Fallstudie: Wahre Agenten – Zwei bärenstarke Typen

Wir alle kennen sie, wir alle lieben sie: James Bond und seine Kollegen. Sie sind allzeit bereit, verführen jede Frau, die bei drei nicht auf dem Baum ist, trinken ihre Drinks nur geschüttelt und nebenbei weisen sie das Böse in seine Schranken.

Aber was macht einen Geheimagenten eigentlich zu einem Geheimagenten? Im Laufe der Jahre haben sich alle Agenten, auch Mr. Bond persönlich (nicht zuletzt durch wechselnde Regisseure und Darsteller), gewandelt. Ein paar Dinge sind aber essentiell – und wo fänden wir die besser, als in einer Parodie? Der Film, der uns heute zeigt, was wahre Agenten ausmacht, heißt „Zwei bärenstarke Typen“ und stammt aus dem Jahre 1983.

Die Agenten

Wahre Geheimagenten lassen nichts auf sich sitzen – und dass die Protagonisten des Films, Doug O’Riordan (gespielt von Bud Spencer) und Rosco Frazer (Terence Hill), nicht sofort klein beigeben, wird schon zu Beginn klar. So wird Doug aus dem Gefängnis entlassen, weil ihn beim Fischen eine Yacht gestört hat – und Rosco wiederum gibt nicht eher Ruhe, als bis ein Verkehrsrowdy, der ihn als Fußgänger beinahe umgefahren hätte, seine gerechte Strafe erhält.

Dass Doug aus dem Gefängnis freigelassen wird und einen Neuanfang macht, passt auch gut zu einer weiteren Eigenart der Geheimagenten: Sie müssen ihre Vergangenheit hinter sich lassen, jedweder Freundschaft entsagen und nur mehr für die Pflicht am Vaterlande existieren. Dass Doug und Rosco in Folge einiger Verwechslungen ihren Tod vortäuschen müssen und dabei, wie es der Zufall will, die Identität zweier wirklicher Agenten – Mason und Steinberg – stehlen, passt hier wie die Faust aufs Auge. Gelegenheit macht eben Diebe.

Gelegenheiten nicht verstreichen zu lassen, ist auch eine wichtige Eigenschaft des wahren Agenten. So lässt Rosco nichts anbrennen, als er per Anhalter unterwegs ist und ein Mädel für ihn anhält – und als Doug an einem Geflügel wie Weihnachten vorbeikommt, lässt er es sich ordentlich schmecken.

Abseits der Schlemmerqualitäten haben Agenten aber auch andere: Nämlich alle. Dass Doug und Rosco Chemiker, Kampftaucher, Messerwerfer, Meister im Tarnen und Umgarnen und Experten in vielen anderen Bereichen sind, macht ihr Chef schon bei der ersten Besprechung klar – und obendrein, so ergänzen die beiden, sind sie auch noch Bauchredner und tadelloser Tellerwäscher.

Die Ausrüstung

Aber egal, wie viel ein Agent auch kann, er wäre nichts ohne seine Ausrüstung. Die ist auch bei Doug und Rosco vom Feinsten: Die CIA wartet etwa mit einem Schuhtelefon, einer Rolle Klopapier so reißfest wie ein Stahlseil und einem Mittel namens Eros+ auf, das die beiden Agenten für Frauen unwiderstehlich macht. Nicht fehlen darf natürlich auch der fahrbare Untersatz, bei dem selbst der Lack kugelfest ist und der Selbstzerstörungsmechanismus neben all den üblichen technischen Raffinessen nicht fehlen darf.

Die Bösen

Ein Agent wäre nichts ohne seine Feinde. Solche verstecken sich normalerweise hinter passenden Decknamen und so tut auch der Oberschurke aus „Zwei bärenstarke Typen“ es seinen Kollegen gleich, indem er sich K1 nennt, weil ihm der Klang so schön gefällt. Stilsicher hält er sich aber keine weiße Katze (die sind ja sowas von out), sondern einen lieben kleinen Hund.

Auch die üblichen Handlanger beschäftigt er, als da wären:

  • ein als Hotdogverkäufer getarnter Informant, der den Agenten der Gegenseite (getarnt als Eisverkäufer) im Auge behält
  • stahlharte, gnadenlose Killer in Schwarz, die auf den angsteinflößenden Decknamen „Kobra“ hören
  • Nicht fehlen dürfen natürlich die flinken, agilen Kung-Fu-Leiharbeiter aus China, die auch den letzten CIA-Agenten zu Hackfleisch verarbeiten
  • ein wunderschönes Geschöpf mit tiefem Ausschnitt, das den Agenten den Kopf verdreht, ihnen explosives Obst unterjubelt und ganz allgemein eigentlich selbst nicht will, was sie da tut, aber nun mal keine Wahl hat
  • ein ebenso wunderschönes, aber recht widerspenstiges und kratzbürstiges Geschöpf, das über Leichen geht und die starke Frau da beweist, wo die starken Männer versagen.
  • eine ganze Schar an Lakaien in passender Uniform, die hier die motivierende Aufschrift trägt „I love K1“

Wir müssen aber außerdem wohl nicht erwähnen, dass alle diese bösen Unholde nur nacheinander angreifen und immer brav warten, bis ihr Vorgänger von den Agenten erledigt wurde, und dass der Oberschurke K1 selbstverständlich saumäßig reich ist und vielerlei Spielzeuge sein Eigen nennt, wie etwa ein Atom-U-Boot, einen Kreuzer und einen fliegenden Fahrstuhl…

Wieso kann man daraus etwas lernen?

Parodien zeigen uns Klischees auf und vergegenwärtigen uns so, wie ein gewisses Genre konzipiert ist und mit welchen Erwartungen Leser und Zuseher an es herangehen. Wer einen Geheimagenten ins Rennen schickt, der keiner Frau den Kopf verdreht oder wer einen Bösewicht konzipiert, der seinen teuflischen Plan nicht erklärt, bricht dabei einige Konventionen – was nichts schlechtes ist, im Gegenteil. Aber nur, wer die Erwartungen des Publikums kennt, kann mit ihnen spielen und so das Genre weiterentwickeln.

Deshalb kann ein Film von 1983 nach wie vor lehrreich für uns sein.

Und nun seid ihr gefragt: Welche Klischees haben wir vergessen?

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Über fruehstuecksflocke

Tätig als Studiosus, Autor, Blogger, Leser; außerdem Zusatzqualifikationen: Zitatesammler, Schwammaufsauger von jeglicher Nichtigkeit und leidenschaftlicher Verlierer beim Schachspiel.
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2 Antworten zu Fallstudie: Wahre Agenten – Zwei bärenstarke Typen

  1. Julia schreibt:

    Mir fehlt der klassische schwarze Anzug bzw. der Smoking. Kaum ein Agent schlägt sich in khakifarbenem Survival-Outfit durch die Wildnis, der Herr wird ja meist direkt von einem offiziellen Anlass weggerufen, und die Frauenwelt sinkt dem Superagenten noch viel eher in die Arme, wenn er schick aussieht. Zudem bietet das oft noch die Gelegenheit, auch die entsprechenden Damen dekorativ in ein knappes Abendkleid mit großzügigem Ausschnitt zu stecken…

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