoch haftet den Geist-Pokémon auch ein bisschen Geister-Klischee an: Wie ein echter Geist können sie (wie uns nicht das Spiel, aber die erste Generation der Anime-Serie zeigt) durch Wände schweben, ulkig die Gestalt wechseln, Gegenstände durch die Gegend schweben lassen und (dies findet sich nun auch wieder im Spiel) es ist natürlich nicht möglich, einem Geist-Pokémon eine zu scheuern, im Gegenteil: Wer einen Geist haut, haut logischerweise durch ihn durch.

Also sind Geiter in der Poké-Welt normale Lebewesen mit speziellen Fähigkeiten und wirklich gruselige Geister gibt es nicht, oder?

Doch, es gibt sie

In der ersten Generation der Pokémon-Spiele, ergo in den Editionen Rot, Blau und Gelb, findet sich ein waschechter Geist – im Pokémon-Turm, einer Art riesigen Friedhofs im Parkgaragen-Style, spukt es tatsächlich. Und dort treiben sich nicht nur die ersten drei Geist-Pokémon Nebulak, Alpollo und Gengar rum – denn die wären für einen echten Trainer ohne Furcht und Tadel ja kein Problem – sondern auch ein waschechter Geist, der gar nicht identifiziert werden kann (und deshalb den gegen ihn antretenden Pokémon einen solchen Schauer über den Rücken jagt, dass sie glatt des Kampfes unfähig sind).
Bei diesem wahren Schreckgespenst handelt es sich um die Mutter eines kleinen Tragosso, das vom bösen Team Rocket zu Tode gehetzt wurde. Die werte Mutter aber, deren Kind dadurch den Fängen der bösen Buben ausgesetzt ist, findet im Grab keine Ruhe und kehrt als Geist zur Erde zurück, wo es den Pokémon-Turm unsicher macht.
Interessant hierbei ist nicht nur, dass die Mutter erst Ruhe findet, wenn der Spieler ihr in einem fairen Pokémon-Kampf eins auf die Mütze gibt (Gewalt also tatsächlich die Lösung ist), sondern dass die Mutter, wenn sie durch das Silph Scope (eine Art Brille, mit der man Geister enttarnen kann) erkannt und als Knogga erkannt wurde, plötzlich nicht mehr gegen alle normalen Attacken immun ist. Man kann also dem Geister-Knogga ein paar saftige Prügel verpassen und dabei tatsächlich treffen.
Bei den herkömmlichen Geist-Pokémon geht das aber nicht.

Vor wem soll jetzt aber der Trainer mehr Angst haben? Vor den ganz normalen Geistern, die man züchten und aufziehen kann, die aus Eiern schlüpfen und damit eigentlich nie gestorben oder aus dem Jenseits zurückgekehrt sind – also ganz harmlose normale Pokémon halt, deren einzige Abnormität die ist, dass sie durch Wände schweben und gegen physische Angriffe unempfindlich sind?
Oder vor den ohne Brille unidentifizierbaren, einstmals wirklich toten Geistern, die man aber mit einer gehörigen Ohrfeige schnell wieder ruhig stellen kann?

Mich deucht, das Konzept der Geister haben sich die Pokémon-Macher nicht sonderlich lang überlegt…

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Über fruehstuecksflocke

Tätig als Studiosus, Autor, Blogger, Leser; außerdem Zusatzqualifikationen: Zitatesammler, Schwammaufsauger von jeglicher Nichtigkeit und leidenschaftlicher Verlierer beim Schachspiel.
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6 Antworten zu Fallstudie: Pokémon-Geister?

  1. Chronojin schreibt:

    Das Konzept der Geister wurde einfach nicht richtig weiterverfolgt. In der ersten Generation war das noch ganz anders: Da es keine Zucht gab wurden Geister zu aller erst nicht aus Eiern geboren. Es gab ohnehin nur 3 Geister: Gengar und seine Vorentwicklungen.
    Wenn man diese genau betrachtet, dann fallen einige Dinge an ihnen auf: Es startet als Seele und nimmt mit jeder Entwicklung immer mehr die Form des ursprünglichen Hauptpokemons des Spiels ein: Pixi – das später von Pikachu abgelöst wurde. Gengar war tatsächlich als ein echter Geist angedacht und nicht als das, was später damit gemacht wurde.
    Die Sache mit Knogga im selben Spiel ist natürlich etwas unlogisch, aber auch hier sollte es um einen echten Geist gehen – da man so etwas aber nur ein einziges Mal im Spiel sehen konnte wurde einfach ein normales Knogga mit normalen Typ genutzt um nicht unnötig viel ändern zu müssen.
    Jedenfalls, die nächsten Generationen wurden dann kinderfreundlicher und es wurde nicht mehr angedeutet, dass Pokemon sterben – auch wenn jede Generation einen Friedhof besitzt, aber schlimmer als Geister war ohnehin die Verbindung zwischen Mew, dem Klon Mewtwo und den fehlgeschlagenen formlosen Klonen Ditto, die als einzige Pokemon neben Mew Wandler beherschten.

    • fruehstuecksflocke schreibt:

      Auch wenn man die späteren Generationen außer Acht lässt, bleiben an den Geistern der ersten Generation noch einige Ungereimtheiten.
      Beispielsweise bleibt die Frage, wieso man Geister fangen kann – wenn sie beispielsweise immun gegen Normal- und Kampfattacken, ergo auch gegen Berührungne jeglicher Art, sind, dann dürfte auch ein Pokeball ihnen nichts anhaben können.

      Dass Gengar als dunkles Gegenstück zu Pixi fungieren sollte, wusste ich nicht – danke für die Info. Pixi als Fee und optisch als Lichtwesen konzipiert passt natürlich sehr gut zum dunklen, grusligen Schatten, den Gengar verkörpert.

      Das Knogga ist ja auch noch weiter in die Story eingebunden – Mr. Fuji erzählt davon und ist extra in den Turm gegangen, um Tragossos Mutter zu beruhigen (angesichts dessen frage ich mich, weshalb man das Silph Scope braucht, wenn eigentlich anderen Leuten bereits klar ist, wessen Geist da spukt…)
      Dass seine Eigenschaften dem eines normalen Knoggas entsprechen, um weniger Aufwand zu haben, macht aber Sinn.

      Danke für deinen tollen Kommentar – habe mal wieder was gelernt :)

  2. PoiSonPaiNter schreibt:

    Ich habe neulich eine Fan-Theorie gelesen, dass Nebulak der Geist eines Muschas ist, dass einem Flegmon zur Weiterentwicklung zu Lahmus geholfen hat. Die Theorie beruht darauf, dass Austos ähnliche Augenschlitze hat wie Nebulak und im Pokedex steht, dass noch niemand dessen Innenleben gesehen hat…

    Generell sind einige Pokémon Konzepte etwas merkwürdig, zumindest wenn man wie ich nur mit den ersten beiden Generationen zu tun hatte…

    • fruehstuecksflocke schreibt:

      Ich hatte Lahmus immer als eine Art Symbiose zwischen Muschas und Flegmon gesehen, mir also gedacht, dass sind zwei Pokemon, die sich zusammentun, um gemeinsam stärker zu werden.

      Das einzige, was diesen Gedanken dann ad absurdum geführt hat, war, als sie Laschoking einführten – da ist die Muschel nämlich eindeutig tot und das Flegmon trägt sie als Hut…

      • PoiSonPaiNter schreibt:

        Ich irgenwie auch, vor allem, weil du ja da glaube noch die Augen gesehen hast…

        Seit neustem gibt es ja auch die Mega-Evolution von Lahmus/Laschoking, wo es fast komplett vom Muschas verschluckt wird…

        Es ist einfach ein sehr merkwürdiges Pokémon…

      • fruehstuecksflocke schreibt:

        Irgendwie musste nach so vielen neuen Pokemon einmal der Punkt erreicht werden, wo vieles nicht mehr zueinander stimmte – ich finde, dass auch viele der neuen Pokemon völlig anders aussehen als die ersten 150 und es einfach nicht mehr stimmig ist…

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