„(Meine)Gaming-(geschichte)“ – Wenn Weltenbau und Gameplay kollidieren

Guddy – den geneigten Weltengeflüster-Lesern auch als Zeitzeugin bekannt – hatte eine Idee: Wie wäre es, wenn man völlig unterschiedliche Leute fragt, was eigentlich für sie weitergebenswerte Erfahrungen beim Spielen sind? Und so machte sie eine kleine, aber feine Sammlung an Essays mit allerlei Bloggern aus der Welt des World Wide Web. Und wir dürfen dabei sein.
Klar, dass sich unser Beitrag natürlich in Richtung Weltenbau orientieren muss.
Wenn man Weltenbauer ist und sich semiprofessionell auf dem Blog damit beschäftigt, andere Welten zu analysieren, kann man irgendwann das analysierende Auge nicht mehr abschalten. Und dann fallen einem beim Spielen geliebter Klassiker all jene Stellen auf, bei denen man das Gefühl nicht loswird, dass hier weltenbauerisch durchaus was anderes getan werden sollte – es sich aber programmiertechnisch nicht ausgegangen ist. Denkt man diese Ersatzlösungen zu Ende, gibt das die kuriosesten Ergebnisse.

Pokémon – Generation 1 bis 3

Man könnte Einiges über das Konzept von „Pokémon“ an sich schreiben – dass man im Prinzip Tiere fängt, die aufeinander loslässt und wenn man mal darüber nachdenkt, das alles reichlich merkwürdig ist. Was genau essen die beispielsweise, wenn Fleisch auf dem Tisch steht? Kann man Pokémon melken? Was halten Chaneiras davon, dass Menschen deren Eier einfach essen?
Aber das sind Weltenbauaspekte, die nichts mit dem Gameplay an sich zu tun haben – da gibt es andere Merkwürdigkeiten.
So ist die Spielfigur (ab Pokémon Kristall männlich oder weiblich, davor rein männlich) ein kleines Kind, das auf Abenteuer geschickt wird und den Pokédex vervollständigen soll. So weit, so gut.
Aber es gibt in diesem Spiel eine etwas seltsame Art, mit anderen Figuren zu interagieren und an Items zu gelangen. So geht das zehnjährige Kind auf Verdacht einfach in sämtliche Häuser hinein, die in den Städten aufgestellt sind. Dort spricht das Kind anschließend sämtliche wildfremden Menschen an, die dort wohnen und auch sämtliche Pokémon. Von manchen Menschen bekommt es Geschenke oder wird aufgefordert, doch mal das Pokémon zu zeigen oder zu tauschen. Manchmal aber… sind Vasen oder Mülltonnen vorhanden.
Und was tut das itemwütige Kind?
Es schaut in sämtliche Vasen und durchsucht sämtliche Mülltonnen.
Das Prinzip ist natürlich von ähnlich gearteten Spielen bekannt – man zerbricht Kisten oder plündert Kästen, um die Items abzugreifen. Aber in der Regel durchsucht dabei kein zehnjähriger Bengel und keine zehnjährige Göre die Mülltonnen oder stülpt Blumenvasen um. Man stelle sich diesen Aspekt des Gameplay im Real Life vor! Wenn sich dann in der Mülltonne zufällig Tonscherben oder ein Beleber findet, wird das gute Stück dann angepustet und in die Tasche gesteckt.
Übrigens fragt sich auch niemand, wieso eigentlich dieses Kind einfach ins Haus reingekommen ist und mit allen sprechen möchte. Niemand fragt sich, was der Naseweis dort zu suchen hat. Alle gehen ganz selbstverständlich davon aus, dass ein Pokémontrainer das Recht hat, alle Leute anzuquatschen.
Außerdem ist es völlig normal, dass der Pokémontrainer einfach das Radio oder den Fernseher anmacht, wenn er in fremde Häuser geht und sich das Programm anhört oder anschaut. Ab der dritten Generation (Rubin, Saphir, Smaragd) geht es im Fernsehen auch noch auffällig oft um genau den Trainer, der gerade vor dem Fernseher steht. Ein nettes Gimmick, aber kurios ist es schon…

Assassin’s Creed Liberation

Auch hier gilt – an diesem Spiel wäre einiges seltsam. Sei es, dass die Steuerung geändert wurde, seien es die Sachen, die weltenbautechnisch schon bei den Vorgängern recht… ulkig waren. Wie beispielsweise das altbekannte Szenario „Du wirst verfolgt, es sind 20 Verfolger dir dicht auf den Fersen. Du springst in enen Heuhaufen. Niemand weiß, wo du hin bist und die Gegner zerstreuen sich.“
Dieses „Assassin’s Creed“ wartet mit einer weiblichen Assassinin und einigen Besonderheiten im Gameplay auf. So ist es für das Spiel oft von Bedeutung, ob die Protagonistin gerade wie eine feine Dame durch die Welt geht (in dem voluminösen Kleid mit Hut kann sie nicht klettern und nur eine kleine Auswahl an Waffen benutzen), sich im Dienstbotenkostüm unter die Sklaven mischt (dafür aber aufgrund mangelnder Rüstung keine sehr hohe Lebensanzeige hat) oder offen als Assassinin auftritt (was zwar die stärkste Version ist, aber dafür am Schnellsten an Bekanntheit zunimmt und somit eher verfolgt wird). Einige Storyelemente hängen direkt davon ab, dass die richtige Kleidung getragen wird.
Und natürlich ist es von Vorteil, die Kleidung schnell wechseln zu können. Dazu braucht man eine Umkleidekabine.
Umkleidekabinen erhält man in diesem Spiel, indem man die Geschäfte von vorher gemeuchelten Konkurrenten aufkauft (oder einfach leerstehende, schäbige Gebäude kauft). Durch Mausklick. Egal, ob man gerade eine feine Dame ist (der man zutraut, 500 Ecu bei sich zu tragen), eine Sklavin (die eigentlich gar kein Geld bei sich tragen dürfte) oder eine Assassinin (die immer ein wenig bekannt ist und mit einem Fuß im Grabe steht!). Wenn man sie kauft, stellt man automatisch ehemalige Sklaven ein und hat automatisch eine Umkleidekabine mit den selbstgekauften Klamotten. Die liegen einfach überall bereit.
Klar, kann man nicht anders lösen spieltechnisch. Aber kurios ist es dennoch!

Fazit

Spielen macht Spaß – und gerade die Pokémonreihe gehört beispielsweise zu meinen liebsten Spielereihen. Diese Erfahrungen sind also keineswegs negativ gemeint. Aber ich glaube, man kann viel Lustiges, Kurioses und weltenbautechnisch Schräges entdecken, wenn man mit offenen Augen und einer Prise Weltenbauwissen durch die Spielwelt geht und dabei auf Dinge achtet, die normalerweise einfach beim Spielen hingenommen werden.
Was sind eure liebsten Plotlücken um der Spielemechanik willen?

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Über Evanesca Feuerblut

Lektorin, Alphaleserin, Forumsadministratorin, Entdeckerin, Trilogie-in-X-Bänden-Autorin, Chara-Dichterin, Neologistin, Polyglotin... und ein Fan kurioser Worte.
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17 Antworten zu „(Meine)Gaming-(geschichte)“ – Wenn Weltenbau und Gameplay kollidieren

  1. Pingback: „Wir spielen“ – eine Essaysammlung | Zeitzeugin

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  3. Meisterperson schreibt:

    Ach, es gibt doch kaum ein Spiel, das keine solchen Logiklücken aufweist. Mein aktuelles, ganz profanes Beispiel: FIFA 2015.

    Irgendwer pfeift da Fouls und die Kommentatoren erwähnen sogar irgendwelche Linienrichter bei Abseits, aber da ist niemand. Kein einziger Schiri weit und breit.

    Der Kamerabeweis im Fußball ist zumindest bei den Videospielen also schon lange etabliert …

  4. Zeilenende schreibt:

    Ich bin nicht allein mit meinen Pokemon-Fragen, danke! Noch so eine Sache: Wofür haben die Schiffe, wenn sie doch ihre Pokemon zum Surfen benutzen können und das offenbar problemlos auch tagelang geht?

    • Evanesca Feuerblut schreibt:

      Das mit den Schiffen ist nicht mal so unlogisch – wenn du ganz streng nach dem Canon der Spiele gehst und den Anime dabei völlig ignorierst, sind gar nicht alle Menschen Pokémontrainer.
      Das heißt, es gibt zwar Leute, die Pokémon wie Haustiere halten, aber nicht mit ihnen durch das Land ziehen, um sie zu trainieren und mit ihnen Arenakämpfe auszutragen.
      Du kannst Surfer aber erst nach einer bestimmten Anzahl an Arenakämpfen (ich bin mir gerade nicht sicher, nach wie vielen) außerhalb des Kampfes verwenden. So lange bist du durchaus auf Schiffe angewiesen :).

      Wie gesagt, ich mag Pokemon – aber wenn man es zu Ende denkt, gibt es die schrägsten Diskrepanzen xD

  5. Pingback: Mein Spiel des Lebens – Wie ich anfing und nicht wieder aufhören konnte | Rollenspiel, LARP und Phantastik Webmagazin - Teilzeithelden.de

  6. Cifer schreibt:

    Mülltonnen sind das eine – dass da ständig einem zehnjährigen irgendwelche wildfremden Leute auflauern und ihm das Taschengeld abziehen wollen, wenn er nicht die resultierenden Tierkämpfe gewinnt, das andere…

  7. Curima schreibt:

    Ich glaube meine Lieblings-Absurdität war ja in Dragon Age Origins, wo mein Charakter beim Love Interest + 50 Freundschaft für ein kleines Geschenk bekam und dann gigantische +1 für die erste Liebesnacht *g*. (Okay, wenn man sich die Animation derselben ansah, wo beide Charaktere des Jugendschutzes wegen natürlich in Unterwäsche da rumruckelten, kann mans kaum noch verübeln :p)

    Der Assassin’s-Creed-Heuhaufen ist aber auch ein wirklich tolles Beispiel.

    • Evanesca Feuerblut schreibt:

      Egal wie schlecht animiert die Liebesnacht ist (und außerdem: besser schlecht animiert, als so zum Fremdschämen, wie bei Sims 2 ^^), es ist tatsächlich absurd, dass das nur einen Freundschaftspunkt gibt :D

      Vermutlich hat jedes Spiel so einen Punkt, einfach weil Spiele nun mal etwas Technisches sind und somit ihre Grenzen haben. Ich finde das in Ordnung, aber schmunzle immer sehr gern darüber :)

      • Curima schreibt:

        Fairerweise muss ich dazu sagen, dass es eine Version des Spiels war, wo es für jeden Companion bestimmte Geschenke gab, die die Freundschaft sehr hochtrieben, das war irgendso ein Bonuszusatzding, das in der Komplettversion dabei war, die ich gespielt habe. Normalerweise geben die keine + 50. (Aber schon so + 10 oder +15 und das ist dann immer noch absurd viel höher als das +1 ;) )

      • Evanesca Feuerblut schreibt:

        Jep – zwar nicht so extrem wie 50, aber dennoch vergleichweise viel.
        Erinnert mich gerade an ein Spiel, das meine kleine Schwester auf dem Nintendo 3DS immer spielt und das eine Mischung aus Kampfspiel und Dating-Simulator darstellt, weil man dort die Spielcharaktere miteinander verkuppeln kann ^^.

  8. Curima schreibt:

    Ich könnte an dieser Stelle jetzt noch die Geschichte erzählen, wie mich die nicht so tolle Animation der besagten Szene dazu motivierte, einen Nude Mod und einen Mod für verbesserte Liebesszenen zu installieren, das alles nicht so richtig funktionierte, zwischendrin das Spiel noch abstürzte und das alles damit endete, dass ich die besagte Szene 6 Mal in Folge spielte, bis es endlich alles so war, wie ich es wollte. Ja, vollkommen bescheuert. Aber es musste sein.
    (Und ich erzählte das mal auf einer Convention zwei etwas jüngeren Herren, die mich sehr verstört ansahen. Okay, nicht so verstört wie bei der Erwähnung des Mods, mit dem ich alle Kämpfe sofort siegreich beenden konnte, damit das olle Kämpfen nicht immer so lange dauert und endlich die Story weitergehen kann …)

    • Evanesca Feuerblut schreibt:

      ^^
      Also den Mod zum Beenden von Kämpfen hätte ich auch gemocht. Ich gehöre auch zur Fraktion „Kämpfe sind eine lästige Unterbrechung der Story“ – aber ja, das ist für Hardcore-Hack’n’Slayer wohl etwas komisch ^^.
      Und hey, alles ist legitim, was junge Menschen zum Programmieren und so bringt :D

      • Curima schreibt:

        Hehe. Na, programmieren kann man das nicht nennen, es gibt dafür ja diverse Mods, man muss sie nur runterladen und installieren (wobei das bei Dragon Age nicht sooo einfach ist und ich erstmal 2 unterschiedliche Manager installieren und verstehen musste – zum Glück gibts ja heute ein Youtube-Tutorial für alles.)

        Dann sind wir uns bei den Kämpfen ja einig ;) Wobei ich das auch nicht permanent benutzt habe, aber wenn dann im Dungeon die 78. Begegnung mit irgendwelchen unmotiviert von der Decke springenden Riesenspinnen kam, wars schon sehr praktisch.

      • Evanesca Feuerblut schreibt:

        Ne, permanent nicht, dafür macht es manchmal zu sehr Spaß, klug zu taktieren, wie man einen bestimmten Gegner nun am Besten angeht.
        Aber bei Drakensang I in diesem komischen Schloss mit den Orks würde ich auch gerne einen der lästigen Kämpfe überspringen. Die blöden Viecher killen mich immer, bevor ich craften kann!

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