Fallstudie: Gestaltenwandler I – Gestaltenwandler in der „Delia“-Trilogie von Mia Bernauer

Nicht immer sind es die mit den Millionenauflagen, von denen man sich inspirieren lassen muss. Im Gegenteil. Wann immer man als Leser das Gefühl hat, bei Büchern aus demselben Genre immer nur die gleichen vorgekauten Figurenkonstellationen und die immergleichen Fabelwesen vorzufinden, sollte man sich ein wenig bei Independent-Autoren, Kleinverlagen und Selfpublishern umsehen.
Und manchmal sollte man einfach beim Autorenkollegen vom Blog nebenan schauen, was so geschrieben wurde.
Gesagt, getan – und die „Delia“-Trilogie von Mia Bernauer entdeckt, die der Weltenschmiede die Einleitung einer Fallstudienserie wert ist. Sie entführt die Leser nämlich in die geheimnisvolle Welt der Halbwesen.

Optik

Die meisten Halbwesen sehen größtenteils wie Menschen aus, höchstens ihre Haut ist heller und ebenmäßiger. Außerdem hat jede Tierart ihre charakteristische Augenfarbe – alle Löwen sind grünäugig, alle Adler haben schwarze Haare und die Augen sämtlicher Jaguare sind beispielsweise saphirblau. Auch sonst sehen sich die meisten Vertreter der selben Tierart recht ähnlich.
Einzig die Reptilienhalbwesen unterscheiden sich teilweise deutlich von den Menschen – ihre Haut ist grünlich und ihre Pupillen sehen aus wie die von Schlangen oder Krokodilen.

Fähigkeiten

Selbstredend können sämtliche Halbwesen sich in ihre jeweilige Tierart verwandeln. Darüber hinaus besitzen sie jedoch eine ganze Reihe an Fähigkeiten.
Diese hängen von ihrer Tierart ab. So beherrscht jede Tierart ein anderes Element und kann damit die Umwelt beeinflussen oder kämpfen. Löwen beherrschen das Feuer, die Adler das Eis, Jaguare beispielsweise den Wind.
Darüber hinaus beherrschen manche Tierarten zusätzliche Fähigkeiten – Jaguare können sich telepathisch verständigen und Schlangen besitzen besondere Heilkräfte.
Jede Tierart kann mit Hilfe eines Bisses Einfluss auf einen Menschen erlangen, aber in der Regel ist dieser nicht verheilende und permanent blutende Biss für den Menschen so schädlich, dass kaum ein Mensch länger als zwei Wochen mit diesem Biss überlebt. Damit der Mensch nicht an den Folgen stirbt, muss das Halbwesen mit der Zunge über den Biss lecken.
Allgemein betrachtet sind die Sinne der Halbwesen jedoch auch in ihrer menschlichen Gestalt wesentlich schärfer als die eines Menschen. Sie können besser sehen und riechen. Auch hier sind die jeweiligen Fähigkeiten abhängig vom Wesen – keine Halbwesen sehen so scharf wie Adler. Dazu kommt, dass sie in der Lage sind, Menschen zu hypnotisieren und sie z.B. vergessen zu lassen, sie je getroffen zu haben. Halbwesen wirken auf Menschen von Natur aus charmanter als Menschen, sodass die Menschen sich zu ihnen hingezogen fühlen.
Außerdem sind Halbwesen stärker und schneller als Menschen. Sie spüren weniger Schmerz und benötigen nur wenig Schlaf.

Verwandlung

Normalerweise wird man als Halbwesen geboren – als normaler Mensch wird man nicht zum Halbwesen.
Die einzige Ausnahme bildet die Vorhergesehene – eine Frau aus einer bestimmten Familie mit bestimmten Fähigkeiten, die alle hundert Jahre geboren wird.
Nach einer gewissen Zeit der Einweisung muss sich die Vorhergesehene selbstständig dafür entscheiden, entweder in die für sie vorherbestimmte Tierart verwandeln zu lassen oder ein menschliches Leben zu führen. Bei der Wandlung erhält sie Energie von einem Halbwesen, die mit ihrer Energie als Vorhergesehene vermischt wird.
Die Wandlung dauert eine Weile und ist für die Vorhergesehene mindestens unangenehm, meistens sogar schmerzhaft. Sie sollte von Heilern betreut werden, damit die Vorhergesehene dabei nicht ums Leben kommt.

Vernichtung

Man kann ein Halbwesen nur dann töten, wenn man ihm vorher sein Element nimmt. Dazu sind nur besonders ausgebildete Halbwesen, sogenannte Teiler, in der Lage. Diese können ein Halbwesen von der eigenen Energie trennen und sie so zu sterblichen Wesen machen.
Danach können Halbwesen ganz normal getötet werden.
Ein Halbwesen kann allerdings durch die Macht anderer Elemente und natürlich durch Waffen verletzt werden.

Bedürfnisse

Gelegentlich kommt im Halbwesen das Tier an die Oberfläche – dann muss das Halbwesen seinem Jagdtrieb nachgehen und ohne von den Menschen gesehen zu werden, Tiere jagen und fressen. Wenn ein Halbwesen dieses Bedürfnis ignoriert, wird es gefährlich für die Menschen und könnte diese angreifen. Das jedoch würde den Geheimhaltungsregeln widersprechen und viel Ärger nach sich ziehen.
Halbwesen benötigen außerdem etwa drei Stunden Schlaf pro Nacht, wenn auch nicht mehr.

Herkunft

Man weiß nur, dass es die Halbwesen schon seit mindestens viertausend Jahre gibt, denn so alt ist ihr Buch, in dem die Vorhergesehenen und deren Betreuer verzeichnet sind.
Außerdem weiß man, dass die Halbwesen seit längerer Zeit nichts mehr mit den Menschen zu tun haben wollen. Leander macht Delia darauf aufmerksam, dass einige uralte Legenden auf Halbwesen zurückgeführt werden können.

Sonstiges

Die Halbwesen halten sich an strenge Regeln und Gesetze, um nicht aufzufallen, nachdem sie beschlossen haben, sich nicht mehr von den Menschen für deren Zwecke vereinnahmen zu lassen. Wenn ein Mensch von der Existenz der Halbwesen erfährt, muss er schnell und unauffällig getötet werden.
Wer als Halbwesen mutwillig Menschen tötet, riskiert eine Vorladung vor die Therion – ein Gremium aus alten und erfahrenen Halbwesen mit je einem Vertreter aus jeder Rasse. Dieses Gremium hält Gericht, kontrolliert die Beschlüsse und wacht über die Einhaltung der Gesetze. Ein jeder Therion-Vertreter kann je einen Teiler ausbilden.

Weltenbauerisches Fazit

Auch wenn die Halbwesen an manchen Stellen ein bisschen überstark daherkommen, merkt man irgendwann im Laufe der Trilogie, dass das seine Berechtigung hat – da werden von den Gegnern der Protagonisten so gewaltige Kräfte entfesselt, dass Delia und ihre Freunde unbedingt selbst ebenbürtige Kräfte benötigen, um eine Chance zu haben.
Ansonsten bot die Romanreihe jedoch eine wunderbar ausgearbeitete, in sich logische Welt, die ich sehr faszinierend fand. Egal ob es sich um eine eigene Stadt der Halbwesen, um Fallen oder – mein absoluter Favorit – eine ganze Eisfestung irgendwo im hohen Norden handelte – alles war unfassbar gut ausgearbeitet und originell gelöst.

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Über Evanesca Feuerblut

Lektorin, Alphaleserin, Forumsadministratorin, Entdeckerin, Trilogie-in-X-Bänden-Autorin, Chara-Dichterin, Neologistin, Polyglotin... und ein Fan kurioser Worte.
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3 Antworten zu Fallstudie: Gestaltenwandler I – Gestaltenwandler in der „Delia“-Trilogie von Mia Bernauer

  1. Jery Schober schreibt:

    Gibt’s eine Erklärung, warum die Vorhergesehene immer eine Frau ist?

    • Evanesca Feuerblut schreibt:

      Leider nicht, dass ich wüsste. Früher gab es einen Blog, der nur der Trilogie gewidmet war.
      Dieser ist jedoch mittlerweile gelöscht, sodass ich nicht weiß, ob Mia dies ursprünglich erklärt hatte.
      Aber ja, die Frage ist gut und sollte ich der Autorin einfach mal stellen :).

  2. Pingback: Mia Bernauer – Delia – Die Saphirblauen Augen (Delia #1) | FeuerFlocke

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