Weltenbauartikel: Warum ist ein Material eigentlich wertvoll?

Egal ob wir die tatsächliche Geschichte der Menschheit betrachten oder in Fantasywelten eintauchen – es gibt immer wieder Materialien, die als wertvoll eingestuft werden. Doch wieso ist es eigentlich (fast) immer Gold und was macht Diamanten abgesehen von ihrer Schönheit so wertvoll?
Ein kleiner Ausflug ins Wissenschaftliche, Chemische und Physikalische beim Weltenbau.

Wertvoll, weil selten

Der häufigste Grund, aus dem ein Material spontan als wertvoll und teuer eingestuft wird, ist seine Seltenheit. Es gibt nicht sehr viel davon und gemäß den Regeln von Angebot und Nachfrage steigt der Preis von seltenen Dingen fast von selbst.
Besonders zu Beginn der Menschheitsentwicklung konnten manche Materialien wie z.B. Gold nur in guter Qualität gewonnen werden, wenn man sie zufällig vom Boden aufsammeln oder im Tagebau abbauen konnte. Falls man in der Lage war, kompliziertere Techniken und Minenbau anzuwenden, verteuerte sich durch die Investition in Material, Bau und Arbeitskräfte das ohnehin knappe Material zusätzlich.
Dieses System wird in vielen Computerspielen genutzt – bei „Eve Online“ ist das grüne Zydrine besonders wertvoll, weil es sehr selten ist und die Rote Materie in „Star Trek“ wird aus dem sehr seltenen Mineral Dekalithium gewonnen – entsprechend teuer fällt alles aus, was damit zusammenhängt.
Aber auch auf der Erde gibt es sehr seltene Materialien – Rubine kommen in der Natur praktisch nicht mehr vor, Platin wird nur noch selten in seiner metallischen Form abgebaut und muss aus anderen Mineralien gewonnen werden. Berryllium ist so selten und so teuer, dafür aber so schwer zu nutzen, dass es kaum gewinnbringend genutzt werden kann. Darum findet es fast nur im wissenschaftlichen oder waffentechnischen Kontext Verwendung.
Auch Neon ist auf der Erde sehr selten und eine kommerzielle Ausbeutung teuer, da es schwer ist, es in nennenswerten Mengen zu gewinnen. Es wird überwiegend für Leuchtstoffröhren und Laser verwendet.
Selten zu sein reicht allerdings nicht aus – Obsidian, ein wichtiges Material während der Jungsteinzeit, verlor spätestens in der Bronzezeit an Bedeutung und wird heute nur noch als Schmuckstein und in der Schönheitschirurgie verwendet. Wirtschaftlich ist das Material inzwischen unbedeudent.
Selten kann auch bedeuten, dass es nicht oder kaum rein vorliegt und somit erst technisch gewonnen werden muss, um verwendet zu werden. Das gilt für das sehr nützliche und an sich relativ häufige, aber wegen der aufwendigen Gewinnung teure Titan. In einer Fantasywelt wird es daher vermutlich keine Rolle spielen – könnte aber in einer Science-Fiction-Welt durchaus das wertvollste Material darstellen.
Ähnlich gibt es sehr viele Elemente wie Gallium, Krypton, Yttrium etc., die aufgrund ihrer Seltenheit, schweren Ausbeutung und ihres entsprechend hohen Preises wirtschaftlich fast irrelevant sind. Sie werden meist nur in hochspezifischen Nischen verwendet, oftmals in der Wissenschaft, der Kern- oder der Waffentechnik.

Wertvoll, weil hübsch

Einige Dinge sind wertvoll, weil sie hübsch sind. Noch ehe bei vielen Völkern die Erkenntnis aufkam, dass Gold selten ist, stellten sie fest, dass Gold hübsch glänzt. Auch Edelsteine, Perlen und andere Materialien werden oft in erster Linie geschätzt und geliebt, weil man sie gut zu Schmuck verarbeiten kann – auch wenn sie abgesehen davon teilweise völlig nutzlos und nicht mal zwingend selten sind.
Nur etwas mehr als ein Zehntel des auf der Erde gewonnenen Goldes wird industriell oder als Geldanlage verwendet – der Rest als Schmuck, obwohl Gold sehr viele faszinierende chemische und physikalische Eigenschaften hat, die es zusätzlich nützlich machen würden. Der Hauptwert liegt jedoch darin, dass es hübsch ist und zudem leicht bearbeitet werden kann – reines Gold ist sehr weich.
Diamanten gelten erst seit dem sechzehnten Jahrhundert nach diesem Gesichtspunkt als wertvoll – nämlich seit sie geschliffen werden. Seitdem gelten besonders große und dabei schöne Diamanten als besonders wertvoll.

Wertvoll, weil nützlich

Platin ist weitaus wertvoller als Gold, dabei aber vergleichsweise häufig. Seinen hohen Wert erhält es unter anderem, weil es sehr vielfältig einsetzbar ist – sei es als Zahlungsmittel in Form von Platinmünzen und als Geldanlage oder Schmuck, bei der Herstellung von Glas oder in der Wissenschaft.
Gold selbst ist allerdings auch nicht ohne – es ist ein wertvoller Rohstoff in der Elektronikindustrie, was für Steampunkwelten mit beginnender Stromgewinnung reizvoll sein könnte.
Diamanten waren schon im alten Rom bekannt – und dienten überwiegend als Werkzeugsmaterial. Die Verwendung als Schmuck und somit die Zuordnung zur Kategorie „wertvoll, weil hübsch“ kam erst in den letzten 200 Jahren auf. Da Diamanten inzwischen künstlich hergestellt werden können, fallen sie auf der Erde nicht mehr in die Kategorie „wertvoll, weil selten“ rein – dies kann in einer selbsterfundenen Welt jedoch anders aussehen.

Und wenn all das zusammenspielt…

… dann steigen die Preise ins Astronomische. Gerade Gold ist dafür ein sehr gutes Beispiel – es sieht nicht nur hübsch aus und ist vergleichsweise selten, es hat auch noch viele nützliche und faszinierende Eigenschaften, die es zu einem faszinierenden und begehrten Metall machen. Sei es, dass man es mit Hilfe von Legierungen fast beliebig einfärben kann, sei es, dass man es unter Zugabe anderer Metalle zu einem Material mit den verschiedensten Eigenschaften machen kann – Gold ist ein Allround-Talent.
Ähnliches gilt für Platin, dessen Verwendungszwecke nahezu genauso vielfältig sind.

Was sagt uns das?

Es muss nicht immer Gold sein – je nach erfundener Welt und je nach Anzahl und Zusammensetzung der Metalle in dieser Welt kann durchaus auch ein anderes Material seinen Platz einnehmen. Man könnte sich durchaus eine Raumfahrernation vorstellen, deren Währungssystem auf Titan aufbaut – oder auf einem extrem seltenen selbsterfundenen Metall.
Was auch immer sich jedoch letztendlich als wertvoll durchsetzt, muss nicht nur selten, sondern vor allem nützlich sein. Und idealerweise auch noch hübsch aussehen.

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Über Evanesca Feuerblut

Lektorin, Alphaleserin, Forumsadministratorin, Entdeckerin, Trilogie-in-X-Bänden-Autorin, Chara-Dichterin, Neologistin, Polyglotin... und ein Fan kurioser Worte.
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5 Antworten zu Weltenbauartikel: Warum ist ein Material eigentlich wertvoll?

  1. Carmilla DeWinter schreibt:

    Interessante Zusammenfassung, danke.
    Da kommt mir doch glatt das Zeug in den Sinn, das in „Avatar“ auf Pandora abgebaut wird, und „Transformium“, um dessen Gewinnung sie sich im neuen Transformers-Streifen kloppen.
    Glas hat auch einen erstaunlichen relativen Wertverlust durchgemacht. Erst buntes Schmuckmaterial, später sündhaft teure Fassadenverschönerung, und mittlerweile nicht mehr wegzudenken.

    • Evanesca Feuerblut schreibt:

      Stimmt – über erfundene seltene Substanzen könnte man eine ganze Fallstudienserie schreiben, vielleicht mache ich mich in der Hinsicht irgendwann an die Arbeit (die ganzen naturwissenschaftlichen Science-Fiction-Sachen mag ich recht gern).
      Was Glas angeht, hast du auf jeden Fall Recht – es gab Zeiten, da war Fensterglas fast unbezahlbar, die Meisten hingen sich eine Schweinsblase ins Fenster…

  2. Pingback: Doppelter Liebster-Award? Doppelte Antworten! | Weltenschmiede

  3. Niemand schreibt:

    Ein sehr interessanter Artikel. Auch wenn dieser Kommentar etwas spät kommt möchte ich auf einen kleinen Denkfehler hinweisen. Im Absatz wertvoll weil nützlich steht, Platin erhalte seinen Wert dadurch, dass es viele Möglichkeiten gibt es zu nutzen. Als Beispiele werden unter anderem die Nutzung als Zahlungsmittel und Geldanlage genannt. Diese beiden Nutzungen sind jedoch nicht der Grund dafür das Platin wertvoll ist. Denn nur weil Platin wertvoll ist, ist es als Zahlungsmittel oder Geldanlage geeignet.

    • Evanesca Feuerblut schreibt:

      Besser spät als nie :). Hier werden nach wie vor alle Kommentare gelesen und beantwortet, auch wenn wir derzeit keine neuen Artikel veröffentlichen.
      Aber selbstverständlich hast du mit deiner Anmerkung Recht. Jetzt ist nur die Frage – direkt im Artikel editieren oder hoffen, dass sich interessierte Leser auch die Kommentare ansehen? Was meinst du? :)

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