Fallstudie: Das Lehrerdasein bei Harry Potter

Es steht nicht gut um das Bildungssystem der Realität: Während PISA und andere Studien Jahr für Jahr dem Bildungsbereich Ineffizienz und Versagen vorwerfen, schauen die Politiker aller Herren Länder neidisch nach Finnland – denn nur dort scheint es zu funktionieren – und zerlegen ihren eigenen Bildungssektor derweil eifrigst auf der Suche nach Einsparungs- statt Verbesserungspotential.

In den letzten Jahren hat aber eine (fiktive) Schule Schlagzeilen gemacht. Schüler und Lehrer waren beliebt bei Alt und Jung und Millionen waren betrübt, als der Direktor verstarb. Die Rede ist natürlich von Hogwarts, der Schule für Hexerei und Zauberei. Nachfolgend drei Gründe, weshalb Schule und Lehrerdasein dort funktioniert:

1. Arbeitsplatz des Lehrers

Wer kennt sie nicht, die überfüllten, lauten Lehrerzimmer, in denen man kaum sein eigenes Wort versteht und sich gegenseitig auf die Füße tritt? Die Lehrer von Hogwarts! In der Schule für Hexerei und Zauberei hat jeder Lehrer ein eigenes Büro, in dem er korrigieren, Stunden vorbereiten und Sprechstunden abhalten kann. Ein Hogwarts-Lehrer muss also nicht erst nach der Schule heim fahren, um dort in einem eigens dafür selbst eingerichteten Büro bis in die späten Abendstunden noch zu schuften. Und das Konferenzzimmer dient nur dafür, wofür es wirklich vorgesehen ist: Für Konferenzen.
Weiters verfügt auch jeder Lehrer hier über sein eigenes Klassenzimmer, in dem er, was er für seine Stunde benötigt, bereits zuvor vorbereiten kann. Und, so nebenbei, gehört das Hetzen von Klasse zu Klasse so auch der Vergangenheit an (und abgehetzte Lehrer, die fast immer zu spät kommen, sieht man nicht mehr).

2. Akzeptanz des Lehrberufs in der Gesellschaft

Im Gegensatz zu gewissen östlichen Reichen ist der Beruf des Lehrers in der Welt von Harry Potter noch etwas wert. Ob dies daran liegt, dass jeder erwachsene Zauberer in Großbritannien einst auch zur Schule ging? Schwerlich, hat dies doch auch in der Realität keinen großartigen Einfluss.
Nichtsdestotrotz achtet die Gesellschaft sehr darauf, wer den ehrwürdigen Beruf des Lehrers ausübt und in wessen Hand die doch so wichtige Erziehung und Ausbildung der nächsten Generation liegt. Nur die Besten der Besten können Lehrer werden, denn mit dem angesehenen Beruf geht viel Verantwortung einher – so reagiert die Gesellschaft dann auch recht unwillig über „Amtsbeschmutzer“ wie Werwolf Remus Lupin oder Ex-Auror und Paranoiker Allastor Mad-Eye Moody.

3. Autonomie der Schule

Der Chef der Lehrperson ist der Leiter der Schule – und der Chef der Schule wiederum ist kein Regierungsbeamter, der nur für die nächste Wahl arbeitet. Keine Parteipolitik, keine Einflussnahme von Ministerien und keine zentralistischen Verordnungen nach dem Motto „Wir machen das jetzt, weil die PISA-Studie schlecht war, auch wenn wir nicht wissen, ob es was bringt. Aber es sieht gut aus!“, sondern Autonomie der Schule, das ist das Geheimrezept von Hogwarts.
Es sind die Lehrer, die entscheiden, was unterrichtet wird und wie und sie sind nur ihrem Schulleiter verpflichtet und kein Spielball und Prügelknabe des Ministeriums.
Dies zeigt sich in der Harry-Potter-Serie öfters, z.B. als der Schulberat unter Führung von Lucius Malfoy versucht, Dumbledore von seinem Posten zu entfernen oder als das Ministerium in Gestalt von Dolores Umbridge eine Verodnung nach der anderen erlässt – und damit nicht mal bis zum Ende des Schuljahres von Lehrern und Schülern geduldet, sondern „per Zentaur“ entfernt wird.

Fazit

Ein großartiges Fazit zu ziehen gibt es wohl nicht – wer in seiner Fantasywelt eine funktionierende Schule will, sollte sich um des Lehrers Wohlbefinden kümmern, denn mit ihm steht und fällt ein jeder Unterricht, Ministerumserlass und Dienstrecht hin oder her.
Ganz klar ist jedoch, dass vor allem Einsparungen im Bildungssektor nicht wirklich zu Erfolgen führen, aber das ist erneut ein anderes Thema (wobei ein Severus Snape sich sicher nicht über einen schlechten Zahltag beschweren wird, wie man annehmen darf – der Lehrberuf ist schließlich recht angesehen in Harry Potters Welt).
Obiger Beitrag mag zudem politisch gelesen werden – hier bleibt dem Autor nur zu sagen: Ja, verdammt, das ist Absicht!

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Über fruehstuecksflocke

Tätig als Studiosus, Autor, Blogger, Leser; außerdem Zusatzqualifikationen: Zitatesammler, Schwammaufsauger von jeglicher Nichtigkeit und leidenschaftlicher Verlierer beim Schachspiel.
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9 Antworten zu Fallstudie: Das Lehrerdasein bei Harry Potter

  1. Julia schreibt:

    Großartig! Ich sollte wirklich wieder einmal Harry Potter lesen, aber irgendwie liegen da immer noch so viele andere und noch ungelesene Bücher herum…

  2. Evanesca Feuerblut schreibt:

    Ich habe, wie bereits auf Facebook erwähnt, mal ein Referat darüber gehalten. Leider scheint das in keiner Weise auf meiner Festplatte überlebt zu haben.
    Aber soweit ich mich erinnern kann, reflektiert der Lehrer in Hogwarts unter anderem, wie ein Lehrer aus Sicht der britischen Gesellschaft zu sein hat und welche Arbeitsbedingungen dafür vonnöten wären. Rowling war ja selbst Lehrerin und weiß somit, wovon sie spricht :).
    Hogwarts ist also tatsächlich, das hast du wunderbar in der Fallstudie herausgestellt, ein Idealbild.

  3. Tony schreibt:

    Ein Knackpunkt ist bestimmt auch, dass die Lehrer aus Hogwarts wirklich Lehrer aus Leidenschaft sind. Jeder scheint seinen Job zu l(i)eben. Sogar bei Snape habe ich den Eindruck gehabt, auch wenn Zaubertränke nicht sein Fach #1 waren.

    Ein Schulreferat zu dem Thema ist natürlich auch spannend. Wie haben deine Lehrer das denn empfunden?

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