Miniweltenbauartikel: Der Name der Assassinen

Bestimmte Figuren finden sich besonders in High-Fantasy-Romanen, aber auch in anderen Genres immer wieder. So gibt es kaum einen klassischen Questroman, der ohne den naiven Helden, den greisen Mentor und – zunehmend beliebter – einem cleveren Dieb auskommt. Aber auch die zunehmend beliebter werdenden Antihelden haben mittlerweile eigene Archetypen gebildet. Zunehmend populärer wird dabei unter anderem der titelgebende Auftragsmörder oder Assassine.

Doch was bedeutet „Assassine“ eigentlich?

Die Bedeutung des Wortes ist der eigentliche Grund für diesen Artikel, denn viele (Fantasy)-Autoren nennen ihre Auftragsmörder so, ohne darüber nachzudenken. Das Wort bedeutet nämlich aus dem Arabischen übersetzt „Haschischesser“ – ursprünglich nur eine abwertende Bezeichnung für eine besonders mystische Untergruppe innerhalb des Sufismus, weitete sich der Begriff mit der Zeit auf alle aus, die von ihren Mitmenschen verdächtigt wurden, unter Drogen zu stehen.
Eine andere Herleitung geht davon aus, dass einer für ihre politischen Morde bekannten Gruppe regelmäßiger Drogengenuss nach Erledigung des Auftrags zugeschrieben wurde und daraus die Bezeichnung „Assassine“ für „Meuchelmörder“ entstand.
Tatsächlich existiert unter anderem im Englischen das Verb „to assassinate“ um jemanden zu ermorden. Auch in anderen europäischen Sprachen gibt es Ableitungen des Wortes, die Ähnliches bedeuten.

Warum ist das wichtig zu wissen?

Ganz einfach – es spricht nichts dagegen, eine wie auch immer geartete Meuchelmördergilde oder generell Meuchelmörder in einer Geschichte zu haben. Organisiertes Verbrechen, sorgfältig ausgebildete Auftragsmörder und ähnliche Institutionen können perfekt in eine Welt passen, in der die Mächtigen im Verborgenen die Fäden ziehen.
Das Problem ist eher ein sprachliches: Man kann eine Auftragsmördergruppe in einer beliebigen selbsterfundenen Welt nicht einfach Assassinengilde nennen und die entsprechenden Mörder Assassinen. Es sei denn, in der selbstausgedachten Welt gibt es Haschisch ;-).

Aber es gibt doch dieses Computerspiel…

Das Computerspiel wurde im englischsprachigen Raum entwickelt, wo „assassin“ einfach ein Meuchelmörder ist. Das betreffende Computerspiel heißt also im Prinzip „Die Überzeugung der Meuchelmöder“ (oder des Meuchelmörders, das ist im Englischen unklar), nicht „Die Überzeugung des/der Assassinen“, wobei man „creed“ natürlich ebenfalls verschieden übersetzen könnte.

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Über Evanesca Feuerblut

Lektorin, Alphaleserin, Forumsadministratorin, Entdeckerin, Trilogie-in-X-Bänden-Autorin, Chara-Dichterin, Neologistin, Polyglotin... und ein Fan kurioser Worte.
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8 Antworten zu Miniweltenbauartikel: Der Name der Assassinen

  1. fruehstuecksflocke schreibt:

    Wobei Assassin’s Creed tatsächlich diese Assassinen aus dem arabischen Raum aufgreift und weiterentwickelt. Da passt der Name sogar sehr gut.

    • Evanesca Feuerblut schreibt:

      Klar, aber die Hauptcharaktäre selbst, also die jeweiligen Assassinen, sind dann immer Europäer und alles andere als berauscht :P. Sonst würden sie kaum die Kletterpartien überstehen…

      • fruehstuecksflocke schreibt:

        Sie sind Europäer, aber sie gehören immer noch zur Gilde der Assassinen.
        Und da 1000 Jahre zwischen der ursprünglichen Gilde und der Zeit, als der Begriff aufkam, und diesen unberauschten Europäern liegen, wird der Name wohl einfach auf sie übergegangen sein. Die Gilde hätte demnach wohl den Namen, den ihr der Volksmund gegeben hat, einfach offiziell irgendwie übernommen.
        Das passt doch?

      • Evanesca Feuerblut schreibt:

        Klar passt das. Ich habe ja explizit darauf hingewiesen, dass die im Spiel das dürfen – selbst wenn sie nicht die Gilde übernommen hätten, dürften sie immer noch aus rein sprachlichen Gründen :).

  2. Hekabe schreibt:

    Schöner Post, hab den gerade zufällig beim Prokrastinieren entdeckt^^
    Vor allem der gedankliche Ansatz gefällt mir, gerade weil im Fantasy oft Begriffe etc. einfach so übernommen werden, ohne die zu hinterfragen, wodurch dann Logikfehler entstehen können. Klar, das Wort „Assassine“ hat inzwischen eine neue Bedeutung bekommen wie viele andere Wörter auch (z.B. der Ursprung für „Autor“ ist ja auch „auctor“, was auf Latein nicht nur allgemein ein Urheber, sondern auch ein Anstifter sein kann, u.a.), aber der Ansatz, einmal auf die ursprüngliche Bedeutung zurück zu greifen, gefällt mir :)
    lg
    Hekabe

    • Evanesca Feuerblut schreibt:

      Das klingt nach einem produktiven Prokrastinieren :D
      Genau das ist der Punkt – Begriffe werden einfach übernommen und ohne nachzudenken verwendet.
      Das Problem ist, dass „assassin“ inzwischen im Englischen gleichwertig mit „murderer“ verwendet wird (beziehngsweise gerade im Sinne von „heimtückischer Mörder“, „Auftragsmörder“ sogar häufiger auftritt). Wodurch sich für Übersetzungen aus dem Englischen das Wort natürlich auch in Köpfe deutschsprachiger Fantasyleser wandert.
      So ein Problem (des Nicht-Hinterfragens von Konzepten) hat ja immer mehrere Ursachen und ich finde es unfassbar spannend, da zu graben :).
      Stimmt, der „auctor“ schrieb nicht nur Bücher :D
      Ich denke, wenn auch nur ein Schreiber nach der Lektüre einmal mehr reflektiert, bevor die eigenen Mördergilden so genannt werden, bringt das bereits sehr viel :)

      LG,
      Evanesca

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