Weltenbauartikel: Darfs ein wenig Buch sein?

Welttag des Buches

Dieser Weltenbauartikel ist ein Teil der Blogparade zum Welttag des Buches, veranstaltet von Kevin und bereits hier angekündigt. Die vollständige Liste aller Teilnehmer findet ihr im Blogpost von Kevin. Diese wird im Laufe des Tages vervollständigt, es lohnt sich also, immer wieder vorbeizuschauen!

Wann immer in Fantasyromanen – und teilweise auch in Science-Fiction Bücher vorkommen, haben sie so gut wie immer ein- und dieselbe Gestalt. Nämlich die, die ein Standardbuch seit der Erfindung des Buchdrucks in der Regel zu haben pflegt, gebundene Blätter zwischen zwei Buchdeckeln. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, dass in anderen Welten genau dieselbe Art von Buchbindung wie auf der Erde erfunden wird und sich durchsetzt, gar nicht so groß.

Ein paar Ideen für Variationen soll dieser Weltenbauartikel liefern.

Es müssen nicht immer Buchdeckel sein – wie wäre es mit Rollen!

In der Antike waren Bücher wesentlich kürzer als heute – was als Buch bezeichnet werden konnte, hing davon ab, wie viel auf eine bestimmte Menge des beliebtesten Beschreibungsmaterials geschrieben werden konnte.

Lange war die Papyrusrolle maßstabgebend, die bis zu zehn Meter lang und 25 cm breit sein konnte. Eine vollbeschriebene Rolle – ein Buch. Natürlich musste auch eine antike Papyrusrolle um gut abgerollt werden zu können an etwas befestigt sein und wurde oftmals in einer – je nach Wohlstand des Besitzers – reich verzierten Hülle aufbewahrt. Um so ein Buch zu lesen, musste es in beiden Händen gehalten werden und nach dem Lesen sollte man es sorgfältig zusammenrollen.

Obwohl das Klischee besagt, dass Papyrus nur in der Antike und vor allem in Ägypten verwendet wurde, war es das beliebteste Schreibmaterial bei den Griechen und später auch bei den Römern. In manchen Regionen war die Papyrusrolle bis ins frühe Mittelalter hinein die häufigste Buchform.

Die Rolle Pergament, die man aus den Harry-Potter-Romanen kennt, war nie eine gebräuchliche Form für das Buch im literarischen Sinne, auch wenn noch bis tief ins Mittelalter hinein die Menschen Verwaltungsschriften auf Pergamentrollen schrieben.

Die antiken Papyri waren im Übrigen nicht ohne Weiteres lesbar – in der Regel wurden zwischen den Wörtern keine oder wenige Trennungszeichen gemacht, erst im Laufe der Zeit kamen Trennungszeichen zwischen Abschnitten oder Punkte zwischen Wörtern vermehrt auf.

Guter Ton ist wichtig

Auch wenn Tontafeln völlig dazu ungeeignet sind, längere Romantexte festzuhalten, wurden sie in der Vorantike neben dem Einsatz als Verwaltungsmedium häufig auch genutzt, um Dichtung festzuhalten.

Außerdem wurde die Geschichtsschreibung auf diesem Medium festgehalten.

Mit der zunehmenden Entwicklung der Schrift konnten immer komplexere Themen und längere Texte festgehalten werden, so auch beispielsweise das Gilgamesch-Epos und Debatten in Form von Kurzgeschichten.

Gebunden konnte diese Form des Buches allerdings nicht werden – Tontafeln, die zu einem längeren Werk gehörten, wurden gemeinsam in einen Korb oder etwas Ähnliches gelegt und mit einer zusätzlichen Tontafel versehen, die den „Titel“ trug.

Man sollte sich nicht auf die Palme bringen lassen

Auch wenn in Asien schon früh das Papier erfunden wurde, bedeutet das nicht, dass nur auf diesem auch geschrieben wurde. In Süd- und Südostasien schrieb man eher auf getrockneten Palmblättern. Anders als die recht großflächigen Papyri, waren die Palmblätter meist nur 15 cm lang und etwa 3,5 cm breit.

Auch wenn die Methode seit der Antike verbreitet war, existieren heute kaum noch alte Palmblattmanuskripte, denn diese sind anfällig für Umwelteinflüsse, sodass ein Text regelmäßig neu abgeschrieben werden muss, um erhalten zu bleiben. Dies wird zumindest in Bali nach wie vor praktiziert.

Sie werden auf einer Seite gelocht, auf eine Schnur gefädelt und zwischen Holztafeln oder in einer Holzschachtel aufbewahrt.

Die ältesten heute noch lesbaren Palmblattmanuskripte stammen aus dem fünfzehnten Jahrhundert, wobei die Texte selbst teilweise wesentlich älter sind.

Futuristisch und gegenwärtig – elektronische Literatur

Während das E-Book an sich heutzutage den Meisten vertraut sein dürfte – ob als PDF frei im Web, als txt.-Datei auf den Seiten von „Projekt Gutenberg“ oder auf einem der zahlreichen E-Bookportale von Amazon, Sony und diversen Buchhandlungen – kann man auch hier einige exotische Fakten aufstöbern.

Das erste E-Book wurde 1988 veröffentlicht, also lange vor Kindle und Co., blieb jedoch von der Öffentlichkeit weitestgehend unbeachtet, denn anfangs bedeutete E-Book nur, ein Buch auf dem eher unkomfortablen Computerbildschirm der späten 80er und frühen 90er lesen zu können.

CDs mit Lexika und Belletristik kamen im Laufe der Neunziger auf, aber das E-Book blieb lange Zeit Nischenware und konnte sich nur bei Fachliteratur durchsetzen.

Erst seit 2011 kann man wirklich behaupten, E-Books wären im deutschsprachigen Raum „angekommen“.

Fast noch interessanter als die Geschichte der E-Books an sich ist aber die Tatsache, wie sich Menschen diese schon in Zeiten vorgestellt hatten, als es zum Teil noch nicht einmal Personalcomputer mit Mausbedienung gab.

So taucht in manchen Science-Fiction-Romanen eine Mischung aus Buch und Hörbuch auf, bei der ein Laser das Buch abtastet und anschließend eine Computerstimme daraus vorliest. Solche Konzepte finden sich überwiegend in älteren Science-Fiction-Büchern, insbesondere aus den 50er Jahren.

Smartphones – und auch altmodischere Handys – sind übrigens nicht nur geeignet, um darauf E-Books zu lesen. In Japan boomt seit 2007 der Handyroman – eine Kurzgattung, bei der die einzelnen Kapitel in etwa drei bis vier Minuten gelesen werden können und deren Stil dafür optimiert ist, auf einem kleinen Handydisplay angezeigt zu werden. Einige der Handyromane sind interaktiv, sodass die Fans der Story teilweise Einfluss auf die Handlung ausüben können. Bei den meisten Autoren handelt es sich zumindest im japanischen Raum um junge Laienautoren, die auf diese Weise den Sprung in die literarische Welt versuchen. Tatsächlich erscheinen viele besonders erfolgreiche Handyromane später auch im Druck.

In Europa ist das Genre unterrepräsentiert.

Das uns bekannte Buch – älter und exotischer als man denkt!

Bücher in der Form, wie wir sie heute überwiegend verwenden, gibt es nicht erst seit der Erfindung des Buchdrucks – die sogenannten Kodexe, also ganz banal zwei Deckel als Einband und gefaltete Blätter dazwischen – kamen bereits in der Spätantike auf. Was das Aufbewahren von Literatur angeht, gab es sogar eine regelrechte Abschreibwelle, während der Rollen abgeschrieben und in klassischer Buchform neu archiviert wurden.

Allerdings gab es gelegentlich auch Formen des klassischen Buches, die im Detail von dem bekannten Buch abwichen. Schon im Mittelalter gab es Menschen, die ihre Bücher gern mit sich herumtrugen. Wussten sie, dass sie ein bestimmtes Buch besonders gern mitnehmen werden, ließen sie es sich als Beutelbuch anfertigen – und konnten den entsprechenden Beutel am Gürtel befestigt überall hin mitnehmen, um zu lesen.

Konventionelle Bücher können sich außerdem durch ihre Größe auszeichnen – Miniaturbücher haben eine Seitenfläche von höchstens einem Quadratzentimeter, sind dabei jedoch weiterhin lesbar und können bequem überall hin mitgenommen werden. Anders sieht das mit Büchern aus, die mit einer Länge von mehr als einem Meter – Rekord sind drei Meter – eigentlich ein eigenes Zimmer bräuchten, um aufgeschlagen und betrachtet zu werden.

Sogenannte „Farbbücher“ stellen in der Regel Richtlinien und Gesetzessammlungen dar, die vom Staat herausgegeben wurden. Sie haben in jedem Land eine andere Farbe, in Deutschland handelt es sich um Weißbücher, in Österreich sind die entsprechenden Bücher rot und die EU lässt ihre entsprechenden Texte grün binden. Vereinzelt wurden Bücher, die Missstände während der Zeit des Nationalsozialismus aufzeigten, braun gebunden und als Braunbücher bezeichnet.

Die Azteken pflegten ihre Bücher aus Tierhaut, Baumrinde oder einer Art Leinwand herzustellen und sie anschließend zu Büchlein zu falten.

Ausblick

Nichts liegt näher, als das Vorkommen von Büchern in… nun ja, Büchern – aber auch Filme und Videospiele widmen sich oftmals dem geschriebenen und gedruckten Wort. Besonders die schön geschriebenen und spannenden Kurzbücher in den Elder-Scrolls-Spielen (ab Morrowind) laden dazu ein, die eine oder andere Spielstunde nur damit zu verbringen, von Bücherregal zu Bücherregal zu laufen und in die Mythologie oder in die Biografien diverser Kaiser, Götter und Helden einzutauchen.

Bis auf wenige Ausnahmen geschieht dies meist jedoch immer auf die gleiche Art und nicht immer historisch korrekt, besonders wenn in einer auf dem Mittelalter basierenden Welt plötzlich die Kuhmagd mit einem Zauberbüchlein im Mieder türmen kann.

Dieser Beitrag soll daher einen Ausblick darauf geben, welche Bucharten es in der Geschichte gegeben hat und welche Möglichkeiten die moderne Elektronik bereitstellt, ein Buch in die Geschichte einzubringen.

Auf dass unser aller Lieblingsmedium variantenreich in den eigenen Texten vertreten sei.

Welche exotischen Bücherarten sind euch schon begegnet? Was haltet ihr von kuriosen Büchern, die heutzutage gedruckt werden?

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Über Evanesca Feuerblut

Lektorin, Alphaleserin, Forumsadministratorin, Entdeckerin, Trilogie-in-X-Bänden-Autorin, Chara-Dichterin, Neologistin, Polyglotin... und ein Fan kurioser Worte.
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7 Antworten zu Weltenbauartikel: Darfs ein wenig Buch sein?

  1. zeitzeugin schreibt:

    Cooles Thema! Habe mir och nie wirklich Gedanken darüber gemaht…
    Muss ich mal machen. Warum überhaupt immer nur die viereckige Form? Battlestar Galactica hatte zB auch andere Ecken, waren sozusagen achteckige Seiten, was auch eine sehr nette Idee ist.
    Ich glaube, wir – als Autoren, Weltenbastler – denken da oft nicht über den eigenen Tellerrand hinaus und bleiben in unserer bekannten Form, weil es einfacher und „richtig“ erscheint! Obwohl es kein richtig, sondern nur ein „gewohnt“ gibt.

    • Evanesca Feuerblut schreibt:

      Achteckige Seiten? Cool :D, das kannte ich jetzt auch nicht.
      Der letzte Satz ist goldrichtig – man muss aus seiner Komfortzone raus und etwas wagen, selbst bei universellen Dingen wie Büchern.

  2. Julia schreibt:

    Spannend, dass Bücher in Büchern auch ander aussehen könnten, habe ich mir noch nie überlegt…

    • Evanesca Feuerblut schreibt:

      Das ist eigentlich das schönste Kompliment, das ich mir für einen meiner Weltenbauartikel wünschen könnte – auf etwas aufmerksam gemacht zu haben, worüber jemand noch nie nachgedacht hat :D. Danke!

  3. Carmilla DeWinter schreibt:

    Aufschlussreiche Zusammenfassung, dankeschön.
    Wobei ich bezweifle, dass Harry Potter auf echtem Pergament schreibt, weil das Haut ist, und daher in der Länge noch stärker begrenzt als Papyrusrollen. Außerdem: die ganzen toten Viecher. Jedenfalls werden Hermines Hausaufgaben selten auf eine Kuhhaut passen …

    • Evanesca Feuerblut schreibt:

      Ich gebe ehrlich zu, dass Rowling da wohl eher auf künstlerische Freiheit und historizierende Elemente gesetzt hat als auf Realität.
      Wobei man vermutlich auch längere Pergamentrollen durch irgendwelche Techniken hinbekommen könnte, wer weiß!

  4. Pingback: Ankündigung: Welttag des Buches – Daydreamer-Kev

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